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+++ Diabolik +++
Angela und Luciana Guissani: DIABOLIK 1: Noch 60 Sekunden zu leben, Eva Kant! 96 Seiten, TB, zweifarbig, DM 5,95
Aus dem Italienischen von Monja Reichert ("Il grande Diabolik: Eva moriraı tra sessanta secondi", Astorina, 1999). Lettering: Computer. Ehapa, 2001

Seit fast vierzig Jahren treibt Diabolik in Italien sein Unwesen. Mit Hilfe der schönen Eva Kant mordet und klaut er, was die Schauplätze hergeben. Diabolik ist der Urahn der fumetti neri und einer der wenigen Antihelden, die auf der Seite der Bösen stehen. Wie Patricia Highsmiths Tom Ripley ist Diabolik nicht nur geschickt und clever, sondern auch charmant und stilvoll. So etwas wissen vor allem Frauen zu schätzen, denen Diabolik seinerseits nicht abgeneigt ist. Schließlich sind Italienerinnen auch im Comic meistens schön anzusehen. Dennoch ist Diabolik seiner Partnerin mehr oder weniger treu, und das seit 1962! Auch das gibt's.

In seinem ersten Abenteuer jenseits der Alpen (Szenario von S. Ferrario und P. Martinelli) plant Diabolik den großen Juwelenraub. Leider sind die erbeuteten Klunker Fälschungen. Die echten, so verkündet Diaboliks Gegenspieler Jimmy Doors, sollen an einem geheimen Ort ausgestellt werden. Sprachıs und tatıs und fordert damit Diaboliks Ehrgeiz erst recht heraus. Doors verkörpert den eigentlichen Schurken des Thrillers. Offiziell auf der guten Seite stehend, ist er ein eiskalter Spieler, der die Menschen, vor allem seine beiden Geliebten, nach Strich und Faden benutzt. Anders als Eva bei Diabolik, wissen diese nicht, welche Absichten Jimmy hinter der Fassade des smarten Geschäftmannes verbirgt. Der Kontrast zwischen ihm und Diabolik zeigt ohne großes Moralisieren, daß, wer auf der Seite des Gesetzes steht, noch lange nicht das Gute repräsentieren muß.

Verschiedene Spezialeffekte, die den Leser immer wieder hinters Licht führen, lockern die spannend erzählte Geschichte auf. Die Zeichnungen von Sergio und Paolo Zaniboni sind in einem klaren und perspektivisch abwechslungsreichen Schwarzweiß gehalten (im ersten Band mit grüner Schmuckfarbe) und passen gut zu der verruchten Atmosphäre. Erfunden wurde Diabolik von den Schwestern Angela und Luciana Guissani - angeblich, weil sich die eine in ihrer Ehe mit einem Verleger langweilte. Da möchte man glatt auf ein paar mehr unausgelastete Verlegersgattinnen hoffen.

Petra Lakner


+++ Doktor Dodo +++
Ole Könnecke: DOKTOR DODO SCHREIBT EIN BUCH. 32 Seiten, Farbe, HC, DM 24,90 (¤ 14,00)
Originalausgabe. Carlsen Verlag, Oktobber 2001

Ein Kinderbuch-Autor mit einem Faible für Comics - das riecht nach neuen Ideen. Das verspricht einen erprobten Zeichner (schon drei Titel bei Carlsen) mit einer Neigung zum Fabulieren. Fabuliert wird denn auch kräftig in Ole Könneckes Comic-Erstling. Das ist insbesondere für diejenigen witzig, die keine allzu engen Vorstellungen davon haben, was ein Comic ist und kann.

Zu Zeiten des Underground, der Selfmade-Epoche, galt es als schick, daß ein Comiczeichner seine Schwierigkeiten mit dem berühmten weißen Blatt Papier thematisierte. Zumeist war das Ergebnis bodenlos langweilig: ein Eingeständnis von literarischem Unvermögen. Auch Könnecke erzählt von einem, der sich die kleinen grauen Zellen auswringt, um ein Buch zu schreiben. Aber es ist nicht Könneckes Buch, sondern das von Doktor Dodo, einem Schnabeltier im roten Hausmantel, das den Umgang mit Literatur durchaus gewohnt ist. Doktor Dodo schreibt, weil er sich langweilt, er schreibt ohne Konzept, einfach so ins Blaue hinein. Dabei weiß er sehr wohl, worauf es beim Schreiben ankommt, auch wenn die Lösungen, mit denen er sich selbst immer wieder aus dem Kreativsumpf zieht, nicht die besten sind.

Könnecke wandelt Doktor Dodos Klischees in manch wunderbare Pointe. Der verzweifelte Kampf der Intelligenz gegen die Heimtücke des Trivialen ist trotz einer gewissen zeichnerischen Gleichförmigkeit sehr amüsant. Den comicgewohnten Leser irritiert allerdings der mitunter hohe Textanteil dieses Geniestreichs. Könnecke erzählt nicht nur von Doktor Dodos Bemühen, er erzählt auch ausführlich, was Doktor Dodo erzählt: "Wieder holte der Schurke aus, und wieder gelang es unserem Helden, dem tödlichen Stahl auszuweichen. Aber wie lange noch? Dod Osbourne beschloss, seine Zurückhaltung aufzugeben." Das steht da und will gelesen werden.

Von Aufmachung und Preis (!) her ist "Doktor Dodo schreibt ein Buch" ein Zwitter zwischen des Welten von Comic und Kinderbuch. Nein, trotz aller zeichnerischen Niedlichkeit ist dieses lustige Buch nicht für die Jüngsten gedacht. Ole Könnecke ist ein deutscher Lewis Trondheim, einer, der mit einfachen Mitteln viel sagt, das wenig Anspruch erhebt - und das in seiner Reduzierung dennoch hohe Ansprüche befriedigt. Ein wunderbares Buch.

Eckart Sackmann


+++ Dragon Head +++
Minetaro Mochizuki: DRAGON HEAD. Je 224 Seiten, s/w, TB, DM 14,95 (¤ 7,70)
Aus dem Japanischen von Holger Hermann Haupt ("Dragon Head", Kodansha, 1994). Lettering: Computer. Planet Manga, 2001

Eine ganz normale Klassenfahrt endet für den jungen Teru Aoki mit einer Katastrophe. Auf der Rückfahrt nach Tokio kommt es zu einem Unglück. Der Zug, der Teru und die anderen Schüler nach Hause bringen sollte, wird bei der Durchfahrt durch einen Tunnel von einem Erdbeben überrascht und unter einer Steinlawine begraben. Nachdem sich der verletzte Teru aus den Trümmern befreit hat, macht er sich auf die Suche nach weiteren Überlebenden. Nach einiger Zeit stößt er auf die bewußtlose Ako und den völlig verzweifelten Nobuo. Gemeinsam versuchen die drei Eingeschlossenen, in dieser unwirklichen Welt, umgeben von den Leichen ihrer Freunde und Schulkameraden, zu überleben. Seltsame Visionen und zahllose Begegnungen mit vermeintlich Toten bestärken sie in dem Verdacht, daSS dies kein gewöhnliches Erdbeben war und daß außerhalb des Tunnels irgend etwas Schreckliches geschehen sein muß.

Minetaro Mochizuki gelingt es, den Leser mit seiner 1994 erstmals im japanischen Young Magazine erschienenen, zehnbändigen Serie von der ersten bis zur letzten Seite in den Bann zu schlagen. In detaillierten und realistischen Bildern zeichnet Mochizuki das grausame Geschehen nach. Trotz des schonungslosen Realismus wirken seine Zeichnungen niemals übertrieben sensationslüstern. Mochizuki opfert die Glaubwürdigkeit seiner Figuren nicht oberflächlicher Effekthascherei. Er verzichtetet zugunsten einer möglichst großen Authentizität auf jede Idealisierung der Charaktere. Leider wirken die Figuren dennoch - oder vielleicht gerade deshalb - manchmal stark überzeichnet.

Teru gelingt es nach und nach, Licht in das Dunkel der Ereignisse zu bringen. Doch jede Antwort wirft neue Fragen auf, weckt neue Zweifel und schürt noch größere Ängste. Teru und seine Gefährten werden den Kampf ums Überleben nur gewinnen, wenn es ihnen gelingt, ihre eigenen Ängste zu meistern. "Dragon Head" ist kein Manga für zarte Gemüter. Die ersten Seiten wecken ein Gefühl der Abscheu und des Ekels. Aber ehe man sich angewidert abwenden kann, nimmt einen die klaustrophobische Atmosphäre gefangen. Von einer seltsamen Neugier getrieben, verfolgt man die eigenartige Reise der Protagonisten und versucht, die unglaublichen Geschehnisse zu begreifen.

Frank B. Neubauer


+++ Dylan Dog +++
Diverse Zeichner/Tiziano Sclavi: DYLAN DOG. Je 96 Seiten, s/w, DM 6,-.
Aus dem Italienischen von Monja Reichert ("Dylan Dog", SAF/Bonelli). Lettering: Computer. Carlsen Comics, monatlich ab April 2001.

Mit der Veröffentlichung der italienischen Bonelli-Serie "Dylan Dog" unternimmt Carlsen einen Test, der sich bei Erfolg als Türöffner für ähnliches Material erweisen könnte. Das von dem Autor Tiziano Sclavi ins Leben gerufene "Dylan Dog" verkauft sich in Italien am Kiosk rund eine halbe Million mal, und das Monat für Monat, seit rund 15 Jahren. Mit einem Stamm von sich einander abwechselnden Zeichnern schildert Sclavi die skurrilen und meist mit Horror-Elementen verbundenen Fälle eines Privatdetektivs mit dem Spezialgebiet Unerklärliches und Übernatürliches. Neben der Titelfigur des Dylan Dog, der äußerlich dem Schauspieler Rupert Everett nachempfunden ist, bevölkern einige Standardfiguren die Serie, etwa Dylans Freund und Partner Groucho, der ständig überkandidelte Witze reißt, oder Inspektor Bloch von Scotland Yard.

Hat man sich erst einmal in das Ambiente eingelesen, kommt man wie bei einer guten Soap Opera nicht mehr davon los. Mit "Dylan Dog" und anderen ähnlich vermarkteten Serien hat der italienische Verlag Bonelli ein Zwischending zwischen Gebrauchs- und Autorencomic geschaffen. Die zeichnerische Qualität ist überdurchschnittlich, und es gilt als Ehre, einen Band der bekannten Bonelli-Comics ("Tex") zeichnen zu dürfen. Insbesondere das intellektuell geprägte "Dylan Dog" hat in Italien eine große Fangemeinden.

Carlsen beginnt nicht mit der Nummer eins der Originalausgabe, sondern mit der von Ugolino Cossu gezeichneten Nummer 56. Es folgen die Nummern (mit Zeichner) 61 (Bruno Brindisi), 74 (Carlo Ambrosini), 84 (Bruno Brindisi) und 88 (Marco Soldi). Die Reihenfolge spielt nur in wenigen aufeinander bezogenen Geschichten eine Rolle. Offenbar will Carlsen rasch zu der Originalausgabe aufschließen, die - nicht gerechnet diverse Sonderpublikationen - inzwischen mehr als 150 Folgen umfaßt. Fans der Serie sei geraten, sich die fehlenden Paperbacks beim nächsten Italienurlaub zu besorgen.

Eckart Sackmann

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Copyright © 2001 Verlag Sackmann und Hörndl

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