Birthday Riots
Nach seiner in Erlangen 2002 Max-und-Moritz-Preis-gekrönten Erzählung "Lost Girl" liegt von Nabiel Kannan jetzt auch "The Birthday Riots" in Deutsch vor. Die Hauptfigur, Max Collins, erlebt darin seine Zerrissenheit zwischen Erinnerungen, den Ansichten seiner Tochter, früher verfochtenen Grundüberzeugungen und jetzt belastenden beruflichen Zwängen als Wahlkampfhelfer bei der Londoner Bürgermeisterwahl. Nabiel Kannan setzt bei dem in Schwarzweiß gearbeiteten und bei uns im Book-on-demand-Verfahren hergestellten Comic auf den Einsatz von Rasterfolie wie im japanischen Comic. Das gibt der grafischen Wirkung das passende Flair, welches nur unter dem zu kleinen Maschinenlettering leidet.
Die Kolkas 2
Holger Hofmann brachte zum Comic-Salon Erlangen 2000 mit den "Kolkas" einen Siegertitel ins Gespräch, dem der ICOM einen seiner Hauptpreise verlieh.
Nach drei Jahren geht es nun in wiederum seitenstarker und witziger Weise mit dem Kampf von Tahrzahn, Ti Eitsch und Windfried gegen den König der Grauwacke, Satanus, weiter. Zeichnerisch hält sich Hofmann weiterhin an sein Rezept von 2000, arbeitet bevorzugt und sauber mit Konturlinien verschiedener Stärke, was seinen eigenen Reiz hat, doch vermisst man in der grafischen Wirkung gelegentlich räumliche Tiefe und perspektivische Finesse. Der Band endet mit einem wahren Cliffhanger, auf die Fortsetzung wird man in einigerlei Hinsicht gespannt sein.
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Strapazin Globi
In der Jugendzeitschrift der Globus-Geschäfte erlebte Globi, verrückter Vogel und ganz schweizerische Comicfigur, ab 1932 seine Abenteuer, von Robert Lips gezeichnet. Jetzt setzten sich nicht weniger als drei Dutzend bekannter Zeichner unserer Zeit mit dem Phänomen Globi auseinander und es kam ein feines Strapazinbuch heraus, welches - wie bei Anthologien häufig - teils schön, teils schräg, aber kurzweilig daherkommt.
Im Vorwort von Hans Keller wird als kennzeichnende Eigenschaft der Strapazin-ZeichnerInnen hervorgehoben, herkömmliche Comic-Kultur zu "torpedieren", und für sie geradezu als Pflicht empfunden, konventionelle Comic-Ästhetik zu "zersäbeln". Da Kunst von Kontra kommt, geht das in Ordnung und erklärt auch das gelegentlich holperige Versmaß schlichter Dichtkunst.
Kissing Chaos 1
"Küsse sie so, als ob in diesem Moment nichts anderes auf der Welt existieren würde." Was sich im ersten Moment nach einem langweiligen Liebesroman anhört, entwickelt sich zu einem rasanten Krimicomic, der durch eine seltsame Liebesbeziehung richtig an Fahrt gewinnt. Angela empfindet tiefe Liebe zu Damien, der mit blutverschmiertem T-Shirt und Schrotflinte mit ihr in einem Auto das Weite sucht.
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Berlin - Steinerne Stadt
Als Schauplatz für seine lesenswerte Comicerzählung wählt Jason Lutes ("Narren") das Berlin in der Zeit zwischen den Weltkriegen. Durch die Erlebnisse der Studentin Marthe Müller wird eine Epoche lebendig, die zu vergessen, man sich nicht erlauben darf.
Panik Elektro 1
Wie sich Wittek ins Zeug legt, um KollegInnen eine beachtliche Veröffentlichung in Buchform zu ermöglichen, ist aller Ehren wert, selbst wenn dem Herausgeber und Verlag die Verwunderung derer entgegen weht, die eine fanzineartige Anthologie mit viel autobiographischem Comic hier und in dieser Form nicht erwartet haben.
Dabei ist genau dieses der Szenetrend, wenn man nur an die Erfolge von Mawil und flix denkt. Die zeichnerische Gediegenheit ordnet sich von Fall zu Fall gewollt und vom Szeneleser allemal toleriert dem Erzählerischen unter, was einem Normalcomic lesenden Augenmenschen zwar leider den Zugang erschwert, doch seine Logik hat, will man dem Mainstream-Aussehen der üblichen Comicliteratur sein eigenes Comicleben kräftig entgegen setzen.
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