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Heftich 4

Terrorjesus

Stephan Lomp hat es auf Anhieb geschafft. Er kam von Düsseldorf nach Hamburg zu Heftich 5 und erhielt für sein erstes Heft der Comicreihe "Terrorjesus" einen Goldenen HRTN. Die Jury um Maikel Das, Tilman Stieve, Frank Plein und Pascal D. Bohr zeichnete damit das beste Independent-Comicheft des Festivals aus.

Lomp: Terrorjesus 1

Die vermutlich wegen ihrer deprimierenden Haltung und Frisur "Terrorjesus" gerufene Hauptfigur des Comichefts beschäftigt sich mit der Suche nach ihrer inneren Mitte und den Hemmnissen im Zugang zu einem geliebten Mädchen. Stefan Lomp arbeitet bei der Gruppe Herrensahne mit, eine rührige Zeichnergemeinschaft aus Nordrhein-Westfalen, zu der etwa zehn Comicmacher gehören.

Teufel und Pistolen

Der Silberne HRTN ging an ein Heft-Projekt, an das sich Fil, Andreas Michalke, Oliver Naatz und Mawil in Berlin gesetzt haben. Jeden Monat soll eine Ausgabe von "Teufel und Pistolen" erscheinen, für einen Euro und für Jungen.

Teufel und Pistolen 3

Mawil versprach dem Publikum bei der Preisverleihung, dass man dieses Konzept auch wirklich durchziehen wolle. Die ersten drei der kleinformatigen Hefte gerieten auf jeweils 32 Seiten dank gelungener Naatz-Schreibe und dank humoriger Beiträge (man sehe sich nur einmal diesen Elektrikerhasen von Mawil an!) kurzweilig und lassen auf einen Erfolg hoffen.

Jens Harder

Jens Harder macht nicht zuletzt deswegen wieder auf sich aufmerksam, weil er beim renommierten französischen Verlag L'an 2 eine Arbeit unterbringen konnte, die nun über MSW auch bei uns vertrieben wird. "Leviathan" heißt der neue Band, welcher von einem gewaltig großen und unbesiegbaren Wal handelt.

Harder: Electricité Marseille

Besonderen Erzählstoff zeigte Harder, der zur Berliner Gruppe monogatari gehört, auch in "Electricité Marseille", ein sorgsam gedrucktes Heft, welches mit Hilfe einer leider ungeladenen Autobatterie durch Marseille führt.

Ulf Harten

Harten kriegt den HRTN in Gold

Nach altem Brauch nimmt ein Hamburger ja eigentlich keine Orden und Ehrenzeichen entgegen. Aber wenn der Preis nach einem selbst benannt ist und man dafür unter dem Jubel der Halle auf die Bühne gebeten wird, dann greift man eben doch gerne und erfreut zu. Ulf Harten (links) bekam den Goldenen HRTN. Das wäre eigentlich so, als bekäme Oscar einen Oscar, Bambi einen Bambi und die goldene Palme eine goldene Palme. Doch erinnerte Tom Plate (rechts) nach Zuruf von Wittek daran, dass hier tatsächlich ein Spezialpreis zu verleihen war, der als sichtbares Dankeschön an den langjährigen INC-Vorsitzenden (von 1991 bis 1998) ruhig etwas ganz Besonderes sein durfte. Ulf Harten ("Das Seegurkenprinzip") hat den INC mitgegründet und war Motor mehrerer Comic-Aktivitäten, die bundesweit viel Aufmerksamkeit und Anerkennung fanden.

Rosa Elefanten & Weiße Mäuse

Tim Posern hätte die Übergabe des Bronzenen HRTN an ihn fast verpasst. Doch die gemeinsamen und lauthalsen "Tim"-Rufe des versammelten Szenepublikums holten ihn dann doch noch aus dem Winkel des Fundbureaus, in dem er sich gerade aufhielt. "Rosa Elefanten & Weiße Mäuse" heißt seine Heftserie, von der das aktuelle sechste Heft den Preis für die edition offkeks gewinnen konnte. Für das vierte Heft erhielt Tim eine lobende Erwähnung bei der ICOM-Independent-Preisverleihung 2001 in Köln.

Tim

Neben spaßigen Cartoons und kurzen Comics von Tim enthält das neue Heft ein feines Mawil Special. Darin packt der "junge, sympathische Comiczeichner" aus und stellt seine autobiographischen Comics ("Wir können ja Freunde bleiben") den eher fiktiven Hasengeschichten ("Strandsafari") gegenüber. Von letzterer Sorte steuert er im sechsten "Rosa Elefanten & Weiße Mäuse" eine Geschichte bei, in der der kleine Hase bei seinen Eltern auszieht und nun endlich "Frauen abschleppen" kann.

Stefano Ricci

Wenn der Italiener Stefano Ricci "signiert", dann rückt er dem betroffenen Buch sehr eindrücklich zu Leibe. Schnell sind auch seine vielberingten Finger mit Farbe überzogen und hinterlassen ihre Abdrücke. So gewinnt ein Comic den Charme eines Einzelstücks und künstlerischen Wert. Wer mag, fühlt sich an die Zeit der Buchmalerei erinnert, als noch jeder Comic als Unikat gefertigt werden musste.

Stefano Ricci

Von Stefano Ricci erschien im avant-verlag das Comicbuch "anita". Den Text des dickfarbigen Bandes verfasste Gabriella Giandelli. Ricci trägt Farbe so auf, dass die Spuren des Pinsels sichtbar bleiben, durch den das Bild entstand. Langweilige Einfarbigkeit gibt es nicht; pastöse, pockige, blättrige Oberflächen erinnern daran, dass einfarbige Dinge künstlicher Natur sind. Der Comic stellt jedoch ein Stück Leben dar, tagebuchartig, von der fotografierenden Kellnerin Anita, eine Sammlung von unspektakulären Eindrücken, bei der man sich wundert, woher eigentlich die Neugier auf das nächste Bild rührt. Es könnte der Wiedererkennungseffekt der Situationen oder eben die Wirkung der Panels sein, die beim Leser Resonanz findet und ihn weiterblättern lässt.

Lolli rennt

Max Jähling aus Bremen arbeitet nicht nur theoretisch zum Thema Comic ("Kriminalisierung von Jugendlichen durch Anti-Schund-Kampagen", "Angst vor bunten Bildern"). Mit seiner Comicreihe "terrain vague" geht er auch praktisch zu Werke, zum Teil durch seine Website, zum Teil über die Veröffentlichung von Heften, die ganz im Geist des Heftich-Festivals gefertigt sind, handgetackert, selbstkopiert, ungewöhnlich. Im Piccoloformat erzählt "Lolli rennt" vom sehnsüchtig gewünschten Lolli, der einem kleinen Mädchen von einem Kobold weggenommen wird.

Vähling: Lolli rennt

INC

Die Initiative Comic Kunst e.V. (INC) gibt es seit 1991. In ihr haben sich Comiczeichner, -fans und -verleger vereint und in den vergangenen Jahren einiges auf die Beine gestellt, darunter vier Ausstellungen: "Am Anfang war der Strich", "Comopoly", "Ehrlich billig!" und "Die vierte Dimension". Jedes Jahr wird zudem das "Heftich"-Festival ausgerichtet, eine Gelegenheit für Freunde der gehefteten Comic-Kunst sich zu begegnen, Neues anzusehen, Hefte zu kaufen und abends zusammen Party zu machen.

Heftich 5

Auf der Website des gemeinnützigen Vereins fand sich merkwürdigerweise keine Ankündigung zu "Heftich 5", aber per eMail sprach sich der Termin dennoch weit genug im Lande herum.

Wanda

Wanda Caramba treibt sich großplakatig weiterhin durchs rotlampige Milieu Hamburgs. Dass die toughe Dame auch ordentlich Muckies hat, beweist sie beim Schleppen von Getränkekisten, worauf ihr Zeichner Eckart Breitschuh (Foto) doppelhändig hinweist.

Wanda: Eckart Breitschuh

Der quecksilbrige Zwerchfell-Verlag, immer auf Achse, immer neuen Zeichnertalenten auf den Fersen, hat einen Weg zum Riesenplakat gefunden; es fehlt nicht mehr viel und Wanda oder Baabra Kadabra (aus "Grimm") stapfen in Lebensgröße durchs Bild. Baabra ist eine Comicfigur Breitschuhs, die durch die von ihm betreute Serie "Grimm" führt. Der neueste Band ist ein doppelter, mit einer von Karsten Schreurs gemalten Adaption des Märchens "Vom Fischer und seiner Frau" und mit einer Adaption des Wacholderbaum-Märchens, an der die Neukommerin Katrin Baumgärtner arbeitete.

Haina

Schon für seinen letztjähriger Bronzetitel "Sommernebel" hatte er eine besondere und passende Heftart gewählt.

Haina: Krimskrams

Haina Fischer lässt auch dieses Jahr hingucken. Auf sein neues Heft "Krimskrams" klebte er von Hand ein farbiges Titelbild. Man muss schon zu "Heftich" fahren, um solche kleinauflagigen Feincomics zu ergattern.

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Copyright © 2003 Verlag Sackmann und Hörndl