Samstag, 28. Januar
Für den Manga wurden auch dieses Jahr wieder eigene Zeltbereiche eingerichtet. Beim Verlag Kana signierte Moebius unter großem Gedränge sein von Jirô Taniguchi gezeichnetes Buch "Icare". Ein aufgeregter japanischer Comicfan gab mit Händen und Füßen zu verstehen, dass sich Moebius auch in Japan einen Namen machen konnte. Und bei Soleil Manga saßen mit Christina Plaka ("Yonen Buzz") und Anike Hage ("Gothic Sports") zwei deutsche Mangazeichnerinnen für mehrere Tage am Signiertisch, um in die französischen Ausgaben ihrer Bücher für die Fans etwas zu zeichnen.
Und auch für den Manhwa und den Manhua hatte man eigene Zelte aufgebaut. Den Manhwa präsentierte man ähnlich wie auf der Frankfurter Buchmesse, indem man eine Ausstellung an Comicseiten zeigte und berühmte südkoreanische Mangaka zu diversen Signierstunden eingeladen waren, darunter Koh Yasung ("Under the Glassmoon"). Der Manhua war hingegen nicht wie in Frankfurt durch Taiwanesen vertreten sondern durch chinesische Verlage vom Festland. So konnte man sich von alten Propagandacomics überraschen lassen, die bis in die 70er-Jahre der Verlag für fremdsprachige Literatur aus Peking in Deutsch herausgab (zum Beispiel "Norman Bethune in China", "Feindliche Stellungen am Yangtse" oder "Ein funkelnder roter Stern"). Statt ihr Material wie dermaleinst für einen kleinen Betrag unters Volk zu bringen, verlangte man jetzt glatt 20 Euro (Softcover) oder auch 30 Euro (Hardcover) vom Messegänger, der an allem Interesse zu haben scheint, was aus dem Fernen Osten kommt und mit ausreichend vielen chinesischen Schriftzeichen versehen ist.

Cosplay in Angoulême: Die Teilnehmer hielten sich zurück. Die peitschenschwingende Dame (rechts) gewann.
Wer geglaubt hat, dass sich im Land der europäischen Comicsuperlative zu einem Cosplay-Wettbewerb eine Unzahl von Teilnehmern anmelden, der sah sich im Angoulêmer Theater verblüfft auf der Bühne um. Zum Gruppenwettbewerb trat eine einzige Gruppe an, die den ersten Preis dann auch umgehend gewann. Im Einzelwettbewerb sah man vier Kostümierte, unter denen eigentlich nur eine als Mangafigur (nämlich "Princess Ai") erkennbar war, die den Preis dann umgehend nicht gewann. Den erhielt das Sado-Maso-Mädchen, dass dem überwiegend männlichen Publikum wohl besser gefiel. Die beiden Kleiderständer, die sich außerdem auf der Bühne aufhielten, waren steif, verlegen und chancenlos. Als bereits nach einer halben Stunde der eigentliche Wettbewerb zu Ende zu gehen drohte, lud man kurz entschlossen das Publikum zu einem Ratespiel auf die Bühne, bei dem man sich eine halbe Stunde in der Runde herumbewegte. Doch auch jetzt gab es weder Pfiffe noch flogen faule Eier und Tomaten. Mit einem Cosplay-Wettbewerb wie bei uns war das Ganze nicht zu vergleichen, außer, dass man sich auch hier eigens um eine Eintrittskarte bemühen musste.

Am Stand von Dupuis bekam jeder einen mehr oder weniger passenden Hut und eine Schnupperprobe vom neu gestalteten "Spirou"-Heft.
Eine große Zahl von Autoren brachte Dupuis mit ins Angoulêmer Messezelt, die man hier trotz ihrer Bekanntheit selten angetroffen hat. Janry, Bercovici, Taduc, Éric Stalner, Serge Le Tendre, Stuf, Bédu, Laudec sind den "Spirou"-Lesern selbstredend ein Begriff. An den Signierständen erhielten bei einigen Zeichnern Kinder den Vorrang. Die Anwesenheit der "Spirou"-Zeichner bekam man auch beim Aufschlagen der Tageszeitung zu Gesicht: eine Doppelseite der Charente Libre gestalteten sie täglich im Alleingang.

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