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Freitag, 26. Januar
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 Annie Renonciat (Frankreich, oben 1. von links), Alfredo Castelli (Italien, oben 2. von links), Eckart Sackmann (Deutschland, unten Mitte) und Mike Kidson (England, unten rechts) referierten zu Beginn über die Ursprünge des Comics ihrer Länder
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Zu einem internationalen Symposium zu verschiedenen Fragen der Geschichte des Comics in Europa hatte das Centre National de la Bande Dessinée et de l'Image (CNBDI) anlässlich der Ausstellung "Les maîtres de la bande dessinée européenne" eingeladen. Diese Ausstellung entstand gemeinsam mit der Nationalbibliothek in Paris und führte fachlich versierte Menschen zum Erfahrungs- und Wissensaustausch zusammen, um diesen Teil des kulturellen Erbes Europas dem Vergessen zu entziehen. Dass die bei Braun & Schneider genutzte Technik des wiederverwendbaren Holzstichs (Xylografie) die Entwicklung der Fliegenden Blätter und Münchner Bilderbogen bestimmte, stellte Eckart Sackmann eingangs der ersten Sitzung des Symposiums deutlich heraus. Alfredo Castelli berichtete über die Eigenarten der italienischen Corriere dei Piccoli. Um die Kinder sprachlich zu bilden, schnitt man die Sprechblasen aus den Originalen heraus und ersetzte ihren Text durch Reime, so ähnlich wie man es von den Comics Wilhelm Buschs kennt. Man hielt es für pädagogisch minderwertig, den Text per Sprechblase in die Zeichnung "hineinzuziehen". Erfolgsrezept der Belles Images war nach den Ausführungen von Annie Renonciat eine farbige, immer von jeweils einem anderen Künstler gestaltete Anfangsseite, die starr in drei Spalten mit je vier Paneln aufgeteilt war. Am Beginn der Alphabetisierung der Bevölkerung stehend, hatte der Text mehr erklärende als erzählerische Funktion. One Halfpenny kostete eine Ausgabe von Comic Cuts am Ende des 19. Jahrhunderts, was den Erfolg dieses Blattes begründete. So entstand in England die Comicindustrie wegen niedriger Preise und die Produkte zeigten folglich keinen erkennbaren moralisierenden oder pädagogischen Anspruch, ästhetisch nichts Besonderes und viel Wiederverwertetes ("cheap entertainment"). Erst mit Tom Browne in Illustrated Chips kamen 1896 wiederkehrende Figuren und eine anspruchsvollere Bildkomposition auf, wie Mike Kidson veranschaulichte.
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 Joachim Kaps und Sergio Bonelli (v.l.n.r.)
 Tony Bennett und Claude de Saint-Vincent (v.l.n.r.)
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"J'aime le feeling of the paper", hört man vom Podium bei einer der späteren Sitzungen des Symposiums, als es um den öffentlichen Zugriff auf die alten Meisterwerke der Comics geht. Wie der Simultan-Dolmetscher diesen Satz wohl übersetzt haben mag? Die Fachrunde bringt zum Ausdruck, dass man die frühen Comics zwar auf moderne Speichermedien übertragen könne, dass aber der Zugriff auf die papiernen Originale erhalten bleiben müsse. Ob man denn nun wirklich alles aufbewahren und so der Nachwelt erhalten könne, wurde kritisch hinterfragt, und ob jemand möglicherweise eine solche Auswahl zu treffen im Stande wäre. Über kurz oder lang wird man an einer digitalen Speicherung wohl kaum vorbei kommen, denn die Lebensdauer der Originale ist durch die Eigenschaften des Papiers begrenzt. Außerdem erhielte so eine breitere Öffentlichkeit Zugriff auf die Inhalte der frühen Comics, das Paperfeeling scheint dabei zweitrangig. Zur aktuellen Marktsituation äußerten sich am Freitagnachmittag während der dritten Sitzung Sergio Bonelli, Claude de Saint-Vincent (Dargaud), Joachim Kaps (Carlsen) und Tony Bennett (Knockabout Comics). Sergio Bonelli wies darauf hin, dass in Italien der Verkauf von Comics zur Hauptsache über den Kiosk laufe und dass der "fumetti" also recht preiswert sein müsse, was Grund für seine Formel vom typischen schwarzweißen Bonelli-Taschenbuch ist. Dennoch könne er zurzeit nur noch die Hälfte an Comics verglichen mit den 90er-Jahren verkaufen. Bei Carlsen Comics habe man jetzt zur Hälfte Mangas im Programm, ein tragfähiges Rezept für den derzeitigen Markt in Deutschland, führte Joachim Kaps aus, der drei Vertriebswege für seine Comics benannte: den Comicladen, den zunehmend an Comics interessierten Buchhandel und den Bahnhofsbuchhandel. Tony Bennett wies auf den nur noch recht kleinen britischen Comic-Markt hin. Zum größten englischen Comic-Festival kämen lediglich etwa 3.000 Personen. Darüber konnte sich Claude de Saint-Vincent von Dargaud nicht beklagen, denn für das diesjährige Comic-Festival in Angoulême hat man eine Rekordteilnehmerzahl hochgerechnet und auch in den Medien sei der Comic gut vertreten, weswegen er seine Alben in Frankreich überall verkaufen könne, insbesondere auch in den großen Supermärkten.
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 Florence Cestac beim Forum Leclerc
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Eigentlich sollten um 16 Uhr im Forum Leclerc von Florence Cestac und Jean-Marc Thévenet die Preisträger der Alph-Art 2001 vorgestellt werden, aber statt des Massenauftriebs von Comicgrößen und ihrer Fans erlebte der neugierige Besucher lediglich ein Gespräch mit Florence Cestac, dessen Inhalt sich um die Frau in der Comic-Szene drehte. Der Rummel blieb aus. Selbigen hatte es bereits um halb drei gegeben, als das Forum Masakazu Katsura, Yuu Watase und Tsutomu Nihei eingeladen hatte und deswegen aus allen Nähten zu platzen drohte. Auch in Frankreich ist der Manga in den letzten Jahren sehr beliebt geworden. Weitere Diskussionsrunden im Forum Leclerc hatten die Menschenrechte im Comic, den Comic im Internet, die Reisen im Comic, Oncle Eddy (mit Eddy Paape), den Schweizer Comic, Comics in Afrika u.a.m. zum Thema. Leclerc feierte seine zehnjährige Unterstützung des Comic-Festivals mit einer Comic-Nacht, bei der man in einem Kino der Stadt eine ganze Nacht lang Filme sehen konnte, darunter "Astérix et Obelix contre César", "Princesse Mononoké", "Le 5e élément". Nebenbei waren zahlreiche Comics zu gewinnen und für den Morgen lockte zudem ein Frühstück das hoffentlich ausdauernde Publikum. Ob eine ganze Nacht im Kinosessel nun wirklich ein Genuss ist, bleibt eine ungeklärte Frage, und auch ob man anschließend nicht besser von geeigneten Fachleuten wegen Reizüberflutung behandelt werden sollte.
Florence Cestac wirkt während ihres Gesprächs mit dem charmanten Leclerc-Moderator zwar freundlich aber auch leicht abgekämpft, denn als vorbildliche Festival-Präsidentin geht sie keinem der zahlreichen Interviewwünsche von Presse, Fernsehen und Internetmedien aus dem Weg, wie die Lokalpresse erwähnt. Dennoch bevorzuge sie an Stelle der Auftritte vor großem Publikum das Gespräch im kleineren Kreis, hebt sie hervor. Dank ihres Engagements in den Medien hat es Cestac geschafft, weite Kreise für das Thema Frau und Comic zu interessieren, darunter auch die Frauenzeitschrift "elle". Der Erfolg des diesjährigen Festivals sei gerade auch der Cestac und der Werbewirkung ihrer großnasigen Comicfiguren, der Débloks, zu verdanken, nimmt man seitens der Organisatoren an. Sie werden sich in dieser Hinsicht mit dem nächsten Festivalpräsidenten wohl schwerer tun.
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Copyright © 2001 Verlag Sackmann und Hörndl
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