Andrea Fiala

Andrea Fiala

Wolfgang Strzyz

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Martin Jurgeit:
Die Macher im Hintergrund
Ein Gespräch mit Andrea Fiala de Ayerbe und Wolfgang Strzyz, den Organisatoren des Sonderthemas "Faszination Comic"

Könntet ihr euch bitte kurz vorstellen, damit die Leser einen Eindruck von euch bekommen.

Wolfgang Strzyz: Ursprünglich war ich Diplompädagoge mit Hobby "Comics". Ende der 80er Jahre entschied ich mich, mein Hobby zum Beruf zu machen, und ließ mich zum (Comic-)Buchhändler umschulen. So kam ich mit der Deutschen Buchhändlerschule in Frankfurt/Seckbach, einer Einrichtung für Azubis im Buchhandel, in Kontakt, wo ich dann nach Abschluss meiner Ausbildung eine Comicbibliothek aufbaute und über "Comics im Buchhandel" unterrichte. Zum gleichen Thema habe ich einige Jahre später im Bramann Verlag, einem Verlag für buchhändlerische Fachliteratur, ein Buch veröffentlicht. Als dann die Buchmesse 1999 jemanden suchte, der als Kenner der Materie den Themenschwerpunkt "Faszination Comic" inhaltlich füllen sollte, war es genau die Kombination "Comic" und "Buchhandel", die sie auf mich aufmerksam werden ließ.

Andrea Fiala: Ich bin eigentlich Diplom-Romanistin mit Schwerpunkt Betriebswirtschaftslehre. Und was macht man mit so einer merkwürdigen Kombination? Man geht zur Buchmesse, wo man die Sprachkenntnisse und die Auslandserfahrung (ein halbes Jahr Frankreich, zwei Jahre Ecuador) im täglichen Kontakt mit interessanten Leuten aus aller Welt einsetzen kann. Meine Hobbies sind meine 2 Kinder und, falls noch Zeit dafür bleibt, Salsa tanzen. Mit Comics hatte ich bis vor kurzem noch nicht viel Kontakt (außer durch meine Lektüre von Micky Maus, Donald Duck und Fix und Foxi als Kind).

Was sind eure Aufgaben bei der Buchmesse?

Wolfgang Strzyz: Ich arbeite für die Buchmesse und bin nicht bei ihr angestellt. Meine Arbeit besteht in erster Linie darin, das Programm für "Faszination Comic" zusammenzustellen und die Kontakte zu den Verlegern, Fachjournalisten, Künstlern usw. zu pflegen und auszubauen. In der Praxis sieht es allerdings so aus, dass Andrea und ich sehr stark im Team arbeiten.

Andrea Fiala: Ich arbeite bereits seit 1992 bei der Buchmesse und war bis vor zwei Jahren im Bereich Ausstellerbetreuung tätig. Nach einer internen Umstrukturierung unserer Firma wurde der Bereich "Faszination Comic" frei und ich meldete mich sofort dafür, da mir die Organisation eines solchen Schwerpunktes als sehr reizvoll erschien. Nach und nach arbeitete ich mich auch inhaltlich in das Thema Comic ein und muss sagen, dass es mir wirklich viel Spaß macht. Ursprünglich war einmal geplant, dass Wolle für das Programm zuständig ist und ich für die gesamte Organisation. Aber wie er bereits gesagt hat, arbeiten wir inzwischen als Team und das, wie ich meine, recht erfolgreich.

Wie entstand die Idee der "Faszination Comic" und was sollte und soll mit diesem Schwerpunkt erreicht werden?

Andrea Fiala: Die Idee eines Comic-Schwerpunktes entstand eigentlich dadurch, dass wir merkten, dass sich seit einiger Zeit wieder etwas auf dem Comic-Markt tut. Wir wollten die positiven Tendenzen unterstützen und dem Comic und den Comic-Verlagen den Stellenwert verschaffen, den sie verdienen. Wir wollen durch das Comic-Zentrum und die Zusammenfassung der Verlage, die ja bislang übers ganze Messegelände verteilt waren, die Aufmerksamkeit des Fach- und Endpublikums verstärkt auf die Comic-Verlage und ihre Bücher lenken. Allerdings muss man sich immer vor Augen halten, dass der Comic-Bereich mit in diesem Jahr knapp 70 Ausstellern nur ca. ein Prozent der gesamten Aussteller ausmacht und dass Frankfurt nicht mit Comic-Salons, wie z.B. Erlangen, verglichen werden kann.

Wie reagierten die Verlage? Schließlich mussten diese ja teilweise die Halle wechseln und lieb gewonnene "Stammplätze" auf der Messe aufgeben.

Wolfgang Strzyz: Im ersten Jahr mussten wir stundenlange Telefongespräche führen, um die riesige Skepsis zu überwinden. Viele Comicverleger waren schlichtweg perplex, dass die Buchmesse Frankfurt, immerhin die größte der Welt, den bunten Bildern einen eigenen Themenschwerpunkt widmen wollte. Man traute der Sache irgendwie nicht. Es war ein Phänomen. Jahrelang predigten die Vertreter des hehren Comic "Nehmt uns ernst, nehmt uns ernst!", und als es dann passierte, kniffen sie nach dem Motto: "Was nie war, kann auch jetzt nicht sein". Hilfreich war dann, dass Carlsen die Sache vorbehaltlos unterstützte, und viele Verleger meinten: "Wenn Carlsen da hingeht, gehen wir auch hin!". So kamen wir im ersten Jahr auf immerhin rund 35 Aussteller im Comic-Zentrum.

Andrea Fiala: Im zweiten Jahr war es dann schon etwas leichter und wir konnten uns auf knapp 50 Verlage steigern. In diesem Jahr sind wir bereits bei ca. 70, was wir zum Teil auch dadurch erreicht haben, dass wir zum ersten Mal einen von uns betreuten Gemeinschaftsstand anbieten. Durch den Erfolg des Schwerpunktes in der Presse und auch beim Publikum ist es mittlerweile etwas leichter geworden, Aussteller für "Faszination Comic" zu interessieren und zu gewinnen.

Konnten auch viele ganz neue Aussteller für die Messe gewonnen werden, die zuvor noch nicht in Frankfurt waren?

Wolfgang Strzyz: Wirklich neu sind eigentlich nur die kleinen Verlage. Comic-Verlage auf der Buchmesse gab es schon immer. Sie waren halt über die Hallen verstreut und sind vielleicht deshalb nie aufgefallen. Es gibt in Frankfurt rund 250 Aussteller, die Comics produzieren oder Comics mit im Programm haben.

Andrea Fiala: Ich denke, dass das Interesse bei den kleinen Verlagen zwar durchaus vorhanden ist, dass aber die Kosten oft gegen eine Teilnahme sprechen, vor allem wenn im selben Jahr noch andere Veranstaltungen stattfinden und man sich entscheiden muss, zu welcher Messe man geht. Als Messe sind wir zwar im Vergleich mit anderen Veranstaltern recht günstig, aber Frankfurt als Messestadt (Hotels, Verpflegung etc.) ist doch eher teuer.

Eher gering war bisher der Anteil der ausländischen Verlage im Comic-Bereich. Ändert sich dieses inzwischen?

Wolfgang Strzyz: Wie gesagt, die relevanten ausländischen Comic-Verlage, ob aus Frankreich, Japan oder den USA, waren auch in der Vergangenheit schon immer auf der Buchmesse. Aber eben in "ihren" Länderhallen. Sie davon zu überzeugen, auch im Comic-Zentrum einen Stand zu machen, war ein hartes Stück Arbeit. Um ein Beispiel zu nennen: In diesem Jahr haben wir es immerhin geschafft, die vier größten japanischen Verlage zu einem Extra-Stand im Comiczentrum zu bewegen. Soll ich dir mal sagen, wie viele Treffen, Telefongespräche, Mittagessen, Besuche hier und dort dazu nötig waren?

Andrea Fiala: Auch die Franzosen werden dieses Jahr mit einem Gemeinschaftsstand vertreten sein. Allerdings gibt es ein großes Problem: Die ausländischen Verlage wollen oft in Ruhe ihre Lizenzverhandlungen führen und sind nicht so sehr am deutschen Publikum interessiert wie die deutschen Verlage.

Neben dem eigentlichen Messebereich gibt es auch ein vielfältiges Begleitprogramm. Was beabsichtigt ihr mit dem Comic-Zentrum?

Wolfgang Strzyz: Das Begleitprogramm ist ein gutes Beispiel für den Spagat, den wir jedes Jahr leisten müssen. Man darf nämlich nie vergessen, dass die Buchmesse - im Gegensatz zu den Messen in Erlangen, Leipzig, Essen oder sonstwo - keine reine Publikumsmesse, sondern in erster Linie für Fachbesucher gedacht ist. Deshalb organisieren wir an bestimmten Tagen Veranstaltungen für Buchhändler und Bibliothekare und geben auf einer ganz praktischen Ebene Einkaufs-Tipps und Info-Möglichkeiten...

Andrea Fiala: ... während wir am Wochenende publikumswirksame Veranstaltungen machen, wie z.B. am Sonntag unseren Manga-Tag. Besonders hervorheben können wir den Cosplay, bei dem es attraktive Preise zu gewinnen gibt, wie ein i-mode Handset mit einem Gratis-Vertrag von 2 Jahren, einen Gamecube von Nintendo und ein Essen mit dem japanischen Generalkonsul in seiner Residenz in Frankfurt. Außerdem haben wir im Zentrum immer mehrere Ausstellungen und unseren Infopoint, an dem wir dem Publikum alle Fragen zum Thema Comic beantworten.

Erfreulich ist auch die immer größere Zahl internationaler Künstler, die extra zur Buchmesse kommt. Wen können wir dieses Jahr erwarten?

Wolfgang Strzyz: Wir werden mehrere Aktionen mit Lewis Trondheim machen, der für die Buchmesse auch eine Ausstellung über Kindercomics konzipiert hat. Außerdem wird die MAD-Legende Sergio Aragonès kommen. Beide Zeichner werden im Comic-Zentrum signieren. Besonders freue ich mich noch auf zwei andere Sachen: Auf die Ausstellung "Von Albanien bis Ungarn" und die in Deutschland noch unbekannten osteuropäischen Künstler, die in diesem Zusammenhang nach Frankfurt kommen werden, und zweitens auf die weltweit operierende Künstlervereinigung "Cartoonists Across America & The World", die während der gesamten Messe direkt am Comiczentrum mit allen interessierten Künstlern, Kindern und Jugendlichen ein 1 Meter mal 7 Meter großes Wandbild erstellen wird. In erster Linie laden aber die Aussteller internationale Künstler ein. Die genauen Signiertermine kann man kurzfristig erfragen.

Andrea Fiala: Auch hier haben wir wieder das Problem, dass die Buchmesse keine Verkaufsmesse ist, so dass die Verlage die Einladung von Künstlern nicht aus dem Verkauf von Comics refinanzieren können, wie das auf anderen Messen der Fall ist.

Das Projekt "Faszination Comic" im Rahmen der Buchmesse war ursprünglich auf drei Jahre angelegt worden. Wie geht es also im nächsten Jahr mit dem Comic-Bereich weiter?

Andrea Fiala: Die steigenden Ausstellerzahlen und der Erfolg in den Medien und beim Publikum sprechen für eine Weiterführung des Projekts, aber eine Entscheidung wurde noch nicht getroffen. Wir hoffen natürlich auf die Unterstützung durch die Comic-Verlage, denn nur wenn der Schwerpunkt ihnen wirklich etwas bringt, ist es sinnvoll "Faszination Comic" weiterzuführen.


Das Interview führte Martin Jurgeit (ZACK/Hit Comics) Ende September 2002.

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