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Volle Latte
Ein Interview mit Brösel
Von Uwe Lochmann

Brösel alias Röttger Werner Friedrich Wilhelm Feldmann wurde am 17. März 1950 als jüngster von 3 Brüdern in Travemünde geboren. Nach seiner Schulzeit begann er eine Lehre zum Lithografen. Diese wurde allerdings jäh beendet, als er comiczeichnernderweise von seinem damaligen Chef erwischt wurde. In seiner anschließenden arbeitslosen Zeit widmete er sich ganz seinen drei Hobbys: Comics zeichnen, Motorräder schrauben und abfeiern. Dies war die Geburtsstunde von Werner.

RRAAH!: Mit Freuden habe ich gehört, daß endlich wieder ein neuer Werner mit dem Titel "Volle Latte" ins Haus steht. Was erwartet uns da?

Brösel: Der neue Band enthält drei Themen. Erstens Sex - na ja, nicht unbedingt Sex, sondern eher Werner und seine Frauen. Werner ist ja noch nie so irgendwie mit Frauen zusammengekommen. Ich hab immer gesagt, daß Werners Privatleben niemanden etwas angeht. Doch im neuen Band kommt Werner zu Brösel und sagt, ich solle mal irgendetwas Vernünftiges zeichnen. Kurz: Werner will eine Frau! Es stellt sich raus, daß ich Frauen einfach nicht zeichnen kann, und so geht er zu einem anderen Zeichner, der wunderbare Frauen zeichnen kann, zu Jörg Reymann aus Kiel, der bei uns auch die Serie "Dex und Dogfort" zeichnet. Jörg ist bei mir in die Lehre gegangen, und seitdem hilft er mir auch bei meinen Werner-Bänden. Ja, und der hilft Werner dann weiter. Was daraus nun wird, muß man ja nicht unbedingt verraten.

RRAAH!: Wann wird Werner denn mal richtig bei einer Frau landen dürfen, bzw. ist irgendwann auch ein Werner junior geplant?

Brösel: Eigentlich darf Werner so was nicht haben. Er ist ja eher wie Lucky Luke der einsame Outlaw. Wenn man so 'ne Beziehungskiste zeichnet, fängt es schnell an, langweilig zu werden. Die Aussage ist ja im Buch auch drin. Als der Autor sich beschwert, wie er denn das alles zeichnen soll: Einbauküche, Designermöbel undundund. Es fängt ja schon an zu eskalieren, als Werner klagt, daß er nicht mehr saufen darf, und dies nicht mehr darf und das nicht mehr darf. Und das wollen wir ja auch wirklich nicht zeichnen.

Das zweite Thema im Buch ist dann mal wieder gnadenlos Fußball, was ja seit Jahren offen stand. Die Leute kamen immer wieder zu mir und sagten: Mensch, das Fußballspiel ist doch das Beste, was du jemals gezeichnet hast ("Werner ­ alles klar"). Dann hab ich jetzt mal ein neues Spiel auf einem Campingplatz ins Leben gerufen, was mir auch wieder sehr gut gelungen ist. Also, ich bin da mal sehr zufrieden mit.

Das dritte ist das Thema Motorrad. Die Geschichte heißt "Dieselterror", und sie handelt davon, daß Werner total zerschüttelt ist von seinem Motorrad. Er kann vor lauter Zittern kein Bier mehr bei sich behalten. Da schicken ihn seine Freunde zum Rennarzt, und der stellt fest, daß Werner von den Vibrationen seiner Schüssel Oszillitis im Endstadium hat. Der Arzt sagt ihm, daß er nicht mehr Motorrad fahren darf. Als Werner dann in großen Jammer ausbricht, weiß der Rennarzt dann doch noch ein Rezept. Ihm wird also ein Motor mit zwei Kurbelwellen verschrieben. Und was daraus wird, kann man dann auch nachlesen.

RRAAH!: Existiert diese Dieselschüssel wirklich?

Brösel: Wir sind dabei, das Ding zu bauen. Ein Dieselmotorrad mit Turbolader ist natürlich etwas ganz Spektakuläres auf dem Markt. Und das wollen wir dann mal ausprobieren.

RRAAH!: Werner beschwert sich ja auch über den ganzen Merchandise-Kram. Bei mittlerweile mehr als 250 Artikeln rund um Werner vielleicht auch zurecht.

Brösel: Das ist so eine zweischneidige Sache. Wir haben eigentlich ganz tolle Artikel im Programm. Was ich zum Beispiel sehr schön finde, ist, daß es unser Bier (Bölkstoff) wieder gibt. Und das ist ja wohl ein tolles Merchandiseprodukt! Oder, was ich auch noch toll finde, sind die Stoffpuppen, weil es unglaublich schwierig ist, ordentliche Teile produzieren zu lassen. Daß zum Beispiel auch die Mimik stimmt und gut rüberkommt. Oder die drei Kunstharzfiguren und die Motorradbausätze von Revell. Da steckt unglaublich viel Zeit drin, so was auszutüfteln. Klar gibt es dann auch so Plunder, wo man nicht zu steht, wie der Klopapierhalter. Es ist auch peinlich für die Figur, wie er sich da auf der Rolle einen abstrampelt. Da meckert Werner dann auch zu Recht.

RRAAH!: Achterbahn ist seit 1997 eine Aktiengesellschaft. Was habt Ihr mit dem Kapital aus den Aktien unternommen, und wie hat euch der Börsenrutsch getroffen?

Brösel: Tja, wo das Geld geblieben ist, würde ich auch gerne mal wissen. Da kann ich eigentlich gar nicht so viel zu erzählen. Ehrlich gesagt, bin ich da viel zu blöd zu und kümmer mich auch gar nicht um die finanziellen Dinge. Aber bei der Achterbahn AG geht es, wie der Name es schon sagt, immer auf und ab.

RRAAH!: Bis heute habt Ihr einen Riesenerfolg mit 10 Büchern (über 10 Mio. verkaufte Exemplare) und 3 Kinofilmen (über 6 Mio. Zuschauer). Was hat sich für dich durch diesen Erfolg geändert?

Brösel: Daß man immer mehr Arbeit hat.

RRAAH!: Hast du dir nicht eine große Moped-Sammlung angelegt?

Brösel: Das ist eher ein Haufen verstaubter Schrott, weil man gar nicht mehr dazu kommt, daran zu arbeiten. Was im Bereich Motorräder läuft, ist eher die Arbeit von meinem Bruder Andy. Er hält das ein bißchen aufrecht.

RRAAH!: Durch die finanzielle Unabhängigkeit kann man auch andere Projekte in Angriff nehmen. Gab es auch Sachen, die nichts mit Werner zu tun hatten?

Brösel: Ich bin mit Werner so dermaßen ausgelastet, daß einem eigentlich keine Zeit für andere Späße bleibt. Da geht viel Zeit damit drauf, den neuen Kalender zu entwerfen, dann mache ich auch die ganzen technischen Zeichnungen für die Motorräder, dann bist du in der halben Welt unterwegs wegen den Merchandise-Produkten.

RRAAH!: Deshalb machst Du Dich auch in der Öffentlichkeit sehr rar?

Brösel: Ja, wenn man so viel um die Ohren hat, muß man halt Abstriche machen. Und bei vielen Signierstunden, die ich gegeben hab, haben sich Leute nur in die Schlange gestellt, weil sie dachten, daß es da was umsonst gibt. Aber auf der Buchmesse werde ich sicher ein oder zwei Tage sein, und wenn nichts dazwischen kommt, auch in Erlangen.

RRAAH!: 20 Jahre Werner - was wüschst Du dir für die Zukunft von Werner?

Brösel: Gesundheit und so weitermachen, bis er unterm Rasen liegt.

RRAAH!: Ich bedanke mich für dieses Interview.

Das obige Interview wurde am 10.03.2002 von Uwe Lochmann vom Comicladen Sammlerecke in Koblenz (Hohenzollernstr. 40) geführt. Das ungekürzte Interview ist auf www.sammlerecke.de nachzulesen.

Copyright © 2002 Verlag Sackmann und Hörndl

 
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