Startseite

Rezensor

Druckfrisch

Rezensionen

Tops'n'Flops

RRAAH! online

Rezensionen
[a] [b] [c] [d] [e] [f] [g] [h] [i] [j] [k] [l] [m]
[n] [o] [p] [q] [r] [s] [t] [u] [v] [w] [x] [y] [z]

+++ Caroline Baldwin +++
André Taymans: CAROLINE BALDWIN 3: Der Tote im Pool. 48 Seiten, Farbe, DM 19,90
Aus dem Französischen von Eckart Sackmann ("Caroline Baldwin: Rouge Piscine", Casterman 1998). Lettering: Computer. comicplus+, September 2001

Ein aufgewiegelter Mob stürmt eine Tankstelle und verbrennt die dort ausliegenden Sexmagazine. Was diese nur drei Seiten lange Eingangssequenz mit der nun folgenden Geschichte verbindet, wird man erst viel später erfahren. Eins aber ist klar: Geradlinig wird es in diesem Comic nicht zugehen.

Mit seiner agilen Detektivin Caroline Baldwin hat der Belgier André Taymans einen neuen Typus von Heldin geschaffen. Die Baldwin entspricht keinem der Klischees, die man von den handelsüblichen Gangsterjägern her kennt. Von zierlicher Gestalt und ausgestattet mit einem ungeklärten Privatleben, wirkt sie erfrischend normal. Der menschliche Aspekt spielt eine große Rolle in diesem Comic, dem es dennoch an Action nicht mangelt. Baldwin arbeitet eng mit der New Yorker Polizei zusammen. Die hat am Strand von Coney Island die Leiche einer jungen Frau gefunden. War es Mord, war es ein Unfall? Ein Unbekannter spricht die Detektivin auf der Straße an. Er behauptet, er kenne die Tote. Wenig später liegt der Mann in Baldwins Swimming Pool, ertränkt und skalpiert. Die Hintergründe der Mordtaten entschlüsseln sich nur langsam, und als Inspektor Philips den Fall schon als geklärt zu den Akten legen will, spitzt sich die Lage erst richtig zu.

Taymans versteht es, den Leser spannungsmäßig bei der Stange zu halten. Schade nur, daß comicplus+ sich mit dem Ende der Geschichte Zeit läßt. Erst im Folgeband nämlich (er ist für Februar 2002 angekündigt) schafft es die schöne Caro, die Zusammenhänge aufzudecken. Im Original liegen von "Caroline Baldwin" bereits sieben Alben vor. Es sei verraten, daß die Heldin im Verlauf der Serie eine persönliche Entwicklung durchmacht. Dies ist eben keine "Hit and run"-Klamotte, in der sich ein Fall an den nächsten reiht, sondern ein psychologisch fein durchdachtes Genrestück. Ach ja, und noch etwas: André Taymans kann nicht nur gute Geschichten ersinnen, er kann auch wunderbar zeichnen.

Klaus Grevesheim


+++ Congo +++
Thorsten Kiecker/Andreas Pasda/Andreas Schulze/Hubertus Rufledt: CONGO (Die Abrafaxe in Afrika). 56 Seiten, Farbe, HC, DM 24,80
Lettering: Computer. Mosaik Steinchen für Steinchen, 2000.

Mit ihren reichen Diamanten- und Erdölvorkommen sind die beiden am Kongo gelegenen Staaten République Démocratique du Congo (vormals Zaire, vormals Belgisch Kongo) und République du Congo (vormals Französisch-Kongo) noch heute Schauplatz anhaltender kriegerischer Auseinandersetzungen. Hubertus Rufledt greift dieses Thema in der vorliegenden Abenteuererzählung mit den Abrafaxen nur andeutungsweise auf. Zwar geht es um Diamanten, um Waffenhändler und man erwähnt, daß gerade diese die Gewinner eines Krieges seien, doch hat man bei der vorliegenden, im Jahr 1924 angesiedelten "Congo"-Erzählung nicht zu erwarten, daß sie bedächtig auf die aktuelle Lage dieser Länder abhebt.

Wie schon Hergé, der Tintin um 1930 in diesen Teil Afrikas schickte ("Tim im Kongo"), so spult Rufledt einen mit lustigen Einlagen versehenen linearen Handlungsfaden ab. Hergé (und auch André Franquin 1955 in "Aktion Nashorn") erzählten im Geist und aus den Vorstellungen ihrer Zeit. So prägten sie bei ihren Lesern ungewollt ein Bild des primitiven afrikanischen Eingeborenen. Hubertus Rufledt gibt seiner afrikanischen Hauptfigur deutlich mehr an Intellekt und Witz, bei der Rollenverteilung zwischen weißem Abenteurer und schwarzem Helferlein bleibt es jedoch. Auch einem unterhalten wollenden Abenteuerfunny stünde in heutiger Zeit eine komplexere Handlung und Beschreibung der Figuren gut.

Zeichnerisch haben Thorsten Kiecker (er hat nur an den ersten 16 Seiten mitgewirkt), Andreas Pasda und Andreas Schulze bravourös gearbeitet. Lebendigkeit der Zeichung, treffende Wiedergabe der Charaktere, Perspektivwechsel, Seitengestaltung und der Umgang mit Panels und ihren Grenzen können sich auch im internationalen Vergleich sehen lassen. Auffällig sind Panels, in denen ein zeitliches Nacheinander durch ein räumliches Hintereinander wiedergegeben wird. Das nüchterne maschinelle Lettering paßt zu dieser künstlerischen Lebendigkeit leider nicht.

Andreas Dierks

Seitenanfang

Copyright © 2001 Verlag Sackmann und Hörndl

Rezensor