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+++ Fog +++
Cyril Bonin/Roger Seiter: FOG. Je 64 Seiten, Farbe, DM 23,50
Aus dem Französischen von Eckart Sackmann ("Fog", Casterman 2000). Lettering: Computer. comicplus+, September und November 2001

Die monochromen Farben unterstreichen die düstere Atmosphäre. Der Zweiteiler "Fog" (engl. für Nebel) spielt im London des späten 19. Jahrhunderts, im naßkalten Herbst und nicht selten zu nächtlicher Stunde. Die Stadt wird von einem oder mehreren Mördern heimgesucht. Als Wikinger verkleidet töten sie ihre Opfer mit der Streitaxt oder mit Pfeil und Bogen - erst mehrere Juweliere und schließlich eine Reihe von offenbar willkürlich ausgewählten Personen, zumeist aus besseren Kreisen. Ein Journalist der Times stellt die Verbindung zu der jüngst erfolgten Öffnung eines Wikingergrabes auf den Shetland-Inseln her. Die aus ihrer Ruhe gerissenen Brüder Viga-Sön und Haakon haben vor rund 1000 Jahren geschworen, dereinst wiederzukehren und blutige Rache für den an ihnen verübten Verrat zu nehmen. Während der Überführung nach London verschwinden die beiden Leichen. Kein Wunder, daß bald Legenden kursieren, bei den Mördern handele es sich tatsächlich um die wiederauferstandenen Wikinger.

Roger Seiter führt den Leser weitgehend über die polizeilichen Ermittlungen an die Lösung des Falles heran. Die Inspektoren Molton und Harwood von Scotland Yard stehen vor keiner leichten Aufgabe. Nur langsam erschließen sich die Zusammenhänge. Welches Motiv hat der Mörder? Nach welchen Kriterien wählt er seine Opfer aus? Gibt es überhaupt eine Verbindung zwischen den schrecklichen Bluttaten?

Selten hat es im Comic eine solch feinsinnig eingefädelte Krimi-Handlung gegeben wie in "Fog". "Fog" ist aber auch ein betont sinnliches Erlebnis. Der Elsässer Cyril Bonin hat auf jede plakative Darstellung verzichtet. In seinen farblich zurückgenommenen Bildern fängt er zuallererst Stimmungen ein, sei es durch die erstaunlich variable Mimik der Figuren, sei es durch die ausgefallene Wiedergabe des Ambientes. Die Zeichnungen stehen absolut gleichberechtigt neben der Erzählung. Und beides ist von erstaunlicher Qualität.

Klaus Grevesheim


+++ From Hell +++
Eddie Campbell/Alan Moore: FROM HELL 1. 208 Seiten, s/w, DM 29,80
Aus dem Englischen von Gerlinde Althoff ("From Hell", Mad Love). Lettering: Computer. Edition Speed, Verlag Thomas Tilsner, Mai 2000.

"From Hell" ist ein dicker Wälzer. Über 500 schwarzweiße Comic-Seiten mit einem heftigen Prosa-Kommentarteil sind nicht die im Comic übliche kalorienarme Lese-Diät, und das mag manchen Interessenten auf den ersten Blick abschrecken. Auch die Zeichnungen erscheinen zunächst eher spröde und rauh und verlangen vom Leser, sich auf neue Sehgewohnheiten einzulassen. Aber das Wagnis lohnt sich.

In "From Hell" rekonstruieren Autor Alan Moore und Zeichner Eddie Campbell ein berühmtes Verbrechen, die Whitechapel-Morde von 1888, deren nie gefasster Täter den Spitznamen "Jack the Ripper" erhielt. Moore greift die These auf, bei dem Mörder habe es sich um den Leibarzt Königin Victorias, William Whitey Gull, gehandelt. Er spinnt aus diesem Fundament und den historischen Fakten des Verbrechens einen komplexen, dunklen und spannenden Thriller um Verschwörung und Prostitution, die Not der Elendsviertel und die Arroganz der Macht, um Freimaurerei und Okkultismus.

Diese Geschichte weiß zu fesseln und dient gleichzeitig als Podium für eine detailbesessene historische Dokumentation und ein Sittengemälde des späten viktorianischen Zeitalters, das im ausführlichen Prosa-Anhang minutiös seine Fakten von seiner Fiktion trennt.

Erstmals kommen in dieser Adaption des Ripper-Stoffes auch die Opfer zu ihren Recht, deren Rolle sich hier einmal nicht darauf beschränkt, nur zu schreien und getötet zu werden. Moore hat die Biographien der Prostituierten recherchiert und präsentiert sie als dreidimensionale Handlungsträger, die in Campbells Zeichnungen erstaunlich lebendig werden. Der zwischen 1988 und 1998 entstandene Comic gehört zu den gewagteren Experimenten Alan Moores, aber wer sich auf dieses Werk einlässt, den erwartet eine spannende und faszinierende historische Lektüre, die ihn möglicherweise dazu inspiriert, den Fall und die Epoche auf eigene Faust weiter zu recherchieren.

Die deutsche Ausgabe von "From Hell" (das mit Johnny Depp in der Hauptrolle verfilmt wird) folgt übrigens nicht der ursprünglichen Heftreihe, sondern der vom Zeichner für das Trade Paperback überarbeiteten Fassung.

Josef Rother

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Copyright © 2001 Verlag Sackmann und Hörndl

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