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Max-und-Moritz-Preis 2002
Beste deutschsprachige Comic-Publikation - Import

Nabiel Kanan:
Lost Girl
(Lost Comix)

Die Pubertät ist eine Zeit der Melancholie, der Fantasie, der Sehnsüchte, der Träume. In der Erinnerung wird sie so durchsichtig wie die Zeichnungen in Nabiel Kanans grafischer Pubertätsnovelle "Lost Girl". "Lost Girl" ist eine Feriengeschichte, die Geschichte einer Begegnung zweier junger Mädchen. Das eine macht mit seinen bürgerlichen Eltern Urlaub auf einem Caravan-Platz. Das andere taucht auf, nimmt sich Freiheiten, hat Geheimnisse, lügt, verschwindet, ist faszinierend für das Bürgerkind. Der 31jährige Engländer Nabiel Kanan erzählt die Geschichte in Schwarzweiß, mit holzschnitthaft kargen Strichen, ohne viele Worte. Hier kommt es ganz auf Atmosphäre an, auf diese erwartungsvolle Stille in den Seelen, die grafisch wundervoll erzeugt wird.

"Lost Girl" hat die Qualität der Ruhe, der Kontemplation, eines verträumten Blicks aus der Rückenlage zum Himmel oder eines berauschenden Ritts zu zweit auf dem Rücken eines Pferdes (zwei subjektive Eindrücke, die bei Kanan Bild werden). Insofern ist "Lost Girl" eine wohltuende Alternative zum dramaturgischen und grafischen Überdruck vieler Konsum-Comics. Dass die deutsche Ausgabe im On-Demand-Verfahren entstanden ist und neue Vertriebswege für anspruchsvolle Comic-Literatur eröffnet, ist interessant, doch für das ästhetische Urteil spielt das verlegerische Unterfangen keine Rolle.
Herbert Heinzelmann


Plakette Max-und-Moritz-Preis

    

 

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