Joe Heinrich zeigt seinen allerlängsten Wimmelbildstreifen in der Vitrine und gedruckt.
Was ist denn morgen los?
Tipps für Sonntag
- 10-18 Uhr, Comic-Messe im Rathaus
- 10-18 Uhr, Wieselflink UltraBall-Rennen
- 14-17 Uhr, 30 Jahre Garfield - Geburtstagsparty, Rathaus, 1. Stock
- 11 Uhr, Wilhelm Busch-Matinée: Ich wollt', ich wär ein Eskimo, Stadtmuseum Erlangen
- 11 Uhr, Präsentation: Electrocomics, Rathaus, Großer Ratssaal, 1. Stock
- 12 Uhr, Gesprächsrunde: Wozu noch Verlage? - Comics online, Rathaus, Großer Ratssaal, 1. Stock
- 12 Uhr, Information: Erstes Erlanger Federnseminar (u.a. mit Martin tom Dieck), Kongresszentrum Heinrich-Lades-Halle
- 13 Uhr, Gesprächsrunde: Vom Leben gezeichnet - Biografien als Comic-Stoffe, Rathaus, Großer Ratssaal, 1. Stock
- 13 Uhr, Tokyopop Manga-Workshop, Rathaus, 1. Stock, Workshop-Raum
- 13 Uhr, Cosplay-Workshop mit Ying Zhou Cheng, Kongresszentrum Heinrich-Lades-Halle, Kleiner Saal
- 14 Uhr, Gesprächsrunde: Zwischen Kreativität und Zensur? - Zur Situation der Künstler in China, Rathaus, Großer Ratssaal, 1. Stock
- 14 Uhr, Information: Manga live und in Farbe! - Ein Blick hinter die Kulissen der Magazin Daisuki und AnimaniA, Kongresszentrum Heinrich-Lades-Halle, Kleiner Saal
- 15 Uhr, Gespräch mit Eiki Eiki: Hase mit Fliege, Rathaus, Großer Ratssaal, 1. Stock
- 15 Uhr, Informationsreise: Von Max und Moritz zu Detektiv Conan - Eine Reise durch die Welt der Comics zum Mitmachen, Rathaus, 1. Stock
- 16 Uhr, Gesprächsrunde: Nach dem Salon ist vor dem Salon, Rathaus, Großer Ratssaal, 1. Stock
- 16 Uhr, Ausstellungsführung: Hendrik Dorgathen, Städtische Galerie Erlangen im Museumswinkel
|
Fangzähne zeigen: Dieser Herr warb unmissverständlich für die "World of Warcraft" und die vielen damit verbundenen Produkte.
Mosaikstand: Neben den aktuellen "Mosaik"-Heften und "Mosaik"-Sammelbänden informierte man hier über den Fortgang der Zeitschrift "ZACK".
Einleitende Worte: Seitens des Stadtmuseums Erlangen führte Thomas Engelhardt in die Wilhelm Busch-Ausstellung und in die zugehörigen Vorträge ein.
Früher Comic: Als Beleg für frühen Comic mit Dialogtexten (in Spruchbändern mit verschieden gefärbten Lettern) zeigte Eckart Sackmann in seinem Vortrag im Stadtmuseum eine Seite des Evangeliars Heinrichs des Löwen.
|
Samstag, den 24. Mai
Comics global
Das angekündigte Gespräch über etwaige globale Verflechtungen des Comicmarktes kam anfänglich schon deswegen nicht zustande, weil einer holperigen Einführung der Teilnehmer auch noch ein länglicher Vortrag über das Comicschaffen des chinesischen Zeichners Yao Fei La folgte, welcher nur ins Deutsche übersetzt wurde, wodurch sowohl Paul Gravett aus England als auch Guy Delisle aus Kanada auf Durchzug schalten mussten. Zum Glück fragten sowohl die Manga-Expertin Jaqueline Berndt ("Phänomen Manga - Comic-Kultur in Japan") als auch der Moderator Jens Balzer gelegentlich neugierig dazwischen, um über die Arbeitsbedingungen in China etwas mehr zu erfahren.
Guy Delisle berichtete von seinen Reisen nach Nordkorea und Birma. Während Comics in Nordkorea praktisch nicht existieren, habe Birma eine lebendige lokale Comicszene mit einer bunten Mischung internationaler Stile. Jaqueline Berndt sprach darüber, dass die Japaner zwar froh seien, dass ihre Comics in aller Welt Anklang finden, andererseits aber kaum Comics aus anderen Ländern importierten. Übersetzungen von Tim und Struppi etc. liegen zwar vor, werden aber nur als Kinderbücher behandelt oder in eingeschworenen Szenekreisen gelesen. Paul Gravett betonte, dass trotz aller Unterschiede auch Ausdrucksformen des Comics existieren, die international verstanden werden. Sascha Hommer erwähnte, dass er die internationalen Zeichner für die von ihm herausgegebene Anthologie Orang am liebsten persönlich treffe und Comicfestivals somit für den internationalen Austausch wichtig seien.
(Foto: Jaqueline Berndt)
|
Zeitgenössischer Manhua
Der chinesische Zeichner Nie Chongrui berichtete, dass die Comicproduktion zwar auch heute noch aus staatlichen Mitteln bezahlt werde, aber es gäbe wesentlich weniger "Anleitung". Die Künstler treten selten selbst auf, sondern werden durch ihre Firma vertreten ("Beijing Vision"). Paul Derouet legte bei der Auswahl der Werke für die aktuelle Ausstellung in Erlangen Wert darauf, den chinesischen Comic abseits von Manga-Kopien und westlich beeinflussten Hong Kong Comics zu zeigen und eher Künstler aus der Szene um Peking zu zeigen. Der französische Verleger Patrick Abry erzählte, dass er die chinesischen Comics vor vier Jahren entdeckt habe, und sofort beschloss, sie dem internationalen Markt zugänglich zu machen und gleichzeitig auch den chinesischen Künstlern die Möglichkeit zu geben, außerhalb von staatlicher Kontrolle Geschichten zu erzählen. Nach dem Unterschied zwischen Manga und Manhua gefragt gab Künstler Benjamin zwar zu, stark von japanischen Manga beeinflusst zu sein. Die schwarz-weißen, billig wirkenden Geschichten seien für ihn aber unbefriedigend gewesen, weshalb er bei seine eigenen Werken farbig anlegt. Außerdem seien die chinesischen Geschichten deutlich verschieden von den flachen japanischen Mainstream Manga. Zhu Le Tao meinte, dass die deutschen Leser die Ästhetik der chinesischen Geschichten zu schätzen wüssten und lobte außerdem das deutsche Essen. Benjamins Erwartung, dass alle Deutsche einen schwarzen Anzug tragen, wurde dagegen enttäuscht. Nie Chongrui freute sich über die Freundlichkeit der Deutschen während Wang Ning die professionelle Organisation und den produktiven Austausch auf dem Comic Salon lobte. [mehr bei summerzoo.com]
(Foto: Zhu Le Tao)
|
Reinhard Kleist
Gestern antwortete der frischgebackene (abermalige) Max und Moritz-Preisträger Reinhard Kleist auf die Frage, ob er wie ein Buchstabenbücherschreiber alle zwei Jahre ein Buch herausgeben und davon leben könne, "ich bin schneller!". Tatsächlich legte er in den letzten beiden Jahren gleich mehrere lesenswerte Bücher vor: "Elvis" (2007), "The Secrets of Coney Island" (2007), "Cash" (2006), "Berlinoir 3: Narbenstadt" (2008). Kleist fand den Country-Sänger Johnny Cash zuerst "wegen der schwarzen Klamotten cool", erst später kam die Begeisterung für dessen Musik hinzu. Zum Comic-Salon Erlangen wurde rechtzeitig der dritte Band "Narbenstadt" seiner Vampirreihe "Berlinoir" fertig, womit er wieder ins Horrorfach wechselt. Werden Berlinoir Süd und Berlinoir Nord wieder in einer geeinigten Stadt frei von der Vampirherrschaft zusammenkommen können? Gebt euer Blut.
(Foto: Reinhard Kleist)
|
Comic Campus
Beim von EMA, Stabilo und RTL2 gesponserten Comic Campus-Wettbewerb gab es heute eine große Überraschung: Der Sieger ist männlich! Tim Keil konnte die Jury mit seiner aufwändig inszenierten Fantasy-Geschichte "Corelegends: The Grave" überzeugen und darf sich jetzt für EMA an einer längeren Geschichte versuchen. Sina Neumann landete mit ihrer detailliert in geschwungenen Linien gezeichneten Geschichte "Good or Bad" auf dem zweiten Platz. Den dritten Platz erreichte Margarita Till mit ihrer sehr niedlichen Kurzgeschichte "Zebra". Außerdem gab es einen Sonderpreis der Jury für Christian und Bernd Appel für ihr witziges Werk "Bekehrung eines Manga-ka". Die anwesenden Preisträger erhielten ihre Schecks und Rucksäcke von Stargast Eiki Eiki ("Yuigon", "Color", "Prime Minister") überreicht.
(Foto v.l.n.r.: Sina Neumann, finnische Siegerin, Eiki Eiki, Tim Keil)
|
Chinesische Comics kommen
In seinem Vortag behauptete Paul Gravett, dass die Manga-Welle nur die erste Welle importierter Popkultur darstelle. Nun, da Manga die Fixierung auf ein bestimmtes Format gebrochen habe, sei der Import von Comics aus der ganzen Welt möglich. Im weiteren Verlauf seines Vortrags ging er auf die Geschichte der lianhuanhua in China und Hong Kong ein. In Hong Kong etablierte sich ein aufwändig gezeichneter, vollfarbiger mangaähnlicher Stil, durch den unter anderem auch Benjamin beeinflusst ist. In der nahen Vergangenheit sorgte eine neue Welle von Underground Zeichnern für eine Diversifikation der Stile. Eine Schwäche der chinesischen Comics sind traditionell die Geschichten. Durch Zusammenarbeit von chinesischen Zeichnern und frankobelgischen Textern kommt es inzwischen zu beeindruckenden Kooperationen. Als Abschluss gab Paul Gravett einen Überblick über die große Bandbreite aktueller chinesischer Zeichenstile und Formate.
(Foto: Paul Gravett)
|
Graphic Novels
Als Moderator eröffnete Klaus Schikowski mit der Frage an Ralf Keiser von Carlsen, warum denn für eine Graphic Novel wie "Vertraute Fremde" von Jiro Taniguchi nicht auch die Mangaabteilung zuständig sei. Keiser erklärte, dass die Zuordnung bei jedem einzelnen Titel abgesprochen werde. Als "Graphic Novel" werde empfunden, was als "längere, komplexe Erzählung" daher komme. Dirk Rehm (Reprodukt) fasste darunter viele "eskapistische Comics" und erwarte von einer Graphic Novel ein "episches Erzählen", also einen entsprechenden Seitenumfang. Denis Scheck verbindet damit nicht automatisch Comichochliteratur (falls so ein Begriff überhaupt Sinn macht). Er sieht den Begriff Graphic Novel als marketingtechnisch sinnvoll an, aber Comics für Erwachsene habe es ja letztlich schon immer gegeben. Die Tatsache, dass Comic mit komisch gleichgesetzt werde, umgehe man durch die Kennzeichnung entsprechender Bücher als Graphic Novel immerhin. Reinhard Kleist habe mit "Cash" keine Graphic Novel schreiben wollen, das Label kam erst später aufs Buch. Ralf Keiser ergänzte, dass "Cash" sich nun auch in der Musikecke der Buchhändler finden lasse. Zudem ist Reinhard Kleist durch "Cash" oft im Feuilleton besprochen worden. Dirk Rehm zeigte sich damit zufrieden, dass von "Pjöngjang" von Guy Delisle seit Dezember 2000 Exemplare verkauft worden seien. Insgesamt habe sich mit dem Labeling als Graphic Novel an der verkauften Auflage noch nicht viel verändert, fügte Keiser für den Carlsen Verlag hinzu. Zudem werden interessante Titel den Comic-Verlagen nunmehr von größeren Verlagen abgejagt, wie dies bei "Fun Home" durch Kiepenheuer & Witsch geschehen sei.
(Foto: Dirk Rehm)
|
Manga-Befindlichkeit
Auf die traditionelle Eingangsfrage, wie es dem Markt aktuell gehe, zeigte sich Philipp Schreiber mit der Situation für Kleinverlage sehr zufrieden. Jo Kaps gönnte ihm das und sieht den Markt derzeit stabil. Kai-Steffen Schwarz stimmte zu, sieht in der Zukunft aber durchaus noch Experimente mit neuen Formaten und Inhalten. Georg F. W. Tempel berichtete, dass die Ausdünnung des Programms bei EMA wieder für stärkere Umsätze pro Titel gesorgt habe und der Markt somit überbedient gewesen sei, aber nicht mehr ist. Manhwa sind bei EMA mit 30-50% der Verkäufe von Manga gescheitert. Jo Kaps sieht das liberaler und interessiert sich für den Erfolg einzelner Titel, wobei sich auch erfolgreiche Manhwa im Tokyopop-Programm finden. Interessant ist, dass Manga in Deutschland nicht unbedingt die ursprünglich von den japanischen Zeichnern intendierte Leserschaft erreichen, sondern oft durch alle Altersklassen Anklang fänden. Olivia Vieweg zeigte sich begeistert von der unglaublichen Menge an deutschen Zeichnern und sieht die Zukunft teilweise in Synergieeffekten bei der Verbindung mit etablierten Franchises. Jo Kaps meinte, dass diese durchaus die gleichen Chancen wie japanische Importe hätten, dass die unerfahrenen Zeichner dabei aber stark unterstützt werden müssten. Georg F. W. Tempel ist eher vorsichtig geworden und hat zunächst keine neuen Germanga im Programm. Kai-Steffen Schwarz betonte die Wichtigkeit von Redakteuren um die Qualität deutscher Manga auf gutem Niveau zu halten. Harald Havas wollte wissen, ob man nicht die Essenz des Manga mit einem Zeichenstil in eher europäischer Tradition verbinden könnte. Olivia Vieweg sieht bei der Bewegung von Germangaka hin zu traditionelleren Stilen Potenzial.
(Foto v.l.n.r.: Harald Havas, Olivia Vieweg, Georg F.W. Tempel, Kai-Steffen Schwarz, Joachim Kaps, Philipp Schreiber)
|
|
Comicbörse kiloweise: Manche Händler bieten ihre Comics zu 15 Euro pro Kilogramm an.
Max und Moritz-Preis: Die Preisträgerin Kati Rickenbach signiert am Stand der Hochschule Luzern.
Comic für Frauen: Jule K. war mit ihrem ersten Comic "Cherry Blossom Girl" so erfolgreich, dass sie rechtzeitig zu Erlangen ihren zweiten Titel vorlegt: "Fernanda's fabulous life".
Mit Spaß dabei: Achdé zeichnet am Ehapa-Stand u.a. in die dicken, roten Bände der Lucky Luke-Gesamtausgabe.
Naomi Fearn ("Ja, die Haare sind ab!") und Stefan Dinter zeigen ihre gelungene Comic-Adaption von "Katie Cat".
Bildschön: Asu, Zeichnerin bei DuO, signiert am Stand von Egmont Ehapa "Indépendent". Zum Band "Wilhelm Busch und die Folgen" steuerte DuO die Erzählung 'Die beiden Enten und der Frosch' bei ("Sieh da, zwei Enten jung und schön, die wollen an den Teich hingeh'n.").
Ritzeratze, voller Tücke - Der Comic rund um Busch: Mit seinem Vortrag ging Dr. Eckart Sackmann auf die Formen von Comic ein, die auf Wilhelm Busch Einfluss gehabt haben könnten. Er wies unter anderem auf die jeweiligen technischen und verlegerischen Bedingungen hin. Den Bogen an Vorgängern Buschs spannte er vom Mittelalter bis zu Rodolphe Toepffer und Cham.
Großartige Ehapa-Party: "The Beat Brothers" ließen zur Begeisterung der Szene die Musik aus den 60er-/70er-Jahren wieder aufleben. In den früheren Morgenstunden hielt es bei "Hey Jude" einige chinesische Comiczeichner nicht mehr auf den Stühlen und sie sangen auf der Bühne hingerissen mit.
|