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Angoulême 2000

Freitag, 28.01.2000


Giraud/Moebius: Geniestriche - Wer hat Angst vor Robert Crumb? - Uderzo-Goscinny: Das (langweilige) Rezept des Zaubertranks

Ein Comic-Festival oder Comic-Salon ist mehr als eine Comic-Börse oder Comic-Messe. Nicht Verlage und Händler bestimmen Ablauf und Inhalt, sondern ein möglichst unabhängiger Ausrichter, der auch freie Blicke auf das Ganze und auf Hervorragendes zu öffnen vermag. Ausdruck dessen sind unter anderem Ausstellungen, die Niveau, Anspruch und Vielschichtigkeit des Werks eines Künstlers losgelöst vom Alltagsgeschäft vor Augen führen.

Das Festivalprogramm von Angoulême 2000 wies auf zehn Ausstellungen hin, unter denen die Giraud/Moebius-Ausstellung im Comic-Zentrum CNBDI deutlich am meisten faszinierte. Vor dem Eingang bildeten sich lange Schlangen von Besuchern, die nur schubweise eingelassen wurden, damit man die in zwei Etagen auf 1000 m² Fläche untergebrachten Bilder und Installationen in der nötigen Ruhe besichtigen konnte.

Trait de génie - Giraud/Moebius Geniale Züge - Giraud/Moebius
Thierry Smolderen hat es als Verantwortlicher für das Konzept der Ausstellung geschafft, mehr als nur einen Parcour zu schaffen, der den Besucher von Zeichnung zu Zeichnung führt. Schon im ersten Raum wird man von einer typischen weiten Moebius-Landschaft empfangen, in derem Horizont eine bekannte Figur auf spinnendürren Beinen im Sand steckt. Der Raum ist durch die Konstruktion des Reliefs handwerklich geschickt in eine (größere) obere Moebius- und eine (kleinere) untere Giraud-Hälfte geteilt und so selbst Symbol für das Werk des Künstlers.
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Auch die folgenden 14 "Pole" der Ausstellung, wie das CNBDI sie nennt, sparen nicht mit Anspielungen und geben rund um die etwa 350 Exponate Raum für Entdeckungen. Damit macht sich das CNBDI zu seinem zehnjährigen Bestehen, welches in diesen Tagen gefeiert wird, selbst das feinste Geschenk.
giraudland.jpg - 24537 Bytes Unterirdisches Western-Ambiente schwarzlicht.jpg - 21517 Bytes Schwarzlichterner Panel-Gang
Die Giraud/Moebius-Ausstellung "Trait de Génie" zeigt auch Ausschnitte von Arbeiten für Kino, Werbung und den Freizeitpark Metreon in San Francisco. Am Schluss des Rundgangs hängen in einem kreisförmigen Raum alle 46 Originalseiten des neuesten "Blueberry"-Albums 'Géronimo l'apache', womit man nach dem Streifzug durch Girauds 40-jähriges Schaffen wieder in der Jetztzeit anlangt.

Die Ausstellung wird noch bis zum 3. September 2000 im CNBDI gezeigt.

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Esoterisch: Himmlische und irdische Pyramide begegnen sich am Bergkristall

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Abenteuerlich: Blueberry begegnet Indianern am Berg


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Nur im Fernseher ständig anwesend:
Robert Crumb in der Ausstellung Wer hat Angst vor Robert Crumb?

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Zeichnung aus Crumbs neuer Heimat

Robert Crumb war zum Präsidenten des 27. Internationalen Comic-Festivals Angoulême 2000 gewählt worden, womit man dem öffentlichkeitsscheuen Crumb nicht gerade eine Rolle angedient hatte, die er in Gänze ausfüllen könnte und wollte. Ein Journalist der Zeitung La Libération brachte das in der Ausgabe vom 27.1.00 auf den Punkt, indem er die Präsidentschaft für Crumb als 'contre-emploi' bezeichnete, als Gegen-Verwendung.

Aber mit einer Ausstellung im Obergeschoss des Theaters der Stadt war Robert Crumb dann dennoch ständig dabei, in der ihm angemessenen Form, durch gut ausgewählte Bilder seines alten und neuen Schaffens und durch ein kurzes Video, welches ununterbrochen abgespielt wurde. Der jetzt in einem Dorf in den Cevennen lebende Künstler erntete unter den Besuchern der Ausstellung insbesondere dadurch manches Schmunzeln, dass unter seinen neuen Werken eine Seite zu seinen Vorstellungen von "Bécassine" hing, ein in Frankreich seit 1905 wohlbekanntes Dienstmädchen aus einer langen Folge an Bildergeschichten.

Robert Crumb ist auch als Sammler alter Schallplatten und als Spieler von Mandoline und Banjo bei den "Primitifs du Futur" bekannt. Als solcher betrat er gestern Abend mit dieser Band und Marcel Azzola doch noch die Bühnenbretter Angoulêmes, die er ansonsten bei jedem Festakt mied. Die lokale Tagespresse vermeldete folglich bedauernd, er sei nur hinter den Kulissen hervorgekommen, um "ein bisschen Banjo" zu spielen.

Würde man ihn kennen, hätte man ihn dafür vermutlich gelobt.


Deutlich weniger aufwendig gemacht - aber dennoch sehr interessant - zeigte sich die Ausstellung zum 30-jährigen Jubiläum der verlegerischen Arbeit von Jacques Glénat, der seit 1969 immerhin 3000 Comic-Alben in 140 Serien auf den Weg brachte.

In der Glénat-Ausstellung konzentrierte man sich auf die Alben-Cover, zu denen etwa 200 Arbeiten gezeigt wurden, was seinen besonderen Reiz hat, da für das "Schaufenster" eines Comics andere Überlegungen angestellt werden als für die Zeichnungen im Inneren eines Bandes.

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Schöne Cover auf gespannten Tüchern


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Erstaunter Umpah-Pah: Er wird 42!

Albert Uderzo sei nicht mehr böse mit den Angoulêmer Festivalmachern, die ihn jahrelang bei Verleihung der Auszeichnungen übersahen, stellt die Charente Libre erleichtert fest. Er kam gestern als Träger des Millenium-Preises für einen Tag nach Angoulême, füllte das Forum E. Leclerc anlässlich einer Diskussionsrunde um das Geheimnis des Zaubertranks, traf die Kulturministerin Trautmann und wurde am Abend mit einer standing-ovation gefeiert.

Uderzo zu Ehren wurde im Hof des Rathauses eine Ausstellung eröffnet, die unter dem Titel "Das Rezept des Zaubertranks" eine Rückschau auf 60 Jahre Uderzo gab. Doch war für die alten Fans unter den Exponaten nichts Neues oder Originales zu entdecken, so dass die Erinnerung an dieses "Ereignis" schnell verblassen wird. Das Rezept war langweilig.


An weiteren Ausstellungen wurden gezeigt:

  • 1 h 59 In einer Stunde und 59 Minuten ist man von Frankreich aus per Flugzeug in Ex-Jugoslawien. Enki Bilal wählte diese Tatsache als Symbol für die Nähe, die wir in Westeuropa eigentlich zu dieser Region haben (sollten). 50 junge Zeichner aus Slowenien, Bosnien, Kroatien, Serbien und Mazedonien stellen ihre Arbeiten gemeinsam aus.
  • L'Association im Museum Die Künstlervereinigung L'Association, die aus Unzufriedenheit mit der damaligen Verlagslandschaft vor zehn Jahren einen Selbstverlag gründete, stellt sich im Comicmuseum des CNBDI vor. Zur Gruppe gehören David B., Lewis Trondheim, Killofer, Matt Konture, Jean-Christophe Menu, Mokeit und Stanislas. Aufsehen erregten sie in letzter Zeit unter anderem mit dem Projekt "Comic 2000", ein 2000 Seiten starkes Buch, zu dem 324 Zeichner aus aller Welt Comics ohne Worte beigesteuert haben.
  • Sprungbrett für junge Talente Für Zeichner und Autoren, die noch nichts haben veröffentlichen können, ist hier Gelegenheit, ihre Werke vorzustellen.
  • Quebec Als französische Sprachinsel in Nordamerika hat die Gegend um Quebec eine eigene Art Grafikerzählung hervorgebracht. Auch in der Verknüpfung von Comic mit neuen Technologien (Multimedia, Internet) hat die Delegation aus Quebec, Gäste des diesjährigen Comic-Festivals, einiges zu zeigen.
  • Auf den Spuren der Kindheit Die Schüler der École supérieure de l'Image (d.i. die Angoulêmer Kunstschule) bekamen die Aufgabe, Kindheit zu zeichnen, die Freude, alles glauben und bewundern zu können, die Neugier auf das, was es in der Welt zu entdecken gibt. Auch Schüler einer Kunstschule aus Hanoi (Vietnam) stellen hier aus.
  • Visionen eines neuen Jahrtausends Aus Belgien kam die Idee, in Angoulême etwas zum beginnenden dritten Jahrtausends vor Augen zu führen. 12 junge Künstler aus den französischsprachigen Teil Belgiens nahmen sich der Aufgabe an, was beachtliche Ergebnisse einbrachte.

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Felix