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Die Comic-Messe
Im Sommer 1983 begann die Planung konkrete Formen anzunehmen. Konzeptionell lehnten sich die Urheber des Comic-Salons eng an die Vorbilder im Ausland an. Kern der Überlegungen war es, daß die Verlage in die Planung mit einbezogen werden mußten, um die Lasten auf möglichst viele Schultern zu verteilen. Die Gelegenheit war günstig. Die frühen 80er Jahre gelten als die Gründerzeit der deutschen Verlagsszene. Nicht unbemerkt geblieben war insbesondere der Vorstoß des Carlsen Verlags, sein Comicprogramm stark zu erweitern und mit einer Edition ComicArt die Klientel der Jugendlichen und Erwachsenen anzupeilen. Im Gegensatz zum "alternativen" Volksverlag gelang es Carlsen, seine neue Schiene im konservativen Buchhandel zu etablieren.
Carlsen ins Boot zu kriegen, war nicht schwer. Schließlich zählten die Lektoren Eckart Sackmann und Andreas C. Knigge zu den ICOM-Gründern von 1981. Bei den anderen Verlagen waren vermutlich mehr Überredungskünste nötig. Am Ende kamen dann doch alle, die damals die deutsche Comiclandschaft bestimmten: Carlsen, Ehapa, Bastei, der Volksverlag, Abi Melzer, Taschen, Schreiber & Leser, Norbert Hethke. Insgesamt 37 große und kleine Aussteller füllten im Juni 1984 den damaligen Veranstaltungsort, den Redoutensaal vis à vis dem Markgrafentheater.
Für das Publikum muß die Anhäufung von Comic-Kultur eine Offenbarung gewesen sein. So etwas hatte es in Deutschland noch nicht gegeben. Jeder der Aussteller brachte einen oder mehrere Zeichner mit nach Erlangen. Zeichner zum Anfassen, Zeichner zum Ausfragen, Zeichner, die sich als Wesen aus Fleisch und Blut entpuppten und die man abends in der Kneipe wiedertraf, wie alle anderen auch. Merkwürdige Konstellationen gab es da: Hansrudi Wäscher signierte nicht etwa beim Hethke Verlag, sondern bei Bastei ("Buffalo Bill"), Matthias Schultheiss saß bei Abi Melzer, der die Comic-Produktion des Heyne Verlags ("Der lange Job") betreute.
Kollektives Wir-Gefühl
Anders, als das heute zu beobachten ist, gab es Mitte der 80er Jahre noch das kollektive Wir-Gefühl. Wir sind alle Comic-Fans, wir wollen, daß der Comic mehr Beachtung findet. Die Faszination bestand darin, einer verschworenen Gemeinschaft anzugehören, von deren Wert und Nutzen der Fan gegen alle Widerstände überzeugt war. Irgendwann, so hoffte man, würden Comics in Deutschland, Österreich und der Schweiz genauso wahrgenommen werden wie im Comic-Paradies Frankreich.
Die Comic-Messe war das Herz des Comic-Salons; sie ist es bis heute geblieben. In der lockeren Atmosphäre des Redoutensaals ließen sich Verbindungen knüpfen, geschäftliche wie freundschaftliche. Dabei muß man bedenken, daß de facto der Abstand zwischen Verlagen und Lesern immens war. Nie zuvor hatten sich die vor allem kaufmännisch orientierten Comicmacher ihrem Publikum gestellt, das sich immer nur in der Statistik, mitunter auch in unbeholfenen Leserbriefen manifestierte. Jetzt waren da plötzlich junge Leute, die ihre Ansprüche auf der Stelle befriedigt sehen wollten, die fragten, warum in den Ehapa-"Edelwestern" retuschiert wurde und warum die Verlage nicht mehr Comics von deutschen Zeichnern verlegten.
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