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ComicTime Hildesheim
Comic-Fans, die es in diesem Sommer zur Expo 2000 in Hannover zieht, sollten einen Abstecher in das nur wenige Kilometer entfernte Hildesheim einplanen. Mit mehreren Ausstellungen, Workshops und Vorträgen hat sich die auch sonst sehr sehenswerte Stadt die bunten Bilder in ihre Mauern geholt.
Hildesheim wird von so manchem Besucher der Weltausstellung als Schlafstatt genutzt werden - Grund genug, sich ein wenig herauszuputzen. Beim Brainstorming, wie denn die Expo-Zeit für eine besondere Attraktion zu nutzen sein könnte, kamen die Hildesheimer rasch auf ihre französische Partnerstadt Angoulême. Die vorsichtige Anfrage, ob das dortige Comicmuseum CNBDI (Centre National de la Bande Dessinée et de l'Image) zu diesem Zweck einige seiner Schätze ausleihen würde, fiel auf fruchtbaren Boden.
Angoulême wollte dem Hildesheimer Roemer-Pelizaeus-Museum nicht nur eine große Anzahl an Comic-Originalen schicken, das CNBDI erklärte sich schließlich auch bereit, die Ausstellung zusammenzustellen, einen ausführlichen Katalog zu produzieren und die Hälfte der Kosten von rund 200 000 Mark zu übernehmen. Vive l'Europe!
Unter dem publikumswirksamen Titel "Asterix, Barbarella & Co." präsentiert das Roemer-Pelizaeus-Museum von Mai bis September rund 120 Originale aus der französischen und belgischen Comicgeschichte, die noch nie in Deutschland zu sehen waren. Aus konservatorischen Gründen werden diese Exponate nach der Ausstellung in den nächsten vier Jahren der Öffentlichkeit vorenthalten bleiben müssen.
Thierry Groensteen vom CNBDI, der die Schau zusammengestellt hat, führt den Besucher durch über 100 Jahre der frankobelgischen Comicgeschichte. Von Caran D'Ache und Benjamin Rabier führt der Weg über Hergé, André Franquin und Peyo, über Albert Uderzo, Jean-Claude Forest und Jean Giraud in die Moderne. Claire Bretécher ist in Hildesheim ebenso zu bewundern wie Enki Bilal, Jacques Tardi, Loustal, Yslaire oder François Schuiten, der parallel in Hannover einen Expo-Pavillon gestaltet.
Groensteen ist auch Autor des 276 Seiten starken Katalogs, der ergänzend die Zusammenhänge der frankobelgischen Comic-Kultur erläutert. Die Franzosen sehen in ihrem Beitrag sicher nicht nur ein Entgegenkommen der Partnerstadt gegenüber. "Asterix, Barbarella & Co." ist eine willkommene Gelegenheit, die eigene Kultur anzupreisen - eine Art von Kultur, die in Deutschland leider nicht ihresgleichen findet, die aber dennoch sehr geschätzt wird.
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Wohl wäre allein die Ausstellung im Roemer-Pelizaeus-Museum eine Reise wert. Dennoch regte die zuständige Hildesheimer Kulturdezernentin, Frau Dr. Annamaria Geiger, ihre Mitstreiter dazu an, sich um dieses Ereignis herum möglichst viele andere Aktionen einfallen zu lassen. Das Ergebnis ist beeindruckend, nicht nur für eine Stadt, von der man in der Comicszene bisher gar nichts gehört hatte.
Links: Dr. Annamaria Geiger |
Die "ComicTime Hildesheim" wurde bereits im April mit einer Präsentation von Schülerarbeiten im Rathaus der Stadt eröffnet. Die Fachhochschule und die Universität richten für ihre Studenten Workshops mit Vorträgen und praktischen Anleitungen aus. Im Juli werden Isabel Kreitz und Karsten Weyershausen für jeweils eine Woche in die Kunst des Comiczeichnens einführen. Selbst die Kirchen der Stadt beteiligen sich mit eigenen Projekten.
Für Wochenendbesucher sind - neben der "großen" Comicausstellung - insbesondere die vom Kunstverein organisierten Präsentationen von Interesse. Im idyllischen Kehrwiederturm, einem Rest der mittelalterlichen Stadtbefestigung, sind von Juli bis Oktober Arbeiten von Dieter Jüdt, Andreas Dierßen, Isabel Kreitz, Martin tom Dieck und Henning Wagenbreth zu sehen.
Die Idee, der Expo-Welt die eher durch ihre mittelalterlichen Kunstschätze bekannte Stadt mit einem Medium der Moderne zu präsentieren, ist lobenswert. Andererseits sei dem Comic-Freund empfohlen, auch die traditionellen Reize Hildesheims zu beachten. Der Dom und St. Michaelis gehören zum Weltkulturerbe, und der Besuch auf dem wiederrichteten Marktplatz (mit dem Knochenhaueramtshaus und anderen wunderschönen Gebäuden) dürfte einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
Ausstellungen
Roemer-Pelizaeus-Museum
Asterix, Barbarella & Co.
Am Steine 1, Tel. 05121/936 90
27. Mai bis 1. Oktober 2000, täglich 9-18 Uhr
Kunstverein im Kehrwiederturm
Dieter Jüdt
4. Juni bis 9. Juli 2000
Isabel Kreitz/Andreas Dierßen
23. Juli bis 7. September 2000
Martin tom Dieck/Henning Wagenbreth
17. September bis 23. Oktober 2000
Kesslerstraße, Tel. 05121/30 12 07
Jeweils Sa 15-18 Uhr, So 11-18 Uhr
Kirche St. Jacobi
Die Bibel als Comic (Rüdiger Pfeffer)
1. bis 31. August 2000
Kirche St. Andreas
Werner "Tiki" Küstenmacher
1. bis 31. August 2000
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