Derzeit arbeitet Alan Moore an dem Roman "Jerusalem". Es schreckt ihn nicht ab, dass sein Erstling "Voice of the Fire" (1996) von der literarischen Welt kaum beachtet wurde. Kaum vorstellbar für einen, der auf dem Felde der Comic-Literatur alle amerikanischen Preise ernten konnte: mehrere Kirby Awards, Harveys, den Will Eisner Award und 1988 für "Watchmen" auch den Hugo. Würde er sich persönlich in der Szene nicht ausgesprochen rar machen (auch in Erlangen vertritt ihn seine Frau), man würde Alan Moore wohl einen Vorzeigeautor nennen.
Alan Moore wurde am 18. November 1953 in der englischen Stadt Northampton geboten, wo er heute noch wohnt. Sein Vater arbeitete in einer Brauerei. Mit 17 wurde der Junge von der Schule geworfen; er schlug sich mit diversen Jobs durch und versuchte sich auch als Comiczeichner, bevor er erkannte, dass sein Talent eher das eines Autors war. In 2000 AD erarbeitete er sich erste Erfolge ("The Ballad of Halo Jones", ab 1984;, Zeichner Ian Gibson); noch größere Aufmerksamkeit erlangte Moore durch die in dem kurzlebigen Heft Warrior erschienene Dystopie "V for Vendetta" (ab 1982, Zeichner David Lloyd).
Dadurch wurde der US-Verlag DC auf den unkonventionellen Briten aufmerksam und setzte ihn darauf an, die Serie "Swamp Thing" wiederzubeleben (ab 1983). Die von David Gibbons gezeichnete Miniserie "Watchmen" (1986) zementierte Moores Ruhm - sie gehörte zu den "Big Three", den drei Comics, die in den 80ern der Bildliteratur neue Türen aufgestießen (die anderen beiden: Miller "The Dark Knight Returns" und Art Spiegelmans "Maus").
Moore war vielleicht der erste Comicautor, dessen Anhänger eine annotierte Fassung seiner Werke erstellten ("The Annotated Watchmen"). Er ist der Umberto Eco der Comic-Literatur, voll angeeigneten Wissens und willens, es in sein Werk einfließen zu lassen. Ein weitreichendes Wissen: Moore ist nicht nur Vegetarier und Anarchist, sondern - laut Wikipedia - auch Okkultist und Anbeter der Schlangengöttin Gykon. Man sieht, ein Mann, um den sich gern Legenden ranken.
Dem hat der Autor nie entgegengewirkt. Comics wie "The League of Extraordinary Gentlemen" und "Promethea" schwanken zwischen Mystizismus und Anbiederung an einen zweifelhaften Publikumsgeschmack. Ob ein pornografisches "The Lost Girls" literarische Meriten genießen darf, wird die Kritik zeigen.
Alan Moore - ein Autor von Reiz, intellektuell und in Sachen Publikumswirksamkeit. Inzwischen werden seine Comics verfilmt ("From Hell", "V for Vendetta", "Watchmen"), damit ist Moore in der akzeptierten zeitgenössischen Kultur angekommen. Und nun schreibt er Romane. Warum? Um mit Neal Gaiman gleichzuziehen? Das hat er nicht nötig. Alan Moore ist einer, der jeden Preis verdient hat. Ein Autor par excellence. Und nichtsdestotrotz ein zweifelhafter Mensch.
Alan Moore in deutscher Übersetzung (teilw. vergriffen):
"Swamp Thing" (Carlsen 1990-1992)
"V wie Vendetta" (Tilsner 2003)
"Watchmen" (Panini 2005)
"From Hell" (Tilsner 200-2001)
"The League of Extraordinary Gentlemen" (Tilsner, 2003)
"Promethea" (Tilsner 2004)
"Lost Girls" (Cross Cult 2008)
Verfilmungen (nicht immer mit Zustimmung des Autors):
"V wie Vendetta", "From Hell" "The League of Extraordinary Gentlemen" (in Vorbereitung:) "Watchmen"