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Angoulême 2005
Georges Wolinski

Georges Wolinski reiht sich in die lange Liste der Grand Prix-Gewinner ein und wird als Präsident dem Festival 2006 seinen Stempel aufdrücken können.

Gewinner des Grand Prix der Stadt Angoulême

  • 1974: André Franquin
  • 1975: Will Eisner
  • 1976: Pellos
  • 1977: Jijé
  • 1978: Jean-Marc Reiser
  • 1979: Marijac
  • 1980: Fred
  • 1981: Moebius
  • 1982: Paul Gillon
  • 1983: Jean-Claude Forest
  • 1984: Jean-Claude Mézières
  • 1985: Jacques Tardi
  • 1986: Jacques Lob
  • 1987: Enki Bilal
  • 1988: Philippe Druillet
  • 1989: René Pétillon
  • 1990: Max Cabanes
  • 1991: Marcel Gotlib
  • 1992: Frank Margerin
  • 1993: Gérard Lauzier
  • 1994: Nikita Mandryka
  • 1995: Philippe Vuillemin
  • 1996: André Juillard
  • 1997: Daniel Goossens
  • 1998: François Boucq
  • 1999: Robert Crumb
  • 2000: Florence Cestac
  • 2001: Martin Veyron
  • 2002: François Schuiten
  • 2003: Régis Loisel
  • 2004: Zep
  • 2005: Georges Wolinski

Sonderpreise

  • 1982: Claire Bretécher (10. Festival)
  • 1988: Hugo Pratt (15. Festival)
  • 1992: Morris (20. Festival)
  • 2000: Albert Uderzo (Milleniumspreis)

Jury Grand Prix d'Angoulême

Comic-Konzerte

Eine neue Form im Umgang mit Comic stellten die erstmalig durchgeführten drei Comic-Konzerte dar. Im Wechselspiel mit Livemusik gaben im Espace Franquin die Zeichner Zep, Nicolas de Crécy, Dupuy & Berbérian, Johan De Moor, Jean-Christophe Chauzy und Blutch unter dem häufigen Applaus des Pubikums ihr Bestes. Das Szenario der Konzerte, mit welchem an den 100-jährigen Geburtstag von "Little Nemo" von Windsor McCay erinnert wurde, stammte aus den Federn von Thierry Smolderen und José-Louis Bocquet und wurde bei jedem Konzert neu interpretiert.

Dauerfestival

In einem Interview wiederholten sich Jean-Marc Thévenet als Direktor und Benoît Mouchard als künstlerischer Leiter des Festivals mit ihrer Forderung, dass das Festival nicht nur jene vier Tage im Januar dauern dürfe. Man wolle immer und überall Comic-Festival. Dazu werden Ideen und Ausstellungen exportiert, zum Beispiel das Comic-Konzert, welches auf Tournée durch Frankreich, Belgien und der Schweiz gehen wird. 2004 konnte man in Paris eine "Blake und Mortimer"-Ausstellung ausrichten und so eine Kompetenz nachweisen, durch die man andere Festivalbetreiber als mögliche künftige Konkurrenten aus dem Feld zu stechen hofft. Dabei denkt man offenbar auch an die Macher des Pariser Comic-Salons.

Samstag, 29. Januar

Anfangs war in dem nagelneuen Mangazelt noch nicht viel los, aber das änderte sich zum Wochenende hin völlig. Neben zwei Reihen von dicht umlagerten Messeständen befand sich ein Forumsbereich, auf dessen Bühne Gespräche, Präsentationen, Signierstunden und Diskussionen mit Mangafachleuten abliefen. Auch wenn es seit Jirô Taniguchi ("Quartier lointain", "L'Orme du Caucase", "Le Sommet des Dieux") auf dem französischen Markt deutlich mehr Manga für Erwachsene gibt als bei uns, so verliefen sich ins Mangazelt kaum ältere Besucher. Die jungen Comicleser drängten sich um die japanischen und koreanischen Zeichner wie zum Beispiel dem "Priest"-Autoren Hyung Min-Woo. Der Prozentsatz weiblicher Besucher und Zeichnerinnen war ungewöhnlich hoch.

Für Erwachsene zeichnet Yoshihiro Tatsumi ("Les larmes de la bête", "Coup d'éclat", "Good bye"), der bei den Verleihungen der Prix d'Angoulême einen Sonderpreis des FIBD erhielt. Wegen des Streiks der Eisenbahner blieb Tatsumi am Mittwoch erst einmal in Paris stecken, bevor er das Festival erreichte, wo er als Vertreter des Gekiga (d.i. etwa "Drama-Zeichnung") gefeiert wurde. Die Gekiga-Zeichner bemühen sich seit den 60er-Jahren, einen Gegenpol zum infantilen Manga zu bilden. Tatsumi führt dazu in einem Vorwort zu "Coup d'éclat" aus: "Unsere Vorgänger haben uns beigebracht, dass ein Comic komisch sei, [...] dass es darum ginge, den Leser zum Lachen zu bringen. Das wollen wir nicht mehr."

Hiroyuki Takei (Shaman King)

Als Zeichner von "Shaman King" genießt Hiroyuki Takei (links) in Frankreich viel Leserzuspruch. Während der Signierstunde saß er mit einer Dolmetscherin auf dem Podium des Mangazeltes und ließ die Signierwilligen nur jeweils einzeln zu sich heraufkommen. Aus einem unbekannten Grund machte Philippe Mottet den Mangaka sogar zum Ehrenbürger der Stadt.

Auf 500 m² Fläche konnte sich der asiatische Comic bei seinem ersten Messezeltauftritt vorstellen. Zu manchen Zeiten reichte dieser Platz allerdings nicht; auf lange Sicht wird man mit diesen knapp 10 Prozent an der Gesamtmessefläche wohl nicht auskommen.

:-)

Schon am Freitag soll Vuillemin zur Mittagszeit verkündet haben, dass Georges Wolinski dieses Jahr den Grand Prix erhalten wird. Doch die eigentliche und geheime Wahl fand erst am Samstagvormittag statt. Drei Mitglieder der Jury gaben ihre Stimme telefonisch ab, die anderen wählten persönlich im Hotel Mercure. Zu diesem Zeitpunkt saß Wolinski in seinem Hotelzimmer und zeichnete für Charlie Hebdo einen Gag, warum er niemals den Grand Prix der Stadt Angoulême erhalten wird. Dann klopfte es an seiner Tür und seine Zeichnung war reif für den Papierkorb. Schon oft hatten ihm seine Weggefährten, die bereits einmal den Grand Prix gewonnen haben, in den vergangenen Jahren angekündigt, dass er Preisträger würde und den Präsidenten spielen müsse. Aber erst dieses Jahr, als er nach zwanzig Jahren des Wartens schon nicht mehr damit rechnete, hat es endlich geklappt.

Die Jury besteht aus den Gewinnern der früheren Grand Prix. Am Telefon waren dieses Jahr Philippe Druillet, François Schuiten und Daniel Goossens bei der Wahl dabei, zur Abstimmung saßen Régis Loisel, René Pétillon, François Boucq, Moebius, Florence Cestac, Frank Margerin, Fred, André Juillard, Nikita Mandryka, Enki Bilal, Zep, Jean-Claude Mézières, Martin Veyron, Philippe Vuillemin und Gérard Lauzier im Hotel Mercure zusammen, also stimmten insgesamt 18 Juroren ab.

:-)

Georges Wolinski wurde am 28. Juni 1934 in Tunis geboren, kam mit 19 nach Paris, steuerte ab 1960 satirische Zeichnungen zur Hara-Kiri bei und leitete ab 1970 für elf Jahre Charlie Mensuel. Heute arbeitet der 70-jährige Cartoonist, der sich als "Pressezeichner" empfindet, für Paris Match und andere Periodika. Gerne zitiert er zur Beschreibung seiner selbst François Cavanna: "Man glaubt der Wolinski sei ein Depp, weil er den Deppen spielt; aber er ist wirklich ein Depp!" Cavanna war Mitbegründer von Hara-Kiri. Sein erstes Buch mit Zeichnungen kaufte der zehnjährige Wolinski in Tunesien. Es war ein Buch von Albert Dubout, den er den "größten französischen Zeichner" nennt, welcher es verdient hätte, einmal in Angoulême ausgestellt zu werden. Dubout (1905-1976) gilt als Pionier des französischen Comics. Sollte es Wolinski gelingen, als Präsident eine solch interessante Werkschau auf die Beine zu stellen? Für die eigene Ausstellung wird sich in seinen gut 80 Alben, die er bisher veröffentlicht hat, jedenfalls genug Material finden, einmal Zeitgeschichte aus dem Blickwinkel eines provokanten Zeichners Revue passieren zu lassen.

Martin Veyron, Fred, N.N., René Pétillon

Die Jury für den Grand Prix zeigte sich nach der Wahl von Georges Wolinski mit dem Ergebnis recht zufrieden (v.l.n.r. Martin Veyron, Fred, N.N., René Pétillon).

:-)

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