Die Chronik der Unsterblichen 1
Wer ein Buchstaben-Buch vor dessen Verfilmung oder dessen Umsetzung in einen Comic bereits gelesen hat, stellt nicht selten mit leichter Enttäuschung fest, dass er sich die Welt, die da ins Bild gesetzt wurde, ganz anders vorgestellt habe, dass ihm wichtige Passagen des Buches fehlen würden, dass die Dialoge unter der nötigen Einkürzung gelitten hätten und dergleichen mehr. Zweifelsohne lässt sich nicht jede Text-Vorlage mit Gewinn in eine Bilderzählung umsetzen. Doch Fantasy-Literatur eignet sich dafür eher als andere, wenn man die Bilder so zum Sprechen bringt, wie es Thomas von Kummant nach der gruselig-grausigen Vorlage von Wolfgang Hohlbeins Mittelalter-Erzählung gelungen ist. Das braucht Zeit und die hat man sich viele Jahre lang genommen. Erstaunlich, dass es noch einen großen Verlag gibt, der diese Geduld aufbringt und sich mit dem Künstler zusammenrauft.
Monsieur Jean 4
Mit dem gefeierten vierten Album hatten Dupuy und Berbérian den Vogel endlich abgeschossen: die beiden Autoren erhielten dafür in Angoulême 1999 den Alph-Art für das beste Album.
Inzwischen gibt es eine ganze Reihe von Comics über solche Abenteuer des Alltags, wie sie die Hauptfigur Monsieur Jean erlebt, der mit der Concierge, seinem Freund Felix, dessen Sohn Eugene und seiner Bereitschaft zu einer andauernden Verbindung mit Cathy kämpft. Wie wohlverpackt und nachspürbar die beiden Autoren die innere Verwirrung der Hauptfigur vortragen, das ist auch nach sechs Jahren noch Grund genug, den Band jetzt in Deutsch zu veröffentlichen und zu lesen. Zudem ist für den Herbst dieses Jahres ein neues und fünftes Album in Sicht.
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Hitman: Die letzte Runde 1
"Nichts für Nur-Happy End-Gucker und Nuttenstöhnen-Ernstnehmer" warnt der Verlag die Leserschaft angesichts dieses Endes von Hitman in einer "letzten Runde schwarzen, kranken Humors". Wer einmal einen besoffenen Superhelden mit Würfelhusten erleben will, greift zu diesem Comic und fühlt sich anschließend in dieser unserer Superhelden-Welt gegen alle übernatürlichen Gefahren eher weniger gut beschützt.
Aber diesen beiden Witzbolden Garth Ennis und John McCrea ist es offenbar wieder egal, wenn sie durch ihren realistischen Blick auf die viel zu unfähigen, regionalen Superheldengruppen beim Leser Verunsicherung und Zukunftsängste hinterlassen. Zum Glück sind die Vigilanten hier in unserem Dorf noch voll von anderem Schrot und Korn.
Turi & Tolk 1
Der klassische Abenteuercomic "Die Rentierräuber" von Dieter Kalenbach erschien vor über dreißig Jahren im (alten) Comic-Magazin ZACK und wurde nun tatsächlich mit Hardcover-Einband und in an alte Comics erinnernder Kolorierung wiederveröffentlicht. Das macht denjenigen, die schon damals begeisterte Comicleser waren, beim Betrachten des Albums in Rückbesinnung auf jene Zeit die leuchtenden Augen feucht.
Interessant ist allemal der Ort der Handlung, weit im Norden von Skandinavien, wo die Samen als Nomaden von den Rentieren leben. 1973 wurden sie in ZACK als Europas "letzte Indianer" vorgestellt. Der Junge Turi besteht mit seinem Adler Tolk in dem kalten Land viele Gefahren. Das Album erscheint nur in einer kleinen Sammlerauflage.
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Wut im Bauch 1
Baru sucht sich die Haupt-figuren seiner Erzählungen im Milieu einfach lebender, benachteiligter Leute. Das war im Comic des Jahres 2000 "Autoroute du soleil" so und gleichfalls in den vier Alben "Die Sputnik-Jahre". Auch im Thema wiederholt sich Baru, wenn etwa "Autoroute du soleil" mit seiner aufgezwungenen Flucht an "Lauf, Kumpel!" erinnert und jetzt das mehrteilige "Wut im Bauch" an "Der Champion". In den beiden letztgenannten Erzählungen kämpfen sich Boxer wie zwangsläufig bis ganz nach oben, sie sehen in ihrer einengenden Situation keinen anderen Ausweg. Der dramatische Absturz folgt. Trotz Wiederaufgreifens früherer Motive wird Baru nie langweilig, eher werden die Geschichten dadurch reifer, packender und erhalten Biss.
Klassenfahrt
An die Klassenfahrten der eigenen Schulzeit erinnert sich sicherlich jeder mit gemischten Gefühlen. Da gab es erfreuliche und peinliche, aufregende und niederdrückende Momente. Das allzu gemeinsame Übernachten mit vielen Klassenkameraden in metallisch quietschenden Jugendherbergsbetten, die nach Deo-Spray riechenden Mädchenzimmer, brummige Herbergsväter, vorsichtige Annäherungsversuche, riesige Aluminiumkannen mit heißem Pfefferminztee, unangenehme Duschräume, fremdartiges Essen und anschließend Spüldienst...
Atak hat für dieses Buch solche Erinnerungen von acht Leuten zusammengetragen und von acht Zeichnern ins Bild setzen lassen.
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