comic.de aktuell
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Bei bestem Wetter kann der Cosplay vor dem Rathaus täglich in entspannter Stimmung stattfinden. Gegen die Sonne hilft den dunkleren Geschöpfen der passende Schirm.

Tipps für morgen

  • 10 - 18 Uhr: Comic-Messe
  • 10 - 18 Uhr: Japansalon: Kalligrafie, Origami, Basteln von Zengärten, Kleiner Saal
  • 11 - 16 Uhr: Malstation der Jugendkunstschule Erlangen, Rathausplatz
  • 11 Uhr: Manga attacks! Der japanische Comic: Kommerzielles Übel oder kreative Inspiration?, Rathaus, Trauungssaal, 1. Stock
  • 11 und 15 Uhr: Cosplay-Schaulaufen, Open Air Bühne
  • 11 Uhr: Führung durch die Ausstellungen des Großen Saals mit Herbert Heinzelmann
  • 12 Uhr: Max und Moritz-Preis 2006 – Das Podium der Sieger, Rathaus, Großer Ratssaal, 1. Stock
  • 12, 14 und 16 Uhr: Manga Workshop, Großer Saal, Klassenzimmer
  • 12, 14 und 16 Uhr: Chadô – Der japanische Teeweg, Rathaus, Zimmer 106, 1. Stock
  • 13 Uhr: Die vielen Gesichter des Jacques Tardi – Von "Adèle Blanc-Sec" bis zum Altersmeisterwerk "Die Macht des Volkes", Rathaus, Trauungssaal, 1. Stock
  • ab 13 Uhr: Aikido, Rathausplatz
  • 14 Uhr: Comic-Adaption von Paul Austers "Stadt aus Glas", Rathaus, Trauungssaal
  • 15 Uhr: "Wissen Sie, einen leichten Text zu schreiben ist harte Arbeit." – Zu Ehren Dr. Erika Fuchs, Rathaus, Großer Ratssaal
  • 15 Uhr: Was sind Comics?, Rathaus, Trauungssaal
  • 15 Uhr: Führung durch die Ausstellungen Lorenzo Mattotti und Benoît Broisat, Städtische Galerie
  • 16 Uhr: Nach dem Salon ist vor dem Salon, Rathaus, Großer Ratssaal

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Judith Park ("Y square") beim Gespräch über Germangaka

Max und Moritz-Preise

Jacques Tardi für sein Lebenswerk, Ralf König für sein Auftreten im Mohammed-Karikaturenstreit, Gipi für "Die Unschuldigen", Keiji Nakazawa für "Barfuß durch Hiroshima", Garry Trudeau für "Doonesbury", Volker Reiche für "Strizz", Nicolas Mahler für "Unbehagen", Jens F. Ehrenreich für "Jónas Blondal" und Max Goldt als bester Szenarist.

Samstag, den 17. Juni


Karikaturenstreit

17_karikaturenstreit.jpg Man habe ein Recht auf Unglauben erklärte der Max und Moritz-Preisträger Ralf König ("Dschinn Dschinn") vor dem bis auf den letzten Platz gefüllten Raum. Gekonnt moderiert durch Dr. Sabine Schiffer, die die engagierten Beiträge zum Mohammed-Karikaturenstreit treffend zusammenfasste, tauschten Denis Scheck, Mohamed Abu Al-Qomsan, Herbert Heinzelmann, Ralf König und Andreas Knigge ihre Meinungen zur Frage aus, was Karikatur dürfe. König möchte den "Humor nicht zurückfahren", Scheck wandte sich gegen "Menschen mit vorauseilendem Gehorsam", Al-Qomsan forderte tiefere Einsichten und den Blick aufs Ganze, Heinzelmann wertete die Veröffentlichung der Mohammed-Kaikaturen seitens der dänischen Zeitung Jyllands-Posten nicht zuerst als Karikatur sondern als politischen Akt und fühlt sich instrumentalisiert. Auch aus dem Publikum kamen engagierte Beiträge, die erkennen ließen, wie viel Diskussionsgelegenheit noch geschaffen werden muss, bis man nicht mehr aneinander vorbeidenkt und -redet. König hinterfragte durch den Einwand "meine religiösen Gefühle werden dauernd verletzt" den Grund für die Empörung, die vor einigen Monaten in arabischen Ländern aufkam.
(Foto v.l.n.r.: Denis Scheck, Mohamed Abu Al-Qomsan, Herbert Heinzelmann, Ralf König, Andreas Knigge)

Westliche Elefantenrunde

17_elefantenrunde.jpg Zu Beginn erhielt Dirk Rehm anlässlich des 15-jährigen Bestehens von Reprodukt einen üppigen Blumenstrauß von Andreas Platthaus (F.A.Z.), der die Veranstaltung zusammen mit Wolle Strzyz (Faszination Comic der Frankfurter Buchmesse) moderierte. Letzterer verbesserte die etwas müde Stimmungslage der anwesenden Verlagsleute durch frische Erdbeeren, um sein Ziel zu erreichen, den Verlagen Zahlen zur verkauften Auflage verschiedener Titel zu entlocken. Während für Georg F. W. Tempel (EMA) ein Titel "desaströs" läuft, der nur 1.700 Exemplare verkauft, ist Johann Ulrich (avant) mit einer solchen Anzahl an Verkäufen pro Jahr sehr zufrieden. Für ihn liefe es erst schlecht bei einer Verkaufszahl von lediglich 400 bis 500 Büchern. Tempel nannte als Minimum für seinen Verlag eine Verkaufszahl von 3.000 Exemplaren, der Titel "Schiller" von Horus habe sich zum Beispiel mehr als 10.000 Mal verkauft. Eine Nachfrage nach Wiederauflagen sei vorhanden (u.a. "Blueberry"). Bei Carlsen Comics wies Ralf Keiser in diesem Zusammenhang auf "Tim und Struppi" hin, was man nach wie vor nachdrucke. Von der Neuauflage von "Spirou und Fantasio" seien allerdings nur 2.500 bis 5.000 Exemplare pro Band über den Ladentisch gegangen. Anders sehe es für die beiden neuen Alben von "Spirou und Fantasio" aus, die sich über 10.000 Mal verkauften. Für Klaus D. Schleiter ist die Zeit gekommen, die traditionellen ZACK-Alben wiederauferstehen zu lassen. Mit dem angereisten Denis Bodart ("Green Manor") habe man hier in Erlangen recht gute Erfahrungen sammeln können. Das mit einer Auflage von 2.800 Exemplaren erschienene erste Album sei bereits zu 70 Prozent verkauft. Steffen Volkmer (Panini) zeigte sich zufrieden, dass die Kunden für den Superhelden-Comic dem Comic-Salon erhalten geblieben sind. Seine Klientel sei gut einschätzbar, so dass man bei den Sondereditionen mit den richtigen Auflagen nach Erlangen fahren können. Er verzeichne einen Trend zum Paperback. Dirk Rehm hob hervor, dass es für ihn nun möglich geworden sei, frankobelgische Comics herauszubringen, die vorher nur bei den großen Verlagen untergebracht wurden. Er habe sowohl auf den deutschen Buchmessen als auch in Angoulême und Bologna seine wohlbekannten und vertrauten Ansprechpartner, über die er die gewünschten Lizenzen erhalte. Ins Ausland verkaufen sich seitens Reprodukt die Bücher von Mawil und Arne Bellstorf. Keiser nannte flix und Joscha Sauer, Georg Tempel die "Chronik der Unsterblichen", Klaus D. Schleiter die "Abrafaxe" als Verkaufserfolg. Der Erlanger Comic-Salon sei für die Verlage weiterhin wichtig, um ihre Leser zu treffen, Ulrich wünscht sich den Salon alljährlich, Keiser empfindet den Salon als "entspannend" und Volkmer erklärte sogar, dass Panini den Salon liebe.
(Foto v.l.n.r.: Dirk Rehm, Ralf Keiser)

Max und Moritz-Preise

17_tardikoenig.jpg Denis Scheck steuerte der Preisverleihung als Moderator gute Gedanken bei, Ralf König gab eine großartige Lesung, Jacques Tardi bereicherte den Abend durch wichtige Rückbesinnungen, Gipi erfreute durch seine sympathische Lockerheit, Jens F. Ehrenreich kam hanseatisch frisch über die Rampe, Volker Reiche zeigte sich hinsichtlich mancher Themen nachdenklich. Und die Band des Abends, die "Radierer", stellte zu all dem den Kontrapunkt dar. Wer radiert verliert, formulierte schon Wittek bei den legendären Hamburger Zeichnerwettbewerben. Im letzten und späten Interview des Abends stellte Jacques Tardi seine Übersetzerin durch umfangreiche Antworten auf eine harte Probe. Wie kann man nur so viel Text im Kopf behalten und dann auch noch flüssig wiedergeben? Bravo, ihr gebührt dafür ebenfalls eine Max und Moritz-Medaille oder zumindest eines dieser großen Max und Moritz-Brote, welches die Bäckerei Beck jedem der Preisträger überreichte. Nach der Preisverleihung strömte das Publikum ins Freie oder in einen hellen, lichten Raum, in welchem sich Tardi mit einer Zeichung ins Goldene Buch der Stadt eintrug. Der Erlanger Oberbürgermeister Dr. Siegfried Balleis zeigte sich am Abend sehr aufgeräumt, lud zu einem umfangreichen Buffet mit Getränken und feierte die Aufwertung des Comic-Salons durch die Einreihung unter die Top Ten aller Veranstaltungen der Region. Damit rangiert der Comic-Salon in derselben Kategorie wie die Bayreuther Festspiele. Ein besondere Ehrung erfuhr der Abend durch die Anwesenheit des französischen Botschafters, der es sich nicht nehmen lassen wollte, Jacques Tardi einmal persönlich kennenzulernen und deswegen eigens anreiste. Chapeau!
(Foto v.l.n.r.: Jacques Tardi und Ralf König mit Max und Moritz-Brot)

comic-tv

17_ginawetzel.jpg Am heutigen Tag sendet comic-tv Beiträge zu folgenden Themen: Comicaze, Bat Boys, fernöstliche Elefantenrunde, Einstellung gegenüber Comic, Bilderhelden und Heldenbilder, Vertigo und Wildstorm zu Panini, Baobab von Igort, Kolorieren mit Copics, deutsche Magazeichnerinnen.
Schauen Sie comic-tv. (MOV-Datei, AVI-Datei)
(Foto: Gina Wetzel ("Orcus Star"))

Gosho Aoyama

17_goshoaoyama.jpg Als sich die Nachricht vom Eintreffen Gosho Aoyama ("Detektiv Conan") im Rathaus herumsprach, bildeten sich sofort lange Schlangen am vgs-Signierstand und Trauben von Fans, die mit einem Fotohandy oder einer DigiCam einen Schnappschuss vom Zeichner machen wollten, als er einen Rundgang durch die Messe und durch die große Ausstellungshalle begann. Um beim abendlichen Gespräch mit ihm im Großen Ratssaal einen guten Platz zu erwischen, sammelten sich seine Leser sehr frühzeitig vor der Eingangstür. Die Veranstaltung selbst geriet dann aber streckenweise langweilig, da sich der Gesprächsfluss gelegentlich als zäh und wenig ergiebig erwies. Aoyama wurde 1963 im Südwesten der japanischen Hauptinsel Honshu geboren. Er besuchte eine Kunstschule der Nihon Universität in Tokio und wurde anschließend professioneller Mangaka. Von ihm sind bei uns "Kaito Kid" durch den »Manga Twister« und "Detektiv Conan" durch die zahlreichen Taschenbuchveröffentlichungen bekannt geworden (bereits weit über 40 Bücher!).
(Foto: Gosho Aoyama ("Detektiv Conan"))

Deutscher Manga

17_zhouchengying.jpg "Sailor Moon" und "Dragonball" waren für sie der Auslöser, selbst einmal den Zeichenstift in die Hand zu nehmen. Ying Zhou Cheng (Foto, "Shanghai Passion") gewann einen Mangaka-Wettbewerb und zeichnete einen Manga, in dem es um Liebe zwischen Jungen geht. Auch für die anderen Germangaka, die sich im Großen Ratssaal des Erlanger Rathauses vorstellten, stand ein Erfolg in einem Zeichenwettbewerb am Beginn ihrer Karriere. Nina Werner ("Jibun-Jishin") erzählt von einer modernen Hexenjagd, Judith Park ("Y square") von zwei unterschiedlich erfolgreichen Jungen, Gina Wetzel ("Orcus Star") von ewiger Verdammnis und Fahr Sindram ("Losing Neverland") wendet sich mit ihrem Manga ausdrücklich gegen Kinderpornographie. Es ist erstaunlich, dass die Germangaka fast durchweg weiblich sind und ihre Manga-Titel zum Teil auch bereits im Ausland veröffentlicht werden. Von Robert Labs, dem einstigen Signierschlangenkönig und männlichen Hoffnungsträger der Germangaka, hörte man in Erlangen hingegen kaum noch etwas. Das könnte einem zu denken geben.
(Foto: Ying Zhou Cheng ("Shanghai Passion"))

Deutsch-israelisches Comicprojekt

17_janfeindt.jpg Als Herausgeber für ein deutsch-israelisches Comic-Projekt unterstützte der Verlag avant eine zugehörige Ausstellung, die in den Räumen des Erlanger Rathauses aufgebaut wurde, die noch einige Tage zuvor Baustellen voller Zementsäcke waren. Das tat der Wirkung der Ausstellung jedoch keinen Abbruch, sondern ließ sich als Hinweis verstehen, dass sich auch im deutsch-israelischen Verhältnis noch einiges im Bau befindet. Drei israelische und drei deutsche Zeichner schildern in "Cargo", was sie vom jeweils anderen Land wahrgenommen haben. Wer in den letzten Wochen von der Armut gelesen hat, die weite Teile einer verschuldeten israelischen Bevölkerung von der Sozialhilfe abhängig macht, und wer andererseits über die Kosten staunt, die man zum Bau einer Mauer quer durch das Land auf sich nimmt, der wird nach den hier gezeigten Bilderzählungen greifen, um Antworten oder gar Lösungen zu finden. Solche wird man selbstredend kaum bekommen, dazu ist die Lage allzu irrwitzig verfahren. Der Comicjournalist Joe Sacco trägt mit "Palästina" aus anderer Sicht dazu bei, ein Bild aus diesem brodelnden Kochtopf an Weltanschauungen zu liefern, auf den man mühsam den Deckel zu halten versucht. Bei der Lektüre der verschiedenen Bücher wird man sich einmal der einen, dann wieder der anderen Seite zugeneigt fühlen. Die "Cargo"-Ausstellung zeigt die Arbeiten der Bilderzähler in ansprechendem Format. Eine gute Ergänzung stellt für den Ausstellungsgänger ein Projektionsgerät dar, welches farbige Bilder aus Israel zeigt. Die deutschen Zeichner Jan Feindt, Tim Dinter und Jens Harder sitzen in der Ausstellung, signieren das Buch und stehen für Nachfragen zur Verfügung.
(Foto: Jan Feindt ("Cargo"))


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Copyright © 2006 Verlag Sackmann und Hörndl