Persepolis 1
In Erinnerung an ihre Kindheit und aus der Sicht eines Kindes schildert Marjane Satrapi den Übergang vom Regime des Schah zur Regentschaft der Ayatollahs im Iran. Während sich der Schah eine Modernisierung und Anpassung des Landes nach westlichem Muster auf die Fahnen geschrieben hatte, führte die islamische Führungsriege beispielsweise das Tragen des Kopftuchs wieder ein. Satrapi weiß mit ihrer schlichten, klaren Bilder-Sprache überzeugend umzugehen, so dass uns ihre Erzählung glaubwürdig vor Augen gerät, ohne Polemik, ohne Beschönigungen, offen, ehrlich und packend. Die Autorin erregte damit nicht nur in Frankreich Aufmerksamkeit, wo ihr Buch beim Verlag l'Association als Softcoverausgabe zuerst erschien, auch zum Beispiel in Italien stellten auflagenstarke Magazine sie und ihr Werk ausführlich vor. Dank der jetzt in Deutsch erschienenen Ausgabe von "Persepolis" in festen Buchdeckeln ist ihr hoffentlich auch bei uns ein Erfolgsweg geöffnet worden.
Palästina
Als Comicjournalist machte Joe Sacco schon mindestens zweimal von sich reden. Zum einen taten das seine Aufzeichnungen aus den Kriegswirren um Bosnien (siehe The Comics Journal Special), zum anderen das, was er aus Palästina an Berichten in Comicform zu uns mitbrachte.
Seine fesselnde Wirkung schöpft das wichtige Buch aus der vermeintlichen Objektivität des beobachtenden Zeichners. Und keiner wird angesichts des hier Erzählten nüchtern-sachlich bleiben und locker zur Tagesordnung übergehen wollen.
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Death - Der Preis des Lebens
Nicht Schlafes Bruder, sondern Traumes Schwester ist der Tod, kein grimmiger Sensenmann, sondern ein sympatisches Gothic-Mädel. Alle hundert Jahre verbringt Death, die wohl beliebteste Nebenfigur in Gaimans Sandman-Serie, einen Tag unter den Lebenden. Der suizidwillige Jugendliche Sexton lernt bei dieser Gelegenheit nicht nur den Preis, sondern auch den Wert des Lebens kennen.
"Der Preis des Lebens", eine von zwei Death-Miniserien, ist eigentlich schon längst ein Klassiker. Jeder, der die alte Ehapa/Feest-Ausgabe nicht mehr ergattert hat, kann sich jetzt auf die Neuerscheinung stürzen. (rö)
Herbstfall
Nicht nur die Blätter fallen, auch mit Aushilfstankwart Kirk geht es abwärts. Von der Freundin verlassen, vergeht er sich an einer fremden Kreditkarte und wird prompt zu Gartenarbeit erpresst. Dabei kommt er einem alten Mordfall auf die Spur.
In gewohnt cleanem Schwarz-Weiß wäscht Jason Lutes die schmutzige Wäsche, die Ed Brubakers Story ans Tageslicht bringt. Abgesehen von gelegentlichen Knalleffekten schlägt "Herbstfall" eher die leisen und die Zwischentöne an, ohne dabei in psychologischen Untiefen zu versinken, eignet sich also gut als spannende und entspannende Café- oder Bettlektüre. (rö)
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On the run
Von der Edition Panel aus Bremen kann man nicht sagen, dass sie die Szene mit Comics geradezu überschwemmt. Eher entsteht der Eindruck, dass man sich dort die Zeit nimmt, die Bücher heranreifen zu lassen und so sorgfältig herzustellen, dass neuen deutschen Autoren der Weg zum Comicleser geebnet wird. Markus Groliks witzige Geschichte über kleine, agile Viecher, die vor dem bösen Staubsauger durch die Welt flüchten, erinnert im Aufbau an "Space Dog" von Hendrik Dorgathen, ebenfalls ohne Worte, ebenfalls mit fester Abfolge quadratischer Panels, hier allerdings in Schwarz und Weiß, was seinen eigenen Reiz hat.
1602
Dass fantastische Helden auch in der (mehr oder weniger historisch korrekten) Vergangenheit eine gute Figur machen, haben die "außergewöhnlichen Gentlemen" schon bewiesen. Neil Gaiman versetzt nun nahezu den gesamten Marvel-Verein ins finstere englische Mittelalter.
Superhelden-Fans werden Spaß daran haben, bekannte Gestalten zwischen Inquisition, Templern und Tavernen zu entdecken - beispielsweise den jungen Peter Parquagh, der mehrmals um Haaresbreite einem Spinnenbiss entgeht. Weniger Freude haben Gaiman-Fans, die "1602" an dessen bisherigen Arbeiten messen. (rö)
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