Bei der 33. Ausgabe des Festivals steht "Titeuf" im Mittelpunkt. Das war für Bilal ("Alexander Nikopol", "Der Schlaf des Monsters") Anlass, den frechen Bengel in seiner ganz typischen Art zu proträtieren.
Weitere Preise
Preis für Kulturgut
"Le concombre masqué", Mandryka, Editions Dargaud
Nominiert waren des Weiteren:
- "Les mythes de Cthulhu", Breccia/Lovecraft, Editions Rackham
- "Gen d'Hiroshima", Keiji Nakazawa, Editions Vertige Graphic
- "Ragnar", Eduardo Teixeira Coelho, Editions Glénat
- "Mystérieuse matin, midi et soir", Jean-Claude Forest, Editions L'Association
- "Felix, l'integrale", Maurice Tillieux, Editions Niffle
- "Spider-Man: l'integrale 1969", Stan Lee/John Romita/John Buscema, Editions Panini Comics
Bester Jugendcomic (für 9- bis 12-Jährige)
"Lou, Tome 1: Journal infime", Julien Neel, Editions Glénat
Nominiert waren des Weiteren:
- "Les Profs, Tome 6: Chute des cours", Pica/Erroc, Bamboo
- "Le Scorpion, Tome 4: Le démon du Vatican", Enrico Marini/Stephen Desberg, Editions Dargaud
- "Navis, Tome 1: Houyo", Philippe Buchet/José-Luis Munuera/Jean-David Morvan, Editions Delcourt
- "Tesssa agent intergalactique, Tome 1: Sidéral Killer", Mitric/Loui/Lamirand, Editions Soleil
Bester Jugendcomic (für 7- bis 8-Jährige)
"Les p'tits diables, Tome 2: C'est pas nous", Dutto, Editions Soleil
Publikumspreis
"Le sang des valentines", de Metter/Catel, Editions Casterman
Nominiert waren des Weiteren:
- "Poulet aux prunes", Satrapi, L'Association
- "La Malle Sanderson", Götting, Delcourt
- "Le Tour de valse", Pellejero/Zentner, Dupuis
- "Louis Riel - L'insurgé", Chester Brown, Casterman
- "Thorgal, Tome 28: Kriss de Valnor", Rosinski/Van Hamme, Le Lombard
- "Vincent Van Gogh: La Ligne de front", Larcenet, Dargaud
- "Je veux le Prince Charmant", Bruller, Albin Michel
- "Lucky Luke, Tome 42: La belle Province", Achdé/Gerra, Dargaud
- "Playback", Ayroles/Ted Benoit, Denoël
- "Jeremiah, Tome 25: Et si un jour la terre", Hermann, Dupuis
- "Say Hello to black Jack", Shuho, Glénat
- "Coq de combat", Hashimoto/Tanaka, Delcourt
- "Lou, Tome 1: Journal infime", Neel, Glénat
"Kritikerpreis"
"Blankets", Craig Thompson, Editions Casterman
Nominiert waren des Weiteren:
- "L'autre laideur, l'autre folie", Malès, Humanoïdes Associés
- "Le Tour de valse", Pellejero/Zentner, Dupuis
- "Où le regard ne porte pas, Tome 1 & 2", Pont/Abolin, Dargaud
- "Le Combat ordinaire, Tome 2: Les quantités négligeables", Larcenet, Dargaud
Preis für Alternativcomics (vormals: Fanzine-Preis)
"Ex-aequo", Glömp/Laikku, Finnland
Preis für junge Talente
Vincent Perriot, Orléans, Ecole ESI à Angoulême
Preis für Schülercomics
- Humor: Sébastien Héron, Dieppe
- Szenario: Matthieu Deglas Tacita, Rouen
- Zeichnung: Kevin Dupas und Adrien Moret, Loire-Atlantique
- Grand Prix Schulwettbewerb: Jérémie Moreau
Preis für Kommunikation
24 heures sous tension, angefertigt für Les Laboratoires Pfizer durch Denis Bodart/ Philippe Périé/Mykaïa/Etienne Simon
Preis René Goscinny
Der Preisträger ist Bruno Le Floch für das Szenario von
"Trois éclats blancs" (erschienen bei Delcourt).
Preis der Comicbuchläden "Canal BD"
"Chute de vélo", Etienne Davodeau, Editions Dupuis
"Grand Prix RTL de la BD" (avec le FIBD)
"Où le regard ne porte pas", Georges Abolin/Olivier Pont, Editions Dargaud
Preis "Tournesol" (Preis der Grünen)
"Le Combat ordinaire, Tome 2: Les quantités négligeables", Manu Larcenet, Editions Dargaud
Preis "France Info"
"Le photographe", Emmanuel Guibert/Didier Lefèvre/Frédéric Lemercier, Editions Dupuis
Preis "Décoincer la Bulle" (Newcomer-Preis)
"Vieille bruyère et Bas de soie", Etienne Willem, Paquet
Die beiden anderen Finalisten waren:
- "John Lord", Patrick Laumond, Les Humanoïdes Associés
- "Alim le Tanneur", Virginie Augustin, Delcourt
Preis der ökumenischen Jury
"Le Combat ordinaire, Tome 2: Les quantités négligeables", Manu Larcenet, Editions Dargaud
Nominiert waren des Weiteren:
- "Mon cousin dans la mort", François Duprat, Petit à Petit
- "Muchacho, Tome 1", Emmanuel Lepage, Editions Dupuis
Preis für christlichen Comic
"www.Jésus qui?", Brunor, Editions du Cerf
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Woher kommt die staatliche Unterstützung für den Comic?
Zwei Jahre nach der französischen Revolution von 1789 zentralisierte man die Verwaltung und teilte die alten, historisch gewachsenen Provinzen in 83 etwa gleich große Départements auf, die man nach dem Alphabet durchnummerierte. Das Département Charente, zu dem Angoulême gehört, bekam die Nummer 16 (die Nummer des Départments findet man beispielsweise auf den Nummernschildern der Autos). Heute gibt es 96 europäische Départements und 4 überseeische. Michel Boutant ist seit letztem Jahr Präsident des Départements Charente und damit entscheidend für die Bewilligung von Geldern des Départements für das Angoulêmer Comic-Festival. Das Département stellte dieses Jahr dafür laut Charente Libre 150.000 Euro zur Verfügung. Zudem unterstützt man den Comic im Sinne einer wirtschaftlichen Förderung durch Projekte wie "Magelis" und dem "Vallée de l'Image".
Ab 1981 begann man die vormals stark zentralisierte Verwaltung zu reformieren und den Regionen eine eigene Verwaltung zuzubilligen. Frankreich ist in 22 Regionen gegliedert. Das Département Charente gehört zur Region 20, der Région Poitou-Charentes. Hier regiert seit den Regionalwahlen im März 2004 Ségolène Royal, die sich ebenfalls für die Idee des "Vallée de l'Image" stark macht.
Die Förderung nationalen Kulturguts findet in Frankreich große Zustimmung. Den Comic zählt man hinzu. Das Kulturministerium des Staates unterstützt das Comic-Festival mit etwa 192.000 Euro pro Jahr und trägt das nationale Comiczentrum CNBDI mit, das in Angoulême gebaut wurde.
Das große Interesse der Stadt Angoulême mit ihrem Bürgermeister Philippe Mottet an deren Spitze am alljährlichen Festival zeigt sich zum einen finanziell (etwa 1 Million Euro pro Jahr), aber zum Beispiel auch im Engagement für die Schaffung von Arbeitsplätzen im Bereich Comic, Bild, audiovisuelle Medien (Projekt "Magelis") oder der Einrichtung eines Netzwerks der "Comic-Hauptstädte" der Welt (Amadora, Angoulême, Brüssel, Charleroi, Kochi, Lucca). Als nächstes soll Séoul ins gemeinsame Boot geholt werden.
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Aus der Rede des Kulturministers anlässlich seines Besuchs zum 32. Internationalen Comic-Festivals in Angoulême:
"Wenn die Flamme seit den Anfängen noch immer brennt, dann auch dank der Klugheit und der Weitsicht der Gewählten und von Ihnen, Herr Bürgermeister. Sie konnten verstehen, über alle Unwägbarkeiten hinaus, wie wertvoll die Verbindung zwischen Angoulême und dem Comic ist, wie sinnbildlich. Mit öffentlichen Mitteln, ohne dabei die wesentliche Rolle der Sponsoren zu vergessen, unterstützen wir eine Veranstaltung, wegen derer Qualität, Frische und Spontaneität uns die ganze Welt beneidet.
Ich möchte Ihnen etwas anvertrauen: ich bin vor allem nach Angoulême gekommen, weil es mir Freude macht, weil ich darauf Lust hatte, weil ich ein Comicfan bin!"
(vgl. Homepage von Renaud Donnedieu de Vabres)
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Zwei preisgünstige Ratgeber helfen durch die Vielzahl an Neuerscheinungen: In einem kleinen Büchlein bejubelt das FIBD alle Comics, die für den Prix d'Angoulême 2005 nominiert wurden. Die Kaufhauskette FNAC bietet demgegenüber ein 280-seitiges Buch an, welches 200 wichtige Serien der letzten 15 Jahre von A bis Z vorstellt. Zudem listet der Guide FNAC einige Klassiker verschiedener Sparten der Comicliteratur auf.
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Donnerstag, 27. Januar
Der Champ-de-Mars, zentraler, großer und freier Platz Angoulêmes, der bisher dem Busbahnhof zur Verfügung stand, wird gründlich umgebaut. Trotz einiger Bedenken der in der Umgebung tätigen Kaufleute soll hier eine Art Einkaufszentrum entstehen. Die riesigen Messezelte des alljährlich stattfindenen Comic-Festivals rückten schon dieses Jahr auf kleinerem Platz näher zusammen, nächstes Jahr werden die Bagger gar keinen Platz mehr für die Messe gelassen haben. Selbstverständlich bemühen sich die Verantwortlichen den Comic-Verlagen zu versichern, dass man gleichwertige Ersatzflächen zur Verfügung stellen wird. Doch eigentlich sind doch schon jetzt nahezu alle größeren Plätze in Stadtmitte mit Festivalzelten zugestellt? Auf die Lösung des Bürgermeisters darf man gespannt sein. Er wird sie noch im Laufe dieses Festivals vorstellen. Vielleicht gibt es in Angoulême ja einen großen Fußballplatz?
Auf dem Champ-de-Mars standen zur Unterbringung der Comicmesse in den vergangenen Jahren jeweils zwei Zeltkomplexe, von denen man hier die fünf Vorzelte des Eingangsbereichs des nördlichen Großzeltes (am linken Bildrand) sieht.
Auch zum ebenfalls in Angoulême beheimateten Comiczentrum CNBDI (Centre national de la bande dessinée et de l'image) gibt es einige überraschende Neuigkeiten. Hörte man bezüglich der Erweiterung des Comiczentrums CNBDI noch letztes Jahr von Plänen zur Errichtung von Anbauten längs der Straßen zwischen denen das CNBDI liegt ("... et devenir ainsi le »vaisseau des images dessinées« du XXIème siècle", s. Website des CNBDI), so liest man jetzt, dass das Comicmuseum aus dem CNBDI ausgegliedert werden soll und ein ganz neues Gebäude beziehen wird. Tatsächlich scheint auf den Grundstücken neben dem CNBDI seit dem letzten Jahr kein Spatenstich getan worden zu sein, obwohl laut alter Planung die Erweiterung eigentlich im Laufe des Jahres 2005 hätte stehen sollen. Das neue Konzept heißt "Vallée de l'Image", man möchte aus dem Flusstal der Charente ein Tal des Bildes machen, wozu dann neben Einrichtungen für den Comic auch solche für den Film, computergestützte Animationen, Grafik, Design und ähnliches gehören. Die Bezeichnung erinnert an das "silicon valley". Im Parlament des Départements Charente war man seitens einiger Abgeordneter mit einer solcherart übertreibenden Benennung dann auch nicht einverstanden. Doch bei der anschließenden Abstimmung setzte sich Michel Boutant, Präsident des Départements, mit 20 zu 15 Stimmen durch. Boutant stellte sich zu Beginn des Comic-Festivals bei der örtlichen Zeitung einer weiteren Auseinandersetzung, nämlich mit seinem Wissen zum Thema Comic. Immerhin konnte der ehemalige Deutschlehrer, dem Wilhelm Busch durchaus kein Unbekannter ist, in der Prüfung 16/20 erreichen, was bei uns der Schulnote 2 entspricht. Er erklärte, dass er mehr "Tim und Struppi"-Alben auf Deutsch als auf Französisch gelesen habe, da er in seinem Deutschunterricht gerne Comics einsetzte, um die Schüler auf angenehme und lebendige Weise anzusprechen.

Letztes Jahr ergaben die Regionalwahlen in Frankreich einen politischen Umschwung. Fast überall wechselten die Mehrheiten zum linken Flügel. Als Präsidentin der Region Poitou-Charentes, zu der Angoulême gehört, löste Ségolène Royal ihre Vorgängerin Élisabeth Morin ab. Michel Boutant übernahm die Regierungsgeschäfte des Départements 16 (Charente). In den Chefsessel des französischen Kulturministeriums gelangte Renaud Donnedieu de Vabres. Er wurde somit Nachfolger von Jean-Jacques Aillagon, der das Comicfestival in seiner Amtszeit finanziell immerhin in den gleichen Rang wie entsprechend große Theater- oder Musikfestivals versetzte. Für die Stadt Angoulême mit Philippe Mottet als Bürgermeister, für das Festival FIBD und für die Mitarbeiter des Comiczentrums CNBDI stellen sich nach diesem Wechsel spannende Fragen für ihre Zukunft. In einem Interview mit der Tageszeitung Charente Libre ließ sich der neue Kulturminister jedoch nicht klar auf Aussagen zu kommenden Taten festnageln, stieß bezüglich der Forderung eines Zusammengehens von FIBD und CNBDI allerdings ins gleiche Horn wie sein Vorgänger, obwohl den beiden, über viele Jahre gewachsenen Institutionen eine Zusammenlegung unter ein gemeinsames Dach offenbar gar nicht behagt.
Dem neuen Kulturminister ist daran gelegen, den französischen und frankophonen Comic gegenüber dem japanischen und US-amerikanischen Comic im Sinne der Erhaltung kultureller Vielfalt weiter seine einzigartige Rolle spielen zu lassen. Die Aktivitäten des Ministeriums für den Comic möchte er verringern, Angoulême bringe mit seinen Institutionen in dieser Richtung mehr ins Spiel ein und sei jetzt schon eine Trumpfkarte für ein "Comic-Europa". Die Aufgaben des CNBDI müssten neu festgelegt werden, um der allgemeinen Tendenz zur Zersplitterung seiner Kräfte in vielerlei Tätigkeiten entgegenzuwirken. Das neue Comicmuseum werde als "Musée de France" geführt und in Frankreich und Europa wegen seiner außergewöhnlichen Sammlungen (7.000 Originalseiten, 200.000 Dokumente) eine einzigartige Institution sein.
Ségolène Royal wies bei ihrem Festival-Besuch im Zelt der jungen Talente auf die einmalige Chance hin, die in der Region durch 79 Unternehmen, 650 Professionelle und 26 Ausbildungseinrichtungen gegeben seien, die im Bereich Comic, Bild, Animation, Verpackungs-Design usf. tätig sind. So begründet sich ihr Einsatz für das Projekt "Vallée de l'Image", das sie außer durch staatliche Gelder auch durch Einwerben von Mitteln der Europäischen Union in Gang setzen möchte. Royal eröffnete am Nachmittag zusammen mit Zep ("Titeuf") dessen einfallsreiche Ausstellung im CNBDI.
Jean-François Lamour, französischer Minister für Jugend und Sport, besuchte das Comic-Festival am Donnerstag und warb um eine Zusammenarbeit mit FIBD und CNBDI für die Pariser Olympiabewerbung 2012. Er wünscht sich eine gemeinsam durchgeführten, internationale Comicausstellung zum Thema Sport im Jahr 2006. Ferner begrüßte er die Kampagne gegen Analphabetismus, die mit Hilfe des Comics geführt wird.

Für seine bedeutenden Arbeiten erhielt Art Spiegelman aus der Hand des französischen Kulturministers Renaud Donnedieu de Vabres eine staatliche Ehrung: Art Spiegelman bekam eine Medaille ans Revers und wurde so zum "Chevalier de l'ordre des Arts et des Lettres" erhoben, was hierzulande womöglich der Verleihung eines Bundesverdienstkreuzes für künstlerische oder literarische Tätigkeiten entspricht.
In "Maus" erzählt Art Spiegelman (Foto) die Leidensgeschichte seiner Eltern, die den Grausamkeiten im KZ Auschwitz ausgesetzt waren. Bei uns erschien dieser überaus wichtige Comic ab 1989 in zwei Bänden bei Rowohlt (Cover 2. Band). Die Lektüre empfiehlt sich insbesondere gewissen Abgeordneten des sächsischen Landtags.
Der frisch gebackene "Ritter" freute sich, dass auf diese Weise das Comicschaffen an sich belohnt werde. Auf die Frage, ob er sich vorstellen könne, nun auch einmal Präsident des Comic-Festivals in Angoulême zu werden, antwortete er lachend, dass er die nächsten sechs Monate lieber Präsident der USA sein möchte. Ferner gab er zu bedenken, dass ein Festivalpräsident Französisch sprechen sollte und verwies dabei auf die Präsidentschaft von Robert Crumb im Jahre 2000, als mangels Sprachkenntnissen Ärgernisse entstanden. "Und dann zeichne ich im Gegensatz zu Zep auf jeden Fall viel zu langsam, um diese umfangreiche Aufgabe zu übernehmen", ergänzte der New Yorker Zeichner gut gelaunt. Den Ritterschlag fand Art Spiegelman ganz erstaunlich: "Schon so etwas wie einen Kulturminister zu haben, ist für einen Amerikaner eine drollige Idee, sind sie doch mehr an Minister der Armee gewöhnt. Noch merkwürdiger ist es für uns, den Comic zur Kultur zu zählen. Gäbe es in den USA einen solchen Minister, bestünde wohl kaum die Chance, dass der Comic zu seinem Aufgabenbereich zählte."
Ernst wurde Art Spiegelman, der von seiner Frau Françoise Mouly ("Little Lit") begleitet wurde, bei Fragen nach den politischen Vorgängen in den USA. Nach den Ergebnissen der November-Wahlen 2004 sei er in ein tiefes Loch gefallen. Statt jedoch Anti-Depressiva zu nehmen, habe er an "In the Shadow of No Towers" gearbeitet. Als er sah, dass das Buch gut angenommen wurde, ermutigte ihn das, sich an eine großformatige Neuauflage von "Breakdowns" zu setzen, seinen ersten Comic-Strips von 1977. Den zahlreichen Anfragen für Arbeiten im Film- oder Theaterbereich habe er bisher widerstanden. Er halte sich noch an seinen Schwur von 2001, sich ausschließlich dem Comic zu widmen.
Während der abendlichen Preisverleihung der Prix d'Angoulême 2005 erinnerte Art Spiegelman daran, dass man in Osteuropa zurzeit dem 60. Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz gedenke. Er nahm die Gelegenheit zur Rede auch wahr, um seine politischen Ansichten zu erklären. "Die USA haben in diesem Irak-Krieg ihre Ehre verloren", stellte der Comicautor fest.
Den kürzlich verstorbenen Will Eisner nannte Art Spiegelman "den Quasimodo der Künste, der für den Comic das ist, was Orson Welles für den Film darstellt". Will Eisner und Orson Welles als Glöckner von Notre-Dame? Über diesen Vergleich sollte man nachdenken.

Die Anzahl der Neuerscheinungen steigt in Frankreich seit dem Jahr 2000 im Schnitt um etwa 17 Prozent pro Jahr. Gleichzeitig nimmt auch die Anzahl der Verlage jährlich um etwa 10 Prozent zu. 2004 wurden vom Comic-Journalistenverband ACBD 2120 Neuerscheinungen gezählt (davon 754 Mangas). 207 Verlage waren 2004 auf dem französischen Comic-Markt tätig.
Solange der Markt eine solche Fülle an Aktivitäten auch annimmt, kann man sich über die Aufwärtsentwicklung, die laut Charente Libre bereits seit neun Jahren anhält, nur freuen. 31,8 Millionen Comicalben konnte man 2004 angeblich verkaufen (+6,7 % gegenüber 2003), die Auflage pro Album lag im Schnitt bei 14.000 Exemplaren und zeigt damit leichte Tendenz nach unten. Thierry Groensteen vom Verlag L'An 2 beobachtete, dass die Comicläden mit der zunehmenden Anzahl von Neuerscheinungen platzmäßig nicht Schritt halten können. Ferner wird der Anteil derjenigen Comics immer größer, der recht schnell umgesetzt werden muss, weil er für die Käufer schon bald "out" sein wird. So kommt auf die Comicläden immer mehr Arbeit zu. Groensteen sieht die Gefahr einer Überproduktion von Comics durch die stark zunehmende Anzahl von Neuerscheinungen bei den Mangas (+45 % gegenüber 2003).
Die Auflagen-Charts werden jedoch weiterhin von frankobelgischen Comics angeführt. "Titeuf 10" ging mit 2 Millionen Exemplaren an den Start, der neue "Lucky Luke" wurde 650.000 Mal gedruckt, "Tintin et l'Alph-Art" brachte es auf 600.000 Exemplaren. Dahinter reihen sich altbekannte Namen an: "Largo Winch", "Blake et Mortimer", "XIII", "Joe Bar Team", "Cedric", "Kid Paddle", "Lanfeust des étoiles" und "Thorgal" erreichten Auflagen zwischen 530.000 und 280.000 Exemplaren. Die Auflagen von Mangas liegen in der Spitze bei 60.000 Büchern ("Naruto"), andere Topptitel legt man in Stückzahlen um die 50.000 ("Yu-Gi-Oh", "Gunnm Last Order") oder 40.000 Exemplaren auf ("Fruits Basket", "Shaman King", "Samourai deeper Kyo", "Hunter x Hunter"). Über die Anzahl der tatsächlich verkauften Bücher sagen diese Verlagsangaben allerdings nur tendenziell etwas aus.
Während sich der ACBD bei seinem Zahlenwerk auf Verlagsangaben stützt, versuchen Livres Hebdo, das Marktfoschungsunternehmen GFK und die Verlags-Dachorganisation SNE den Umfang tatsächlich verkaufter Comics abzuschätzen. Während Livres Hebdo für 2004 auf einen Umsatz von 240 Millionen Euro kommt, das entspricht laut ACBD gut 30 Millionen Comicalben, schafft es das GFK sage und schreibe auf 43,3 Millionen Alben. Ob da wohl jemand vergessen hat, die Anzahl der Remittenden abzuziehen? Mit einer Angabe von 31,8 Millionen verkaufter Alben steuert auch noch die SNE ihre Ansicht zum französischen Comicmarkt 2004 bei. Wie gut, dass es zum deutschen Comicmarkt keine veröffentlichte Schätzung gibt. So entgehen wir hier dem Streit der Zahlenkarle, der in Frankreich seine Blüten treibt.

Als bestes Album wurde "Poulet aux prunes" von Marjane Satrapi ausgezeichnet. Ralf König feierte man mit "Wie die Karnickel" als besten Szenaristen.
Nasser Ali Khan ist kein sonderlich hilfreicher Ehemann. Gerne spielt er auf seiner Tar (einer iranischen Laute) und vergisst Zeit und Raum. Kein Wunder, dass seine Frau eines Tages voller Zorn seine Laute zerbricht. Was damit in und um ihn herum auch noch zerbricht und was das mit dem Titel "Poulet aux prunes" (d.i. Pflaumenhühnchen) von Marjane Satrapis neuem Buch zu tun hat, liest man anfangs mit einer Mischung aus Vergnügen und Kopfschütteln über den seltsamen Musiker, bis Satrapi in meisterhafter Erzählweise Stück für Stück die Hintergründe für dessen Tun aufdeckt. Mag man zuerst auch gedacht haben, dass die Satrapi aus Sympathie oder wegen eines "Persepolis"-Bonus schon wieder den Siegeslorbeer erhielt, so lehrt einen die Lektüre des pflaumenfarbenen Buchs, dass die iranische Autorin abermals mit etwas Neuem verblüffen kann und uns Weisheiten ihres Landes mit einfachen zeichnerischen Mitteln überzeugend zu vermitteln weiß.
Im Erzählen langer Geschichten, die aus menschlich-verklemmten Gründen immer wieder zu urkomischen Situationen führen, reicht Ralf König bei uns kaum jemand das Wasser. Dass der Max und Moritz-Preisträger von 1992 nun auch den Prix d'Angoulême 2005 für das beste Szenario erhält, ist für einen deutschen Comic-Autoren ein überaus seltenes Ereignis. In "Wie die Karnickel" verquicken sich die Lebenswege zweier Männer, einer ist hetero, der andere nicht, zu einem Spektakel an irrwitzigen Situationen. "Willst du keinen Himmel brauchen - willst du einmal untertauchen - in ein Meer von Lust? - Willst du einmal Nektar schlürfen - willst du einmal wissen dürfen - was du nie gewusst?" singt Kriemhild Nastrowa und der Kontrabassist Horst Bömmelburg wird seinem Schicksal nicht entgehen. Bei uns erscheinen die Comics von Ralf König zurzeit bei mindestens drei Verlagen, bei Achterbahn, bei Carlsen und bei Männerschwarm. Mit "Roy & Al", den Erlebnissen zweier Hunde aus der schwulen Szene, brachte König 2004 bei uns ein neues und beachtliches Album in die Läden. "Konrad und Paul" wurde mit zum Teil neuen Material und in geändertem Format gerade neu aufgelegt.

Angeblich um die 1000 Zeichner signierten ihre Comics in Angoulême. Ein Blick in die lange Liste von bei uns meist unbekannten Namen lässt erahnen, dass der frankobelgische Comic viele neue Gesichter und Comics zu entdecken anbietet.
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