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Angoulême 2003
Hrabal-Ausstellung

Der Comic-Adaption zu "Une trop bruyante solitude" des tschechischen Autors Bohumil Hrabas gab das CNBDI Raum für eine recht ansprechend gemachte Ausstellung.

Hrabals Erzählung über einen einfachen Menschen, dessen Arbeit es über 35 Jahre war, Bücher zu vernichten, wurde in Zusammenarbeit mit der Fotografin Valerie Berge zu einem Comic, dem der Zeichner Ambre ein Aussehen gab, das an frühe Kupferstiche erierinnert, um einen möglichst realistischen Eindruck von der Welt des Büchervernichters und geichzeitigen Bücherliebhabers zu vermitteln. Lionel Tran ist Autor der Adaption.

Die Ausstellung zeigte sowohl die in den Arbeitervierteln Lyons aufgenommenen Fotos, deren zeichnerische Umsetzung, als auch Installationen zum Lebensraum des Arbeiters, darunter sein in Stapeln von Büchern ertrinkendes Bett. Für einen leidenschaftlichen Comicfreund ist ein solches Bild sicherlich nichts Ungewöhnliches, wohl aber, dass alle Bücher, die man hier sah, aus Gründen der Sicherheit eigens feuerfest gemacht wurden.

Gewinner des Grand Prix der Stadt Angoulême

  • 1974: André Franquin
  • 1975: Will Eisner
  • 1976: Pellos
  • 1977: Jijé
  • 1978: Jean-Marc Reiser
  • 1979: Marijac
  • 1980: Fred
  • 1981: Moebius
  • 1982: Paul Gillon
  • 1983: Jean-Claude Forest
  • 1984: Jean-Claude Mézières
  • 1985: Jacques Tardi
  • 1986: Jacques Lob
  • 1987: Enki Bilal
  • 1988: Philippe Druillet
  • 1989: René Pétillon
  • 1990: Max Cabanes
  • 1991: Marcel Gotlib
  • 1992: Frank Margerin
  • 1993: Gérard Lauzier
  • 1994: Nikita Mandryka
  • 1995: Philippe Vuillemin
  • 1996: André Juillard
  • 1997: Daniel Goossens
  • 1998: François Boucq
  • 1999: Robert Crumb
  • 2000: Florence Cestac
  • 2001: Martin Veyron
  • 2002: François Schuiten
  • 2003: Régis Loisel

Sonderpreise

  • 1982: Claire Bretécher (10. Festival)
  • 1988: Hugo Pratt (15. Festival)
  • 1992: Morris (20. Festival)
  • 2000: Albert Uderzo (Milleniumspreis)

Der französische Verlag Glénat wies mit großen Plakaten und mit einer eigens auf Wüstensand erbauten Schau auf "Le Décalogue" (in Deutsch "Zehn Gebote") hin, eine Erzählung in zehn Bänden, deren Reiz unter anderem darin besteht, dass jeder der von Frank Giroud geschriebenen Comics von einem anderen Zeichner gestaltet wurde. Das zehnte und letzte Album ist in Frankreich bereits in den Läden, es ist gleichzeitig das letzte Album von Franz (d.i. Franz Drappier), der am 8. Januar des Jahres im Alter von nur 54 Jahren verstarb. Dem Leser werden seine Arbeiten für "Jugurtha", "Lester Cockney", "Die Tochter des Lichts", "Thomas Noland", "Hannah" und andere in guter Erinnerung sein und bleiben. In jenem Zelt in Angoulême konnte man einen Blick auf seine Originale für "Zehn Gebote" werfen und dabei mit Respekt an sein umfangreiches Schaffen zurückdenken.

Franz: Le Décalogue T. 10

Samstag, 25. Januar

Die Zeiten, in denen es genügte, sich auf ein interessiertes Fachpublikum einzustellen und die Ausstellungsstücke einfach reihum an die Wand zu hängen, sind vorüber. Auf die Zahl an zufriedenen Besuchern kommt es in zunehmendem Maße an und da wird eine Ausstellung erfolgreicher sein, die auch eine gute Portion Erlebniswert hat. Eine schöne Idee von Thierry Groensteen aufgreifend stellten Gaby Scaon und Jean-Pierre Mercier und ihr Team vom CNBDI also etwas Besonders auf die Beine: imaginäre Museen im Comicmuseum. Dazu wurden auf zwei Etagen sechs sich zu denkende Museen eingerichtet: ein Museum für Naturgeschichte, eines für Völkerkunde, eines für Geschichte, eines für die Schönen Künste, eines für Technik und Wissenschaft und eines für zeitgenössische Kunst. Das Imaginäre dieser fiktiven Museen betonte man dadurch, dass man den Kulissen den Charakter von Bastelbogen gab ("Hier falten! Hier kleben mit A!"). In diesen Rahmen brachte man eine Sicht auf Comics unter, die zum Teil neuartig war, zum Teil Erkenntnisse vergangener Ausstellungen des CNBDI wiederholte. Letzteres war in den beiden Museen zu den Schönen Künsten und zur Geschichte zu bemerken, in denen man nach den gründlichen Recherchen der letzten Jahre auch nicht erwarten kann, dass sich in Abfolge und Einordnung nun schon wieder neue Ergebnisse finden lassen.

Demgegenüber zeigte beispielsweise die Sammlung an Lautäußerungen (in Form einer Vitrine voller Sprechblasen) im Naturgeschichtemuseum oder das Zimmer von Corto Maltese im Völkerkundemuseum eine Reihe schöner Einfälle, die zum Blick auf den Comic aus ungewohnter Perspektive einluden.

Treppen Museum der Schönen Künste

Treppen und Flure: Außer Gliederung und Auswahl kommt auch der Verpackung einer Ausstellung Bedeutung zu, damit für den Besucher ein nachhaltiges Erlebnis daraus wird.

Der enorme Aufwand von 600.000 € für die Einrichtung der Ausstellung auf immerhin 1.200 m² lohnt sich für das Comicmuseum deswegen, weil er tragendes Gerüst für im Laufe der nächsten fünf Jahre gelegentlich wechselnde Inhalte sein soll. So wird das Museum für zeitgenössische Kunst sein gegenwärtiges Thema Nicolas de Crécy Ende April gegen ein neues wechseln. In fünf Jahren werden im Zuge der Einweihung des gänzlich umgebauten Comicmuseums – der Erweiterungsbau für das Museum nach Westen hin soll bis 2005 fertig sein – die imaginären Museen ihr Gesicht ändern.

Vietnamesischer Comic

Hell und freundlich: Im Unterschied zu den anderen Ausstellungen zeigte sich der vietnamesische Comic nicht im schummerigen Halbdunkel.

"Truyên Tranh Viêt Nam", was übersetzt wohl soviel wie vietnamesischer Comic bedeutet, lautete der Titel einer Werkschau junger vietnamesischer Comiczeichner, die von der École Superieure de l'Image ausgerichtet wurde. Dass so etwas möglich wurde, ist Ergebnis einer Zusammenarbeit der Schule mit einer entsprechenden Einrichtung in Hanoï. In hellen, lichten Räumen zeigte sich Comic, dem man sowohl die fernöstliche Herkunft als auch eine superheldenfreie Grundhaltung anmerkte.

Régis Loisel Régis Loisel

Die Freude war ihm anzumerken: Régis Loisel lud die Presse ins Rathaus und wagte vor laufenden Kameras einige Tanzschritte.

Man war im Gegensatz zum Vorjahr wieder zum Abend übergegangen, um den Preisträger des Grand Prix de la ville d'Angoulême vom Balkon des Rathauses herunter auszurufen. Dieses hätte stimmungsvolle Atmosphäre bringen können, wenn man nicht vergessen hätte, den Autoverkehr vor dem Rathaus für die Dauer des Spektakels umzuleiten. Außerdem störte es die gespannte Aufmerksamkeit sehr, dass schon am Nachmittag bekannt wurde, wer der Preisträger sein würde. Ein Comicautor würde es sich wohl nicht leisten, die Pointen einer Geschichte derart in den Sand zu setzen. Doch Régis Loisel steuerte gegen, indem er direkt im Anschluss an seine Krönung zum Foto- und Interviewtermin in einen Rathaussaal einlud. Die Türsteher waren von dieser erstmals seit Jahren gezeigten Geste offenbar überrascht und ließen die aufgeregte Journaille erst nach einigen Diskussionen und Rückfragen ins Herz der Stadt einrücken. Im Rathaus standen dann nicht nur der frischgebackene Sieger sondern auch seine Vorgänger (u.a. Moebius, Schuiten, Fred, Cestac, Druillet) für Fragen und Fotos bereit. In Deutsch sind von Régis Loisel zuletzt die Alben "Peter Pan 5: Der Haken" und "Norbert die Eidechse" erschienen. Loisel lebt seit gut einem Jahr in Kanada.

Régis Loisel wurde am 4. Dezember 1951 in Saint-Maixent, Frankreich, geboren. 1972 erschien seine erste Planche in Les Pieds Nickelés Magazine. Im folgenden Jahr besuchte er an der Universität Vincennes Comiczeichenkurse, die insbesondere durch Jean-Claude Mézières ("Valerian und Veronique") animiert wurden. Dort traf er auf Patrick Cothias ("Im Schatten des Neumonds") und Serge Le Tendre ("Auf der Suche nach dem Vogel der Zeit"), mit denen er zusammenarbeitete. In den letzten Jahren konnte Loisel seiner Leidenschaft für den Disney-Zeichentrickfilm nachgehen und für "Mulan" und "Atlantis" zeichnen. 1992 wurde Loisel für "Peter Pan" der Max-und-Moritz-Preis der Stadt Erlangen verliehen.

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