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Zur Ausstellung Asterix, Barbarella & Co. im Roemer-Pelizaeus-Museum Hildesheim

Lichtleiterkabel zum Ausleuchten der Exponate

Lichtleiterkabel dienen zum Ausleuchten der Ausstellungsstücke.

Reagenzglas

Reagenzgläser zur Aufbewahrung der Leuchtköpfe

Das Erwachenenalter

Obwohl sie 1961 und 1966 verboten und in zahlreiche Prozesse verwickelt wird, hat die 1960 gegründete Zeitschrift Hara-kiri steigende Erfolge. Im Clinch mit der Zensur des gaullistischen Regimes findet der makabre Humor, die anarchische Haltung und die provozierende Vulgarität ihrer Comic-Autoren vor allem bei Studenten und Jugendlichen viel Anklang. Hara-kiri ist damit typisch für den Beginn der Ära des Comics, der sich an Erwachsene richtet. Ihre Zeichner verstehen sich in den Zeiten des politischen Umbruchs als Journalisten. Dabei gilt Reiser als derjenige, der sich am vehementesten gegen die Staatsgewalt und althergebrachte Konventionen auflehnt. Die Zensur ist verunsichert, legt den Geist des Gesetzes von 1949 (gedacht zum Schutz der Jugend) weit aus und schlägt bei Comics zu, die sich gar nicht an Kinder und Jugendliche richten. Auch die Publikation von "Barbarella" wird verboten.

Unkonventionell ist der Zeichenstil einer neuen Zeichnergeneration, die weggeht von der Ästhetik des traditionellen Comic hin zu Zeichnungen, die eilig hingeworfen erscheinen (s. Claire Bretécher, Reiser). An den Texten wird im Unterschied dazu deutlich länger gefeilt, sie rücken oftmals in den Vordergrund. Demgegenüber schaffen Zeichner wie Jean Giraud und Jean-Claude Mézíères neue Höhepunkte des auch auf ästhetische Bildwirkung konzentrierten Comic-Schaffens. Die Bandbreite der Stile nimmt zu.

In dieser Epoche, in der die sogenannten Erwachsenen-Comics entstehen, wird die Auffassung unüberhörbar zum Ausdruck gebracht, dass Comics ein kulturelles Erbe seien, dass man dieses Erbe aufbewahren und katalogisieren müsse, dass der Comic eine Kunst sei. Francis Lacassin schafft es, den Begriff der Neunten Kunst in einer renommierten französischen Enzyklopädie zu verankern. Man fängt an, Originale in Museen auszustellen. Auch das Zeitalter des sich organisierenden und artikulierenden, begeisterten Comicliebhabers und das der Comic-Sekundärliteratur beginnt.

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Eckart Sackmann leuchtet

Beleuchtend

Der französische Comic fechtet die belgische Vorherrschaft ab Mitte der 60er-Jahre an, inbdem er sich an eine ältere Leserschaft wendet. Die politische und soziale Satire, wie sie die Zeichner von Hara-Kiri und Charlie Hebdo praktizieren, sowie die mehr oder weniger experimentellen Alben, die Eric Losfeld, der Verleger von Barbarella, auflegt, öffnen den Weg für freiere und anspruchsvollere Comics.

Die 1959 herausgekommene Wochenzeitschrift Pilote veröffentlicht die Abenteuer von Asterix, dessen Szenarist René Goscinny auch die Funktion des Redaktionsleiters inne hat. Der Geist der 68er durchsetzt die Seiten dieser Zeitung, in der feministische, ökologische, antimilitaristische und anarchistische Stimmen zu Wort kommen. Pilote entwickelt sich zu einer Zeitschrift für junge Erwachsene und versammelt die besten Zeichner seiner Zeit.

Drei dieser Zeichner - Gotlib, Mandryka und Claire Bretécher - gründen 1972 L'Echo des Savanes. Nur für Erwachsene bestimmt bereichert diese "nouvelle presse" (neue Presse) den Comicmarkt um zahlreiche neue Titel, darunter Métal Hurlant, ein Science-Fiction-Magazin, dem Moebius seine besten Werke anvertraut.

Die wirtschaftliche Krise Anfang und Mitte der 70er-Jahre geht mit einem Wertewandel einher. Der Zerfall der Ideologien und die herrschende Rezession begünstigen das AUfkommen eines neuen Humors, zynisch, unehrerbietig, ja sogar brutal. Der "mauvais esprit" (bitterböser Geist) drückt sich auf Kabarettbühnen, in den Medien und in den Comics aus. Die Satire betrifft nicht nur das soziale Leben, sie greift auch die kulturellen Werte an. Unter dem Deckmantel der Parodie werden bedeutende Werke verhunzt oder bestohlen und ihr Sinn verdreht. Dem Zeitgeist entsprechend "postmodern" ist das Stapeln oder Aneinanderreihen von Zitaten eines der am häufigsten genutzten Stilmittel.

Indessen nimmt eine andere Schule von Humoristen, die durch den angelsächsischen "Nonsens" geprägt ist - wie das "Mad Magazin" oder die "Monty Pythons" - Wirklichkeit mit größerer Distanz wahr und kultiviert ein bis ans Absurde grenzendes Bewusstsein.

Mit dem Fantastischen und der Sciencefiction bleibt der Humor das volkstümlichste Genre des auslaufenden Jahrhunderts.

(Ausstellungstext, zitiert aus der Presseinformation des Roemer- und Pelizaeus-Museum vom 26.5.2000)

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Appetithappen

Um zum Besuch der Ausstellung Asterix, Barbarella & Co. im Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim anzuregen, seien hier beispielhaft einige wenige Ausstellungsstücke wiedergegeben. Wegen der technisch begrenzten Möglichkeiten im Web, kann dies einen Blick auf die Originale sicherlich nicht ersetzen, aber einen ersten Eindruck verschaffen.

Jede dieser Abbildungen können Sie mit der Maus anklicken, um sie vergrößert angezeigt zu bekommen. Sie gelangen zu diesem Text zurück, indem Sie den "Zurück"-Knopf Ihres Browsers betätigen.

Jean-Claude Forest: Barbarella - Les colères du mange-minutes

Jean-Claude Forest: "Barbarella - Les colères du mange-minutes", Seite 66, 1968/69, Bleistift, Tusche und Lavierung mit blauer Tinte auf Papier, 755 mm x 600 mm

Barbarella verliebt sich in Narval vom Planeten Citerne IV.
Albert Uderzo: Astérix - Le bouclier arverne

Albert Uderzo: "Astérix - Le bouclier arverne", Seite 31, 28.09.67, Tusche und weiße Gouache auf Papier, 494 mm x 411 mm

Die schönste Sequenz über die Freundschaft zwischen Asterix und Obelix.
Jean-Marc Reiser (Angoulême 1978)

Jean-Marc Reiser: gezeichnet in Angoulême im Januar 1978, Filzstift auf Papier, 500 mm x 600 mm

Zu große Unterhosen und Thekenphilosophie zeigt Reiser.
Claire Bretécher: Les Frustrés - Érythème

Claire Bretécher: "Les Frustrés - Érythème", Seite 3, 1977

Mit großem satirischen Talent beschreibt Claire Bretécher ihre lieben Mitmenschen.
 
Jean Giraud: Blueberry - Ballade pour un cercueil

Jean Giraud: "Blueberry - Ballade pour un cercueil", Seite 58, 26.10.1972, Tusche und weiße Gouache auf Papier, 500 mm x 382 mm

Jean Giraud formt hier Gesichter mit vielen kleinen Strichen. Drei Monate später erscheint sein Doppelgänger Moebius.
Jean-Claude Mézières: Valérian - Les héros de l'équinoxe

Jean-Claude Mézières: "Valérian - Les héros de l'équinoxe", Seiten 16 und 17, Mai 1978, Tusche auf Papier, 400 mm x 500 mm

Beste phantasievolle Science-Fiction gestalten Pierre Christin als Autor und Jean-Claude Mézières als Zeichner seit gut dreißig Jahren. Hier parodieren sie die typischen Superhelden des US-Comics.
Greg: Achille Talon - Débats en haut

Greg (d.i. Michel Régnier): "Achille Talon - Débats en haut", Seite 295a, 2.10.1969, Tusche auf Papier, 450 mm x 330 mm

Als liebenswürdiger Maulheld wurde Achille Talon (d.i. Albert Enzian) von Greg bekannt.
Marcel Gotlib: Compte rendu d'une représentation donnée par le Nô japonais...

Marcel Gotlib: "Compte rendu d'une représentation donnée par le Nô japonais...", 6. und letzte Seite, 1.7.1971, Tusche auf Papier, 442 mm x 325 mm

Witzig bis ins Detail: Man beachte zum Beispiel die sich ändernden japanischen Schuhe.
 

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