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Durcheinander, aber schön
Ein Interview mit Eckart Schott
Von Eckart Sackmann

RRAAH!: Salleck Publications gibt es seit über zehn Jahren. Um den Verlag konsequent zu betreiben, hast du damals deinen Job an den berühmten Nagel gehängt. Würdest du diesen Schritt heute wieder tun?

Eckart Schott: Ich würde den Schritt wieder tun, denn mein alter Job hat mir a. keinen Spaß mehr gemacht und b. war er ohnehin bedroht. Ich würde es auch deshalb sofort wieder tun, weil es einfach schöner ist, sein eigener Chef zu sein und sich seine Zeit selbst einteilen zu können. Außerdem ist dieser Job (Übersetzer, Packer, Mann für alles) vielseitiger und kreativer.

RRAAH!: Du bist als Verleger, wie man so schön sagt, ein Seiteneinsteiger. Woher kam das verlegerische Knowhow?

Eckart Schott: Ich hatte kein verlegerisches Knowhow und mußte mir alles mühsam erarbeiten und erfragen. Daher erklären sich auch diverse Probleme bei meinen ersten Projekten, dem Walthéry-Druck und dem Album "Der alte Blaue", in das ich einige Lautmalereien je 555 Mal eingestempelt hatte, weil ich nichts über Ozalids etc. wußte. Vor Salleck hatte ich aber schon etwas mit Buzemi gearbeitet.

RRAAH!: Salleck hat sich offenbar etabliert; ein neuer Verlag wie Phoenix konnte das nicht. Worin liegt das Gefahrenpotential für neue Verlage?

Eckart Schott: Jede neue Firma hat ein Risiko zu tragen. Ich hatte den Vorteil, daß ich den Verlag langsam neben meinem Job aufgebaut habe, ledig bin und bei meiner Mutter mietfrei wohnen kann. Bei Phoenix wie bei mir ist eine Gefahr, daß wir Comics mit dem Herzen machen und weniger auf den Profit schauen. Aber ich denke und hoffe, daß er weitermachen kann und wird, und ich werde ihn dabei unterstützen so gut ich kann. Ich denke, daß neue Verlage sich besser an bereits etablierte Serien wagen sollten und erst dann neue Serien veröffentlichen sollten, wenn der Verlag einigermaßen auf sicheren Füßen steht. Wenn ich bedenke, daß ich mehr als Fanverlag angefangen habe ("Der alte Blaue", "Briefe aus meiner Mühle")...

RRAAH!: Bist Du glücklich darüber, alle Entscheidungen selbst treffen zu können, oder hättest Du lieber Partner im Verlag?

Eckart Schott: Ich sehe bei anderen Verlagen, daß Partner einerseits gut sind, andererseits aber Probleme auftreten können. Deshalb wird es bei Salleck nie Partner geben (außer, falls eine Steuerfachfrau mit hervorragenden Kenntnissen der französischen, englischen und italienischen Sprache auftaucht, Millionärin und noch dazu hübsch, jung und ledig ist - was eher unwahrscheinlich ist). Deshalb bleibe ich bei Salleck "Han Solo".

RRAAH!: Das Programm von Salleck ist sehr durchwachsen. Es reicht von humoristischen Comics für Kinder ("Die Minimenschen") über anspruchsvolle Erwachsenencomics ("Nico") bis hin zu aufwendigen Anthologien (demnächst: "The Spirit"). Ist es für einen Verlag dieser Größe sinnvoll, auf ein klares Image zu verzichten?

Eckart Schott: Das Programm ist zwar sehr breit gefächert, aber das Motto ist klar: Gute, niveauvolle Comics von einem "comic-verrückten" Fan für die Fans. Ich glaube, daß meine Leser wissen, daß ich einen guten Geschmack habe, und daß sie die Vielfalt aus alten, neuen, farbigen, schwarzweißen, frankobelgischen, italienischen oder anglo-amerikanischen Comics schätzen. Ich denke, daß die Leser auch merken, daß ich hinter meinen Comics stehe.

RRAAH!: Stichwort "The Spirit": Dieser Titel erfordert einen übergroßen Einsatz an Kapital und Arbeitszeit, noch dazu, wenn ein Rhythmus von zwei Bänden pro Jahr angestrebt wird. Ist das für einen Verlag eurer Größe machbar, ohne daß das "normale" Programm ins Hintertreffen gerät?

Eckart Schott: Das normale Programm geriet wegen "The Spirit" schon ins Hintertreffen. Deshalb ist angedacht, demnächst den Selbstvertrieb aufzugeben und mehr freiberufliche Kräfte zu beschäftigen. Aber mir macht es einfach zu viel Spaß, Pakete zu packen und zu übersetzen.

RRAAH!: Du senkst die Produktionskosten, indem du mit ausländischen Partnern mitdruckst. Ist das ein Konzept, das in jedem Fall machbar ist? Du mußt dabei doch auf Serien verzichten, deren Alben inhaltlich aufeinander aufbauen.

Eckart Schott: Ich drucke meine Alben mit ausländischen Partnern, wann immer das möglich ist. Ich mußte deshalb auch bisher auf keine Serie verzichten. "Shane" 1 und 2 wurden mitgedruckt, es hat sich so ergeben. Allerdings wundern sich manchmal Leser, warum ich mit einem Album 7 oder 3 anfange, und nicht mit Band 1. Das kommt vom Mitdrucken.

RRAAH!: Welcher Art von Comics gilt dein persönliches Interesse? Was liest du selbst gern für Comics (sofern du dazu überhaupt Zeit hast)?

Eckart Schott: Ich versuche, jeden Abend im Bett Comics zu lesen. Zur Zeit habe ich mir "Nexus" zugelegt, weil ich Steve Rudes Russ-Manning-Stil sehr mag. Außerdem liegen "Tor" von Joe Kubert und "Ecole Abracadabra" auf dem Nachttisch. Ich kaufe mir regelmäßig die "Robinson"- und "Karl May"-Nachdrucke von Hethke. Die fünf Alben von "Chinaman" (zwei auf deutsch bei Splitter) habe ich an zwei Tagen verschlungen. Meine Comicvorlieben sind also wie mein Programm: Durcheinander aber schön!

RRAAH!: Vertriebsmäßig gehst du unkonventionelle Wege. Außer über Modern Graphics und Peter Poluda werden die Bücher von Salleck auch direkt ausgeliefert. Wie lange ist das vom Aufwand her noch machbar?

Eckart Schott: Am Anfang mußte ich selbst ausliefern, um überhaupt halbwegs rentabel arbeiten zu können. Aber wie oben erwähnt, wird das nicht mehr lange durchzuhalten sein. Denn gerade jetzt, ausgelaugt von der Buchmesse und der Comic Action muß ich ausliefern, und das ist hart! Und ich müßte übersetzen.

RRAAH!: Du vermittelst auch Signiertourneen ausländischer Zeichner. Ist das ein Privatvergnügen oder beruflich ein zweites Standbein? Was für Vorteile zieht dein Verlag aus diesen Aktivitäten?

Eckart Schott: Die Signiertourneen mit ausländischen Zeichnern mache ich, weil eine Nachfrage danach bestand und besteht. Ich wollte einfach etwas für die Comics, die Zeichner und die Veranstalter machen. Inzwischen bin ich aber so ausgelastet, daß ich dieses "Privatvergnügen" einschränken werde. Generell bringen eigene Zeichner am eigenen Stand immer mehr Umsatz und Aufmerksamkeit des Publikums, aber der Aufwand ist immens groß. Nicht zu vergessen ist, daß es aber auch Spaß macht, mit Zeichnern zu reisen, denn die meisten Zeichner sind sehr nette und bescheidene Menschen.

RRAAH!: Wie schätzt du den deutschen Comicmarkt ein? Siehst du eine Chance, daß sich dieser Markt auch jenseits einer Sammlerszene als Buch-Markt entwickelt, so wie das in Frankreich und Belgien der Fall ist?

Eckart Schott: Ich denke, daß der frankobelgische Comicmarkt in Deutschland zur Zeit ein relativ kleiner "Fachmarkt" ist. Bis auf "Asterix", "Tim und Struppi" oder "Lucky Luke" und "Spirou" führen Buchhandlungen keine oder kaum Comics. Ein größeres Publikum könnte man vielleicht erreichen, wenn unsere Herren und Damen Politiker sich wie in Frankreich dem Medium widmen oder große Zeitungen oder Illustrierte Comics abdrucken würden, so wie das die FAZ gerade mit Mattoti tut. Auch das Fernsehen könnte mehr machen: Statt nur über einen neuen "Asterix" zu berichten, könnte man doch auch diverse Comics dem Zuschauer vorstellen. Leider sind Comics für viele "Micky Maus" oder "Kinderkram", Trivialliteratur oder vielleicht sogar immer noch "Schmutz und Schund".

RRAAH!: Eckart Schott, vielen Dank für das Gespräch.

Copyright © 2001 Verlag Sackmann und Hörndl

 
Eckart Schott