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Angoulême 2004
Captain Hook

Den aus Ton gebrannten Kapitän Hook aus "Peter Pan" von Régis Loisel kann sich nun jeder ins Regal stellen, der das gute Stück heil vom Händler zu sich nach Hause getragen bekommt.

Weitere Preise

Preis für Kulturgut

"L'anthologie d'A.B. Frost", Éditions de l'an 2

Nominiert waren des Weiteren:

  • "M le Magicien", M.m, L'Association
  • "Ayako", Osamu Tezuka, Delcourt
  • "Clifton", Macherot, Niffle
  • "Lycaons", Alex Barbier, Frémok
  • "Coup d'éclat", Yoshihiro Tatsumi, Vertige Graphic
  • "Social Fiction", Chantal Montellier, Vertige Graphic
Bester Jugendcomic (für 9- bis 12-Jährige)

"Luuna, Tome 2: le Crépuscule du Lynx", Crisse/Keramidas, Soleil

Nominiert waren des Weiteren:

  • "Les Profs, Tome 5: Chute des cours", Pica/Erroc, Bamboo
  • "Sillage, Tome 6: Artifices", Morvan/Buchet, Delcourt
  • "Bételgeuse, Tome 4: Les Cavernes", Léo, Dargaud
  • "L'Héritage d'Emilie, Tome 2: Maeve", Magnin, Dargaud
Bester Jugendcomic (für 7- bis 8-Jährige)

"Petit Vampire, Tome 5: la Soupe de caca", Joann Sfar, Delcourt

und

"Papotka, Tome 3: le Petit Sioux Mahto", David Chauvel/Fred Simon, Delcourt

Publikumspreis

"Blacksad, Tome 2: Arctic Nation", Guarnido/Canalès, Dargaud

Nominiert waren des Weiteren:

  • "32 Décembre", Bilal, Les Humanoïdes Associés
  • "Bouncer, Tome 3: La justice des serpents" Boucq/Jodorowsky, Les Humanoïdes Associés
  • "Là Bas", Tronchet/Sibran, Dupuis
  • "Le Combat Ordinaire", Larcenet, Dargaud
  • "Pyong Yang", Delisle, L'Association
  • "Mister George", Labiano/Rodolphe/Le Tendre, Le Lombard
  • "Sambre, Tome 5: Maudit soit le fruit de ses entrailles", Yslaire, Glénat
  • "West, T1: La chute de Babylone", Rossi/Dorison, Dargaud
  • "Golden City, Tome 5: Le dossier Harrison", Malfin/Pecqueur, Delcourt
  • "100 Bullets, Tome 1", Risso/Azzarello, Semic
  • "20th Century Boys, Tome 10", Urasawa, Panini
  • "Quartier Lointain, Tome 2", Taniguchi, Casterman
Preis für junge Talente

Anne Simon (1. Preis) und Malik Deshors (2. Preis)

Fanzine-Preis

Sturgeon white moss aus Großbritannien

Preis für Kommunikation

an die Kampagne Changeons de regard. Faut pô avoir peur, gezeichnet von Zep im Auftrag der Stadt Angoulême und "Handicap International"

Preis René Goscinny

Der Preisträger ist Riad Sattouf für das Szenario von "Les jolies pieds de Florence" (erschienen bei Dargaud).

Preis der ökumenischen Jury

"Là-Bas", Tronchet/Sibran, Dupuis

Besondere Erwähnung fand des Weiteren: "Afghanistan", Micheluzzi, Mosquito

Preis "Tournesol" (Ökologie-Preis)

"Gen d'Iroshima, Tome 2", Nakazawa, Vertige Graphic

Preis "Décoincer la Bulle" (Newcomer-Preis)

"Elle", Fanny Montgermont, Paquet

Die beiden anderen Finalisten waren:

  • "Gargouilles", J. Etienne, Les Humanoïdes Associés
  • "Vincent et Van Gogh", Gradimir Smudja, Delcourt

Hector UmbraLeviathan

Uli Oesterle ("Fraß", "Schläfenlappenphantasien") kam für "Hector Umbra" und Jens Harder ("Electricité Marseille") für "Leviathan" auf die Liste der Titelaspiranten.

Donnerstag, 22. Januar

Will man immer mehr Festivalgäste anlocken, dann muss man sich Knaller einfallen lassen. Letztes Jahr kamen Prinz und Prinzessin von Belgien, dieses Jahr wurde der schmächtige Präsident des phantastisch-beknackten Staates Groland (Autokennzeichen GRD) eingeladen, neben dem Bürgermeister der Stadt Angoulême zu glänzen und den zahlreichen Anhängern der zugehörigen Fernsehveranstaltung ein gehöriges Spektakel zu bieten. Mit Comic hat das erkennbar gar nichts zu tun, mit Komik schon, mit Geld in der Kasse auch. Und Jean-Marc Thévenet, der als Festivaldirektor diesen Top-Act gegen Kritik durchzusetzen wusste, steht mit diesem Ansatz eines Branchenmix nicht alleine da. Auch Soleil engagierte an ihrem schrillbunten, discolichternen Stand einen gewissen Mr. Eddy (d.i. Claude Moine, aka Eddy Mitchell), der den vor den Signiertischen wartenden Besuchern von der Leinwand herunter etwas Rockiges sang. Vor vierzig Jahren gingen in Frankreich bei seinen Auftritten noch regelmäßig die Konzertsäle komplett zu Bruch, am Stand von Soleil blieb 2004 zum Glück alles heil.

Mr. Eddy

Der Stand von Soleil stand im Zeichen Eddy Mitchells, für den eine Reihe von Zeichnern einen Comic mit Episoden seiner Karriere fertigten.

:-)

Obwohl er persönlich gar nicht in Angoulême anwesend war, machte der Kulturminister Jean-Jacques Aillagon in der Lokalpresse dennoch Schlagzeilen, zum einen wegen seiner Abwesenheit, zum anderen wegen seines Vorschlags, das Internationale Comic-Festival (FIDB) und das Nationale Comic-Zentrum (CNBDI) zusammenzulegen. In einem Interview mit der Charente Libre überhörte er den Vorwurf, dass der Kulturminister zur Eröffnung des Filmfestivals in Cannes stets anwesend sei, 2004 in Angoulême beim Comicfestival aber nicht. Wie ein geübter Politiker überging er die Frage nach dem Grund für sein Ausbleiben und gab zu bedenken, dass Comics außergewöhnlich repräsentativ für unsere Zeit mit ihrem Durst nach vielfältigen Bilderwelten ("soif d'imaginaires pluriels") seien. Man ahnt, was hier gemeint ist, aber man weiß es nicht. Klarer wird der Minister zum Glück bei den Zahlen. Der Comic gewinne an Bedeutung auf dem französischen Markt (3,7 Prozent Zuwachs des Umsatzes auf nun insgesamt 312,9 Millionen Euro) und auch für das Ministerium. Das Festival erhalte 2004 einen Zuschuss von 192.000 Euro.

Jean-Jacques Aillagon

Aillagon: "Das Festival gehört zu den allerersten Prioritäten des Ministeriums."

Der Minister für Kultur schlägt vor, das in Angoulême ansässige französische Comiczentrum CNBDI und das Festival FIBD zu einem internationalen Comiczentrum CIBD zu verschmelzen. Er folge damit den Ausführungen von André Ladousse, einem Fachmann für solcherart Projekt, der nach dem 30. Comicfestival mit einer entsprechenden Expertise beauftragt wurde. Was dabei entstehen soll, ist mehr als die Summe seiner derzeitigen Teile. Nicht nur für Angoulême müsste dieses neue Zentrum ("Pôle de la BD") zukünftig Festivals und Ausstellungen organisieren, sondern diese überall im Land und sogar international durchführen. Das Comiczentrum wird auch zukünftig damit betraut, in Zusammenarbeit mit der Nationalbibliothek Exemplare der gesamten französischen Comicproduktion aufzunehmen, Aufgaben der Wahrung von Kulturgut zu übernehmen und die wirtschaftliche Entwicklung des Comics zu bewerten und bewachen. Der Ausbau des jetzigen Comiczentrums in beide Richtungen längs der Straße – der Erweiterungsbau für das Museum soll bis 2005 fertiggestellt sein – passt zu diesem Konzept. Doch bleibt die spannende Frage offen, wer denn der Leiter dieses CIBD werden kann, so dass sich die bisherigen Direktoren von CNBDI und FIBD nicht zurückgesetzt oder in ihren Entfaltungsmöglichkeiten beschnitten fühlen.

:-)

Le Combat ordinaire  Vincent et Van Gogh

Als bestes Album wurde "Le Combat ordinaire" von Manu Larcenet ausgezeichnet. Unter den durch die Supermarktkette Leclerc besonders geförderten Newcomern machte "Vincent et Van Gogh" von Gradimir Smudja einen überaus guten Eindruck.

Was Thierry Groensteen schon vor Jahren in einem Vortrag auf der Frankfurter Buchmesse mit gewissem Nachdruck als neuen, kommenden französischen Autorencomic vorgestellt hat, das ist nun schon das zweite Mal auf dem Treppchen ganz oben. Christophe Blain konnte für "Isaac le Pirate" 2002 den Preis einheimsen, "Le combat ordinaire" (d.i. Der gewöhnliche Kampf) wurde jetzt, 2004, in Angoulême zum besten Album ausgerufen. Manu Larcenet zeichnet so simpel und vermeintlich anspruchslos wie die anderen Comicautoren seiner Klasse (Trondheim, Blain, Sfar, Satrapi, ...), es sind vielmehr die packenden Geschichten, die die Käufer nach den Alben greifen lassen. Der (schnell-) zeichnende Erzähler gewinnt durch die nahezu schulkindliche Schlichtheit der grafischen Darstellung Zeit, mehr als ein Album pro Jahr zu veröffentlichen, und gleichzeitig ist die durch einfache Striche zur Geltung gebrachte Bildsprache gut lesbar und immerhin vielfältig genug. Da geht es nicht um das Anfertigen detailgetreuen Hintergrunds wie etwa die sorgfältig gezeichnete Takelage eines Dreimasters bei Patrice Pellerin, sondern um die Anreihung von treffenden Bildschriftzeichen, damit die Geschichte vorankommt. Zum Album: Die Titelfigur von Larcenets "Le combat ordinaire", ein Fotograf, hat zum Arbeiten einfach keine Lust mehr, was seine Mutter sehr beunruhigt und seinen Psychotherapeuten um regelmäßige Einnahmen bringt. Im Kampf um einen guten Weg durch seine Orientierungslosigkeit trifft er auf ganz unterschiedliche Personen und eine kratzende Katze.

Eine Katze spielt auch eine Hauptrolle in Gradimir Smudjas "Vincent et Van Gogh". Sie gibt hier den kreativen Part in Leben und Werk des berühmten Malers. Dieser 72-seitige Comic ist ein kleines Wunderwerk an Panelmalerei, so ganz anders angelegt als Larcenets Siegeralbum. Das Verfolgen der eigentlichen Erzählung tritt hinter die Betrachtung lauter kleiner, humorig variierter Anspielungen auf famose Gemälde zurück. Man bemerkt, dass der in Lucca lebende Smudja mit dem Kopieren großer Meister des Impressionismus vertraut ist. Er lebte einmal davon. Sein neuestes Album "Le Bordel des Muses, Tome 1: Au Moulin-Rouge", im Januar 2004 erschienen, dreht sich in spaßiger Weise um Henri de Toulouse-Lautrec. Auf Gradimir Smudja machte der von der Supermarktkette E. Leclerc und dem Comicmagazin BoDoï ausgerichtete Newcomer-Wettbewerb "Décoincer la Bulle" aufmerksam, bei dem Smudja als einer der drei Finalisten durchs Ziel ging. – Immerhin die Nominierung, aber kein Siegerplatz wurde leider den beiden deutschen Zeichnern Jens Harder mit "Leviathan" und Uli Osterle mit "Hector Umbra" zuerkannt.

:-)

Angeblich um die 674 Zeichner signierten ihre Comics in Angoulême. Ein Blick in die lange Liste von bei uns meist unbekannten Namen lässt erahnen, dass uns der frankobelgische Comic langsam fremd wird, wohingegen wir nach und nach immer mehr vom japanischen wissen. Am Stand von Akileos/Edition 52 signierten mit Reinhard Kleist, Uli Oesterle und Mawil deutsche Zeichner die französischen Ausgaben ihrer Comics.

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