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Frisch ausgepackt und aufgefallen: Andreas Dierks weist auf besondere Comics hin, die jetzt im Comicladen oder am Kiosk liegen.  [Folge 98]

Die Katze des Rabbiners 3

Die Katze des Rabbiners 3

"Die Armen, sie haben kein Meer." Wenn der algerische Rabbiner Abraham beim Anblick der Seine die Pariser bemitleidet, dann ist das einer der vielen reizvollen Momente im Comic von Joann Sfar, denen man entnimmt, dass die eigene Welt unter anderem Blickwinkel einen anderen Schein bekommt. Und da der Schein das Sein bestimmt, und nicht etwa umgekehrt, müssten wir hier oben in Europa bei dieser Lektüre nach dem herrlich unklaren und lockeren Umgang mit Dogmen und Gebräuchen streben, wie er von Abraham praktiziert wird, der in Jesus einen "palästinensischen Rabbiner" erkennt und von den grausigen Darstellungen in einer katholischen Kirche entsetzt ist. Abraham begleitet seine Tochter und seinen Schwiegersohn zu dessen Eltern nach Paris. Da man am Sabbat keine elektrische Klingel betätigen darf, bleibt man trotz Regens gelegentlich draußen vor der Tür. Die Katze wundert es.


Criminal Macabre

Steve Niles und Ben Templesmith setzen ihre Horror-Erzählungen mit ihrer stimmigen Grafik aus kratzigen Konturlinien vor nebelhaft eingefärbtem Hintergrund fort, wie man sie bei Infinity in "30 Days of Night" und "Dark Days" schon zwei Mal kennenlernen konnte. Damit gelangt diese Art packender Horror-Grafiknovelle zu eindrücklichen Effekten, bei der im Kampf gegen Vampire, Werwölfe und seltsame Untote im Bedarfsfall reichlich rote Farbe übers Papier verteilt wird. Zum Glück machen einige Einschüsse einem Ghoul nichts aus, sie schmerzen nur höllisch.

Criminal Macabre

Der Detektiv Cal McDonald wird zu einem Fall gerufen, bei dem seltene Pesterreger von behaarten Gestalten geraubt wurden, die an Werwölfe erinnern. Doch seit wann rauben Werwolfrudel Pestbazillen?

Nova Centurio 2

Seit Beginn des Jahres liegt jeden Monat eine neuartige, preisgünstige Manga-Zeitschrift am Kiosk, in der man Comic- und Buchstaben-Erzählung abwechselnd zum Zuge kommen lässt. Als Autor fällt Ken Watamoto durch eine sprachmächtige Schreibe auf, die gelegentlich überdreht wirkt, als wollte ein Opernsänger ein schlichtes Volkslied singen. Als Zeichner ist Chris Noeth mit etwa 24 Comic-Seiten pro Heft in einem zum Heldencomic passenden Stil tätig.

Nova Centurio 2

So erstaunlich und interessant das Konzept ist, so professionell man das Projekt auch umsetzt, so fraglich ist aber auch, ob man Leser findet, welche sich von Sätzen wie "Die monotone Komposition erzählte uninspiriert von infernalischer Über- und beschämender Unterlegenheit" oder "Eingeweide quellen schmatzend aus seinem Bauch hervor" auf Dauer fesseln lassen.


Dorn 4

Ralf Paul erzählte einmal, dass von all den Tätigkeiten, die er als professioneller Zeichner anpackt, ihm das Zeichnen von Comics am liebsten sei. Trotz allen Auf und Abs in der Branche und den wechselnden Aktivitäten von IPP setzt er die Erzählung von "Helden" unbeirrt und offenbar mit Freude fort.

Dorn 4

Schon das zehnte Heft der Reihe, die 1997 im Zuge der damaligen Comicheft-Welle auch den Zeichner zu einem Helden machte, ist mittlerweile zu bekommen. Nach sechs Heften in der Welt von Benwick, wechselte Paul ab dem ersten "Dorn"-Heft auf die Ebene der Rollenspieler "in die Stadt unseres Herzens", die das alles möglich macht.

Julius Corentin Acquefacques 2

Julius Corentin Acquefacques 2

Wenn man einen Comic von Marc-Antoine Mathieu aufschlägt, fühlt man sich wie eine Schachfigur, die in einem wohlüberlegten Spiel zu einem überraschenden Schluss geschoben wird. Für den Hersteller eines solchen Albums bedeutet das zum Beispiel, dass man plötzlich einige Seiten in Farbe drucken muss, um dem Clou der Geschichte gerecht zu werden. Bei Reprodukt erhält man eine Handvoll weiterer verblüffender Erzählungen des französischen Comic-Konstrukteurs. Monsieur Acquefacques, Angestellter des Ministeriums für Humor, muss sich einer Kontrolle seines Lebensraums unterziehen. Er wird ertappt, eine Schrankschublade offen gelassen zu haben. Das bringt ihn erst in den Justizpalast und dann vor die Stadtmauer, womit sein Irrweg durch eine trostlos-phantastische Welt beginnt.


Bauarbeiter Jim 1

Bauarbeiter Jim 1

Schon die alten Griechen ließen ihre Buchstaben "wie der Ochse pflügt" in Inschriften einmal von rechts nach links, einmal von links nach rechts laufen und dabei auch spiegelverkehrt auftauchen. Auch der Comic von Anke Feuchtenberger wird dank besonderer Buchstaben sogleich als solcher wiedererkennbar. Uwe Neitzel nutzt jetzt diese Möglichkeit durchgehend in seinem mit einem Hardcover-Einband versehenen Funny, den man von Form und Inhalt her eher in der Heftchen-Szene suchen würde. Bauarbeiter Jim und sein Hund Hundi verteidigen anfangs einen Puschelgecko vor einem Rentner, der diesen "liquidieren" möchte.

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