Die siebte Faszination Comic: Das Comic-Zentrum macht wieder weithin sichtbar auf sich aufmerksam. Neben den vielen Veranstaltungen im Forum werden drei Ausstellungen gezeigt.
Hinweise
Ausstellung Bone - Ein Schwarz-Weiß-Comic bekommt FarbeKurator: Tokyopop GmbH in Zusammenarbeit mit Cartoon Books Selten war ein in Schwarz-Weiß gehaltener Comic schwarzweißer: ohne jegliche Grautöne, ohne jegliche Abstufungen, nur "Entweder-Oder". Aber gerade diese Eindeutigkeit sorgte in dem Fantasy-Comic "Bone" für eine atmosphärische Dichte ohnegleichen und gab den Zeichnungen eine bunte Dimension. Da stellte sich die Frage, ob die Serie auch "funktionieren" könne, wenn denn tatsächlich eine kolorierte Ausgabe vorläge. Zeichner Jeff Smith und Kolorist Steve Hamaker geben mit der "Bone"-Farbausgabe eine überzeugende Antwort: Eine einfühlsame Kolorierung ließ aus einem Comic der Extraklasse ein Meisterwerk entstehen. Die Farbausgabe machte in Amerika bereits Furore und wurde prompt zu einem Bestseller. Steve Hamaker wurde für den "Eisner Award", den wichtigsten Comic-Preis in den USA, nominiert. In neuer deutscher Übersetzung gab Tokyopop den ersten Band der Farbausgabe in diesen Tagen heraus. Die Ausstellung dokumentiert vor allem jüngere Entwicklungen rund um den Kosmos von "Bone" und wirft einen Blick hinter die Kulissen der aufwändigen Kolorierung.
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Mittwoch, 4. Oktober 2006
In Boneville wird's bunt
Durch zehn Länder führt die Europa-Tournee von Jeff Smith, um die Farbausgabe seiner seitenstarken Fantasy-Erzählung "Bone" zu bewerben. In Deutschland besucht er dabei nicht nur Frankfurt, sondern kommt zu Signierstunden auch in einige Comicläden, zum Beispiel nach Berlin. Auf seinen Reisen zu den verschiedenen Comicfestivals habe ihm besonders dasjenige in Lucca, Italien, gefallen. Bei "Bone" sei es ihm zum Schluss nicht leicht gefallen, alle Handlungsfäden, die er im Laufe der Erzählung nach dem Motto "Ach, das erkläre ich später!" begonnen hatte, zu einem befriedigenden Ende zusammenzuführen. Obwohl Smith mit seiner schwarz-weißen Originalversion sehr zufrieden sei, habe auch die spätere farbige Fassung seinen Segen: Die beiden Versionen sprechen unterschiedliche Kundenkreise an, so sind bunte Bilder etwa bei Kindern beliebter. Diesen und ihren Lehrern bringt Smith bei Veranstaltungen an Schulen die Faszination des Comiclesens nahe. Er betonte, dass Comics anders als Filme kein passives Medium seien, sondern die Beteiligung des Lesers einforderten, um die Zwischenräume zwischen den Panels zu füllen. Auch entwickelte sich im Lauf der Zeit ein reiches Zeichenrepertoire, das dem Comic nun zur Verfügung stehe. Zurzeit arbeitet Smith an einer "Shazam!"-Geschichte für DC und einem eigenen Projekt, über das er noch nichts verraten wollte. Vor 15 Jahren musste Jeff Smith "Bone" noch selbst verlegen, weil seine europäisch angehauchten Funnies gegen die US-Superhelden nicht ankamen – heute bewegen sich die Auflagen in siebenstelliger Höhe. Er habe mit "Bone" gezeigt, dass es möglich ist, mit Comic auch recht lange Erzählungen spannend umzusetzen. Nun träume er davon, dass "Bone" einmal in einem Gesamtband erscheint. Das wird dann ein schwerer und nun auch bunter Brocken werden.
(Foto: Jeff Smith)
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Die Schere im Kopf
Mit der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien habe er nie Ärger gehabt. Im Gegenteil: ein Zensurversuch zu "Bullenklöten" brachte den Erfolg, dass seine Arbeit zur Kunst erklärt wurde. Erst jetzt, in den Zeiten des Karikaturenstreits, päpstlichen Rückruderns und angesichts der Absetzung einer Oper, ärgere ihn maßlos, dass er bei der Arbeit zu "Dschinn Dschinn" so etwas wie Angst verspürt habe, einfach alles darzustellen, was ihm einfalle. Er erschrak bei dem Gedanken, dass die Schlagzeile "Ralf-König-Puppen brennen in Teheran" auftauchen könnte. In seiner Wut über seine Angst habe er diejenigen Cartoons gezeichnet, die ihm in Erlangen den Max-und-Moritz-Preis einbachten. König führte aus, dass heute nicht mehr pornographische, sondern religionsfeindliche Stellen beanstandet würden. Er erfand daher in "Dschinn-Dschinn" einen "Parallel-Propheten", um nicht Mohammed darzustellen. Auch Volker Reiche schilderte, dass er früher keinen Gedanken daran verschwendet habe, nicht alles zeichnen zu dürfen, was er möchte. Er erinnere sich, dass sein erstes Album (ein Underground Comic) beschlagnahmt worden sei. Jetzt überlege er, wie er das Thema Islam in seinen Comicstrips angehen könne. "Islam ist Grütze" ließ er im Zuge dessen eine seiner Figuren sprechen. Reiche wirkte in dem von Denis Scheck geleiteten Gespräch sichtlich angespannt, als er über den Koran als einen Text sprach, der sich hinsichtlich der Aufforderungen zu Gewalt und hinsichtlich seiner Einstellung zu Menschenrechten und Frauenrechten einer Kritik stellen müsse. Reiche hatte Zuschriften unzufriedener Leser erhalten, nachdem er in einem "Strizz"-Comicstrip die Hisbollah kritisierte. Er zitierte Robert Gernhardt mit den Worten, die islamische Welt müsse sich nun selbst mit ihrer Religion auseinandersetzen. In "Strizz" könne man dieses Thema nicht differenziert genug behandeln. Reiche lässt seine Charaktere deshalb lieber über Fragen der allgemeinen Grundrechte oder philosophische Inhalte debattieren. Grenzen der Meinungsfreiheit kennen beide kaum: König gab zu, in einem frühen Comic Persönlichkeitsrechte verletzt zu haben, was ihm heute leid tue. Reiche hob noch einmal hervor, dass das "Abtesten von Grenzen" künstlerisches Grundrecht sei und als solches geschützt werden müsse. Es zeichnet unsere freiheitliche Gesellschaft aus, eigene Ansichten ohne Schere im Kopf mitteilen zu können.
(Foto v.l.n.r.: Denis Scheck, Ralf König, Volker Reiche)
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Internationaler Comicmarkt
Zur Diskussion über den internationalen Comicmarkt traf sich am Nachmittag eine Expertenrunde. Deutlich wurde wieder einmal der Einfluss des Phänomens Manga & Co. Chuck Rozanski (USA), Claudio Curcio (Italien), Didier Pasamonik (Belgien) und Rafa Martinez (Spanien) berichteten, wie sich die steigende Beliebtheit der asiatischen Comics auf die je nationalen Verkaufszahlen auswirkt. Pasamonik freute sich über die neue Klientel, die den „bandes dessinées“ damit erschlossen wird. Rozanski lobte die hohe Akzeptanz, die Manga (im Gegensatz zu Superheldencomics) an den amerikanischen Schulen genießt. Alle bestätigten, dass einheimische Zeichner vom „Mangastil“ ästhetisch beeinflusst werden.Von einem umgekehrten Effekt konnten Chigusa Ogino (Japan) und Heewoon Chung (Korea) leider nicht berichten. Der japanische Markt, so Ogino, schließe sich sogar zunehmend von westlichen Einflüssen ab. Korea könnte wieder einmal Trendsetter werden: Dort boomt das Geschäft mit Onlinecomics, die parallel zu den gedruckten Heften angeboten werden. In Amerika, so Rozanski, hatte Marvel die kostenlose Online-Veröffentlichung ihrer Comics wieder eingestellt, obwohl dadurch die Verkaufszahlen gestiegen waren. Moderiert wurde das Gespräch von Andreas Dierks.
(Foto v.l.n.r.: Didier Pasamonik, Rafa Martinez, Claudio Curcio, Heewoon Chung, Chigusa Ogino, Chuck Rozanski, Andreas Dierks)
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