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Wer radiert, verliert
Von Anja Beduhn
Am 27. November 2004 fand zum zweiten Mal in Hamburg der "Comicbattle" statt. Organisiert hatte diese Mischung aus Kunst und Konfrontation auch dieses Mal wieder der Comic Fight Club (CFC), ein Zusammenschluss von Studierenden des Fachbereichs Gestaltung der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW).
Gut 200 Gäste folgten dem Aufruf zum Kampf unter dem Motto "Wer radiert, verliert" und trafen sich schon am frühen Abend im Fundbureau in der Schanze. Einige wollten nur zuschauen oder sich die angeschlossenen Ausstellung anschauen, viele aber sich selbst mit anderen messen. Dabei stand der Spaß am Zeichnen im Mittelpunkt, die Regeln bildeten nur den Rahmen für den gestalterischen Ringkampf. Sehr angenehm war die Mischung der Gäste, die nicht nur aus Profis der norddeutschen Comicszene oder Studierenden aus kreativen Fachbereichen bestand, sondern aus Menschen jeglichen Geschlechts, Alters und jeglicher Herkunft.
"Storytelling", die erste Kategorie, begann pünktlich um 18 Uhr. Alle Interessierten hatten sich mit echtem oder Künstlernamen bei der Jury angemeldet. Zuerst wurden die Regeln erläutert. Danach zog der "unbekannte Zeichner" die Begegnungen der einzelnen Partien unter den Namen der Angemeldeten wie Berti Voigts und Konsorten bei der Auslosung der Partien im DFB-Pokal live in der Sportschau.
Die erste Runde begann.
Aus drei Begriffen sollte in 10 Minuten eine Geschichte, bestehend aus 6 Bildern, gezeichnet werden. Am Glücksrad wurde die grobe Richtung ermittelt, die anderen Bestandteile der Story waren Zurufe aus dem Publikum. Die mutigen Zeichner hatten die schier unlösbar anmutende Aufgabe, ein Bügeleisen und einen Regenschirm in einem Kriegsheimkehrerdrama unterzubringen. Die Jury ermittelte die jeweiligen Sieger der einzelnen Partien und diese kamen in die nächste Runde. Nach der Lovestory mit Delfin und Fleischwolf – wobei es nicht verwundert, dass diese Geschichten für den Delfin meistens kein Happyend bereithielten – saßen sich Ray und Aline im Finale gegenüber und zwangen ein Pony und ein Skateboard in das sowieso immer schon arg strapazierte deutsche Befindlichkeitsdrama. Fassbinderreife Leistung mit einem Schuss Schlingensief machten es für die Schiedsrichter nicht leicht, den ersten Sieger des Abends zu finden. Letztlich konnte sich Ray neben ewigem Ruhm über einen Adventskalender, gestaltet vom CFC, ein Comicmagazin (Plaque 01) sowie ein T-Shirt freuen, entworfen von Nina Takata, der Gewinnerin des letzten Comicbattles, die damals gleich zur Weltmeisterin gekürt wurde.
Egal, ob man einen oder welchen Titel man einheimste, alle Geschichten, die entstanden, waren trotz des festgezurrten Handlungs-, Zeit- und Materialrahmens (es durften nur Bleistifte benutzt werden – alle anderen Schreibwerkzeuge galten als schwerer Dopingfall!) total unterschiedlich und alle absolut witzig – Respekt!
In der Pause nutzten viele Besucher die Zeit, um sich die Ausstellung mit Werken junger Hamburger Künstler in allen Räumen des Fundbureaus anzuschauen. Erstaunlich war die oft bemerkenswerte Sicherheit des ganz eigenen Stils sowie die große Bandbreite der Themen und Ausdrucksweisen.
Dann wurde es wilder, der Freestyle-Battle die Königsdisziplin, begann. Wieder wurden die Teilnehmer ausgelost, wieder konnten leider nicht alle berücksichtigt werden. Die Glücklichen hatte wie in einer Boxrunde 3 Minuten Zeit, um ihre Gegenüber, mit denen man sich das Blatt zum Zeichnen teilte, in Grund und Boden zu kritzeln. Dieses abschätzige Verb ist schon der richtige Ausdruck, denn es ging zumindest auf dem Papier ziemlich heftig zu und viele Stifte mussten dran glauben. Nach mehreren Runden mit der bekannten Auswahl im K.O.-System und geschätzten 10 kg Anspitzabfall gewann Till Lassmann, der eigens aus Düsseldorf angereist war. Bei der darauffolgenden Party konnte er sich noch lange feiern lassen, auch wenn einige Gäste gerne noch länger weiter gezeichnet hätten. Aber der nächste Comicbattle kommt bestimmt bald. Er ist eine echte Bereicherung für die Hamburger Party- und Kunstszene, arbeitet mit Versatzstücken aus der Pop-, Sport- und Jugendkultur, ohne sich selbst zu ernst zu nehmen, aber auch ohne die Ironisierung zu übertreiben.
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