Er ist tatsächlich da: Albert Uderzo traf gegen 12 Uhr im Rathaus ein, um sich ins Goldene Buch der Stadt einzutragen.
Tipps für Sonntag
- 11 Uhr, Rathaus, Kleiner Saal,
Comixene präsentiert: Dave McKean und Achdé,
Künstlergespräch
- 12-20 Uhr, media.art.zentrum (Strip Bar),
p&p – les dames de la musique présentent loungy grooves et funky beats
- 13 Uhr, media.art.zentrum (Strip Bar),
Die seltsame Welt der Erinys,
Präsentation
- 14 Uhr, Rathaus, Kleiner Saal,
François Bourgeon - Meister des grafischen Erzählens und der Couleur Directe,
Dia-Vortrag
- 14 Uhr, Stadtmuseum,
Das kolorierte Inferno - Laterna Magica-Bilder von Gustave Doré,
Lichtbildervortrag
- 16 Uhr, Rathaus, Kleiner Saal,
Comixene präsentiert: Jens Harder, Isabel Kreitz, Mawil und Uli Oesterle,
Künstlergespräch
- 17 Uhr, Rathaus, Kleiner Saal,
Nach dem Salon ist vor dem Salon,
After-Salon-Talk
- 20 Uhr, media.art.zentrum,
Absch(l)uss,
High-End-Party
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Samstag, 12. Juni 2004
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Uderzo in Erlangen
Zwar habe er den Max und Moritz-Preis vorher noch nicht gekannt, aber mit großem Interesse wahrgenommen, dass sein Freund André Franquin einer der Preisträger gewesen sei. Albert Uderzo sah sich in den Pressegesprächen und Interviews vielen Fragen ausgesetzt, deren Antworten man eigentlich schon kannte oder in den Pressemitteilungen des Salons oder des Verlags hätte lesen können. Dennoch nahm es der 77-jährige Zeichner gelassen und zeigte eine Engelsgeduld. Selbstredend zeichnete er vor den Augen und unentwegt klickenden Kameras der Anwesenden auch wieder einen Asterixkopf, damit auch alle glaubten, dass er wirklich der Asterixzeichner sei, wie er scherzend hinzufügte. Auf die eigentlich ungehörige Frage nach dem, was nach seinem Ableben passieren werde, erwiderte Uderzo, dass das noch lange dauere und dass es nach seinem Tod keine Asterix-Alben mehr geben solle. Mit Blick auf ein nächstes Asterix-Album stellte Marion Egenberger, die Pressesprecherin von Ehapa, eine Zeitungsente klar: Uderzo arbeite tatsächlich nicht an gleich zwei neuen Alben: Da habe es wohl einen Fehler in einer Übersetzung eines Interviews mit ihm gegeben. Egenberger hatte zudem nachgezählt, dass sich René Goscinny und Albert Uderzo bisher 89 Varianten ausgedacht haben, ein Piratenschiff zu versenken. Uderzo lachte und gab preis, dass er daran dächte, im neuen Album eine 90. Variante hinzuzufügen. Wenig hält Uderzo davon, die Originale seiner Comicseiten im Museum auszustellen. Die Geschäfte, die mit Comic-Originalseiten gemacht werden, empfindet er als traurig. Er selbst gebe stets nur Faksimiles für Ausstellungen heraus. Die Originale hätten im Museum nichts zu suchen, sie seien nicht für diesen Zweck gemacht. Ob sich Uderzo hier nicht irrt? Viele Museen müssten vermutlich schließen, wenn dort nur Exponate gezeigt würden, die eigens für das Museum gemacht wurden. Aber wer wollte schon die griechischen Volutenkrater, etruskischen Grabmalereien und babylonischen Rollsiegel aus unseren Museen nehmen, nur weil sie dermaleinst zum Trinken, Sterben und Unterschreiben dienen sollten? Umgekehrt: Uderzos Zeichnungen gehören ins Museum, wo sie gepflegt und mit Fachverstand aufbewahrt werden, damit auch spätere Generationen noch sehen können, wie ein dicker Gallier aussieht, wie ungemein stark der ist und dass wir ihm unsere Anerkennung zollen, indem wir die originale Zeichnung wie einen Zaubertrank hüten.
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Onkel Jup
Eckart Sackmann stellte zusammen mit zwei weiteren Autoren, Michael F. Scholz und Heiner Jahncke, ein Jahrbuch vor, welches mit Respekt vor einem Werk Emmerich Hubers den Titel "Das Neueste von Onkel Jup." führen soll. Im Herbst wird es so weit sein. Das Publikum sah nicht nur erste Seiten des Innenlebens des Buches (Foto), sondern ihm wurde ein Einblick in die Artikel der ersten Ausgabe gegeben, die allesamt spannende Themen aufzuarbeiten versprechen. Dieses soll in wissenschaftlicher und lesbarer Weise geschehen. Die Themen sind mit dem Ziel gewählt, vornehmlich deutschsprachige Comics und ihre Zeichner dem Vergessen zu entziehen. Dabei lege man sich nicht auf einen gewissen Zeitraum fest. Selbst Comiczeichner, die noch 1993 veröffentlicht haben, seien bereits Thema. Es ist schon ein Abenteuer herauszubekommen, wer wann was veröffentlicht hat. Sogar die Recherche nach einem Geburtsdatum gestaltet sich gelegentlich aufwändig. Aber jemand müsse diese Arbeit endlich einmal machen, betonte Sackmann deutlich, "und nicht nur immer abschreiben, was andere bereits geschrieben haben." Heiner Jahncke als Sammler und Michael F. Scholz als Experte für DDR-Comic unterstützen das Jahrbuch mit ihrem Wissen und Können.
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Götter, Engel, Höllenfürsten
Als es mit der Technik noch etwas haperte, ging Herbert Heinzelmann nicht etwa zerknirscht durch die Hölle des Vortragenden, dem alle seine Bilder geklaut wurden, sondern er packte die Gelegenheit beim Schopfe und trug aus dem Stegreif eine gediegene Einleitung in sein Thema vor, in welcher er vom Sitz des Mystischen in unserem Gehirn und über die Entstehung von Religionen überhaupt vortrug. Da störte es ihn dann schon fast, dass die Techniker zwischen ihm und dem Publikum herumwieselten, um letztlich die von ihm mitgebrachten Bilder zur Anzeige zu bringen. In einem Gewölbe unterhalb des Stadtmuseums entwickelte sich in Folge und in stimmungsvoller Finsternis eine Schau durch die Darstellung von Himmel und Hölle im Comic.
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Max und Moritz-Preise
Ein Vorprogramm gab es diesmal nicht. Doch wer nun befürchtete, dass es ein Preisverleihungsabend der drögen Art (wie in Angoulême) werden würde, hatte nicht an die Begeisterung des Publikums für den Preisträger Albert Uderzo und für seine Comicfiguren gedacht. Tatsächlich überzog man die zwei Stunden, die eigentlich für die Überreichung der sieben MMP "nur" vorgesehen waren, dann auch gründlich. Volker Reiche war daran auch nicht ganz unschuldig. In einer längeren Ansprache, in halb spaßiger, halb ernster Weise (so wie es eben in seinem täglichen "Strizz"-Strip auch zugeht) mahnte er an, dass man dem Zeitungsstrip auch im Ausstellungsbetrieb eines Erlanger Comic-Salons den gebührenden Platz einräumen sollte. Flix, Jens Harder, Ulf K., die "W.I.T.C.H."-Zeichner Ettore Gula und Giada Perisinotto nahmen Brot und Preis persönlich entgegen. Für Marjane Satrapi, Joann Sfar und André Juillard kamen die Verleger David Basler (Edition Moderne), Johann Ulrich (avant) und Eckart Schott (Salleck) auf die Bühne. Der Bürgermeister der Stadt Erlangen, Dr. Siegfried Balleis, heizte in seiner Ansprache die Stimmung im Markgrafentheater bereits an, indem er davon sprach, dass der Comic-Salon für Erlangen ein "Leuchtturmprojekt" sei, auf welches man auch in Zukunft nicht verzichten wolle, selbst wenn das Geld knapp sei. Daher dankte er den Sponsoren und dachte auch an die Leute mit den Augenringen, also die Organisatoren des Festivals um Bodo Birk, durch deren enormen Einsatz der Comic-Salon erst möglich wurde. Der stürmische Beifall des Publikums sei ihnen ein kleiner Lohn für die vielen arbeitsreichen und trubeligen Tage.
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Comicbörse
Das Bild trügt. Was hier nach eitel Sonnenschein aussieht, hat den Händlern kurz zuvor kräftig auf die Bananenkisten geregnet: das Erlanger Wetter ließ die Händler auf dem Vorplatz des Rathauses ins Schwitzen kommen. Mit großen Plastikplanen und Zeltdächern versuchte man die Ware so gut es ging zu schützen. Da hatten es die Beschicker der Stände in den Passagen und dem Innenhof des angrenzenden Einkaufszentrums schon einfacher. Eine der größten Comicbörsen Deutschlands lockte viele Sammler, Laufkunden und Neugierige an.
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Gamesday
Sammelkartenspiele sind ja kein ganz neues Phänomen. In den letzten Jahren hat der Klassiker "Magic - the Gathering" aber zunehmend Konkurrenz bekommen von Spielen mit Filmanbindung, wie "Herr der Ringe" (Foto) und "Yu-Gi-Oh!", und jetzt auch noch vom brandneuen Marvel-TCG. Drei Turniere fanden heute beim GamesDay im EvenTraum statt. Gespielt wurden die Sammelkartenspiele (engl: Trading Card Games, kurz: TCGs) "Herr der Ringe", "Yu-Gi-Oh!" und das brandneue "Marvel". Diese Spiele mit Film-, Anime- bzw. Comic-Verbindung machen dem Klassiker unter den TCGs, "Magic -the Gathering" zunehmend Konkurrenz. Zu gewinnen gab es - natürlich - Karten und schicke Hüllen, um die wertvollen Pappstücke sicher zu verpacken. Um 18 Uhr nach stundenlanger Spielzeit abgeschlossen waren das "Yu-Gi-Oh!"-Turnier und das "Herr-der-Ringe"-Turnier. Bei "Yu-Gi-Oh!" traten 8 Zweier-Teams gegeneinander an, siegreich hervor gingen das Team "Die Gewinner - Teil 2", bestehend aus Armando Meola (14) und René Schneider (24). Der "Herr der Ringe"-Champion verschwand sofort nach Spielende, angeblich von seiner Freundin entführt. Das "Marvel"-Turnier, das erst um 18 Uhr begann, zog sich vermutlich noch über die offizielle Öffnungszeit hinaus, gleichzeitig wurde auf der grossen Leinwand das EM-Spiel Portugal-Griechenland verfolgt.
Überrascht zeigten sich die Veranstalter, dass zum "Yu-Gi-Oh!"-Turnier nur 16 Teinehmer erschienen - gerechnet hatten sie mit 50. Ein Zeichen, dass der Boom vorbei ist? (rö)
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Manga-Elefantenrunde
Unter der sympatischen Moderation von Harald Havas fanden sich um 14 Uhr Alexander Bubenheimer (Planet Manga), Lars Erbstößer (MangasZene), Silvia Groniewicz (Manga-Expertin) und Kai-Steffen Schwarz (Carlsen) zu einem Spitzengespräch zusammen. Nicht anwesend waren Joachim Kaps (Tokyopop), geschäftlich verhindert, und Georg F.W. Tempel (EMA), der zwar angemeldet war, aber einfach nicht auftauchte.
Thema der illustren Runde war, wie es dem Manga in Deutschland geht, und wie es weitergeht. Während von Seiten der Verlage der Markt als stabil bzw. weiter wachsend eingeschätzt wird, sieht Lars Erbstößer (Foto links) ein Problem in der Masse der veröffentlichten Titel. Er befürchtet einen Zusammenbruch, ähnlich wie nach dem Alben-Boom der 80er und dem Superhelden-Boom der 90er. Für die Stabilität des Marktes spricht, dass Manga stärker als andere Comics im Alltag der (jugendlichen) Leser verankert ist - man denke nur mal an die beliebten Manga-T-Shirts oder an die zahlreich in Zeitschriften erscheinenden Fan-Zeichnungen. Silvia Groniwiecz berichtete, dass sich in Wien die Zahl der Japanologie-Studenten durch Manga-Fans verdoppelt habe.
Aber woher kommt die Manga-Power? Manga hat geschaft, was europäischen und amerikanischen Comics nicht gelang: Frauen zu Comiclesern zu machen und Männer zum Nähen zu bringen. Steffi Holzer (Foto rechts, MangasZene, im Publikum) erklärt dies durch das breite Spektrum an Geschlechterrollen, die im Manga angeboten werden. Hinzu kommt, dass im Westen (nichts Neues) Mädchencomics jahrzehntelang von Männern gemacht wurden und auf Pferde-Stories beschränkt blieben, während in Japan weibliche Mangaka an innovativen Konzepten arbeiteten.
Silvia Groniewicz' Einschätzung ist, dass der Markt stabil bleibt, die Kunden aber wählerischer werden und sich auf bestimmte Genres konzentrieren. Dementsprechenmd arbeitet man bei Planet Manga daran, auch speziell etwas für jüngere Zielgruppen ins Programm zu holen, während Kai-Steffen Schwarz der geniale Gedanke kam: "Wer 1987 mit Dragon Ball angefangen hat, der ist heute eben älter."
Dass es um die Zukunft des Manga nicht allzu schlecht bestellt sein kann, war aber schon vom Anfang der Runde an klar: Zum Einstieg wurde ein Ausschnitt aus einer Sailor-Moon-Realverfilmung gezeigt. Als ausgeblendet wurde, rief es im Publikum vielstimmig: "Weiter! Weiter!" (rö)
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Ein Quadratmeter
"Vierzig Quadratmeter Deutschland" hieß der Film von Tevfik Baser, in dem es eine Frau auf dieser beengten Fläche aushalten musste. Bei Comicleuten begnügt man sich gelegentlich mit noch weniger Platz, wie der "Monster Kiosk" von Patrick Preller zeigt. Auf einem einzigen Quadratmeter Erlangen möchte er die vier Tage des Comic-Salons ausharren. Im Kiosk bietet Preller kleine Fernseher, winkende Monster und feine Karten an. Gäbe es einen Max und Moritz-Preis für die Gestaltung eines Comicstands, käme man an Prellers liebevoll gestaltetem Kleinkunstjuwel nicht vorbei, wenn denn auch tatsächlich einmal Comics in diesem Kiosk zu bekommen wären.
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