Ein Dino in der Zeitmaschine: Joscha Sauer wirbt für "Nichtlustig 4" mit einem Film und einer kleinen, gelungenen Installation.
Hinweise
Ausstellung Neu in jeder Beziehung - Der Deutsche Cartoonpreis 2006Kurator: Die Jury "Neu in jeder Beziehung" - so lautete das Motto, unter dem die Frankfurter Buchmesse und Carlsen Comics den Deutschen Cartoonpreis 2006 ins Leben riefen. Teilnahmebeschränkungen gab es keine und so konnte jeder, der zu diesem Thema witzige und pfiffige Ideen hatte, diese aufs Papier bringen und einsenden. Eine Jury, bestehend aus Jürgen Boos (Direktor der Frankfurter Buchmesse), Rolf Dieckmann (Redaktion Humor und Satire beim Stern), Klaus Humann (Verleger, Carlsen), Joscha Sauer (Cartoonist, "Nichtlustig"), Stefan Trautner (Comicladen Ultra Comix), wählte aus den weit über 100 Einsendungen die besten Cartoons aus. Diese gibt es nun während der Frankfurter Buchmesse im Comic-Zentrum zu sehen.
|
Nichtlustig 4: Die Wissenschaftler beobachten Dino und Zeitmaschine. Ob in den Corn Flakes wieder ein kleiner Dino sein wird?
TTTT
Auch dieses Jahr wieder hart umkämpft: der erste Platz im Tischtennis-Turnmier des Todes. Härter als jeder Aufschlag war jedoch der Sportkommentar durch Volker Reiche: „Wie jämmerlich!“ – „Hier ist ein Mann, der von Anfang an versagt.“ Kein Wunder, dass die Spannung beim Finale zwischen den Teams von Lappan und der Köpeniker Cartoon GmbH schon fast ins Unerträgliche gestiegen war. Auf der einen Seite flogen Beleidungen , auf der anderen Seite die Tischplatte. Ein Eskalation konnte mit Chips und Bier gerade noch verhindert werden. Lustig: Beide Finalteams hatten sich T-Shirts gestaltet, auf deren Rücken bei einem Spieler „Ping“ und beim anderen „Pong“ zu lesen war. Dass Reiche die Köpeniker hartnäckig „Kartong Kaufhaus“ betitelte, hielt diese nicht vom Sieg ab. Nach einem äußerst knappen zweiten Satz konnten Christian Sonnhof und Wolfgang Kleinert schließlich die von Mawil gestaltete TTTTT (Tischtennis-Turmnier-des-Todes-Trophäe) in Empfang nehmen.
|
(Foto: Das "Cartoon Kaufhaus" gewann im Tie Break.)
|
Franquins Nachfolge
Man habe bei Dupuis vier Jahre lang gesucht und getestet bis leztlich José-Luis Munuera das Angebot bekam, neuer Zeichner für "Spirou und Fantasio" zu werden. Das könne man nicht ablehnen. Er wisse allerdings nicht, warum gerade er ausgewählt worden sei. In dem von Andreas Platthaus geführten Gespräch mit dem Künstler gab dieser Einblick in die Vorgänge um seinen Aufstieg in die Riege der Nachfolger André Franquins als Zeichner der sehr bekannten Abenteuerserie. Für Abenteuergeschichten brauche man heutzutage aber neue Elemente, was sich zum Beispiel darin äußere, dass im Kugelhagel auch einmal jemand von einer Kugel getroffen wird und stirbt. Munuera und sein Szenarist Jean David Morvan überfluteten im Zuge dieser Neugestaltung ganz Paris und im neuen Album 'Der Mann, der nicht sterben wollte' ließen sie Spirou und Fantasio noch ganz andere horrende Situationen erleben. José-Luis Munuera machte um 1996 mit der Serie "Die Potamoks" auf sich aufmerksam. Da die Kommunikation mit Joann Sfar als Szenaristen für ihn aber schwierig gewesen sei, blieb es bei drei Alben. Mit "Merlin" setzte sich um 1999 die Zusammenarbeit mit Sfar dann doch noch für "sechs oder sieben" Alben fort. Andreas Platthaus betonte, dass sich die Alben durchaus auch an ein älteres Publikum richteten. Man könne bei der Lektüre das Kind in sich wiederentdecken, bestätigte der Zeichner, der im Anschluss an das Gespräch auch etwas ausgefallenere Signierwünsche erfüllte.
(Foto: José-Luis Munuera)
|
Trockenbrot und Luxusyacht
Traurig, aber wahr: immer noch können in Deutschland nur wenige Comic-Künstler von ihrer Tätigkeit leben. Stefan Dinter und Naomi Fearn gehören nicht dazu. Anschaulich rechneten sie dem entsetzen Publikum vor, dass der Stundenlohn eines hiesigen Zeichners etwa dem eines indischen Teppichknüpfers entspricht. Wie stellt man es also an, dass man trotzdem nicht am Hungertuch zu nagen braucht? Dinter und Fearn empfehlen dringend ein zweites Standbein als Letterer, Storyboarder, Schulbuchillustrator, Millonärsgattin oder Organhändler. Auch eine Mitgliedschaft in der VG Bildkunst (der GEMA für bildende Künstler) zahlt sich aus. Aber mit Geldverdienen allein ist es noch nicht getan: Die 7% Mehrwertsteuer müssen beiseite gelegt werden und die Steurerklärung gemacht, und man solltesich rechtzeitig um Haftpflicht- und Unfallversicherung kümmern. Für die Rente bietet sich die Künstlersozialkasse (KSK) an. Mehr Informationen für Nachwunchszeichner bietet der ICOM-Ratgeber "Honorare Verträge Urheberrecht".
(Foto: Stefan Dinter und Naomi Fearn)
|
Gibrat ist da
Es wurde spannend: Auf Grund von Verzögerungen auf dem Flughafen musste der Beginn des Gesprächs mit dem Zeichner Jean-Pierre Gibrat immer weiter nach hinten verlegt werden. Ob er wohl noch am heutigen Tage auf die Bühne und an den Signierstand kommen kann? Seine Fans und die beiden Moderatoren Constanze Döring und Kaus Schikowski warteten geduldig. Und dann traf er mit seinem deutschen Verleger, Eckart Schott, doch noch so rechtzeitig ein, dass die Veranstaltung beginnen konnte. Gut gelaunt beantwortete er die Fragen zu seinen jeweils zweibändigen Alben 'Der Aufschub' und 'Von Dieben und Denunzianten'. Anregungen zu den Inhalten habe er aus den Erzählungen seiner Großeltern erhalten. Diese haben ihm die Zeit, in der seine Geschichten spielen, nicht negativ dargestellt, daher könne man nicht davon sprechen, dass er seine Motivation für die Alben aus einem besonderen politischen Anliegen gewinne. Als Vorlage für die schönen Frauen in seinen Alben dienen ihm Erinnerungen an jemanden aus seiner Jugend. Die liegt für den 1954 geborenen Künstler zwar weit zurück, doch sein Gedächtnis bescherte den Comiclesern eine Folge Aufsehen erregender Comic-Alben.
(Foto: Jean-Pierre Gibrat)
|
Der Deutsche Cartoonpreis
... wurde dieses Jahr zum ersten Mal vergeben. So hieß auch das den Einsendern vorgegebene Motto: "Neu in jeder Beziehung". Die Jury: Juergen Boos, Direktor der Buchmesse; Rolf Dieckmann vom Stern; Cartoonist Joscha Sauer; Klaus Humann von Carlsen und Stefan Trautner von Ultra-Comix. Die besten Einsendungen sind im Comic-Zentrum ausgestellt. Heute wurden die drei Gewinner des Wettbewerbs bekanntgegeben und mit Urkunden, Blumensträußen und Geldsäcken bedacht. Der dritte Platz ging an Nadine Lindenthal, der zweite an Bastian Baier alias Lapinot und über den ersten Platz freut sich Tobias Schülert, der schon zahlreiche Veröffentlichungen in Titanic und anderen Magazinen aufweisen kann. Trotzdem sieht er sich noch als Nachwuchskünstler. In Erinnerung an seine Lehrzeit bei Til Mette sagte Schülert: "Im Herzen bin ich immer noch der Praktikant."
(Foto: Preisträger und Jury des Deutschen Cartoonpreises 2006)
|
|