Nach ihm und seinem Bruder Klaus wurden schon gefeierte Comic-Strip-Serien benannt: Wolle Strzyz ("Strizz") ist der Programmverantwortliche für die Faszination Comic der Frankfurter Buchmesse und moderierte in Erlangen die Elefantenrunde. Von ihm ein Foto zu bekommen, ist recht schwierig, doch beim Lesen von Vicente Segrelles steht er zum Glück ausreichend lange still.
Ausstellungen
Viele Ausstellungen schließen zum Ende des Comic-Salons ihre Tore. Doch folgende Ausstellungen können Sie auch noch nach dem Salon besuchen.
- "Comic Cafe" im Café Moravia Erlangen, 10. Juni bis 27. Juli, präsentiert von der ComicStadt München e.V.
- "Joost Swarte - Retrospektive" in der Städtischen Galerie Erlangen, 6. Juni bis 4. Juli
- "François Bourgeon - Aus Meisterhand: Pionier des Abenteuers" in der Städtischen Galerie Erlangen, 6. Juni bis 4. Juli
- "Dante im Comic - Die Geografie des Jenseits" im Stadtmuseum Erlangen, 6. bis 20. Juni
- "Gezeichnete Verführer - Comics in der Werbung" in der Publicis KommunikationsAgentur, 10. bis 25. Juni
- "Hanna und Chloé - Die Geschichte einer deutsch-französischen Freundschaft" in der Stadtbücherei Erlangen, 10. bis 22. Juni
- "Jason Lutes - Berlin. Steinerne Stadt" im SiemensForum Erlangen, 10. Juni bis 1. Juli
- "Friederike Gross - Journographie" in der Galerie Kunstraum Sutter-Kress Erlangen, 4. Juni bis 1. Juli
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Sonntag, 13. Juni 2004
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McKean vs Achdé
Nur mäßig gefüllt war um 11 Uhr der kleine Saal im Rathaus, obwohl mit Dave McKean und Achdé gleich zwei illustre Gäste aufgeboten waren.
McKean, einer der vielseitigsten (Comic-)Künstler überhaupt, ist in Deutschland vor allem durch die Sandman-Cover bekannt, aber auch durch CD-Cover und eigene Comics wie „Cages“. Einen Überblick über sein umfangreiches Werk bot die Ausstellung „Narcolepsy“, die vom 5.-13.6. im Kunstmuseum Erlangen zu sehen war. Zurzeit orientiert sich McKean mehr in Richtung Film. Nach der vielen Team-Arbeit an seinem aktuellen Projekt „Mirror Masks“ kann er sich aber gut vorstellen, bald wieder im stillen Kämmerchen an einem Comic zu arbeiten. Er wolle aber, so McKean, „weniger Mainstream“ machen als bisher – eine Aussage, die im Publikum für Schmunzeln und verwirrte Blicke sorgte. Andererseits beklagte Dave McKean selbst, wie schwierig es sei, seine Bücher in Deutschland zu verkaufen, und scherzte bei der Gelegenheit über die winzigen Graphic-Novel-Abteilungen der meisten Läden, „stuffed with spiderwebs and X-webs“.
Achdé, zum ersten Mal in Deutschland, schilderte seine ersten Eindrücke: Englisch sprechen, Chinesisch essen. In Frankreich schon mit eigenen Serien populär, ist er den Freunden frankobelgischer Funnies als neuer Zeichner von Lucky Luke ein Begriff. Obwohl mit der Arbeit an dieser Serie ein Jugendtraum für Achdé in Erfüllung geht, hat der neue Job auch seine Tücken. Der Druck, Lucky Luke nicht nur zeichnen zu dürfen, sondern auch zu müssen („il faut faire Lucky Luke“), lastet schwer. Zusätzlich arbeitet Achdé an den eigenen Serien weiter und fürchtet, dadurch schizophren zu werden. Man könnte den armen Kerl direkt bemitleiden, trüge er sein hartes Schicksal nicht mit so viel Humor.
Zu spontanen Zuneigungsbekundungen kam es auf die Publikumsfrage, was man denn von der Arbeit des jeweils anderen halte. Während Achdé McKean brüderlich umhalste, verkündete dieser (sinngemäß): Wenn man etwas tut, das man liebt, das ist das Beste. Wer will da schon widersprechen. (rö) (Foto, v.l.n.r: Martin Jurgeit, Anne Schmittlutz, Achdé, Dave McKean, Jörg Krismann)
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Am Morgen danach...
...lud Harald Havas die Max-und-Moritz-Preisträger zum Gespräch. Egal, wie lange am Abend zuvor gefeiert wurde – alle Gesichter auf dem Podium (Eckart Schott, Volker Reiche, Flix, Ulf K. und Jens Harder) machten einen wachen und glücklichen Eindruck. Gleich wieder weg mussten die beiden W.I.T.C.H.-Zeichner, die sich schüchtern neben der Bühne herumdrückten und kaum zu bewegen waren, überhaupt ins Mikrophon zu sprechen. Weltbewegendes zu sagen hatten aber die anderen Preisträger auch nicht. Hauptsächlich wurde sich noch einmal ausgiebig über den Preis gefreut. Volker Reiche outete sich als verhinderter Disney-Zeichner und lobte die große Freiheit, die der Comic Strip in Deutschland genieße. Ulf K. freute sich besonders darüber, zusammen mit Flix und Jens Harder auf dem Podium zu sitzen, da man sich von Festivals kenne und an einem ähnlichen Punkt der Entwicklung befinde. Schließlich kam die Rede auf den ICOM-Preis: Dieser sei eine feine Sache, besonders – da mit Geldsegen verbunden – für Nachwuchskünstler. Einig war man sich auch, dass der ICOM-Preis eher ein Independent-Preis sei, nicht ganz so einig dabei, was denn nun Independent sei.
Wirkliche Veränderungen bringt der Max-und-Moritz-Preis für keinen der Preisträger. Alle haben schon die nächsten Projekte auf dem Schreibtisch liegen und wollen sich den „Ruhm“ weder zu Kopfe steigen noch sich davon unter Druck setzen lassen. Bevor die Herren wieder an ihre jeweilige Signier- und Zeichenarbeit gingen, gaben sie noch einen Ausblick, was man als Nächstes von ihnen erwarten darf. Flix kündigte für Oktober ein Held-Spin-Off an, Ulf K. illustriert ein Kinderbuch mit dem Titel „Der kleine Herr Paul“. Jens Harder wollte nicht konkret werden, verriet aber die Stichworte „Album“, „Farbe“, „Sammlung von Episoden“ und „Frühjahr 2005“. Der zweite Strizz-Band von Volker Reiche erscheint Ende August. (rö) (Foto: Volker Reiche)
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Joost Swarte
Eine ganze, große Wand in Senfgelb und dann in deren Mitte nichts anderes als zwei kleine Panel (siehe Foto). Joost Swarte ist wahrlich eine Ausnahmeerscheinung, der Auge und Hirn anzusprechen und zu lenken weiß. Die Ausstellung in der Städtischen Galerie hat er persönlich mitgestaltet und für schöne Sichten gesorgt. Das fällt in diesen Räumen mit ihren durch ihre Regelmäßigkeit blickfangenden Folgen an Türdurchbrüchen zum Glück nicht schwer. Herbert Heinzelmann schrieb eine Besucher-Information zur Ausstellung, die fundiert auf den Stil Swartes ("nouvelle ligne claire") und auf seine Verdienste für den Comic eingeht. Auffällig ist allerdings, dass die vorbildlichen Beschreibungen auf das jeweils einzelne Bild abheben. Diese werden detailliert und sprachmächtig von Netzhaut auf Text abgebildet. Das mag manche an ihre Übungen erinnern, den Faltenwurf des Gewands einer griechischen Statue wortgewaltig wiederzugeben. Joost Swarte gestaltete die Erlanger Ausstellung wie eine Erzählung, also sei unterstellt, dass ihm bewusst ist, dass das einzelne Bild nicht Comic ist. Die Beschreibung seines Werks sollte im Grunde jeder für sich oder einer für uns alle ergänzen, indem auf das Zusammenwirken der einzelnen Bilder eingegangen wird, auf das Weiße zwischen Swartes Panels. Das Foto zeigt, dass es da genug Prickelndes zu finden geben wird. Die Ausstellung bleibt noch bis zum 4. Juli 2004 geöffnet.
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François Bourgeon
Den Prozess gegen seinen Ex-Verlag Casterman auf Überlassung der Rechte an seinen Alben, u.a. für die ersten beiden Bände seiner "Cyann"-Comicreihe, hat er den Meldungen aus Frankreich zufolge verloren (bdzoom.com), so dass Bourgeon nun endlich einmal wieder durch seine künstlerische Arbeit ins Rampenlicht treten könnte statt durch juristische Querelen. Der Comic-Salon machte durch eine Ausstellung in den Städtischen Galerien und durch einen Vortrag von Martin Frenzel auf François Bourgeon aufmerksam. Auf gut erdachten und leidlich bequemen Ausstellungsmöbeln kann man sich in dem von Lisa Puyplat geleiteten Haus in Ruhe sowohl die bekannten, wohlgeformte Figuren zeigenden Bilder aus Bourgeons Schaffen ansehen, aber auch einige weniger bekannte Comicseiten finden. Die Ausstellung ist noch bis zum 4. Juli 2004 geöffnet. Im Vortrag von Martin Frenzel, der in Dias die Stationen des Schaffens von François Bourgeon zeigte, wurde deutlich, welchen großen Eindruck das erste Album der Reihe "Les Passagers du Vent" 1980 auf die Leser gemacht haben muss. 1981 erschien der erste Band in Deutsch als "Reisende im Wind" bei Carlsen und zeigte eine selbstbewusste junge Frau, die ihre Geschicke frei und selber lenkt. Dieser damals ungewöhnlichen Idee einer solchen weiblichen Hauptfigur blieb Bourgeon auch in seinen folgenden Serien verhaftet.
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Carlsentrubel
Mit einem gemeinsamen Hauruck wuchten Joscha Sauer und Flix eine Heldensäule über den Carlsen-Stand. Nicht nur Trajan kam offenbar auf diese Idee, sondern auch der "held" und frischgebackene Max und Moritz-Preisträger Flix macht per Säule auf sich aufmerksam. Am bogenförmig aufgespannten Signierstand sitzen Kim Schmidt ("Störtebeker"), Patrick Wirbeleit und Harm Bengen ("Sandra Bodyshelly") und signieren ihre Comics. Der eigentliche Stand ist überraschend klein, da hätte man bei einem großen Verlag wohl mindestens das Doppelte erwartet, aber die Verkaufsfläche vor dem Stand dafür recht groß. Dort stöbern die Leser in den aus den Buchhandlungen bekannten, typischen Drehsäulen, in Regalen und im Fantasy-Drachen. Den Verkauf wickelt - wie auf der Buchmesse in Leipzig - für Carlsen als Geschäftspartner ein Comichändler ab. Carlsen bestreitet seine Signierstunden ganz überwiegend mit deutschen Zeichnern. Dem erwünschten Flair eines Internationalen Comic-Salons ist das nicht zuträglich, doch Kai-Steffen Schwarz betonte, dass man mit den einheimischen Künstlern in Summe mehr Publikum an den Stand bringe, als mit angereisten Größen aus der Ferne. Das ist aller Beobachtung nach richtig, aber mit einem Blick auf das Ganze stünde es Carlsen Comics sicherlich gut zu Gesicht, durch Gäste aus Japan, Frankreich, Belgien ihre Welt- und Weitsicht darzustellen.
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Die Hohe Schule des Comic
11 Hochschulen und ihre Studenten präsentierten sich auf der Galerie des Kongresszentrums beim „Jungen Forum“. Feedback auf die eigene Arbeit suchten die einen, Käufer und Verleger die anderen, und wieder andere wollten einfach mit Comic-Leuten in Kontakt kommen oder Nachwuchs rekrutieren.
Eine ungewöhnliche Attraktion war dabei sicherlich der Guckkasten des Instituts für Theater- und Medienwissenschaften der FAU Erlangen-Nürnberg. Die eigentlich geplante Fenster-Installation im ganzen Stadtgebiet Erlangen fiel leider ins Wasser. Stattdessen stellten die Studenten eine Black-Box mit Sehschlitzen auf, in der es verschiedene „Tableaux Vivantes“ zu sehen gab - beispielsweise Superhelden beim Kartoffelschälen. Die lebenden Bilder kamen bei den Besuchern gut an: „Die Leute kommen immer wieder und schauen, ob es etwas Neues gibt.“
Nicht alle Hochschulen konnten sich so über die Gunst des Publikums freuen. Viele hatten außer Comics auch andere graphische Arbeiten und Animationsfilme dabei, die beim Comic-Volk auf wenig Interesse stießen, und sowieso herrschte nicht gerade Gedränge vor den Ständen der Hochschulen. Besonders hart hatte es die Kunsthochschule Kassel erwischt, deren Stand - etwas abseits von den übrigen und direkt am Treppenaufgang - hauptsächlich als Durchgang wahrgenommen wurde.
Vorbildlich zeigte sich der Fachbereich Gestaltung der HAW Hamburg, wo man sich über Dozenten wie Anke Feuchtenberger oder ATAK freuen kann. Während andere früher aus Erlangen abreisten oder auf Talentscouts der Verlage warteten, mischen die Hanseaten schon lange aktiv in der Comic-Szene mit. Neben Veröffentlichungen in „Moga Mobo“ oder Witteks „Panik Elektro“ geben die Hamburger Gestalter das Fanzine „ORANG“ heraus.
Insgesamt waren am Sonntagnachmittag dann doch die meisten ganz zufrieden. Viele waren zum ersten Mal in Erlangen dabei und haben interessante Erfahrungen gemacht. Einig waren sich alle: Beim nächsten Comic-Salon soll es wieder einen Stand ihrer Hochschule geben. (rö)
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Schwarzer Turm
Der Verlag Schwarzer Turm ist ein kleines Wunder. Wie schaffen die es nur, sich für die deutschen Zeichner aus der Heftich-Szene mit so dicken "Panik Elektro"-Bänden zu engagieren, ohne dass man am sonstigen Programm irgendwelche Abstriche bemerkt? Der polnische Drucker scheint wohl besonders günstige Preise zu haben und der Erotik-Sektor des Verlags ("Horst", "Alraune", "Arsinoë") wirft offenbar genug ab. Michael Möller erzählt, dass man sehr viele Anfragen von deutschen Zeichnern habe, die beim Schwarzen Turm veröffentlicht werden möchten. Die aufwändige redaktionelle Arbeit für die Anthologie "Panik Elektro" lastet auf den Schultern von Wittek und Spong. Mittlerweile lasse man sich von den Bewerbern zuerst ein Skript einreichen, erklärt Spong, damit die zeichnerische Arbeit auch wirklich eine gut lesbare Comic-Erzählung ergebe. Geier (Foto) ist einer der produktivsten und professionellsten Zeichner, die für den Schwarzen Turm arbeiten. Seine von Robi geschriebene Heftreihe "Horst" wird ab Heft 11 ganz in Farbe gedruckt.
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Nach dem Salon ist vor dem Salon
Schauen Sie genau hin. Ein wenig müde sehen sie nach vier Tagen Dauereinsatz schon aus, die Organisatoren, Verlagsmitarbeiter und Journalisten des 11. Comic-Salons, die in einer nachmittäglichen Veranstaltung Rückschau auf den Salon nahmen. Bodo Birk teilte als Leiter des 11. Salons mit, dass die Besucherzahlen im Vergleich zum 10. Salon in Summe gleich geblieben seien. Rechne man hingegen die Besucherzahlen von Filmveranstaltungen und die Zahl der Ausstellungsgänger hinzu, könnte man an etwas Rekordverdächtiges denken. Lutz Göllner empfand diese Tatsache als sehr beachtlich, da er als Journalist einer Berliner Zeitung im Veranstaltungsbereich tätig sei und sähe, wie ansonsten überall die Besucherzahlen für kulturelle Veranstaltungen dramatisch wegbrächen. Martin Jurgeit gab zu erkennen, dass die Veröffentlichung des Katalogs zum Salon in Form einer Sonderausgabe der Comixene eine große und unerwartete Belastung für die Redaktion gewesen sei. Mit dem Ergebnis kann man zufrieden sein, auch wenn es besser wäre, den Katalog einige Wochen eher erscheinen zu lassen. Bodo Birk bat die Verlage, sich verstärkt an der Ausgestaltung des Salons zu beteiligen. Georg Tempel (EMA) wünschte sich, dass noch mehr Kinder und Jugendliche zum Salon gelockt werden. Der zum Familientag ausgerufene Sonntag sei ein Schritt in diese Richtung. (Foto v.l.n.r: Kai-Steffen Schwarz (Carlsen), Harald Havas (Journalist), Bodo Birk (Kulturamt))
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