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Paul Gravett:
MANGA
Sixty Years of Japanese Comics
176 Seiten, London 2004 (Laurence King Publ.), £ 19,95
Paul Gravett, einer der renommiertesten britischen Comic-Experten, hat sich auf ein für ihn ungewohntes Territorium begeben, den Manga. Er führt uns auf eine kulturelle Zeitreise, die auch die Genese japanischer Comics vor dem Krieg umreißt, im Grunde aber 1945 beginnt - mit dem Erscheinen der Zeitschrift Manga und den ersten Arbeiten des Mangagottes Ozamu Tezuka. Eingängig und unterhaltsam schildert der Autor die Stadien der Entwicklung und die Variationsbreite heutiger Manga. Was aber - mehr noch als die Kompetenz der Texte - den Reiz dieses Buches ausmacht, ist die ganz und gar üppige Bebilderung. Gravett hat offenbar weder Kosten noch Mühen gescheut, um auch seltene und genuine Beispiele der Manga im Bild vorzuführen. Gerade für den, der sich mit Manga auskennt, ist dieses Kompendium ein Anlass, das eigene Wissen zu ordnen und zu ergänzen. Man sieht dann sehr schnell, auf welchem Feld die ins Deutsche übersetzten Manga stehen, und erkennt, wie wir wahllos, einzig unter kommerziellen Gesichtspunkten mit einer bestimmten Sparte japanischer Comics zugeschüttet werden. Das sollte jedoch nur ein Nebeneffekt dieses wunderbaren Buches sein, das vielleicht auch eingeschworenen Manga-Gegnern beweist, wie vielschichtig diese Form der fernöstlichen Kultur eigentlich ist.
Kassandra Nakas (Hg.):
FUNNY CUTS
Cartoons und Comics in der zeitgenössischen Kunst
144 Seiten, Bielefeld 2004 (Kerber Verlag), € 24,00
Seit Warhol, Lichtenstein und andere in den 60er Jahren die Fühler nach Trivialem ausstreckten, sind Comics eine Stufe raufgeklettert. Nicht als Literatur (was sie eigentlich sind, nämlich Bild-Erzählungen), sondern als Ersatzteillager der sogenannten Bildenden Kunst. Dass die in Ermangelung eigener Ideen in fremden Revieren wildert, bringt die Kunstwelt nicht zum Erröten, sondern schlägt sich im Gegenteil in einer Ausstellung der Stuttgarter Staatsgalerie nieder. Das Feuilleton ist begeistert. "Zack! Rumms! Schepper!" titelte die Stuttgarter Zeitung; "Ouap! Paf!" die Süddeutsche. So redet man in den deutschen Kulturredaktionen. Immer noch fehlt hierzulande die Bildung, die Möglichkeiten der Ausdrucksform Comic zu erkennen. "High & Low" - dieser Titel einer Ausstellung des New Yorker Moma von 1990 durchzieht seit Dezember wieder die heiligen Hallen. Was zu Zeiten der Pop Art noch neu und aufregend war, das Einbeziehen der Alltagswelt in die Räume der tradierten Kunst, ist heute belanglos. Um diesen Umstand redet der Katalog zur Ausstellung bewusst gespreizt herum, sucht Wichtigkeit, wo es keine gibt, und schmückt sich mit Abbildungen von Werken, die in Stuttgart leider fehlen (Lichtenstein). "Funny Cuts" (wie hieß das doch gleich auf deutsch?) schwebt weit über dem Boden der Realität, irgendwo jenseits des Elfenbeinturms.
Eckart Sackmann (Hg.):
DEUTSCHE COMICFORSCHUNG
Bd. 1: 2005
144 Seiten, Hildesheim 2004 (comicplus+), &euroM 40,00
Das, was in Deutschland an Comics gelesen wird, kommt fast ausschließlich von jenseits der Grenzen. Da scheint es fast natürlich, wenn das Gros der wissenschaftlichen Arbeiten über die Bild-Erzählung demselben Schema folgt. Gleichzeitig weist die Erforschung der eigenen Comicgeschichte große Lücken auf. Man weiß wenig über die Frühzeit, das Ausbleiben der Sprechblasen, die Auswirkungen der Nazizeit. Für die Jahrzehnte nach 1945 gilt, dass wohl einiges aus der Sicht von Sammlern und Fans beschrieben wurde, Zusammenhänge und Quellen oft aber im unklaren bleiben. Dem gegenzusteuern, hat Eckart Sackmann ein Jahrbuch "Deutsche Comicforschung" ins Leben gerufen. Anfang Dezember erschien der erste Band. Er enthält eine Reihe von Aufsätzen, von Sackmann selbst sowie von mehreren Mitarbeitern, deren Namen in der Sekundärliteratur über Comics bereits bekannt sind. Alle Artikel zusammengenommen spannen einen Bogen über die Gesamtheit der deutschsprachigen Comicliteratur, deren Beginn der Herausgeber nicht erst 1945, sondern bereits vor einigen hundert Jahren ansetzt. Die Art und Weise, wie hier über Comics geschrieben wird, ist in der Tat anders, als man es gewohnt ist. Viel kompaktes Fachwissen erfährt der Leser, alles sorgfältig belegt. Trotz des akademischen Anspruchs liest sich das reich bebilderte und vollständig in Farbe gedruckte Buch durchaus unterhaltsam. Auf die Fortsetzung im kommenden Dezember kann man sich also freuen.
Masanao Amano:
MANGA DESIGN
576 Seiten, Köln 2004 (Taschen), € 30,00
Ein konkurrenzlos preiswertes, weil mehrsprachig verfasstes und weltweit angebotenes Buch zum Phänomen Manga kam im vergangenen Jahr aus dem Kölner Taschen Verlag. Anders als die meisten anderen solcher Werke ist das von Masanao Amano verfasste "Manga Design" eine Art Katalog japanischer Comic-Künstler: Jeder der aufgenommenen 140 Zeichner erhält ein knappes Textporträt sowie ein paar Illustrationen zum Hauptwerk. Die Abfolge der Einträge ist höchst verwirrend, so dass dem Benutzer nichts anderes übrig bleibt, als sich nach dem Inhaltverzeichnis zu richten oder einfach zu blättern. Dass der Anreiz zum Blättern beabsichtigt sein könnte, ahnt man, wenn man sich andere Kompilationen des Verlags vor Augen führt. Ein Buch für den schnellen Gebrauch also, das wenig Eindruck hinterlässt - es denn den, ein opulentes Bilderbuch gereicht bekommen zu haben. In "Manga Design" geht es nicht um Comics, um Literatur, es geht um Bilder. Wie schon der Titel sagt: Dies ist ein Buch für alle, denen es darum geht, sich über die stilistische Vielfalt des Manga zu informieren.
Andreas C. Knigge:
ALLES ÜBER COMICS
Eine Entdeckungsreise von den Höhlenbildern bis zum Manga
436 Seiten, Hamburg 2004 (Europa Verlag), € 24,90
Andreas C. Knigge scheint so etwas wie der deutsche Claude Moliterni werden zu wollen: alle paar Jahre ein Sekundärwerk über Comics, möglichst unter globalem Blickwinkel und immer bei einem anderen Verlag. In diesem Jahr erscheinen sogar zwei Bücher aus der Feder des ehemaligen Cheflektors von Carlsen Comics. "Alles über Comics" ist in weiten Teilen eine persönliche "Entdeckungsreise". Knigge hat lange Jahre der Comicabteilung des seinerzeit führenden deutschen Comicverlags vorgestanden. Er hat die Entwicklung unseres Marktes mit geprägt und dabei intime Einblicke in die Comicwelt anderer Länder gewonnen. Der Leser profitiert von diesem Insiderwissen, das zudem eine Lebendigkeit in diese Darstellung der Comicgeschichte bringt, gegen die die meisten anderen Werke über die "bunten Bilder" staubtrocken wirken. Doch der Autor breitet nicht nur seine eigenen Erfahrungen aus, er will eben "alles über Comics" offenbaren, von den Höhlenzeichnungen (wenn denn die Stricheleien eines Pferdes wirklich nach heutigen Maßstäben als "Bewegungslinien" interpretiert werden können) bis hin zu Multimedia. Das mitunter komplexe Beziehungsgeflecht aufzudecken gelingt in diesem Buch über das hervorragende Layout, das dem Leser Sprünge ermöglicht, ohne daß er dabei den Faden verliert. Auf über 400 Seiten erfährt er so zwar nicht alles, aber doch eine Menge über Comics. Mag dieser Abriß wegen der fehlenden Belege seiner Aussagen nicht zu wissenschaftlicher Arbeit taugen - mehr als ein Coffeetable Book ist es allemal. "Alles über Comics" ist ein schönes, ein lesbares und nicht zuletzt ein gehaltvolles Buch, mit dem Andreas C. Knigge einmal mehr seine Kompetenz und seine leichte Feder unter Beweis gestellt hat.
Andreas C. Knigge:
50 KLASSIKER: COMICS
Von Lyonel Feininger bis Art Spiegelman
272 Seiten, Hildesheim 2004 (Gerstenberg), € 19,95
Aus der modernen Informationsflut das Wichtigste herauszuarbeiten - das haben sich die Autoren der Reihe "50 Klassiker" des Hildesheimer Gerstenberg Verlags vorgenommen. Die Vorstellungen darüber, was denn nun die 50 wichtigsten Gemälde, Filme, Erfindungen, Schiffe, Siege und Niederlagen (!) der Weltgeschichte sind, gehen vermutlich auseinander. Dennoch kann sich der Leser der inzwischen auf einige Dutzend Titel angewachsenen Enzyklopädie im allgemeinen auf den Sachverstand des Autors und eine Verständlichkeit in der Vermittlung verlassen. Bei dem Beitrag von Andreas C. Knigge, einem ausgewiesenen Experten der Bildliteratur, ist das nicht anders. So mag man denn auch über Details in der Auswahl streiten (besonders bei den "Klassikern" der neueren Comicgeschichte), rundum bietet diese Darstellung dem interessierten Laien doch wohl das Essentielle der künstlerisch/literarischen Ausdrucksform Comic. Durchgehend farbig, neben dem eigentlichen Eintrag stets mit einem informativen Anhang zu Zeichnern und Autoren und zu allerlei Wissenswertem am Rande versehen, dürfte "50 Klassiker: Comics" für jeden das Richtige bieten: viel Wissen, gute Unterhaltung und - nach vollendeter Lektüre - das Gefühl, über ein Thema grundsätzlich informiert zu sein. Daß diese kleine Comic-Enzyklopädie in einer sorgfältig edierten und überaus populären Reihe erscheint, trägt hoffentlich dazu bei, die in kulturinteressierten Kreisen immer noch vorherrschende Ignoranz gegenüber der Bildliteratur zu schmälern.
Globi-Verlag (Hg.):
GLOBI UND SEINE ZEIT
Begegnung mit einem Schweizer Phänomen. Von 1932 bis heute.
160 Seiten, Zürich 2003 (Globi-Verlag), ca. € 28,00
Der reich und meist farbig illustrierte Band dient zwar als Katalog für die Ausstellung "Globi - Begegnungen mit einem Schweizer Phänomen", die zwischen 31. August 2003 und 21. März 2004 in Winterthur, Basel und Bern zu sehen sein wird, dank der kompetenten Informationen wird das Buch aber noch lange Gültigkeit haben. Waltraud Bellwald, die auch das Sachbuch "Globi, ein Freund fürs Leben" (siehe separate Rezension) geschrieben hat, ist die treibende Kraft hinter der Ausstellung und diesem wunderschönen Begleitband. Neben vielen seltenen Bilddokumenten und interessanten Informationen berichten zahlreiche Prominente von ihrem Verhältnis zu Globi. So erfährt man etwa, daß der Schweizer Finanzminister Kaspar Villiger als Elfjähriger Globi 15 Franken schickte, damit dieser sie an die Armen verteile.
Waltraud Bellwald:
GLOBI, EIN FREUND FÜRS LEBEN
Die Erfolgsgeschichte einer Reklamefigur
190 Seiten, Zürich 2003 (Orell Füssli Verlag), ca. € 23,50
Anhand von Globi, der 1932 von Zeichner Robert Lips und Globus-Werbeleiter J.K. Schiele als Reklamefigur entwickelt wurde, läßt sich der Zeitgeist der jeweiligen Generation sehr gut ablesen. Das zeigt Waltraud Bellwalds illustriertes Sachbuch besonders gut. Als sich beispielsweise während der 1970er Jahre das Bewußtsein gegenüber Ausländern veränderte, wurde Globi zum Rassisten abgestempelt. Die Kulturwissenschaftlerin Bellwald relativiert das Ganze jedoch. "Rassistisch" sei ein zu harsches Urteil, Globis Verhalten sei vielmehr "Ausdruck von Kulturüberheblichkeit und kultureller Arroganz. Globi pauschal mit dem Vorwurf des Rassismus zu belegen, bedeutet eine Banalisierung dieser höchst gravierenden destruktiven und abwertenden Haltung gegenüber Fremden." Im Zuge der politischen Korrektheit ist Globi heute zwar etwas flügellahm geworden, erfreut sich aber nach wie vor größter Beliebtheit. Das fundierte wissenschaftliche Werk, das selbst eingefleischten Globi-Fans viele neue Erkenntnisse beschert, ist leicht verständlich und oft auch unterhaltend geschrieben.
Norbert Hethke Vlg. (Hg.):
50 JAHRE SIGURD
96 Seiten, Schšnau 2003 (Norbert Hethke Verlag), Û 28,00
Mit der Piccolo-Serie "Sigurd", die der Lehning Verlag ab 1953 herausgab, begann die von manchen emphorisch "Goldenes Zeitalter" genannte Ära der deutschen Comicgeschichte. Hansrudi Wäscher, ganz in der Tradition vergleichbarer italienischer Zeichner, hatte mit dem unbesiegbaren Recken Sigurd einen Helden geschaffen, der die Seelen der Nachkriegskinder ansprach. Damals war es unvorstellbar, daß der "Sigurd"-Mythos ein halbes Jahrhundert überdauern und durch Neuproduktionen sogar noch erweitert werden würde. Die Geschichte der Ritterserie ist jetzt detailliert in einer Sonderausgabe des Hethke Verlags dokumentiert worden, des Verlags, dem die ungebrochene Nachfrage nach den Arbeiten des Zeichners Hansrudi Wäscher zu verdanken ist. Neben einigen Artikeln ist für den Sammler vermutlich besonders die minutiöse Checkliste aller Hefte, Bücher und Objekte von Interesse, die in den vergangenen fünf Jahrzehnten zum Thema Sigurd erschienen sind. Ein Standardwerk, dem man die Freude an dem nostalgischen Kindheitsmythos durchaus anmerkt.
Thomas Kramer:
MICKY, MARX UND MANITU
Zeit- und Kulturgeschichte im Spiegel eines DDR-Comics 1955-1990
406 Seiten, Berlin 2002 (Weidler Buchverlag), € 24,90
Als Autor des zweibändigen "Mosaik FanBuchs" ist Thomas Kramer Eingeweihten ein Begriff. Die im vergangenen Jahr erschienene, ungleich umfangreichere und ambitioniertere Arbeit "Micky, Marx und Manitu" geht von derselben Basis aus, will aber über den Rand des "Mosaik"-Universums hinaus. Es ist eine betont akademische Untersuchung, was das Lesen (wegen der vielen Verweise) reizvoll und (wegen der manchmal komplexen Formulierungen) gleichzeitig schwer macht. Stärke und Schwäche auch in der Methode: Die Konzentration auf die "Lesebiografie" des Mosaik-Mitarbeiters Lothar Dräger gibt zwar wertvolle und bisher ungeahnte Interpretationsansätze, darf aber vielleicht doch nicht allgemein gelten. Neben "Mosaik" sind auch die Schriften Karl Mays und andere sogenannte Trivialliteratur Gegenstand dieser Analyse, die trotz der gemutmaßten Mängel interessante Einsichten in die Denke des Umgangs der Ostdeutschen mit populären Medien bietet.
ICOM (Hg.):
COMIC! JAHRBUCH 2004
256 Seiten, Stuttgart 2003 (ICOM), € 15,25
Das jährlich vom ICOM, dem Interessenverband Comic, Cartoon, Illustration und Trickfilm e.V., herausgegebene Jahrbuch erweist sich immer wieder als ein Füllhorn an Informationen zum aktuellen, aber auch zum historischen Comicgeschehen im deutschsprachigen Raum. Die jetzt vorliegende Ausgabe 2004 macht da keine Ausnahme. Zu groß ist die Anzahl der Beiträge aus den Rubriken "Comic-Geschichte", "Szene Deutschland", "Atelierbesuch", "Internationaler Markt", "ICOM Preisträger" und "Trickfilm", um hier in die Details zu gehen. Nachdem die Comic-Fachpresse immer weiter an Niveau verliert, ist das "Comic! Jahrbuch" eine der wenigen Quellen, um sich fundiert und ohne Hektik über das hiesige Comic-Geschehen zu informieren. Erhältlich ist das Jahrbuch in gutsortierten Comicläden oder über den ICOM Independent Comic Shop, Tel. 05203/883674.
Moebius/Andreas Platthaus:
ZEICHENWELT
300 Seiten, Frankfurt/M 2003 (Eichborn), € 32,50
Ein Buch von und über Moebius alias Jean Giraud, den Messias der Moderne, den Betreiber der Hermetischen Garage und den Hüter von Arzach. Das xte Buch über den französischen Zeichner und Autor, und doch fällt es nicht nur deswegen aus dem Rahmen, weil der Eichborn Verlag es im Rahmen der literarisch ambitionierten Reihe "Die andere Bibliothek" verlegt hat. Andreas Platthaus hat sich auf Spurensuche begeben und analysiert in gewohnt eloquenter Art, was sich weder aus dem Werk des Meisters allein noch aus den diversen Äußerungen Girauds erschließen läßt. Eine intensive, zum Wiederlesen animierende Analyse zweifellos, die sich einer entscheidenden Wertung dennoch gern entziehen möchte: Relativ früh hat Moebius den Zenit seines Schaffens überschritten. Angereichert ist der Band mit einer Vielzahl teilweise unveröffentlichter Comics und Bilder.
Horst Berner u. a.:
BLUEBERRY UND DER EUROPÄISCHE WESTERN-COMIC
96 Seiten, Berlin 2003 (Mosaik Steinchen für Steinchen), € 39,00
Eine neue Reihe mit Sekundärmaterial hat die Comic-Zeitschrift ZACK mit diesem Band über den wohl populärsten Western der frankobelgischen Comics ins Leben gerufen. Das aufwendig ausgestattete "Dossier" führt in die Serie ein, indem es die verschiedenen Stränge der Saga chronologisch von Handlung und Veröffentlichung her verbindet. Die sich anschließenden Interviews mit den diversen Zeichnern Blueberrys stammen aus französischen Quellen neueren Datums. Sie sind mit hoch interessanten Abbildungen versehen, die - und das ist eine kleine Schwachstelle des Bandes - vielleicht manchmal besser reproduziert worden sein könnten. Eine ausführliche Comicographie von Originalveröffentlichung und deutschen Ausgaben sowie ein Hinweis auf ergänzende Selundärliteratur runden den insgesamt informativen und anregenden Band ab.
Chlodwig Poth:
AUS DEM LEBEN EINES TAUGEWAS
320 Seiten, München 2002 (Ullstein), € 22,00
Kaum jemand nimmt ihn als Comiczeichner wahr, und doch ist Chlodwig Poth einer der bedeutendsten, die unser Sprachraum hervorgebracht hat. 73 Jahre ist er inzwischen alt, ein gutes Alter, um seine "Erinnerungen" zu schreiben. "Aus dem Leben eines Taugewas" ist mehr als das; es ist gleichermaßen eine Momentaufnahme des Alters. Poth, der Mitbegründer von pardon und Titanic, mit "Mein progressiver Alltag" dereinst Bestsellerautor, der Verfasser mehrerer Comicromane, sieht sein Augenlicht schwinden. Das gibt dieser Autobiografie einen ambivalenten Charakter. "Aus dem Leben eines Taugewas" ist nur einer von vielen Rückblicken Poths, doch verglichen mit "Das waren Zeiten" (1980) oder "Euch werd ich':s zeigen" (2000) spielt das Werk nur eine Nebenrolle. Poth der Mensch ist es, der hier spricht, erzählt, reflektiert - und natürlich auch demontiert.
Michael Hein/Michael Hüners/Torsten Michaelsen (Hg.):
ÄSTHETIK DES COMIC
224 Seiten, Berlin 2002 (Erich Schmidt Verlag), € 29,80
Der Anlaß dieser Aufsatzsammlung liegt knapp zehn Jahre zurück, ein Symposium der Hamburger Arbeitsstelle für Graphische Literatur, bei dem Comicforscher aus dem In- und Ausland vortrugen. Die Umstände verzögerten eine Veröffentlichung der Ergebnisse des Treffens. Nun wird die Geduld der Herausgeber belohnt, mit einem guten Dutzend Essays, die pointiert zu narratologischen, semiotischen, kunsthistorischen und kulturkritischen Fragen Stellung beziehen und trotz ihres Alters voll und ganz auf der Höhe der Zeit sind. Es ist dies eine akademische Betrachtung, aber keine aus dem Elfenbeinturm. "Ästhetik des Comic" gibt dem Comicforscher auf der Suche nach den Wurzeln der Bild-Erzählung viele Anreize, das Wesen und Wirken dieser Ausdrucksform zu überdenken.
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