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Angoulême 2006
Christina Plaka

Christina Plaka kommt mit "Yonen Buzz" jetzt in Frankreich heraus.

Zeichnermassagen

Um die Verspannungen seiner Zeichner am Signierstand zu mindern, hat der Verlag Dupuis die Masseurin Greta Liberge engagiert, die den Künstlern bei Bedarf den Rücken stärkt. Der Slowakin aus Bordeaux wurde dafür ein besonderes Massagemöbel im hinteren Teil des Dupuis-Stands aufgestellt, auf dem sie täglich zwei Stunden lang den Zeichnern Entspannung verschafft.

Signiertickets

Nur wer ein Buch kauft, bekommt vom Autoren eine Zeichnung. Bei Dargaud und Dupuis erhält man beim Comic-Kauf ein Ticket, welches dazu berechtigt, am Signierstand dann auch tatsächlich eine Zeichnung zu erhalten. Man sei schließlich da, um Bücher zu verkaufen, erklärte Thi Nguyên, ein Vertriebsdirektor von Dupuis.

Signierstempler Midam

Dank seines Stempel-Systems schafft es Midam ("Kid Paddle") pro Tag gut hundert Alben zu signieren. Während ein Zeichner für gewöhnlich nur etwa 25 Widmungen pro Signiertermin schafft, setzt Midam seine Zeichnungen mit Hilfe von zwölf Stempeln zusammen. Die Stempel liefern Teile von Zeichnungen, die er dann nur noch zu ergänzen braucht. "So kann jeder mit einer Widmung nach Hause gehen", erklärt der Zeichner. "Das Ziel ist ja nicht, ein Kunstwerk zu erhalten, sondern ein Souvenir mitzunehmen".

"Alle Ecken zeichnen"

möchte Mike Mignola ("Hellboy"). Beim Rundgang durch Angoulême entdeckte er viele Straßenecken, an denen er gerne angehalten hätte, um sie zu zeichnen. In einem Interview mit der Charente Libre erklärte er, dass er sich bei seinen Erzählungen durch europäische Mythen inspirieren lasse und dass er froh sei, hier in Angoulême auf die besten Comiczeichner zu treffen. Das habe ihn letztlich motiviert, nach Angoulême zu reisen.

Niedergang des Erotikcomics

Milo Manara beklagt, dass man sich heute im Bereich des erotischen Comics viel weniger traut als noch vor zwanzig Jahren. Er unterstellt den Verlagshäusern eine Selbstzensur. Mit Georges Wolinski als Festivalpräsidenten hätte man beim 33. Comicfestival deutlich mehr erwarten können als eine Wolinski-Erotikecke im CNBDI und einer Ausstellung zu den Arbeiten von Georges Pichard.

Preisverleihung

Leider wurde die Verleihung des Grand Prix der Stadt Angoulême auf den Sonntagmorgen verschoben, so dass die gewohnten und stimmungsvollen Feierlichkeiten am Abend auf dem Rathausbalkon dieses Jahr ausblieben.

Samstag, 28. Januar

Für den Manga wurden auch dieses Jahr wieder eigene Zeltbereiche eingerichtet. Beim Verlag Kana signierte Moebius unter großem Gedränge sein von Jirô Taniguchi gezeichnetes Buch "Icare". Ein aufgeregter japanischer Comicfan gab mit Händen und Füßen zu verstehen, dass sich Moebius auch in Japan einen Namen machen konnte. Und bei Soleil Manga saßen mit Christina Plaka ("Yonen Buzz") und Anike Hage ("Gothic Sports") zwei deutsche Mangazeichnerinnen für mehrere Tage am Signiertisch, um in die französischen Ausgaben ihrer Bücher für die Fans etwas zu zeichnen.

Und auch für den Manhwa und den Manhua hatte man eigene Zelte aufgebaut. Den Manhwa präsentierte man ähnlich wie auf der Frankfurter Buchmesse, indem man eine Ausstellung an Comicseiten zeigte und berühmte südkoreanische Mangaka zu diversen Signierstunden eingeladen waren, darunter Koh Yasung ("Under the Glassmoon"). Der Manhua war hingegen nicht wie in Frankfurt durch Taiwanesen vertreten sondern durch chinesische Verlage vom Festland. So konnte man sich von alten Propagandacomics überraschen lassen, die bis in die 70er-Jahre der Verlag für fremdsprachige Literatur aus Peking in Deutsch herausgab (zum Beispiel "Norman Bethune in China", "Feindliche Stellungen am Yangtse" oder "Ein funkelnder roter Stern"). Statt ihr Material wie dermaleinst für einen kleinen Betrag unters Volk zu bringen, verlangte man jetzt glatt 20 Euro (Softcover) oder auch 30 Euro (Hardcover) vom Messegänger, der an allem Interesse zu haben scheint, was aus dem Fernen Osten kommt und mit ausreichend vielen chinesischen Schriftzeichen versehen ist.

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Französischer Cosplay

Cosplay in Angoulême: Die Teilnehmer hielten sich zurück. Die peitschenschwingende Dame (rechts) gewann.

Wer geglaubt hat, dass sich im Land der europäischen Comicsuperlative zu einem Cosplay-Wettbewerb eine Unzahl von Teilnehmern anmelden, der sah sich im Angoulêmer Theater verblüfft auf der Bühne um. Zum Gruppenwettbewerb trat eine einzige Gruppe an, die den ersten Preis dann auch umgehend gewann. Im Einzelwettbewerb sah man vier Kostümierte, unter denen eigentlich nur eine als Mangafigur (nämlich "Princess Ai") erkennbar war, die den Preis dann umgehend nicht gewann. Den erhielt das Sado-Maso-Mädchen, dass dem überwiegend männlichen Publikum wohl besser gefiel. Die beiden Kleiderständer, die sich außerdem auf der Bühne aufhielten, waren steif, verlegen und chancenlos. Als bereits nach einer halben Stunde der eigentliche Wettbewerb zu Ende zu gehen drohte, lud man kurz entschlossen das Publikum zu einem Ratespiel auf die Bühne, bei dem man sich eine halbe Stunde in der Runde herumbewegte. Doch auch jetzt gab es weder Pfiffe noch flogen faule Eier und Tomaten. Mit einem Cosplay-Wettbewerb wie bei uns war das Ganze nicht zu vergleichen, außer, dass man sich auch hier eigens um eine Eintrittskarte bemühen musste.

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Stand mit Spirouhüten

Am Stand von Dupuis bekam jeder einen mehr oder weniger passenden Hut und eine Schnupperprobe vom neu gestalteten "Spirou"-Heft.

Eine große Zahl von Autoren brachte Dupuis mit ins Angoulêmer Messezelt, die man hier trotz ihrer Bekanntheit selten angetroffen hat. Janry, Bercovici, Taduc, Éric Stalner, Serge Le Tendre, Stuf, Bédu, Laudec sind den "Spirou"-Lesern selbstredend ein Begriff. An den Signierständen erhielten bei einigen Zeichnern Kinder den Vorrang. Die Anwesenheit der "Spirou"-Zeichner bekam man auch beim Aufschlagen der Tageszeitung zu Gesicht: eine Doppelseite der Charente Libre gestalteten sie täglich im Alleingang.

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