Termine
                 

Jubiläen
Gleich zwei Jubiläen verzeichnet die Comic-Presse. Die Reddition erblickte vor nunmehr 25 Jahren das Licht der Comicwelt und mauserte sich rasch von einer Schülerzeitschrift zu einem respektablen Fachmagazin. Der Schwerpunkt liegt inzwischen auf Frankobelgien, dessen Zeichner in ausgearbeiteten Dossiers vorgestellt werden. Im Februar erscheint die Jubelnummer 49/50 zum Thema Comics und Literatur. Ein reges Auf und Ab verzeichnete dagegen das 1989 unter dem Titel Comic News gegründete Werbeheft comics & mehr. Heute kommt es im dicken Kleinformat jeweils alternierend zu Comics Info heraus (Nummer 60 im April).

Comic-Biographien
Eine erfolgreiche Nische hat der Aachener Zeichner Willy Blöß für sich entdeckt. In unregelmäßigen Abständen bringt er die gezeichnete Vita bekannter Maler und Grafiker heraus. Den Anfang machte 2002 Pablo Picasso; zuletzt erschienen ist das Heft zu Klaus Staeck (Nummer 16; 2008). Die 32seitigen, kleinformatigen Hefte haben es in sich, sind nur nur informativ, sondern selbst kleine Kunstwerke. Es verwundert nicht, dass Blöß mit seine Idee gut bei Museumsshops ankommt. Die 3 Euro hat jeder übrig. So steht die Bilanz im sechsten Jahr bei stolzen 60 000 verkauften Heften.

Fliegercomics
Nachdem "Biggles" mit dem jüngst erschienenen Band "Chappal Wadi" vorerst am Ende angelangt ist, möchte comicplus+ das attraktive Fliegergenre mit einer neuen Serie fortführen. Die Wahl fiel auf "Flying Tigers" von Felix Molinari (Zeichnungen) und Richard D. Nolane (Szenario). Der im Original bei Soleil als "Les Tigres Volants" erschienene Historienthriller umfasst insgesamt 5 Alben. Dessen erstes, "Bomben auf Rangoon", liegt im Mai bei comicplus+ vor.

Neuer Superheld
Nun ist Barack Obama also der 44. Präsident der USA, angetreten, um sein Land zu schützen. Schutz braucht der Neue allerdings selbst, jedenfalls nach Meinung der Marvel-Redakteure. Die ließen Peter Parker, das Alter ego von Spider-Man, bei der Amtseinführung entdecken, dass es zwei Obamas gibt. Natürlich hilft Spider-Man dem echten Barack, seinen Doppelgänger zu entlarven. So viel Patriotismus zahlt sich aus. Das ãAmazing Spider-Man"-Heft 583 war bei seinem Erscheinen innerhalb weniger Stunden ausverkauft. Auf der Titelseite ist hinter dem triumphierenden Obama der Superheld zu sehen, der seinem Schützling ins Ohr flüstert: "Hey, if you set to be on my cover, can I be on the Dollar bill?"

Komikzeichner des Jahres
Anfang Januar vergab das Schweizer Fernsehen zum siebten Mal die sogenannten SwissAwards, die Ehrungen für die "Schweizer des Jahres". Ausgezeichnet wurden fünf herausragende Persönlichkeiten aus Politik, Kultur, Wirtschaft, Show und Gesellschaft, darunter der Comicautor und -zeichner Zep alias Philippe Chappuis ("Titeuf"). In welche der Kategorien packt man wohl einen Comicstar? Richtig, nicht in die Kultur, sondern in das Schubfach Show. Auf der Internetsite des Senders wird Zep denn auch als "Komikzeichner" vorgestellt. Ein bisschen Spaß muss sein.

Der Mann aus Washington
Auch der scheidende Präsident sieht sich im Comic verewigt. Auf die Rolle des Helden wird Dabbelju vergebens hoffen. Der "Lucky Luke"-Zeichner Achdé hat sein Porträt immerhin einem US-Präsidentschaftskandidaten des Jahres 1877 aufgedrückt. Perry Camby, der unglückliche Konkurrent von Rutherford Hayes, genießt im Comic den Ruf eines Lügners und Betrügers; seine Familie ist mit Öl reich geworden. Auch Britney Schpires spielt in "L'homme de Washington" mit, und ein als Tänzerin verkleideter Gangster singt auf der Bühne "Boys will be boys".

Comics im Louvre
"Wer hätte sich vorstellen können, dass der Louvre Comics ausstellt", fragt das weltbekannte Museum auf seiner Website. Gezeigt werden bis Mitte April Originale der Zeichner Nicolas de Crécy, Marc-Antoine-Matthieu, Eric Liberge und Bernar Yslaire. Sind Comics jetzt Kunst? Nicht doch. Und zum erstenmal sind die Bunten Bilder auch nicht im Louvre. Schon 1967 gab es (allerdings in einem Seitenflügel des Museums) die Schau "Bande Dessinée et Figuration Narrative". Die trug maßgeblich dazu bei, dass sich in den europäischen Ländern eine Comicszene entwickelte. Lang, lang ist's her - aber schon vergessen?

Comicfestival München
Wie bereits vor zwei Jahren, findet das Münchner Comicfestival im Alten Rathaussaal am Marienplatz, den Kunstarkaden und dem Valentinsmuseum München statt, und zwar vom 11. bis 14. Juni 2009. Bei der Verlagsmesse werden erstmals auch alle großen Verlage vertreten sein. Weiterhin gibt es eine Börse im Freien, viele Vorträge, Diskusionsrunden und Aktionen, ein Cosplay, Lesungen, die berühmte Fil-Show, die ICOM-Preisverleihung und natürlich den PENG!-Preis, bei dem u. a. Hans Rudi Wäscher den Preis für sein Lebenswerk erhalten wird. Bei Redaktionsschluss hatten u. a. folgende Zeichner zugesagt: Riccardo Burchielli ("DMZ"), Goran Sudzuka ("Y the last Man", "Hellblazer"), Hansrudi Wäscher ("Nick", "Sigurd"), Philippe Luguy ("Tassilo"), Francis Berg&eagrave;se ("Buck Danny", "Biggles"), Matthieu Bonhomme ("Der Marquis von Anaon"), Pierre Séron ("Die Minimenschen"), Christian Rossi ("West") - und natürlich diverse deutsche Zeichnerinnen und Zeichner. Ausstellungen widmen sich den Simpsons, Olaf Gulbransson und der Hommage verschiedener Zeichner an Hansrudi Wäscher. Mehr Infos im nächsten Comics Info.

Comic-Salon Erlangen
Besuchern des Comicforums im Internet fällt auf, dass unter "Comic-Salon Erlangen" immer noch regelmäßig gepostet wird. Aber auch das Thema überrascht: Demnach sind Meinungen, Berichte und Fotostrecken eher sekundär. Was den Leuten unter den Nägeln brennt, ist allein dieses: Wie kriege ich mein Stickeralbum voll? Bald zwei Jahre nach dem Salon bietet sich nun eine überraschende und fast unverschämt leichte Lösung an. Bei Einsendung eines frankierten Rückumschlags schickt einem das Erlanger Kultur- und Freizeitamt die fehlenden Bilder ins Haus.

Comanche
Splitter hat wieder einmal in die Klassiker-Kiste gegriffen und bringt ab Herbst den Western "Comanche" von Hermann und Greg. Vorgesehen sind lediglich die von diesem Team gezeichneten Folgen, die in den 90er Jahren bereits bei Carlsen erschienen sind. Allerdings wird die neue Ausgabe eine Fülle an Zusatzmaterial enthalten (Kurzgeschichten, Skizzen etc.), so dass die Seitenzahl von bisher 48 auf nun 64 Seiten erhöht wird. Von der Aufmachung und vom Druck her soll die neue "Comanche"-Reihe dem ebenfalls bei Splitter verlegten "Storm" gleichen.

Stan Lee gegen Stan Lee
Es ist eine verworrene Geschichte. Der Comicverlag Marvel Entertainment ist wegen angeblicher Verletzung der Urheberrechte an den Superhelden Spider-Man, Hulk & Co auf 750 Millionen Dollar Schadenersatz verklagt worden. Kläger sind die Aktionäre der Internetfirma Stan Lee Media, Beklagter ist - neben Marvel-Chef Isaac Perlmutter - der Erfinder der Comic-Helden, Stan Lee. Nach dem abgewiesenen Konkurs der von Lee selbst gegründeten Internetfirma wird diese von den Aktionären weitergeführt. Sie fühlen sich nun um einen 50-Prozent-Anteil an den Filmeinnahmen betrogen.

Batman gegen Batman
Türkeireisende Comicfans werden es bei der Rundreise über die Landkarte schon registriert haben: Da gibt es ganz, ganz weit im Osten eine Stadt mit dem Namen Batman. Deren Bürgermeister will nun die Produzenten der gleichnamigen Comicverfilmung verklagen. Der Name Batman sei ohne Zustimmung der Stadt benutzt worden, kolportierte die türkische Nachrichtenagentur Dogan. Durch die Vermarktung der Filme sei es der Stadt unmöglich geworden, den Namen ihrer Stadt für eigene Interessen zu nutzen. So soll ein in Deutschland lebender Türke Ärger mit Warner Bros. bekommen haben, als er sein Restaurant nach seinem Heimatort benennen wollte.

Gerührt, nicht geschüttelt
Wie es heißt, soll Daniel Craig alias James Bond in der geplanten Verfilmung von "Tim und Struppi" die Rolle des Haudegens Rackham der Rote übernehmen. Das Karussell der Namen dreht sich bei dieser Produktion allerdings schnell: War zunächst Thomas Sangster als Darsteller des Tim im Gespräch, wird nun Jamie Bell ("Billy Elliot") als neues Herrchen von Struppi gehandelt. Mit Daniel Craig stand Bell 2008 schon in "Defiance" vor der Kamera. Start des Films, der in den Kinos auch in 3-D gezeigt wird, ist irgendwann im Laufe des übernächsten Jahres.

Indianerjunge
Nicht nur den jungen Zuschauern wird das ZDF mit der Neuauflage der "Yakari"-Trickfilme eine Freude gemacht haben, sondern auch dem deutschen Verleger der Serie, Eckart Schott. Die Erstausstrahlung im Ki.KA erzielte dort Marktanteile von über 20 Prozent. "Yakari" erschien als Album zuerst 1978 bei Carlsen und mit den Folgebänden seit 2005 bei Salleck Publications. Parallel zur TV-Ausstrahlung will Salleck nun auch die ersten Bände der Serie wieder neu auflegen.

Deutschland-Comic
Dass eine große überregionale Zeitung eine ganze Seite dem Comic widmet, ist hierzulande immer noch ungewöhnlich. Die Frankfurter Rundschau tut das seit Anfang des Jahres, und nicht etwa im Feuilleton, sondern in den Sphären der Politik. Hier zeichnet Isabel Kreitz jeden Samstag gewollt subjektiv eine Szene zur Geschichte unseres Landes. Der Leser darf dann raten, in welchem Jahr das Ereignis spielte und wird, so er in einer Verlosung gewinnt, für sein gutes Gedächtnis mit einem Buchpaket belohnt.

Kripo Stuttgart
Mit Krimis hat der Stuttgarter Zeichner Martin Frei Erfahrung, seit er 1992 für Ehapa einen Schimanski-Tatort zu Papier brachte. "Kommissar Eisele" (Gringo Comics) ist indes kein bundesweiter Held, sondern - der Name deutet es schon an - ein Freund und Helfer mit explizit Stuttgarter Ausprägung. Eisele als Assistentin zur Seite steht der geografische Gegenpol, die Hamburgerin Klara Fietjen. Frei bietet dem Leser nicht nur Ambiente aus dem Ländle, es bemüht sich, auch Historisches mit einfließen zu lassen. So sind seine Kurzgeschichten aus dem Kripomilieu auch so etwas wie ein alternativer Reiseführer der Spätzle-Metropole.

Presse-Blog
Martin Jurgeit schreibt seit kurzem für den Berliner Tagesspiel ein Blog, in dem er quasi eine Presseschau zu aktuellen Comic-Themen vornimmt. Die Vergleiche sind interessant. Etwas ermüdend will nur scheinen, dass das Comicspektrum der Presse sich auf Themen wie "80 Jahre Tim" und "Streit um Asterix" zu beschränken scheint. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Kill Mickey!
Wie das ZDF im September meldete, sehen die Mäuse dieser Welt harten Zeiten entgegen. Ein saudiarabischer Fersehprediger erklärte die Nager zu "Soldaten des Teufels". Das gilt insbesondere für die Mäuse in Zeichentrickfilmen, allen voran die Mickymaus. "Diese Maus wird vom Satan gesteuert", verkündete Scheich Muhammad al-Munajid im Fernsehsender Al Majd. In seiner Forderung, die populäre Figur zu töten, beruft sich der Prediger auf islsamisches Recht.

Caroline Baldwin
Ein Song zu einer Comicserie? Das gab es noch nicht. Jedenfalls nicht, bevor sich die belgische Gruppe Feel the Noizz der Serie "Caroline Baldwin" annahm. Das Ergebnis ist auf YouTube zu hören, ein eingängiger Ohrwurm, der im Text alle (französischen) Albentitel rezitiert. Die Ermunterung, einen solchen Song zu machen, kam vom Zeichner selbst, von André Taymans. Und auch der ist auf YouTube beim Singen zu bewundern. Mit Feel the Noizz als Begleitband gibt er ein Stück von Jacques Dutronc zum Besten.

Donald nackt
Wie sehen Comicfiguren aus, wenn man sie auf ihr Skelett reduziert? Die Frage ist nicht neu, und Schädelstudien zum Marsupilami und den Peanuts gab es bereits. Nun aber hat der Koreaner Hyungkoo Lee die Masche ausstellungswürdig gemacht. Im Naturhistorischen Musem Basel konnte der Besucher in diesem Sommer in der Sonderausstellung "Animatus" erleben, wie Donald und die Kinder hinter dem Röntgenschirm aussehen. Die Baseler Präparatoren versuchten gleichzeitig, die Kunstwerke zu analysieren, indem sie ihnen wieder Muskelstränge aufmodellierten. So kommt man den Geheimnissen des Lebens langsam auf die Spur, und sei es auch nur das Leben von Comicfiguren.

Cyberdise
Nachdem er sich in der Comicszene jahrelang rar gemacht hatte, überraschte der Österreicher Ronald Putzker in diesem Sommer mit einem Besuch auf dem Erlanger Comic-Salon. Mit im Gepäck hatte er ein neues Projekt mit dem Titel "Cyberdise", das im Internet bereits bei comics.orf.at zu sehen war. Putzkers Hausverlag comicplus+ wird das überarbeitete Science-Fiction-Spektakel im Dezember in den Buchhandel bringen. Die neuen Aktivitäten des Österreichers haben auch die Spekulation um eine Fortsetzung des Erfolgstitels "Anna Stein" wiederaufleben lassen.

Animatus

Moebius: Rotkreuz

Watchmen-Film

Beatcomix

COMIC! Jahrbuch

Wolfgang Altenburger

 
Copyright © 2009 Verlag Sackmann und Hörndl