Niemalsland
Eine junge Dame namens Door, ein schwarzgesichtiger Marquis, ein frustrierter Engel, zwei erzböse Fieslinge und ein nahezu nichtsnutziger, unschuldiger, braver junger Mann, Richard Mayhew, sind die Zutaten für eine typische Gaiman-Geschichte, in der es einmal mehr um wunderliche Welten geht, die neben unserem Alltag existieren. Richard stolpert durchs Niemalsland und nimmt die Leser mit, die neugierig auf seltsame Geschöpfe und deren eigenartige Stärken und Schwächen sind. Eine etwas dünne Rachegeschichte reicht zur Motivation des dicken Comicbuches nicht, wohl aber die Suche von Richard nach einem Leben, das ihm gefällt. Dazu muss man leider etwas besiegen, welches dem Biest von London gleicht.
The Secrets of Coney Island
Die Halbinsel Coney Island bei New York zeichnete sich durch Vergnü-gungsparks aus, deren Zerfall Reinhard Kleist gleich zu mehreren Arbeiten angeregt hat. In drei kurzen Geschichten zeichnet er den Kampf ums Überleben von Attraktionen nach, die Schwertschlucker, Magier und anderen Artisten vor vielen Jahren noch darstellten.
Am Schicksal von Coop und den anderen zeigt sich, dass man sich dem drohenden Abriss einer Achterbahn oder einer Ära durch einige gezielte Schüsse in den Weg stellen kann. Dass diese Methodik des Wilden Westens im heutigen New York noch ihren Platz hat, mag man ungern hinnehmen, wiewohl es einen kaum überrascht.
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Elvis
Eine Biographie über Elvis (wie viele gibt es davon eigentlich schon?) könnte eine ganz schön langweilige Kiste werden. Doch wenn man Aufstieg und Fall des Sängers in übersichtliche Episoden zerlegt und dann eine ganze Reihe interessanter, stilsicherer ZeichnerInnen hinzubittet, dann wird daraus ein lebendiger Comicband und zum Glück weitaus mehr als nur eine illustrierte Biographie.
Mit zehn Zeichnern haben sich Titus Ackermann ("Moga Mobo") und Reinhard Kleist ("Berlinoir", "Dorian") zusammengetan und dem King of Rock'n'Roll eine Erinnerung verfasst, die den vielen Stationen seines Lebens angenehm unaufgeregt folgt. Nur 42 Jahre hatte Elvis Presley Zeit für sein Leben. Dreißig Jahre danach berühren die ungewöhn-lichen und tragischen Umstände seines Weges noch immer.
Sperrbezirk
Eine Darstellung des eigenen Lebens, über prägende Ereig-nisse, über die ersten festen Beziehungen und über erstes Scheitern, eine solche Spiege-lung von Erfahrungen, das findet seine Leser und seinen Reiz durch die Möglichkeit zum Vergleich mit eigenem Erleben.
Mit dieser Sammlung an kurzen Geschichten befindet sich Tobi Dahmen von der "Herrensahne" in guter Gesellschaft. Seien es Wittek oder Mawil, seien es flix oder auch Arne Bellstorf, sie alle haben sich im deutschen, autobiographischen Comic hervorgetan. Schwierig wird es, wenn man dann die folgenden Erzählungen angeht und sich die interessanteren Themen aus dem Selbsterlebten rar machen.
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Vertraute Fremde
Im Taniguchi-Jahr darf die Erzählung über den Mann nicht fehlen, der in den falschen Zug einsteigt und unversehens und ungewollt in seiner Geburtsstadt Kurayoshi ankommt. Dieser Ort setzt in ihm Erinnerungen frei, die wohl schon immer auf den Moment gewartet haben, in dem sie endlich dazu beitragen können, die offenen Fragen aus der Jugendzeit des Mannes zu beantworten. Die Art und Weise, in der Jiro Taniguchi in die Vergangenheit (und wieder zurück) reisen lässt, bewirkt eine fesselnde Erzählung, an deren Ende die Erfahrung steht, dass für das Hier und Jetzt ein Blick zurück sehr hilfreich sein kann. Diese Grafiknovelle bringt es auf über 400 Seiten Umfang und dennoch hat man an keiner Stelle den Eindruck, sie hätte unnötige Längen. Vielmehr bleiben genügend Fragen offen, um das Buch nicht so schnell zu vergessen.
Der Heckenritter
Auch normale Ritterabenteuer werden jetzt als 'graphic novel' verkauft, wenn sie seitenstark genug sind. Diejenigen, die den Begriff der 'graphic novel' in die Szene einführten, werden dabei an niveauvollere Erzählungen mit einem gewissen Alltagsbezug für erwachsene Leser gedacht haben. Doch nun entscheidet das Format und nicht der Inhalt. Nichtsdestotrotz sind die Abenteuer vom späteren Ser Duncan dem Großen, der sein Handwerk als Heckenritter bei Ser Arlan erlernte, kurzweilig. Ein Heckenritter ist ein Ronin der westlichen (Fantasy-) Welt, der sich seinen Platz mühsam und mutig zu erkämpfen hat.
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