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Donnerstag, 27.01.2000
27. Internationales Comic-Festival von Angoulême feierlich eröffnet - Verleihung der Prix Alph-Art 2000
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Die Stürme von Ende des Jahres 1999 hatten auch in der Gegend um Angoulême gewütet, die Bevölkerung gefährdet, Unmengen von Bäumen umgeworfen, Straßenschilder weggeknickt, Bauten beschädigt. Dennoch fand das 27. Internationale Comic-Festival ohne Einschränkungen und gut vorbereitet statt. Am 27. Januar wurde es mittags auf dem Place des Halles (d.i. der zentrale Markthallenplatz) in Angoulême offiziell eröffnet, nachdem bereits am Vortage die Ausstellungen dem Publikum zugänglich gemacht wurden und verschiedene kulturelle Veranstaltungen das Comic-Festival in Schwung brachten.
Obwohl jeder zweite Wegweiser weggeknickt war, trafen zur Preisverleihung am Donnerstag mehr Leute ein, als der Raum des Theaters fassen konnte, in dem die von der Grand Jury ausgewählten Preisträger des Alph-Art 2000 und eine Reihe weiterer Auszeichnungen präsentiert wurden.
Für diejenigen, die draußen bleiben mussten, war jedoch im Vorraum eine Leinwand aufgespannt, auf die man das Geschehen im Theaterinneren projizierte.
Festival-Gedränge
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Nach Ausklang eines Stücks Musik führte der Moderator im Gespräch mit einem lustigen Menschen, dessen Späße im Laufe des Abends zunehmend langweiliger gerieten, durch die Vergabezeremonie der Preise. Einen längeren passenden kulturellen Beitrag zum Abend - wie uns vom Comic-Salon in Erlangen bei Verleihung der Max-und-Moritz-Preise her gewohnt - oder ein anschließendes gemütliches Beisammensein gab es nicht. Für Letzteres ist das Angoulêmer Festival dann wohl auch um einiges zu groß, wie man schon daran ablesen mag, dass die Hotels im Umkreis von 50 km um Angoulême ausgebucht waren. 204.800 Besucher zählte man 1999, auf die Besucherzahl des Jahres 2000 kann man gespannt sein.
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Als bestes Album des Jahres wurde "Ibicus" Bd. 2 von Pascal Rabaté ausgezeichnet, das bei Vents d'Ouest herauskam. Vorlage der Erzählung ist ein Roman von Alexis Tolstoï. Das ist nicht der Krieg und Frieden-Tolstoï, sondern Alexej Nikolajewitsch (1882-1945) aus derselben russischen Adelsfamilie.
Pascal Rabaté, 39-jähriger Franzose aus Tours, fiel der Ibicus-Roman versehentlich in die Hände, er begeisterte sich nach anfänglicher Enttäuschung sehr für den Stoff und malte und zeichnete 1998 in der ihm eigenen gemischten Schwarzweiß-Technik (Vinyl auf Tusche) den ersten 136-seitigen, eindrucksvollen Band über den Buchhalter Siméon Nevzorof, dem eine Wahrsagerin Reichtum verhersagte, aber an ihm auch das Zeichen des Ibikus erkannte. Welche Bewandtnis es mit diesem Zeichen auf sich hat, blieb vorerst im Dunkeln.
Wer dabei gleich an Schillers Die Kraniche des Ibykus denkt (http://www.unix-ag.uni-kl.de/ ~conrad/lyrics/ibykus.html), liegt vielleicht nicht ganz falsch, denn auch dort wurde aus Habgier gemordet.
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Als weiterer Schlüssel zur Auslegung der Geschichte mag das Auftauchen einer Spielkarte dienen, die an die 13. Karte Der Tod eines Tarot-Spiels erinnert.
Noch in diesem Jahr soll der abschließende dritte Band dieser hervorragenden Literaturumsetzung folgen.
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| Den Prix Alph-Art 2000 für das beste Szenario bekam der vierte Band der Reihe "L'Ascension du Haut Mal" von David B., die von der Künstlervereinigung L'Association verlegt wird.
David B. beschreibt im preisgekrönten Band sein Verhältnis zum unter Epilepsie leidenden Bruder, gibt Einblick in seine Traumwelt und berichtet mit ironischem Unterton über die zahlreichen Versuche seiner Eltern, den Bruder zu heilen.
Trotz allen Gehalts dieses Schwarzweiß-Albums mag man sich fragen, ob diese Darlegung von Gedanken und Befindlichkeiten nun ausgerechnet für ihr Szenario einen Preis verdient hat, gerade wenn man es mit dem Preisträger des letzten Jahres ("La grande arnaque" von Trillo/Mandrafina) vergleicht, ein Album welches durch überraschende Wendungen einer spannenden Geschichte besticht.
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| Den Prix Alph-Art 2000 Coup de coeur gab es für den Titel "Le Réducteur de vitesse" aus der Reihe "Aire Libre" des Verlags Dupuis. Der Autor Christophe Blain pflegt einen beachtlich ungelenken und unschönen Zeichenstil. Dass seine Comics dennoch Publikum finden, liegt an der Atmosphäre, die er seinen Erzählungen zu geben vermag. Im vorliegenden Band irren drei Matrosen in einem enorm großen Schiffsbauch herum, nachdem ein sehr wichtiger Teil der Maschine ausfiel: der Geschwindigkeitsbegrenzer.
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Die weiteren Preisträger der Alph-Art 2000 sind:
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Bestes ausländisches Album "Passage en douce" von Helena Klacokar V (Fréon, www.freon.org)
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Humor "Blotch" von Blutch (Fluide Glacial, www.fluideglacial.com)
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Jugend 7-8 Jahre "Le Diable aux trois cheveux d'or" von Cécile Chicault (Delcourt, www.editions-delcourt.fr)
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Jugend 9-12 Jahre "Lanfeust de Troy" von Scotch Arleston und Didier Tarquin (Soleil)
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Publikum "Le Vent dans les saules" von Michel Plessix (Delcourt, www.editions-delcourt.fr)
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Schulcomic Sylvain Marc (16 Jahre) vom Lycée Paul-Valéry in Paris
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Fanzine Faille Temporelle
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Junge Talente Sylvain-Noizie Rondet
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Kommunikation No Suicide (Genf)
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Die Preisträger der übrigen in Angoulême 2000 verliehenen Preise sind:
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Prix René Goscinny "Monsieur Mardi-Gras Descendres" Bd. 1 'Bienvenue' von E. Liberge (Pointe Noire)
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Prix France-Info "Passage en douce" von Helena Klacokar V (Fréon, www.freon.org)
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Prix des Librairies Spécialisés BD (Preis des Comic-Buchhandels) "La Terre sans mal" von Emmanuel Lepage und Anne Sibran (Dupuis, www.dupuis-entertainment.com)
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Prix de l'École de l'Image "L'Ascension du Haut Mal" von David B. (L'Association)
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Prix de la critique (Kritikerpreis) "L'Art invisible: comprendre la bande dessinée" von Scott McCloud (Vertige Graphic)
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Prix du Jury oecuménique de la bande dessinée (Preis der ökumenischen Comic-Jury) "La Terre sans mal" von Emmanuel Lepage und Anne Sibran (Dupuis, www.dupuis-entertainment.com) Besondere Erwähnung: "Ethel et Ernest" von Briggs (Grasset)
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Prix de la BD chrétienne 2000 (Preis für den christlichen Comic) "La Bible, l'Ancien et le Nouveau Testament en Bande Dessinée" von M. Maddox und J. Anderson (Pré au clercs et la Ligue pour la Lecture de la Bible)
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