Anfangs wurde RRAAH! noch weitgehend "von Hand" gestrickt. Später spielte die moderne Technik bei der Herstellung der Zeitschrift eine wesentliche Rolle. Eckart Sackmann erzählte zum zehnjährigen Jubiläum der Zeitschrift, wie alles angefangen hat.
"RRAAH! wird von nur zwei Leuten gemacht, von denen der eine in Hamburg und der andere in Bayern sitzt. Das ist weniger kompliziert, als es sich vielleicht anhört. Peter Hörndl ist für alle Belange der Grafik zuständig und ich fürs Redaktionelle. Wir haben also klar definierte Aufgabenbereiche und können deshalb sehr gut getrennt voneinander arbeiten. Natürlich gehört ein wenig Organisation dazu, aber wir haben es in den ersten Jahren sogar ohne Fax und Computer hingekriegt. Das ist auch für uns heute ganz unvorstellbar.
Der erste Computer unseren Verlag war ein kleiner Schneider PC mit Nadeldrucker, den wir nur zum Speichern und Ausdrucken der Abo-Adressen benutzen konnten. Für größere Anschaffungen fehlte das Geld. RRAAH! wurde lange Zeit nach der Steinzeit-Methode zusammengebastelt, und die ging so: Nachdem wir das Heft geplant hatten, schrieb ich die Texte per Hand vor und tippte sie anschließend in die Schreibmaschine. Dann trug ich alles zum Setzer, wo die Artikel noch einmal abgetippt wurden und nach zwei Korrekturen in langen Papierfahnen wieder zurückkamen.
Diese Ausdrucke schickte ich - zusammen mit den Vorlagen für Illustrationen - per Post an Peter Hörndl. Der machte von den Abbildungen auf einer stabilen AGFA-Kamera seine Repros und klebte Text und Bild auf einen Layout-Karton. Zu guter letzt wurde die gesamte Seite noch einmal unter die Reprokamera gelegt, um einen Druckfilm zu bekommen. Korrekturen waren im Layout-Stadium kaum noch möglich; man mußte eben sehr genau arbeiten. Die fertigen Filme waren voller Schnittkanten, und Peter brauchte immer zwei Tage, um sie mit dem Skalpell zu säubern.
Einen Riesenschritt nach vorn taten wir mit dem Ankauf eines grafikfähigen Computers im Jahr 1991. Da die beste Lösung, ein Macintosh, noch viel zu teuer war, wählten wir einen Amiga 3000. Der konnte eine ganze Menge, war nur leider ziemlich exotisch und zu anderen Systemen nicht kompatibel. So dauerte es zm Beispiel sehr lange, bis wir jemanden fanden, der die Amiga-Texte ausbelichten konnte. Vorher druckte Peter Hörndl den Satz in doppelter Größe auf dem Laserdrucker aus und verkleinerte ihn anschließend wieder mit der Reprokamera, um Unschärfen zu vermeiden.
Die Arbeit in der auf dem Dachboden installierten Dunkelkammer war besonders in heißen Sommermonaten eine Tortur und für Peter ein exzellentes Konditionstraining, da mit unzähligen Kniebeugen verbunden. Weit bequemer hatte er es ab 1994, als der Amiga endlich gegen einen Mac ausgetauscht wurde. Die Repros machte jetzt ein Scanner; alle Seiten wurden auf dem Bildschirm zusammengestellt und komplett zum Belichten gegeben. Auch die Farbcover entstanden endlich in Eigenregie - vorher hatten wir diesen Job für viel Geld in eine Lithoanstalt gegeben.
Die verbesserten technischen Möglichkeiten ließen ab 1996 auch im Innenteil von RRAAH! Farbseiten zu. Allerdings wurde die Datenmenge jetzt so groß und komplex, daß Peter Hörndl anfangs beim Einlesen in den Filmbelichter immer noch zur Kontrolle dabeisitzen mußte. Das war etwas aufwendig, weil damit immer eine Autofahrt von einigen Stunden verbunden war.
Die belichteten Druckfilme wurden mit der Post zum Drucker nach Hamburg geschickt. Von Anfang an wurde RRAAH! in der Druckerei in St. Pauli gedruckt. Die "Paulis" haben immer gut und zuverlässig gearbeitet und uns mehr als einmal aus der Klemme geholfen, denn es war oft eine Zitterpartie, ob die Post die Filme pünktlich an Land bringt. Irgendwann während eines Poststreiks sind wir dann darauf gekommen, daß der sicherste und schnellste Weg der mit dem Flugzeug ist: Peter Hörndl gab das Paket in München oder Nürnberg zur Lufthansa, und ich konnte es hier ein paar Stunden später in Empfang nehmen. Das war auch preislich erschwinglich - leider ist uns auf der Fahrt zum Flughafen mal ein Volvo-Motor für 17.000 Mark verreckt. Seit Anfang 2000 ist der Versand per Postexpress so zuverlässig geworden, daß wir inzwischen wieder auf mit den "Gelben" zusammenarbeiten.
Vor dem Druck mache ich in Hamburg eine Endkontrolle, die allerdings reine Formsache ist. Es gibt jetzt kaum noch Änderungen, und wenn, werden sie in der Druckerei erledigt. Drucken und Binden dauert fünf Tage. Dann werden sofort die Hefte an die Abonnenten verschickt. Der Rest geht per Spedition nach Wuppertal an unsere Auslieferung Medien Service und wird von dort an den Handel verteilt.
Mit dem neuen Jahrtausend steht RRAAH! im 15. Jahrgang. Wir haben regelmäßig vier Hefte im Jahr produziert, ohne Ausfälle, ohne große Verschiebungen und ohne die von anderen Magazinen so gern eingebrachten "Doppelnummern". Es kostet immer wieder Überwindung, sich für zwei, drei Wochen in die RRAAH!-Tretmühle zu begeben - aber es macht auch viel Spaß, wenn man dann bei der Arbeit ist und das neue Heft entstehen sieht."
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