comic.de aktuell
18_jacquestardi.jpg

Jacques Tardi erhielt für sein Lebenswerk einen Max und Moritz-Preis 2006. Dass er nach Erlangen gekommen ist, findet allerseits große Anerkennung, da er sonst nur höchst selten Comic-Veranstaltungen besucht.

Hinweise

Die nächsten großen Comic-Veranstaltungen sind:
  • 20.-23.07.06
    San Diego Comic-Con International, USA
  • 22.-23.07.06
    13. Festival International de la BD à Contern, Luxemburg
  • 28.-30.07.06
    8. AnimagiC in der Bonner Beethovenhalle
  • 15.-17.09.06
    5. Connichi 2006 in Kassel
  • 04.-08.10.06
    58. Frankfurter Buchmesse mit "7. Faszination Comic", Ehrengast: Indien
  • 25.-28.01.07
    34. Internationales Comic-Festival Angoulême, Frankreich

Sonntag, den 18. Juni


Familiensonntag

18_familiensonntag.jpg Am Sonntag bietet das Programm des Erlanger Comic-Salons besonders viele Anreize dafür, dass ihn ganze Familien besuchen kommen. An den Ständen bemüht man sich um Kinder, es werden Zeichenkurse angeboten, eine Comictauschbörse erlaubt Kindern den bargeldlosen Nachschub an Comics, das Kino zeigt die Animes "Oh! My Goddess", "Ranma 1/2" und "Kickers" und selbst Karl Nagel und die Leute von der Alligatorfarm singen schöne Lieder ("In the Ghetto"), statt die Besucher mit Agitativem zu erschrecken. Das Eintrittsgeld beträgt am Familientag für Kinder lediglich ein Euro.
(Foto: Stand von EMA/Ehapa)

Chadô, Aikidô und Kyûdô

18_teezeremonie.jpg Chadô – der Teeweg – überschreibt ein Zentrum für Japanische Kultur aus einem Dorf bei Nürnberg seine Vorführung der japanischen Teezeremonie im Erlanger Rathaus. Der Teeweg sei einer der faszinierendsten Wege in die Stille. Weniger still geht es auf dem Rathausplatz zu, wo Bogenschützen und Kampfsportler in japanische Traditionen einführen und die Zuschauer über Lautsprecherdurchsagen anlocken. Kyûdô – der Weg des Bogens – entwickelte sich aus den Kriegskünsten des japanischen Adels und ist die älteste aller bekannten japanischen Kampfkünste. Aus 28 m Entfernung versuchten sich die mittelalterlichen Krieger gegenseitig mit Pfeil und Bogen in den Unterleib zu schießen. In Erlangen wählt man heute zum Glück schmerzunempfindliche Zielscheiben für diesen Sport. Aikidô ist eine moderne japanische Kampfkunst, bei der es weniger auf Kraft als vielmehr auf Genauigkeit, Konzentration und Zentriertsein ankommt. Die Energie des Angreifers wird dabei zu dessem Nachteil umgelenkt. Der Begründer dieses Sports, Morihei Ueshiba, soll gesagt haben: "Wenn du angegriffen wirst, so schließe den Angreifer in dein Herz." Das ist selbstredend höflicher, als ihm in den Unterleib zu schießen.
(Foto: Teezeremonie im Erlanger Rathaus)

30 Jahre Tardi

18_30jahretardi.jpg Erkennen konnte man kaum etwas (siehe Foto), aber der Vortragende Martin Frenzel schilderte in Worten, was man mit etwas zeitgemäßerer Präsentationstechnik zu sehen im Stande gewesen wäre: Einen Rückblick auf die gut dreißigjährige Arbeit von Jacques Tardi. Der Max und Moritz-Preisträger 2006 wurde 1946 in Valence geboren und begann 1970 für Pilote zu arbeiten. Nach einem Szenario von Pierre Christin entstand 1972 "Aufruhr in der Rouergue" (in Deutsch bei Boiselle-Löhmann 1989). Bei uns wurde Tardi mit der Reihe "Adeles ungewöhnliche Abenteuer" (Carlsen 1982-84) oder den Einzeltiteln "Polonius" (Volksverlag 1981) und "Der Schnüffler" (Carlsen 1982) bekannt. Frenzel schilderte Tardi als "Meister der Hintergründe und der Recherche", was beispielsweise im kürzlich neu aufgelegten "120, rue de la gare" (Edition Moderne 1988, 2006) deutlich wird. Der Autor Léo Malet nannte Tardi einen großen "décorateur", weil seine Zeichnungen der Erzählung die passende Atmosphäre geben. Da Tardis Großvater den Krieg in den Schützengräben von Verdun erlebt hatte, wurde ihm so viel davon erzählt, dass er Albträume bekam. Daraus ergab sich sein Engagement als grafischer Erzähler gegen das Grauen des Krieges. Auf dem Comicfestival in Sierre habe man in einer Tardi-Ausstellung deswegen sogar einmal einen Schützengraben nachgebaut. Frenzel berichtete, dass man Tardi als "Erich Maria Remarque der grafischen Literatur" bezeichne. Er widme sich besonders den "vergessenen Soldaten". Mit seiner Sicht auf die Pariser Kommune in "Die Macht des Volkes" (Edition Moderne 2002-06) brachte sich Tardi abermals als Chronist mit Zeichenstift ins Gespräch. Auch wenn die Pariser Kommune nur zwei Monate überstand, bleibt diese Zeit dank der vier Bücher Tardis nun dauerhaft in unserem Gedächtnis.
(Foto: Tja, wer weiß...)

comic-tv

18_volkerreichescheckmax.jpg Am heutigen Tag sendet comic-tv Beiträge zu folgenden Themen: Max und Moritz-Preisverleihung 2006, westliche Elefantenrunde, Gosho Aoyama, "Die neuen Zaren".
Schauen Sie comic-tv. (MOV-Datei, AVI-Datei)
(Foto v.l.n.r.: Volker Reiche, Max, Denis Scheck)

Nach dem Salon

18_nachdemsalon.jpg Man habe zwar 25.000 Besucher erwartet, aber es seien vermutlich wegen des sonnigen, warmen Wetters oder der Fußball-WM gut 5.000 weniger gekommen, stellte Bodo Birk (Kulturamt Erlangen) beim Rückblick auf die diesjährige Ausgabe des Erlanger Comic-Salons fest. Zur Salon-Nachbesprechung erschienen einerseits Vertreter der Verlage, Journalisten, Salonbesucher und andererseits der Salonvater Karl-Manfred Fischer und die Leiterin der Städtischen Galerie Lisa Puyplat. Bodo Birk stellte heraus, dass es bei einer solchen kulturellen Veranstaltung wie dem Comic-Salon im Vergleich zu einer Messe selbstredend nicht nur auf die Besucherzahlen ankomme, sondern auch auf die Qualität, auf ein "rundes Besucherbild", auf möglichst viele Erstbesucher. Den bisherigen Rückmeldungen zufolge sehe es erfreulicherweise so aus, als seien viele junge Leute erstmalig gekommen, was die Zukunft des Salons absichere. Dabei sei dennoch das Thema Manga auf dem Salon nicht überbetont, sondern als "ganz normale Spielart" des Comic berücksichtigt worden. Der Salon werde von Birk mit vier festen Mitarbeitern auf die Beine gestellt. Erst vier bis acht Wochen vorher beginne man die Anzahl der Mitarbeiter auf 150 Personen zu erweitern. Auf die kritische Frage aus dem Publikum, warum zu wenige frankobelgische Zeichner eingeladen worden seien, verwies Birk auf die Verlage. Seitens des Salons könne man nur wenige Einladungen aussprechen und finanzieren. Dank des diesjährigen Kommens von Jacques Tardi werden sich in Zukunft hoffentlich wieder mehr frankobelgische Zeichner bereit finden, nach Erlangen zu reisen. Ralf Schneider (EMA) zeigte sich mit den Besuch von Gosho Aoyama ("Detektiv Conan") sehr zufrieden. Dem japanischen Zeichner habe es in Erlangen "super" gefallen. Für Dirk Rehm (Reprodukt) war 2006 der "best Salon ever". Er war über den guten Besuch seines Stand glücklich und freute sich über das rege Interesse an seinen "Hamburger jungen Zeichnern". Ralf Keiser (Carlsen Comics) empfand den Verlauf des Salons als zufriedenstellend; zwar hätte er sich mehr Besucher gewünscht, aber es käme ja auch auf die Qualität an. Während auf den Messen in Frankfurt und Leipzig der Rummel und das Angebot riesig seien, könne man sich in Erlangen auf den Comic konzentrieren. Carlsen werde sich bezüglich des Manga lieber nach Leipzig orientieren und sehe Erlangen als Veranstaltung für "Normalcomics".
(Foto v.l.n.r.: Lutz Göllner, Bodo Birk, Ralf Keiser)

"Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern,..."

18_bruderschwur.jpg "... in keiner Not uns waschen und Gefahr." Dieser berühmte Schwur von Tick, Trick und Track, Schillers "Wilhelm Tell" entlehnt, geht auf Dr. Erika Fuchs (1906-2005) zurück, an deren Wirken ein kenntnisreiches und ausführliches Gespräch zwischen dem Donaldisten Andreas Platthaus und Denis Scheck erinnerte. Die Veranstaltung ließ deutlich werden, in welchem Maße die Texte der begnadeten Übersetzerin vom Zeitgeist bestimmt sind und warum sie manche Texte in späteren Auflagen erneut übersetzte. Sie selber habe immer nur die letzte Übersetzung als die gültige angesehen, strich Platthaus heraus. Dennoch scheint eine Auseinandersetzung mit früheren Übersetzungen lohnend.
(aus: "Die Weihnachtswäsche")


zurück weiter  [zurück] [Startseite Erlangen 2006] [Startseite comic.de] [Seitenanfang] [Fotos]

Copyright © 2006 Verlag Sackmann und Hörndl