Briefe aus ferner Zeit
Wenn der große Lorenzo Mattotti seine farbigen Kreiden sprechen lässt, erinnert man sich sogleich an den Anspruch des Comic, Bild und Text in gegenseitiger Ergänzung wirken zu lassen. In den vier kurzen Erzählungen, die dieses Hardcover-Album anreiht, gelingt ein solches Gegenüber und Miteinander von Buchstaben und Bilderschau in anregender Weise. Mehr Sorgfalt beim (Ab-) Schreiben der Texte käme dem Album daher zu Gute. In der letzten Kurzgeschichte reist eine Person, die sich offenbar in einem Dialog mit dem Autoren befindet, durch eine ferne Zeit, in der "alle deine Zeichnungen [...] in einer kleinen roten Schachtel Platz" hätten. Einer derart befremdlichen Zeit sind wir dank iPod und dessen Fortentwicklung bereits recht nahe. Noch vertrauen die Verlage auf die anziehende Wirkung des Papiers, dem Anfass- und gegenständlich Aufhäufbaren. Doch sprechen Sie einmal mit Ihren Ururenkeln, ob die sich darüber nicht kaputtlachen.
Planetes 5
Im Jahr 2078 sieht die resolute Müllkutscherin Fei Carmichael im Sammeln von Weltraumschrott für sich keine Zukunft mehr, nachdem die Amerikaner einen gegnerischen Raumhafen glatt in 25.000 Tonnen Kleinschrott zerlegt haben. Sie kündigt und wird Mama. Doch ihrem Naturell entspricht das selbstredend gar nicht. Ihr Ex-Kollege Hachitaro "Hachimaki" Hoshino ist in Richtung Jupiter unterwegs und soll bei dessen Erstbetretung durch einen Menschen so passende Worte an die Menschheit sprechen, wie es Neil Alden Armstrong 1969 beim ersten Schritt auf dem Mond tat.
Auch wenn das Ende in diesem Band etwas platt gerät, so ist die Serie insgesamt doch als eine hervorzuheben, deren kritische Zwischentöne ihr in Angoulême 2004 zu Recht eine Nominierung für das Beste Szenario einbrachten.
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Horrorschocker 6
Zwar bekommt man am Kiosk noch immer die klassischen "Gespenstergeschichten" von Lübbe aufgewärmt angeboten, aber wer neue, frische und hausgemachte Kost bevorzugt, der findet mit Weissblechs Horrorschockercomics das, was er sucht. Schon das sechste Heft brachte der Verleger Levin Kurio in die Läden; vor einem Jahr lief die Reihe gruseliger Kurzgeschichten vom Stapel. Jetzt plant man für den Herbst 2005 sogar ein 52-seitiges Extra-Album, worin eine Nymphe von einem nach Blut stinkenden Räuber überwältigt werden wird. In dieser Welt greift der Horror also immer weiter um sich.
Im vorliegenden Heft zeichnet Eckart Breitschuh ("Wanda Caramba", "Grimm") in sehr beeindruckender Weise, was Mutterliebe aus einem Sohn machen kann. Großartig, wie er Gesichter, Körperhaltungen, Räume und Aufteilung der Seiten sprechen lässt, sie reich an Bewegungen macht, durch eine gekonnte Kameraführung die nötige Unruhe schafft und sie mit der richtigen Prise unterschwel-ligen Humors versieht, um den Grusel zu betonen.
Halo and Sprocket 1
Nach einem Sportunfall kam Kerry Callen einige Wochen in eine Klinik und dachte dort über einen Comic mit einem Engel nach. Später nahm er einen Roboter und die Menschenfrau Katie hinzu. Auf die Frage, warum diese drei zusammen-leben, antwortet Katie leicht angesäuert mit "Wir tun's einfach. Okay?" Callen lässt durch das Trio den Menschen (Katie) auf die Logik (Roboter) und die ungesehenen Dingen (Engel) treffen. Das verschafft uns einen überaus reizvollen und humorigen Comic.
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Zwischenfall
Schweiz und Atombombe? Dass es da tatsächlich einen historischen Zusammenhang gibt, empfindet man aus heutiger Sicht befremdlich. Doch 1958 sprach man laut Vorwort des spannenden Buches in der Tradition von 1291 (Rütlischwur) davon, dass man gegebenenfalls "fremde Vögte" atomar aus dem Feld schlagen wolle. Melk Thalmann gelingt es, diese angesichts der Vorgänge im Iran aktuelle Thematik gut eingekleidet in eine kurzweilige Handlung an den Leser zu bringen. Nachts findet man auf einer Straße im Waadtland die Leiche einer jungen Frau. Commis-saire Godard nimmt seine Arbeit auf und entdeckt dabei mehr, als es die Politik erlaubt. Doch Godard bleibt hartnäckig.
Cherry Blossom Girl
Jule K. hat in diesem Jahr an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Hamburg ihren Abschluss als Diplomdesignerin mit dem Schwerpunkt Illustration gemacht. Wer daher jetzt einen gediegen gezeichneten Comic mit ausgetüftelter Erzählstruktur erwartet, der hat sich geschnitten. Auf dem Backcover und auf der Website von Jule K. wird von einem "frechen Federstrich" und "einer guten Portion Kitsch und Ironie" geredet. Mit dieser Beschreibung wird man sowohl der kindlich gehaltenen Zeichenweise als auch der recht einfachen Erzählung gerecht, womit das eine zum anderen passt.
Als Kirschenblütenmädchen rettet Nele Mädchenherzen bis ihr das eines Tages auf den Keks geht. Ihre Liebe zu Tobi wird ihr wichtiger als die Rettung der Menschheit.
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