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Claude Moliterni - ein Nachruf
Von Eckart Sackmann
Im Alter von 76 Jahren starb am 21. Januar 2009 der Franzose Claude Moliterni, einer der Wegbereiter des modernen europäischen Comic. Moliterni betätigte sich als Ausstellungsmacher ("Bande Dessinée et Figuration Narrative" 1967 im Louvre), Mitbegründer des Festivals von Angoulême, Verleger und Autor von Comics und Fachliteratur, als Historiker und Förderer junger Talente.
Den Jüngeren ist er kaum noch bekannt, doch die Strukturen, die er im Verlaufe seines Wirkens schuf, sind immer noch spürbar. 1964 gründete Moliterni die SOCERLID, die Société civile d'études et de recherches des littératures dessinées, wie sich der Club engagierter Comicfreunde etwas hochtrabend nannte. Die 1966 von ihm ins Leben gerufene Fachzeitschrift Phénix war lange Jahre die führende Publikation ihrer Art.
Moliterni hatte die Vision vom Comic als einer ernstzunehmenden künstlerischen Ausdrucksform, und er tat alles, um diese Vision zu popularisieren. Mit der Ausstellung "Bande Dessinée et Figuration Narrative" brachte er die bis dahin kaum wahrgenommenen Comics in einen Seitenflügel des Pariser Louvre - ein ungeheure Aufwertung. Die Ausstellung ging auf Tournee und war 1969 auch in Berlin zu sehen.
Angoulême in den 70er Jahren: links Claude Moliterni, in der Mitte Jean-Pierre Dionnet und Henri Filippini, ganz rechts Ervin Rustemagic.
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Noch mehr Wirkung zeigten die von dem umtriebigen Franzosen initiierten Comic-Festivals. Claude Moliterni stand an den Anfängen von Lucca (1966) und Angoulême (1974), den bis heute größten europäischen Festivals. Auch der Comic-Salon von Erlangen erwuchs (1984) in Nachahmung des hier vorgeführten Konzepts. Die enge Verzahnung des französischen und des italienischen Comic war Moliterni wohl mit zu verdanken, nachdem er Mitte der 70er Jahre zum künstlerischen Direktor bei Dargaud berufen wurde und als Leiter der Comiczeitschriften Pilote und Charlie Mensuel dem modernen Erwachsenencomic den Weg ebnete.
Moliterni war nicht nur selbst Autor von Comics (u. a. "Scarlett Dream"), er war seinerzeit auch einer der führenden Autoren von Sekundärwerken. Manches davon war betont populärwissenchaftlich aufgemacht. Anderes, wie der heute von Patrick Gaumer geleitete, ursprünglich aber aber in Zusammenarbeit mit Moliterni entstandene "Larousse de la BD", gilt als das bedeutendste Nachschlagewerk zum Comic.
1976 in New York: links Rick Marschall, Mitte Claude Moliterni, rechts Roy Crane.
Claude Moliterni war Zeitungsmacher, Verleger, Website-Begründer - die Liste seiner Verdienste und Tätigkeiten ist lang. Er war ein Energiebündel und dabei doch ein freundlicher und zurückhaltend wirkender Mensch. Es hat ihn getroffen, dass die junge französische Szene in den letzten Jahren an ihm vorbeizog, ohne ihn noch groß wahrzunehmen. Er selbst hat dem Comic bis zum Schluss zur Seite gestanden, zuletzt in einem modernen Medium wie dem Internet. Es gibt wohl niemanden in Europa, der sich um den Comic so verdient gemacht hat wie Claude Moliterni.
Zum Wirken Claude Moliternis siehe auch Eckart Sackmann: Die Nähe der Kunst suchen. Von den Anfängen der europäischen Comicforschung. In: Joachim Kaps (Hg.): "Comic Almanach 1992", Wimmelbach 1992. S. 85-94.
Foto oben links von Gianfranco Goria.
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