Andreas Dierks live vom 11. Internationalen Comic-Salon Erlangen 2004
Dante im Comic

Im Stadtbild springen allenthalben die Plakate zu "Dante im Comic" ins Auge, die Lorenzo Mattottis Sicht auf eine gequälte Seele im Feuerregen zeigen.

Tipps für Samstag

  • 11 Uhr, Rathaus, Kleiner Saal, Comixene präsentiert: Alessandro Barbussi und Barbara Canepa, Künstlergespräch
  • 12-20 Uhr, media.art.zentrum (Strip Bar), p&p – les dames de la musique présentent loungy grooves et funky beats
  • 12 Uhr, Rathaus, Kleiner Saal, Das Neueste von Onkel Jup, Vortrag mit Bildern
  • 13 Uhr, media.art.zentrum (Strip Bar), Schlagersahne - Schlager goes Comic, Vortrag mit Bildern
  • 14 Uhr, Rathaus, Kleiner Saal, Manga - Boom oder Parallelmarkt?, Elefantenrunde zur Situation der Manga im deutschen Sprachraum, Podiumsdiskussion
  • 15 Uhr, Stadtmuseum, Götter, Engel, Höllenfürsten - Über Jenseits und Religion im Comic, Vortrag
  • 16 Uhr, Rathaus, Kleiner Saal, Comixene präsentiert: Igort und Max, Künstlergespräch
  • 17 Uhr, Rathaus, Kleiner Saal, Jenseits vom Mainstream - Independent-Verlage, Gesprächsrunde
  • 20 Uhr, Markgrafentheater Erlangen, Max und Moritz-Gala
  • 22 Uhr, Kulturzentrum E-Werk Erlangen, Comic-Werk - 20 Jahre Internationaler Comic-Salon

Freitag, 11. Juni 2004


Huren im Kot

Höllischer Comic

Von der Heinrich-Lades-Halle aus immer geradeaus durch die Stadt (es gibt einen Bus-Shuttle-Service) gelangt man zum Stadtmuseum, das bei diesem Comic-Salon ins Programm einbezogen wurde, indem man eine Verbindung zwischen Dantes Beschreibung von Himmel und Hölle mit dem, was sich dann Jahrhunderte später im Comic unserer Tage wiederfindet, herstellt. Im Eingangsbereich des Museums empfangen den Besucher unter anderem Skulpturen von Zerberus, dem Höllenhund, und den Huren und Schmeichlern, die in der dantesken Hölle bis zum Jüngsten Tag im Kot wandern müssen (siehe Foto). Christian Rösner und Clemens Heinl formten diese Exponate. In den oberen Etagen des Museums hängen Arbeiten von Lorenzo Mattotti, Moebius, Milton Glaser, Sandow Birk und anderen Künstlern, die Inferno, Purgatorio und Paradiso Gestalt gaben. Darunter ragen für den Comicfreund Reproduktionen der Seiten einer bekannten Micky Maus-Variante aus italienischer Disney-Schmiede hervor, die um 1949 entstand und in der Disney-Paperback-Reihe von Ehapa kürzlich unter dem Titel "Die göttliche Entenkomödie" in Deutsch veröffentlicht wurde. nach rechts nach unten

 

Batman geht es an den Kragen

Der bewegte Held

"Die Geschichte der Superheldenverfilmung" war das Thema des Vortrags, mit dem Harald Havas den kleinen Saal im Rathaus füllte. Der Einstieg erfolgte mit einer Zeichentrickepisode von Superman, die schon 1941, also nur drei Jahre nach der Erfindung des "Stählernen", in den amerikanischen Kinos lief. Was heute, ebenso wie Bilder aus den frühen Batman- oder Hulk-Verfilmungen (siehe Bild), eher Heiterkeit und Kopfschütteln auslöst, war damals, so versichert Havas, durchaus "ernsthaft" gemeint. Das größte Problem aller Realverfilmungen waren bis vor wenigen Jahren noch die Begrenzungen der Tricktechnik. Aber auch die Herausforderung, den "Geist" der Comicvorlage zu erhalten, sind viele Filme nicht gewachsen. Das kennt Havas aus eigener, leidvoller Erfahrung und davon weiß er amüsant und in charmantem Wienerisch zu berichten. Seit die Tricktechnik aber rasante Fortschritte macht, erobern die Superhelden die Leinwände: aktuell mit Hellboy und Punisher, geplant sind Catwoman, Batman, Superman und - schaurig aber wahr - Watchmen. (rö) nach rechts nach oben nach unten

 

Geschichte der Bilderfolgen

Geschichte der Bilderfolgen zu einer "Komödie"

In der heimeligen Atmosphäre eines irgendwie unterirdischen Raumes im Stadtmuseum Erlangen ging es passender Weise in die Hölle. Zum Glück fehlten dem Vortag zur Geschichte der Bilderfolgen am Beispiel von Dantes Commedia aber auch die Einblicke in Läuterung und Himmel nicht. Die schon bald nach Dantes Tod einsetzende Bebilderung seiner Jenseitswanderung lässt erkennen, wie sich das Erzählen mit Bilderfolgen wandelte, vom Simultanbild zu den heute im Comic zumeist eingesetzt Panelfolgen, die durch einen weißen Zwischenraum die Szenen der Geschichte trennen. Dantes Hauptwerk eignet sich recht gut, um die auch durch die technischen Möglichkeiten sich wandelnden Bilderfolgen durch Gegenüberstellung zu untersuchen. Denn in all den Jahrhunderten bis in unsere Tage hinein haben sich Künstler mit diesem Stoff auseinandergesetzt. nach rechts nach oben nach unten

 

pornophonique

Es ist Party

Dass man mit einem Gameboy und einer Gitarre den Saal zum Kochen bringen kann, wer hat das denn geahnt? Die Fans der beiden Musiker von "pornophonique" waren selbstredend auf dem Laufenden, die anderen bekamen es ordentlich um die Ohren. Ein Gitarrist, der seine Lagerfeuergitarre beackert, herumspringt und dabei auch noch packend singt, ein Gameboy-Spieler, der den Charme eines höchst unbeweglichen Computerfreaks ausstrahlt, das steht in herrlichem Kontrast zu den hämmernden Rhythmen und den qietschend schrägen Melodiefetzen aus einer Daddelkiste, die man offenbar durch die konzentrierte Arbeit eines Gamejunkies mit spielerfahrenden Fingern zum Wummern und Stöhnen bringen kann. Und dabei war das nur die Pausenband. Ehapa hatte für seine Party auch die "Beat Brothers" ins Haus geholt, die wahrlich ebenfalls durch Spielfreude, irre Blicke, sichere Mehrstimmigkeit und harte Arbeit an den Gitarren die Party vergoldeten. Langeweile ist abgesagt. nach rechts nach oben

 

 
André Taymans

André Taymans

In seiner sorgfältigen Arbeitsweise hält er sich an klassische Vorbilder, die für ihre Zeichnungen ausführlich recherchierten, um ihrem Comic Authentizität zu geben (zum Beispiel wie Hergé bei "Der blaue Lotos"). André Taymans hat es schon einmal erlebt, aus heiterem Himmel als Plagiator bezeichnet zu werden, weil er seine Bildhintergründe aus dem National Geographic abzeichnete. Das ist zwar an sich nichts Verwerfliches, viele frankobelgische Comiczeichner machen das wohl so. Aber in seinem Falle, hatte ein Kollege zur gleichen Zeit ohne sein Wissen aus genau demselben Artikel abgezeichnet wie er. Also dachten die Leser, Taymans habe bei jenem Kollegen kopiert. Das soll ihm nicht noch einmal passieren. Also reist er jetzt stets persönlich in die Gegend, in der sein Comic spielen sollen. Dort fertigt er dann Skizzen und Fotos an, mit denen er an den heimischen Arbeitsplatz nach Belgien zurückkehrt. Für das neueste "Caroline Baldwin"-Album mit dem Titel 'Angel Rock' setzte er sich mit Bernard Cosey in Verbindung, um etwas über die Schweizer Landschaft zu erfahren, die sich für den Comic eigne. Man merkt dem Band an, dass er zu Teilen eine Hommage an Cosey ist. Caroline in den Schweizer Bergen, das lässt sich sehen. nach unten nach links

 

Sky Doll

Alessandro Barbucci

Durch das erste Album von "Sky Doll", das bei Carlsen in Deutsch herauskam, konnte er seinen Bekanntheitsgrad bei uns deutlich steigern. Immerhin hängt nun die Hauptfigur aus dieser Arbeit in überragender Größe über dem Eingang zur Messe des Comic-Salons. Den Fans von Donald Duck ist Alessandro Barbucci aber bereits durch seine zahlreichen Beiträge für Topolino bekannt. I.N.D.U.C.K.S, die Suchmaschine für Donaldisten und andere Duckleute, listet auf Anfrage gleich 101 Comics auf, an denen der Zeichner bisher mitwirkte. Dazu gehören auch Arbeiten für "W.I.T.C.H.", einem der Max und Moritz-Preisträger dieses Jahres. nach oben nach unten nach links

 

Zwerchfell

Heiß: Zwerchfell-Comics

Einen Platz an der Sonne hatte der Zwerchfellverlag. Direkt hinter dem Stand befindet sich ein geräumiger Balkon, wo es sich Verleger und Zeichner bequem machen können. Gleich zwölf Künstler hat Zwerchfell dieses Jahr mitgebracht, angereist aus ganz Deutschland, Österreich und sogar den USA. Nicht ganz so sonnig sieht es mit den Verkäufen aus, da die Besucherzahlen des Salons nach Eindruck von Zwerchfell bisher hinter denen von 2002 zurückblieben. Aber, so Christian Heesch, der Samstag kommt ja noch. Dass zurzeit in Deutschland der Euro generell nicht so locker sitzt, hat Heesch auch schon festgestellt, gewinnt dem aber auch positive Seiten ab. So gebe es größere Bereitschaft zur Kooperation und zum Netzwerken. Ein Publikum jenseits der üblichen Comicszene erschließt der Zwerchfellverlag beispielsweise mit einem Comic+CD-Paket, das in Musikläden verkauft wurde. Beliebt sind auch die Merchandising-Produkte wie Poster und T-Shirts. Eckart Breitschuh ist zuversichtlich, dass es Leserpotenzial zu erschließen gibt: "Zwerchfell-Comics können von normal intelligenten Menschen konsumiert werden." (rö) nach oben nach unten nach links

 

Hochzeit von Frank und Christiane

Hochzeit in Erlangen

Auf dem 10. Comic-Salon haben sie sich kennengelernt, auf dem 11. Comic-Salon haben sie geheiratet. Frank und Christiane Neubauer kommen zwar aus dem Norden (Hannover und Hamburg), gaben sich aber in guter Erinnerung an den Ort ihres Kennenlernens auf dem Erlanger Standesamt das Ja-Wort. Die Standesbeamtin nahm das ein wenig erstaunt, aber gleichwohl erfreut zur Kenntnis. Frank Neubauer arbeitet als Redakteur für mehrere Comicverlage, Christiane Neubauer bringt ihre Kenntnisse als Buchhandels-Expertin im Comicbereich ein. Da sie die Arbeiten von Joost Swarte sehr mag, stellte man sich dem neugierigen Fotografen in der Swarte-Ausstellung in der Städtischen Galerie. nach oben nach links

 

 

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