Anna Hollmann nahm für ihr Buch "Stupid Story 1" den Sondermann-Preis für den besten Germanga entgegen. "Stupid Story" wird bei Amazon als "süße Shonen-Ai Story" besprochen, wobei "süß" hier nicht negativ zu verstehen ist. Anna Hollmann bewundert die Arbeiten von You Higuri ("Seimaden", "Cantarella") und Ayano Yamane ("Crimson Spell").
Um Miguelanxo Prado, den Max-und-Moritz-Preisträger von 1990 ("Der tägliche Wahn"), war es bei uns stiller geworden, doch Salleck legt in diesem Monat den Bildband "De profundis" von ihm vor, was ihm viel Arbeit am Signierstand der Frankfurter Buchmesse einbrachte.
Lange Reihen junger Leserinnen standen am Signierstand bei Joscha Sauer an. Zur Veröffentlichung seines vierten Bands von "Nichtlustig" befindet er sich zurzeit auf Signiertour kreuz und quer durch Deutschland, Schweiz und Österreich.
Der Laudator Andreas Platthaus bezweifelte zwar, dass man Barbara Yelin noch als "Newcomerin" bezeichnen könne, dennoch verlieh man ihr den Sondermann-Preis in dieser Kategorie der "frischen Talente im Comic". Barbara Yelin trug zur Anthologie "Pomme d'amour" bei und veröffentlichte "Le Retard" und "Le visiteur" in Frankreich bei der Éditions de l'An 2.
Reinhard Kleist brachte sein nagelneues Buch "Havanna" mit zur Buchmesse, ein gezeichnetes Reisejournal seiner diesjähri-gen Reise nach Kuba. Damit setzt er ein erfolgreiches Jahr fort, in dem er bereits mit "Cash - I see a darkness", "Elvis" und "Berlinoir 3" für Aufsehen sorgten. Ferner erschien von ihm letztes Jahr der kleine Sammelband "The Secrets of Coney Island" mit kürzeren Geschichten, die lesenswert sind (mehr).
Der Comic-Historiker Levent Cantek berichtete über die Geschichte des türkischen Comic.
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9. Faszination Comic
der 60. Frankfurter Buchmesse 2008
Es wurde voll. Am Samstag kamen so viele Besucher wie noch nie zuvor an einem Samstag der Frankfurter Buchmesse. Die Computer zählten angeblich 78.218 Besucher (plus 8,1 Prozent). Jürgen Boos, Direktor der Buchmesse, meinte dazu: "Die Digitalisierung zieht die Menschen nach Frankfurt". Wer am Samstag ins Comiczentrum ging, hatte eher den Eindruck, dass vielmehr Bill Morrison ("Simpsons") und die zahlreichen Cosplayer der Grund für den Besucherzulauf waren. Auch am Sonntag legte man um 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu (62.868 Besucher). An ein Durchkommen war da zeitweilig im Comiczentrum nicht mehr zu denken. Dank einer geschickteren Postierung der Signierstände und dem Verzicht auf ein besonderes Ausstellungsobjekt (man denke zum Beispiel an den Rennwagen zu "Michel Vaillant" im letzten Jahr) schuf man mehr Raum für Signierschlangen und die nötigen "Rastplätze" für die Cosplayer. Das Fehlen eines Blickfangs mag man bedauern, doch der Besucherandrang verlangt Platz. Das häufig überfüllte Comic Café bräuchte davon ebenfalls mehr. Etwa zehn Prozent mehr Besucher sollten eine größere Fläche rechtfertigen. Dann wäre es vielleicht auch wieder möglich, am Wochenende die sehenswerten Ausstellungen im Comiczentrum wahrzunehmen. Unter den Ausstellern fiel der Splitter Verlag auf, dessen Stand den Aufwärtstrend in diesem Bereich wiederspiegelt. Und zumindest ein Stand schien wiederzugeben, was Jürgen Boos in seiner Bilanz ansprach: bei Blackbetty Mobilmedia ließ sich kennenlernen, wie Mobile Comics und Mobile Manga auf dem Handy funktioniert.
(Foto: Cosplayerinnen am Samstag mit erstauntem, älteren Herrn)
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Im Gespräch über den internationalen Comic-Markt 2008 beklagte Chigusa Ogino (Tuttle-Mori Agency) zwar ein Minus von 2,3 Prozent auf dem japanischen Comicmarkt, erstaunlich sei dabei jedoch die gleichzeitige Verdreifachung des Umsatzes bei Comicangeboten fürs Handy (März 2006: 30 Millionen US$, März 2007: 106 Millionen US$) und auch die Anzahl der Novitäten stieg trotz des Umsatzminus an (2006: 10.965, 2007: 11.368 neue Titel). Den Comic-Handel mit dem Ausland bezifferte Chigusa Ogino mit 700 Millionen US$, was etwa 15 Prozent des gesamten japanischen Comic-Marktes von 4,6 Milliarden US$ sind. In seiner besten Zeit habe der japanische Comic-Markt einmal 5,8 Milliarden US$ pro Jahr bewegt. An neuen Comic-Märkten erschließen die japanischen Verlage gerade Vietnam und Russland, wohingegen der Handel mit dem US-Markt eher rückläufige Tendenz zeige. Chuck Rozanski (Mile High Comics) schätzt den Umsatz an Manga in den USA auf zehn Prozent des gesamten US-Comic-Marktes. Er habe erfahren, dass bei eBay in den USA jährlich Comics für etwa 400 Millionen US$ gehandelt werden und rechnete dank seiner Kenntnisse als seit vielen Jahren größter Comichändler der USA den gesamten US-Comic-Markt auf 1 Milliarde US$ hoch. Der Löwenanteil des Marktes rührt also nicht von der (schrumpfende) Produktion neuer Titel her, sondern vom Sekundärmarkt (Antiquariat, Filmrechte). Trotz der aktuellen Finanzkrise seien die Umsätze bei Mile High Comics nicht zurückgegangen. Der französische Comic-Markt setzt jährlich etwa 500 Millionen US$ um, da man ihn auf ein Volumen von etwa zehn Prozent des japanischen Marktes schätzt. Didier Pasamonik verwies in seiner Marktübersicht aus dem frankobelgischen Raum darauf, dass zwar der jährliche Ausstoß an neuen Mangatiteln in etwa konstant geblieben sei, die Anzahl koreanischer Novitäten (manhwa) jedoch radikal abgenommen habe. Für den deutschen Markt ist gegenwärtig auffällig, dass die Anzahl der Manga-Novitäten zurückgeht (im Herbst 2007 erschienen etwa 200 neue Titel, im Herbst 2008 sind es nur noch 160). Man nannte als einen der Gründe für das abflauende Wachstum des Manga-Marktes im Westen, dass die wirklich zugkräftigen Serien bei uns nun schon alle erschienen seien und man sich jetzt auf einen ruhiger werden Manga-Markt einzustellen habe.
(Foto (v.l.n.r.): Andreas Dierks, Didier Pasamonik, Chuck Rozanski, Chigusa Ogino, Claudio Curcio)
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Die "Sondermann"-Trophäe ziert zum einen Preisträger, die nach einer an den Verkaufszahlen orientierten Nominierung vom Publikum gewählt werden, aber auch zwei Zeichner, die eine Jury bestimmt. Gabriele Roth-Pfarr überreichte die Auszeichnung für die beste Newcomerin an Barbara Yelin ("Pomme d'amour"). Andreas Platthaus begründete eindrücklich die Wahl der Jury. Den "Bernd-Pfarr-Sonderpreis für komische Kunst" erhielt Stephan Rürup ("Rürups bessere Welt"), dessen Laudator nicht auf die besondere Haartracht des Humoristen einzugehen dachte. Vom Publikum wurden die "Sondermänner" (benannt nach der bekannten Comicfigur von Bernd Pfarr) an Anna Hollmann ("Stupid Story") für den besten Germanga, an Eiichiro Oda ("One Piece") für den besten Manga, an Isabel Kreitz für "Die Sache mit Sorge" als besten Gercomic, an Ralph Ruthe für "Shit happens" als besten Gercartoon und an die Bocola-Neuausgabe von Hal Fosters "Prinz Eisenherz" als beste Comic-Publikation vergeben. Für Bocola nahm Achim Dressler die Auszeichnung entgegen, für Eiichiro Oda sprang Kai-Steffen Schwarz in die Bresche, der diese Stellvertreteraufgabe damit in diesem Jahr schon das zweite Mal einnehmen konnte, erhielt er doch für Carlsen Manga in Erlangen bereits den Preis für den "Comic des Jahres" für Taniguchis "Vertraute Fremde". In der gewohnt lockeren Weise führte Sondermann-Moderator Matthias Wieland durch die Preisverleihung, die mit Ralph Ruthe einen Supersondermann krönte, da er zum vierten Mal in Folge die begehrte Trophäe erhielt.
(Foto v.l.n.r.: Barbara Yelin, Stephan Rürup, Achim Dressler, Kai-Steffen Schwarz, Isabel Kreitz, Ralph Ruthe, Anna Hollmann)
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Als Gastland der 60. Frankfurter Buchmesse betrieb die Türkei im Comiczentrum einen großen Stand zur Präsentation der heimischen Comicszene. Auf einem langen Plakatstreifen oberhalb des Standes (s. Foto unten) zeigten zeitgenössische Comicautoren, welcher Art der aktuelle türkische Comic ist: spaßig, frech, frei und vielfältig.
Wer vom türkischen Comic-Markt bisher lediglich gehört hat, dass man dort frankobelgischen und italienischen Comic nachdrucke (oder sogar raubkopiere), der wurde von der Lebendig- und Eigenständigkeit der vorgestellten, derzeitigen türkischen Comicszene überrascht. Der Teilnehmerin an einer der Podiumsveranstaltungen zum Türk-Comic ging es im Rahmen der fast unerwarteten und gut genutzten Freiheiten dann auch bereits zu sexistisch zu, was ein türkischer Zeichner sogleich mit einer Karikatur beantwortete, die an die Zeit erinnerte, in der Jean-Marc Reiser ("Schweinepriester") seine Mitmenschen aufs Korn nahm. Levent Cantek, türkischer Comic-Historiker, der bereits mehrere Bücher zur Geschichte des türkischen Comics veröffentlichte, schaffte einen Überblick über den Weg des türkischen Comic, der seine Blütezeit in den Jahren 1955 bis 1975 hatte, bis in unsere Tage. Seit gut achtzig Jahren werden in der Türkei regelmäßig Comics publiziert. Da die Technik bis Ende der 60er-Jahre den Druck von Fotos in Zeitungen nicht erlaubte, konnten die Comic-Zeichner im Zeitungsbereich gut verdienen. Doch mit den neuen drucktechnischen Möglichkeiten sanken ihre Verdienstmöglichkeiten. Dank des sich kommerziell tragenden, erotischen, satirischen und bis zu einem gewissen Grad auch politisch aktiven Humor-Magazins "Gırgır" überlebte eine bestimmte Art Comic, der seinen Zeichnern ein gutes Einkommen sicherte. Die Millionen-Auflagen von "Gırgır" und ähnlicher Magazine brach dann jedoch mit dem Aufkommen des Fernsehens in der Türkei in den 90er-Jahren dramatisch zusammen. Also verlegte man sich in Comic-Magazinen wie "L-Manyak" auf das, was das Fernsehen nicht zeigen durfte. Bülent Üstün ist mit "Şerafettin - The Bad Cat" ein Vertreter dieser neuen Generation an Comiczeichnern, die sich im Comiczentrum vorstellten. Die Ausstellung im Comic-Zentrum zeigte die Arbeiten einer Reihe weiterer dieser Comiczeichner, darunter Bahadır Baruter, Ersin Karabulut, Kenan Yarar und Cengiz Üstün, dem Bruder von Bülent Üstün, die von Levent Cantek als "typisch" für die heutige Comicszene bezeichnet werden.
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Der Schriftsteller Yaşar Kemal erhielt 1997 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Sein Werk "Memed mein Falke" erschien bei uns in Deutsch auch als Comic (zwei Alben bei Feest). In seiner Laudatio auf Kemal hob Günter Grass 1997 auf die kritische Auseinandersetzung Kemals mit der offiziellen Regierungspolitik ab. Um Gefängnis, Folter und rechtsradikalen Anschlägen zu entgehen, verbrachte Yaşar Kemal laut Grass einige Zeit im Ausland, bevor er nach Istanbul zurückkehrte. Yaşar Kemal ist Ehrenmitglied von Bündnis 90/Die Grünen. Am 6. Oktober 2008 feierte er seinen 85. Geburtstag.
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Neugierig auf Graphic Novels: SPIEGEL Online lud Isabel Kreitz ("Die Sache mit Sorge") und Jason Lutes ("Berlin") zum Gespräch über ihre neuesten Arbeiten ein.
(Foto v.l.n.r. Andreas Borcholte, Jason Lutes, Isabel Kreitz)
Lust auf etwas Neues: Elke Heidenreich stellte an Volker Reiche die Frage, ob er nicht den Wunsch habe, trotz allen Erfolgs von "Strizz" einmal ein neues Projekt zu starten, was dieser nicht ausschließen mochte. Sie zeigte sich bezüglich "Strizz" außerordentlich belesen.
(Foto: Elke Heidenreich)
Der Deutsche Cartoonpreis ging an Lino Wirag, einem Studierenden der Universität Hildesheim, der zurzeit in Finnland aktiv ist und den Preis daher nicht persönlich entgegennehmen konnte. Klaus Humann (Carlsen Verlag) und Jürgen Boos (Direktor der Buchmesse) überreichten die Auszeichnungen an die drei erstplatzierten Cartoon-Nachwuchskünstler gemeinsam. Der Jury gehörten auch Antje Haubner (Carlsen Cartoons) und Supersondermann Ralph Ruthe an.
(Foto: Jürgen Boos bei seiner Ansprache zur Überreichung des Deutschen Cartoonpreises)
Die Best- und Longseller im Comicbereich sind bei uns noch immer die altbekannten Mangareihen "Naruto", "One Piece", "Detektiv Conan", "Tsubasa", aber eben auch "Death Note" oder "Shinshi Doumei Cross". Eine aktuelle Übersicht zu Best- und Longsellern erhielt man im einem gleichnamigen Vortrag im Comiczentrum.
(Foto: Japanische Manga-Buchhandlung, Marcus Tieschky, GNU-Lizenz für freie Dokumentation)
Vielseitig: Kai Meyer ("Die Wellenläufer"), der mit seinen Fantasy-Büchern sehr erfolgreich ist, brachte dank des Zeichners Ralf Schlüter, des Texters Yann Krehl und weiterer Splitter-Freunde jetzt die Comic-Fassung von "Seide und Schwert" auf den Weg. Auch mit Hörspielfassungen seiner Texte beschäftige er sich intensiv.
(Foto v.l.n.r.: Horst Gotta, Dirk Schulz, Kai Mayer, Yann Krehl, Ralf Schlüter)
Manga-Workshop: Alexandra Völker ("Catwalk") führte angenehm lebhaft ins Zeichnen von Mangafiguren ein.
Die Sondermänner 2008 saßen auf denjenigen Werken, auf die sie sich bezogen. Die würfelförmigen Podeste waren entsprechend ansprechend gestaltet.
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