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4. Comic-Tage Köln 2003

Hey, warte mal...

Ein Comicfestival ist immer auch Anlass, sich bei den Verlagen nach neuen Comics umzusehen, die gelegentlich auch erst in letzter Minute zu diesem Anlass fertig werden. Der Verlag Schwarzer Turm brachte eine Comic-Erzählung mit, die bereits im Vorfeld von den Veröffentlichungen der internationalen Comicszene her als etwas Besonderes bekannt war. Der Zeichner Jason ist Norweger, sein Comic erscheint in den USA, in Korea, in Frankreich,...

Jason: Hey, warte mal...

Jason (d.i. John Arne Sæterø), ein Mittvierziger, zeichnet Comic, der nur im ersten Moment kindlich aussieht, dann jedoch eine einfühlsame und streckenweise bewegend-melancholische Sicht auf das Leben freisetzt, dass man den Band jedem Erwachsenen in die Hand drücken möchte, der Comic vereinfachend mit Donald Duck und Superman gleichsetzt: "Hey, lies mal...".

Ausstellung

Im November 2002 durch das belgische Kronprinzenpaar in Sidney eröffnet, gelangte die Ausstellung "Comic Strip, Passion's Trip" nun nach Köln, wo sie verteilt auf Räume der Stadtbibliothek und des Belgischen Hauses gezeigt wird. Mit den Exponaten richtet man sich an ein Publikum, welches einen ersten Einblick in die Bandbreite des belgischen Comics, in die Arbeit eines Comiczeichners, in die Anfänge von "Tintin" und "Spirou" und in die aktuellen Entwicklungen des belgischen Comics nehmen möchte. Auch einige Originale gehören zur Ausstellung. Sie stammen aus Comics für jüngere Leser und hängen an raumhohen Bannern zusammen mit einer aus einer Tasche ziehbaren, gedruckten Ausgabe des Comics.

Ausstellung

Bei den vorgestellten Zeichnern des belgischen Comic vermisst man im ersten Moment die Hauptpersonen des flämischen Comic, der uns dank Willy Vandersteen und Marc Sleen mit Serien wie "Bessy", "Suske und Wiske", "Wastl" und "Die Abenteuer von Nero" in Deutsch bekannt wurde. Doch hat man sich in der Zeichnergalerie offenbar auf eine Auswahl noch lebender Künstler beschränkt.

How to get in

Stefan Dinter ist erfahrener Zwerchfell-Mitarbeiter, Sascha Thau hat letztes Jahr seinen ersten Comic "Kosmopolit" veröffentlichen (und sogar ausverkaufen!) können. Beide erklären anschaulich, wie man als angehender Comiczeichner die Sache beginnen sollte. Der Annahme, dass das ganz einfach sei und man dabei reich werden könne, erteilen beide sogleich eine Absage.

How to get in

Wer wirklich Comiczeichner werden möchte, muss damit rechnen, dass er sein Geld durch Illustrationsaufträge verdienen muss.

Die hauseigene Website der Comictage der Kölner Stadtbibliothek erreicht man über www.comictage.de.

Co-Toon

Belgien unterstützt 4. Comic-Tage

Ohne die tatkräftige Hilfe belgischer Stellen wären die diesjährigen 4. Comic-Tage der Kölner Stadtbibliothek wohl nicht auf die Beine gekommen. Das Generalkommissariat für internationale Beziehungen der Gemeinschaft Wallonie-Brüssel, die Wallonische Exportagentur AWEX, die Region Brüssel-Hauptstadt, die Deutsch-Belgisch-Luxemburgische Handelskammer DEBELUX und das Belgische Generalkonsulat gaben finanzielle und ideelle Unterstützung. Neben einem Stand mit interessanten Comics aus aktueller belgischer Produktion, gab Co-Toon mit seinen animierten Trickfiguren der Messe einen Blickfang. Verborgen hinter einem großen Bildschirm sitzt der Bediener der Anlage, der durch ein Grafiktablett die vorgefertigten Figuren und deren Bewegungen auslösen kann. Insbesondere für die jüngeren Besucher ist das Gespräch mit den Trickfiguren ein Hauptspaß, und zudem ist die Nutzung des Schirms als Hinweistafel auf aktuelle Veranstaltungen hilfreich.

Comiclesung

Bis zur letzten Sekunde vor der Aufführung sortieren die Dinter-Brüder die Dias zu ihrer Comiclesung in richtiger Reihenfolge in die zugehörigen Kästen. Normalerweise geht so etwas in Hektik schief. Aber die Dinters sind stahlnervig genug, dass die Veranstaltung einen sehr witzigen und reibungslosen Verlauf nimmt. Ein älterer Besucher ist von dem ihm ungewohnten Comicmaterial offenbar so angetan, dass er schon bei jedem Kleinstwitz in lautes und unterhaltsames Gelächter ausbricht. Um die Stimmung der gelesenen Comics zu unterstreichen, zeigt die Hip Hop-Gruppe "Ischen Impossible" um DJ Conny, worum es geht: Mit so ohrwurmigen Titeln wie "C'est comme ça" und "Balkanafrogermanisch" drücken sie in MultiKulti-Sprache ihre Sicht auf die Welt durch die Lautsprecher. Ganz ähnlich geben sich Kevin, Heiko und Dennis, rotzfreche Hauptfiguren der gelesenen Comics, die dank zahlreicher und sogar kräftig schwäbelnder Stimmen auf der Bühne lebendig werden.

Comiclesung mit den Dinterbrüdern

Stefan Dinter (Bild links) weist das Publikum zu Beginn darauf hin, dass man alle Wörter des zugehörigen Comics "Die kleinen Mutterficker" tatsächlich sagen könne, ohne dass das schlimm sei. Kevin, Heiko und Dennis erfahren am eigenen Leibe, dass es in ihrer Sprache Wörter gibt, die bei anderen brutal Anstoß erregen. Woher sollen zum Beispiel amerikanische G.I. auch wissen, dass die drei Bengel mit "Nigga" respektable Kumpel bezeichnen? Das riecht doch gleich nach einer ordentlichen Tracht Prügel.

ICOM-Preisverleihung

Den mit 1.000 € dotierten Hauptpreis des ICOM, des Interessenverbands Comic e.V., vergab die Jury dieses Jahr an die Edition 52, also einem Verlag, für "Floralia" von Ulf K. und "Kosmonaut Laika" von Laska Comix. Für die weiteren Preisträger spuckte die Schatzkiste des ICOM jeweils 250 € aus. Als beste Funnies gerieten "Strandsafari" von Mawil (Schwarzer Turm) und "Held" von Flix (Zwerchfell) in den Genuss des Preisgelds. Das beste Szenario sprach man Diana R. Sassé für "Memories of the Antique White House" zu. Und den Sonderpreis der Jury für die Bewertung des im Jahr 2002 erschienenen, deutschsprachigen Independent Comic erhielten Laska Comix für "Tentakel" Bd. 4. Zwei Herren im feinen Anzug, ein leidenschaftlicher Drummerboy, die charmant-unvergleichliche Janine "Intravenös" Weiland und Schecküberreicher Burkhard Ihme versuchen der Preisverleihung die nötige Farbe zu geben, damit das Publikum auch noch dem letzten Eintrag in der ewig langen Liste der lobenden Erwähnungen mit wachen Sinnen folgen mag. Einer der Mitarbeiter des Belgischen Hauses, in dem die Veranstaltung stattfand, zeigte sich etwas verwundert darüber, dass die Preisträger ganz überwiegend zur Preisverleihung gar nicht anwesend waren. Womöglich muss man die strikte Geheimhaltung der Jury zu Gunsten der Erfüllung von Zuschauererwartung zukünftig etwas lockern.

Burkhard Ihme singt

Zeigte der ICOM im Beiprogramm der Preisverleihung in den letzten Jahren gelegentlich einen Zeichentrickfilm oder ähnliches, so drückte man dem Vorsitzenden diesmal eine Gitarre in die Hand und ließ ihn singen. War das anfängliche Chanson Jacques Brels und das nachfolgende Lied über die Qualen eines Comiczeichners angesichts eines runden Busens dem Rahmen noch recht angemessen, so schaltete das Publikum bei den dann von der Bühne hallenden Liebesliedern auf Nanu. Burkhard hatte den Blues, vermutlich ausgelöst durch den jungfrischen Hip Hop-Auftritt der Sängerinnen von "Ischen Impossible". Das kann jeder verstehen.

Übrigens wird "Het Waldmeister mysterie", die niederländische Ausgabe des letztes Jahr erschienenen Comics "Die grüne Eisbombe" von Burkhard Ihme, vom Belgischen Comiczentrum (CBBD) in Brüssel auf dessen neuer Website www.cbbd-bcb.org präsentiert.

Die begründenden Texte der Jury zu den Preisträgern und die Liste der Comics, die eine lobende Erwähnung bekamen, erhält man über www.comic-i.com. Dort findet man auch Werkproben und Coverabbildungen der Siegertitel.

Plaque 01

Der avant-Verlag ist offenbar ständig für eine Überraschung gut. Mit "anita" und "Berlin 1931" bewegte man sich bereits energisch gegen den Mainstream und ließ dann das famose "5 ist eine perfekte Zahl" folgen. Und jetzt setzt man noch eins oben drauf und zeigt den Mut, eine über 300 Seiten starke, anspruchsvolle Anthologie auf den deutschen Markt zu bringen, die jährlich erscheinen soll. Da pfeift der Comic-Connaisseur anerkennend durch die Zähne und nimmt erstaunt von dem ehrgeizigen Projekt Notiz.

Plaque 01

Der erste Band von "Plaque" stellt den Neuen Italienischen Comic in seinen Mittelpunkt, wozu Autoren mit so bekannten Namen wie Lorenzo Mattotti und Igort gerechnet werden. Ein Davide Toffolo oder eine Vanna Vinci bleiben dabei unerwähnt, vielleicht weil deren Comic in diesem Kontext nicht experimentell genug wirkt.

Workshop

"Finde deine Figur, finde deine Geschichte!" steht als Motto über dem Workshop für junge Comiczeichner, womit klar gestellt werden soll, dass es nicht darum geht, den Stil anderer Zeichner zu kopieren, sondern seinen eigenen Weg zu gehen.

Workshop Comiczeichnen

Auf dem Boden hockend stellen sich die Teilnehmer einer Gruppe gegenseitig ihre Ideen vor. Zwischen ihnen sitzen auch ZeichnerInnen, die bereits Erfahrungen haben und diese bereitwillig weiterreichen.

Belgien und Comic

Für Belgien haben Zahlenkarle nachgerechnet, die höchste Comiczeichnerdichte der Welt zu haben.

Spirou Nr. 591

Und selbst, wer an solche Zahlenspiele nicht glaubt oder von Japan das gleiche zu behaupten fordert, wird den Einfluss des belgischen Comic auf die europäische Comicwelt nicht in Abrede stellen. Vor diesem Hintergund zeigt ein Vortrag zum Thema "Belgien und Comic" sowohl die Entwicklung um die wichtigen Comicmagazine "Tintin" und "Spirou", als auch frühe Beispiele für belgischen Comic auf. Mit Hergé und dann André Franquin wandelte sich die textlastige Bilderzählung in Sprechblasencomic modernen Zuschnitts.

Sieht man sich frühe Arbeiten von Hergé ("Totor") oder die Serie "Bulletje en Bonestaak" seines flämischen Kollegens Georges Van Raemdonck an, meint man Beispiele zu sehen, die Beleg für eine Entwicklung des Comic sind, welche sich rückwärts auch zum Ursula-Schrein in Brügge und zum "Großen Ursula-Zyklus" aus Köln verfolgen lässt, eine Folge von 30 Bildern, die jeweils unterhalb mit gereimtem Text versehen sind.

Großer Ursula-Zyklus, Bild 18

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