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Zur Ausstellung Dieter Jüdt beim Kunstverein Hildesheim

Ausstellung Dieter Jüdt

Hildesheim beim Kehrwiederturm

Ausstellung Dieter Jüdt im Kehrwiederturm

Den schmalen Aufgang hinaufklettern in die guten Stuben, das müssen die zahlreichen Teilnehmer der Eröffnungfeier der Dieter Jüdt-Ausstellung des Kunstvereins Hildesheim. Der Kehrwiederturm ist ein uriger Ort für Veranstaltungen dieser Art, mit angenehmer Atmosphäre und sehr geeignet zum Vorzeigen der beeindruckenden Arbeiten aus "Heimsuchung" (Ehapa, 1995), "Viriconium" (comicplus+, 2000) und "Shaman's Blues" (2000). Im Treppenaufgang und in zwei per Wendeltreppe erreichbaren Turmzimmern kann man in die in den Bildträgern doppelseitig eingelegten Originale Einblicke nehmen. Dieter Jüdt hebt hervor, dass er das Zusammenstellen von Doppelseiten begrüsse, weil damit die Sicht erhalten bliebe, die auch der fertige Comic böte.

Die Sprechblasen der Exponate enthalten keinen Text, dieser wird erst später vom Letterer oder Computer eingesetzt. Außerdem stellt es eine Vereinfachung dar, bei einer erhofften Veröffentlichung im Ausland, den Text nicht erst wegretouchieren zu müssen. Bei Ansicht der aufgeklebten Sprechblasenpapierstücke überkommt den Betrachter die Neugier, was wohl hinter den Schnipseln zu finden sein wird und ob es dem Zeichner nicht Leid getan haben muss, ein Teil seiner aufwendigen Malerei abschließend auf immer zu verdecken.

In seiner Begrüßungsansprache erwähnt Klaus Dierßen, Leiter des Kunstvereins (und nicht verwandt mit dem Zeichner Andreas Dierßen), die Schwierigkeiten, die man hatte, die Ausstellung auf die Beine zu stellen, denn die erwarteten Zuschüsse fielen deswegen aus, weil die üblichen Mittelgeber des Kunstvereins mit Comics im Sinne von Kunst offenbar nichts anzufangen wussten.

Dr. Annamaria Geiger, Kulturdezernentin der Stadt Hildesheim, besucht anlässlich der Ausstellungseröffnung den Kunstverein erstmalig, was die besondere Bedeutung, die die Stadt den Veranstaltungen im Rahmen der ComicTime Hildesheim zumisst, unterstreicht. Erfreulich ist auch, dass Frau Geiger sogleich die Anregung aufgreift, der Partnerstadt Angoulême vorzuschlagen, die Geschichte des deutschen Comics dort auszustellen, quasi in Umkehrung dessen, was zur Zeit in Hildesheim im Roemer-Pelizaeus-Museum zu sehen ist (s. Ausstellung Asterix, Barbarella & Co.).

Frau Geiger beglückwünscht den Kunstverein zur Ausstellung der Arbeiten Jüdts, sie freue sich, dass auch deutsche Zeichner (neben den französischen im Roemer-Pelizaeus-Museum) einen Ausstellungsplatz in Hildesheim gefunden haben. Damit spricht sie den Umstand an, dass auch Isabel Kreitz, Andreas Dierßen, Martin tom Dieck und Henning Wagenbreth im Laufe des Sommers im Kehrwiederturm erwartet werden. weiter

Als dritter Redner zur Eröffnung der Dieter Jüdt-Ausstellung spricht der Verleger von "Viriconium", Dr. Eckart Sackmann (comicplus+), einige grundlegende Dinge an, die eine Ausstellung von Comics schwierig machen. So sei die Kunst des Comics eine Erzählung in Bildern, die sich nur im fertig gedruckten Werk dem Betrachter ganz erschlösse, wenn also Text und Bilder zusammengebracht worden seien. Folglich müsste man in eine Comic-Ausstellung eigentlich die veröffentlichten Comics legen und nicht die Originale. Dennoch habe man vom Comic viel mehr, wenn man einmal die Chance bekommt, die Originale (und deren Fehler) zu sehen. Dieter Jüdt mache in seiner Arbeit jedoch keine Fehler. Er arbeite mit direkter Farbgebung ("couleur directe", d.h. es wird nicht vorgezeichnet, getuscht und erst danach auf der Blaupause koloriert) und habe als Vorbilder Dave McKean und Horst Janssen. Er verstehe diese Vorbilder als Quelle der Inspiration.

"Die Verlage übersehen ihre verlegerische Verantwortung für die Comic-Kultur", fordert Sackmann die Verlage auf, sich mehr an Eigenproduktionen zu versuchen. Damit spielt er auf das unrühmliche Ende der Arbeit Jüdts für Ehapa an.

Dieter Jüdt ist zur Eröffnung anwesend und signiert das neue Album "Viriconium", das in größerer Stückzahl im Turm vorrätig ist, ganz im Gegensatz zu "Heimsuchung", welches man mittlerweile nur noch über Comic-Antiquariate zu ergattern versuchen kann. "Viriconium" ist für den Max-und-Moritz-Preis 2000 nominiert, "Heimsuchung" war dieses für den Max-und-Moritz-Preis 1996. 1998 gestaltete Dieter Jüdt die Ausstellung "Illustrator des Phantastischen" beim 8. Internationalen Comic-Salon Erlangen.

Das kürzlich erschienene "Viriconium" basiert auf der Vorlage des phantastischen Romans von M. John Harrison. Eine mysteriöse Seuche ergreift in der Stadt Viriconium Menschen, Gebäude und Straßen. Im Kehrwiederturm kann man von ganz nah sehen, wie Jüdt sich und uns den Verfall der Stadt ausgemalt hat. Die Farben, die er dabei benutzte, sind beim Druck der Alben recht gut getroffen worden. Hin und wieder fallen einem leichte Verschiebungen im Farbton auf, nicht unbedingt aber zum Nachteil des gedruckten Comics.

Die Dieter Jüdt-Ausstellung im Kehrwiederturm ist vom 4. Juni bis 9. Juli 2000 am Samstag von 15 bis 18 Uhr und am Sonntag von 11 bis 18 Uhr geöffnet (oder nach Absprache, Tel. 05121 518043).

Homepage: www.kunstverein-hildesheim.de

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Ausstellungsraum mit den Originalen von "Heimsuchung"

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Dieter Jüdt signiert

Dierßen, Geiger, Sackmann

Klaus Dierßen, Dr. Annamaria Geiger, Dr. Eckart Sackmann im intensiven Gespräch

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Doppelseite aus "Viriconium" (Sprechblasen ohne Text)

Ausstellungsräume im Turm

Über eine Wendeltreppe ins Turmzimmer

Kehrwiederturm Hildesheim

Blick auf den Kehrwiederturm (letzter noch erhaltener Turm der mittelalterlichen Stadtbefestigung, gebaut um 1300, seit 1982 Galerie des Kunstvereins)

Shaman's Blues

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