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Karl Manfred Fischer

Max-und-Moritz-Preis 2002
Spezialpreis der Jury

Der Vater des Comic-Salons
Karl Manfred Fischer

Ein Fan ist er vielleicht nicht, doch er ist ein Freund der Comics. Kraft seines Amtes, mehr aber noch kraft seiner Person hat der langjährige Leiter der Abteilung Bildende Kunst und kulturelle Programme im Erlanger Kulturamt, Karl Manfred Fischer, entscheidend dazu beigetragen, daß sich die deutsche Comic-Szene zu dem entwickeln konnte, was sie heute ist.

Geboren am 23. April 1936 in Ingolstadt, hatte Fischer in seiner Kindheit und Jugend kaum eine Chance zum heimlichen Schmökerkonsum von Comics. Daß er später dennoch einen Zugang zur Bild-Erzählung gefunden hat, ist seiner generellen Offenheit gegenüber den verschiedenen Ausrichtungen von Kultur zuzurechnen. Vor der Kunst kam das Handwerk: Anfang der 50er Jahre begann Karl Manfred Fischer seinen beruflichen Weg mit einer Schreinerlehre.

Er organisierte dann im Auftrag des Landesverbandes bayerischer Schreinermeister berufskundliche Ausstellungen zur Nachwuchswerbung, bis er schließlich 1959 zum Leiter des Ingolstädter Kunstvereins avancierte. Zu dieser Tätigkeit gehörten nicht nur die Durchführung von Kunstausstellungen und Aktionen, sondern auch Projekte, die über den traditionellen Rahmen der damals gepflegten Kultur hinausgingen.

Fischers erste ernsthafte Kontakte zum Medium Comic fielen ebenfalls in diese Jahre, die Zeit der frühen "Erwachsenencomics". Mehr noch als von dem vordergründigen "Barbarella" fühlte sich Fischer von Pop-Ikonen wie "Jodelle" angezogen - Ende der 60er Jahre malte er gar die Ingolstädter Theater-Bar nach Motiven dieses Comics aus.

Den Konservativen in seiner Heimatstadt ging Fischers Offenheit in manchen Dingen zu weit. Die Vorwürfe gipfelten in Pauschal-Etikettierungen wie "linkes Kunstverständnis". 1974 mußte der engagierte Kulturmanager seinen Job beim Kunstverein aufgeben. Er trat zunächst eine kommissarische Professur für ästhetische Theorie und Praxis in Kassel an und fand dann eine neue Wirkungsstätte im Kulturreferat der Stadt Erlangen.

Als dort 1976 die Abteilung "Bildende Kunst und kulturelle Programme" geschaffen wurde, übernahm Karl Manfred Fischer ihre Leitung (und ebenfalls die der Städtischen Galerie und der Sammlung für zeitgenössische Kunst). Im selben Jahr wurde er Geschäftsführer des Arbeitskreises für gemeinsame Kulturarbeit bayerischer Städte. Zu den Projekten, die er in der Folgezeit ins Leben rief, gehörten zum Beispiel das Internationale Figurentheater-Festival und das Erlanger Poetenfest.

Und natürlich der Internationale Comic-Salon. Karl Manfred Fischer hatte 1979 von einer Ausstellung des Kölner Kunstvereins gehört, die den merkwürdigen Titel "Die Kinder des Fliegenden Robert" trug und die die Bildergeschichten der deutschen Vorkriegszeit präsentierte. Nach einer Weile gelang es ihm, Achim Schnurrer, einen der beiden Ausstellungsmacher, kennenzulernen. Der von dem Gedanken an eine aufstrebende deutsche Comic-Szene beseelte Schnurrer hegte schon seit langem den Plan für einen Comic-Salon nach dem Muster von Lucca oder Angoulême. Was ihm fehlte, war der Offizielle einer Stadt, der sich für diese Ideen gewinnen ließ.

In dem für die Gleichstellung von Popularkultur und "Hochkultur" eintretenden Fischer hatte Schnurrer den Richtigen gefunden. Mit großem persönlichen Engagement gelang es, 1984 den "1. Internationalen Comic-Salon Erlangen" ins Leben zu rufen. Seither findet das Festival regelmäßig im Fränkischen statt und hat der Hugenottenstadt einigen Ruhm eingebracht. Für die Szene der Sprechblasen-Enthusiasten ist "Erlangen" alle zwei Jahre der Nabel der Welt. Ohne den Einsatz und die Beharrlichkeit von Karl Manfred Fischer wäre die deutsche Comic-Kultur um einiges ärmer. Verdientermaßen erhielt Karl Manfred Fischer 1988 für seine Arbeit den französischen Orden und Rang eines "Chevalier dans l'ordre des Arts et Lettres".


Plakette Max-und-Moritz-Preis

    Karl Manfred Fischer
    Karl Manfred Fischer (Mitte) während der Eröffnung des 9. Comic-Salons 2000

 

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