Sechshundertsechsund-siebzig Erscheinungen
Ob Killofer, der Autor dieses bemerkenswerten Comics, nun tatsächlich 676 Mal auf den 46 Seiten autaucht, das wurde bisher noch nicht nachgezählt. Aber wenn sich ein Mensch wie Killofer mit sich selbst und seiner Umwelt und seinem schimmligen Abwaschberg auseinanderzusetzen hat, dann liegt es nicht fern, dass sich Selbst-reflektion in Selbstteilung äußert. Man hat schon gehört, dass Menschen sich in zwei Persönlich-keiten spalten, Killofer zerlegt sich augenscheinlich in ganze Personen-gruppen und lässt dabei die eigene Sau 'raus, flüchtet sich in sexuelle Phantasien, metzelt sich vielfach und grausig selbst nieder und kann dem fürchterlichen Ende doch nicht entgehen: er muss irgendwann den Abwaschberg besiegen, der im fernen Paris auf ihn wartet.
Findrella
Im Unterschied zu seinen früheren Arbeiten wie "Das Bildnis einer jungen Dame" oder "Elbsirene" legt Calle Claus nunmehr in Buchform eine seitenreichere Erzählung, einen Unterwasser-Comic vor. Er kommt dabei wie Ulf K. ("Hieronymus B.") oder Hendrik Dorgathen ("Space Dog") sehr gut ohne Text aus und schafft es, den Leser durch das Bilderlesen gleichzeitig zu fesseln als auch jenes Vergnügen zu bereiten, welches sich häufig beim Entschlüsseln bildsprachlicher Darstellungen einstellt.
Zusammen mit Klassenkameraden der Unterwasser-Schule erlebt Findrella wie es ist, sich mit falschen Federn zu schmücken. Eine Modezeitschrift erweist sich nicht immer als der beste Ratgeber.
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Komm zurück, Mutter
Bei Carlsen erscheint abermals ein Comicbuch, welches sich an anspruchsvollere Leser richtet, die rätseligen Anspielungen, bildsprachlich Eindrücklichem, bewegend Tiefgründigem nachspüren mögen. Paul Hornschemeier stellt das Leben eines Vaters dar, der durch den Tod seiner Frau aus Alltag und Diesseits zu fliehen beginnt. Sein erst siebenjähriger Sohn verschafft sich in den beständig weiter veränderten, unsicheren Lebensumständen diejenigen Erklärungsmuster, die ihm ein Weiterleben im Hier und Jetzt erleichtern.
Man spürt zwischen Bildern und Text den seelischen Druck, den der kleine Thomas auch im späteren Leben auszuhalten hat. Ein Foto am Ende des Buches gibt dem Leser einen weiteren Fingerzeig.
Orang 6
Das auf dem weiten Feld von Experiment und Moderne rege tätige Comic-Magazin "Orang" erscheint nunmehr beim sehr erfahrenen Verlag Reprodukt.
Neben bekannten Autoren wie Anke Feuchtenberger, Arne Bellstorf, Sascha Hommer und Stefano Ricci zeigen immerhin zehn weitere Comicschaffende einige überraschende Erzähl-situationen und Techniken. Hervorzuheben ist, wie Verena Braun einen Feierabend darstellt und wie sich die Gedanken von Matti Hagelberg ausbreiten, bis ihn Polizisten durchlöchern. Sascha Hommers Telefonat zur Bestellung eines kleinen Hundes gehört zu den Glanzlichtern der Anthologie.
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Fables 3
Die graphic novel, also Comic, der sich in seitenstärkerem Umfang an ein älteres Publikum richtet, ist im Kommen. Nun legt auch Panini aus der Vertigo-Reihe, in der dermaleinst das famose "Sandman" erschien, dicke Comic-Bücher in die Läden. "Fables" erscheint seit 2002 in bereits über fünfzig US-Heften und wird von Bill Willingham geschrieben. Das vorliegende Buch umfasst acht dieser Hefte, in denen es um eine Anreihung zeitgemäßer, neuer Fabeln geht, in denen Dornröschen, Snow White, Rose Red, der Froschkönig, der große, böse Wolf und viele andere in Fabletown unterwegs sind.
Grimms Manga
"Keine Ahnung, was du willst, aber... Ich bin eine Hexe! -- Das ist mir doch egal! Auch Hexen müssen Verantwortung übernehmen!" Sehr eigene Variationen der Märchen, die die Brüder Grimm gesammelt haben, liefert Kei Ishiyama in diesem einbändigen Manga, der uns Rotkäppchen, Rapunzel, Hänsel und Gretel, Die zwölf Jäger und Die zwei Brüder in überraschender Weise zeigt.
Noch einiges weiter von den originalen Vorlagen ist der Manhwa "Die Legenden vom Traumhändler" von Jeong-A Lee entfernt, gehört aber in die Sammlung derjenigen, die sich für Märchen im Comic interessieren.
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