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+++ Little Lit +++
Art Spiegelman und Françoise Mouly (Hg.): LITTLE LIT. 64 Seiten, HC, Farbe, DM 44,00 (¤ 22,00)
Aus dem Amerikanischen von Heinrich Anders ("LittleLit", Harper Collins, 2000). Lettering: Dirk Rehm. Carlsen Verlag, 2001

Ihren Kindern Nadja und Dash widmeten Art Spiegelman ("Maus") und seine Frau Françoise Mouly das Buch "Little Lit". In dem großformatigen Hardcoverband, für Kinderhände robust gestaltet, versammeln sie in Comicform Märchen, Sagen und Spiele von gut einem Dutzend Autoren. "Little Lit" enthält also keine längere oder gar autobiographische Erzählung, wie man es von Spiegelman kennt, sondern empfiehlt sich als ein in kleine überschaubare Portionen gegliedertes und teilweise besinnliches Kindercomicbuch.

Françoise Mouly ist bei der Zeitschrift New Yorker für die Auswahl der Illustratoren zuständig. Da nimmt es nicht wunder, daß einerseits ihr eigener Mann dort zuweilen das Titelbild gestaltet und daß andererseits der Blick für geeignete Beiträge zu "Little Lit" geschult und die Erwartung an die Comiczeichner entsprechend anspruchsvoll war. Mit David Mazzucchelli, Lorenzo Mattotti, Charles Burns, Walt Kelly, Chris Ware, Joost Swarte, Daniel Clowes und anderen Zeichnern kamen dann auch Autoren ins Boot, deren Namen klangvoll sind und deren Arbeiten Ungewöhnliches versprechen. Viele Köche können den Brei verderben. Tatsächlich streuen auch in "Little Lit" die Beiträge hinsichtlich ihres Tiefgangs und ihrer zeichnerischen Gestaltung. Das ist letztlich Eigenschaft jeder Anthologie. Doch muß das nicht zwingend negativ empfunden werden, wenn sich alles abwechslungsreich zu einem Ganzen verbindet und sich nicht wie ein zufallsbestimmtes Kompilat ausnimmt. Beim Lesen von "Little Lit" stößt man auf immer neue Ecken des Erzählspielplatzes.

Zumindest drei bis vier der Geschichten ragen hervor. Zum Beispiel die Erzählung vom Lebkuchenmann, die Walt Kelly 1943 für die Fairy Tale Parade schuf und die mit Hochmut und Überheblichkeit abrechnet. Daniel Clowes hat sich in "Ghost World" als Plauderer des Alltags gegeben. In "Little Lit" setzt er das Märchen von Dornröschen in seiner eigenen Weise fort, wobei er typische Bestandteile eines Märchens überzeichnet. Die Königin ist Menschenfresserin und macht auch vor der eigenen Verwandtschaft nicht halt. Am Ende lauert die selbstgemachte Schlangengrube, das Böse stellt sich selbst ein Bein. Eine insgesamt kurzweilige Lektüre (nicht nur für Kinder).

Andreas Dierks


+++ Lust und Frust +++
Horacio Altuna: LUST UND FRUST. Je 48 Seiten, Farbe, HC, DM 29,20
Aus dem Englischen von Uwe Löhmann (Norma Editorial 2000). Lettering: Computer. Edition Bikini, April 2001

Die Edition Bikini ist ein für seine Erotik-Comics bekannter Verlag, und gemeinhin lohnt es sich nicht, dieses Genre auf literarische Qualitäten hin zu untersuchen. Doch Horacio Altuna, Argentinier mit Wohnsitz in Spanien, hat eine so interessante Vergangenheit als Autor und Zeichner, daß man einfach neugierig sein muß.

In Deutschland kennt man Altunas für den französischen Markt geschaffene Comics: "Chancen" bei Splitter, "Münzautomaten" bei Alpha Comic. Die für den argentinischen und später internationalen Markt gezeichneten Kurzgeschichten ("El loco Chavez", "Las puertitas del Sr. Lopez", "Ficcionario") liegen bei uns nicht vor. Sie entstanden teilweise in Zusammenarbeit mit Carlos Trillo und sind geprägt von skurrilem Humor. Altuna, der nach seinen schwarzweißen Anfängen gern auf die Möglichkeiten der Farbe zurückgriff, arbeitet realistisch, immer aber auch mit Hang zur Pose und Verzerrung.

Wie man es von einem Erotik-Comic erwartet, bedienen sich die im Auftrag des Playboy entstandenen, meist vierseitigen Geschichten von "Lust & Frust" der bekannten Klischees. Die Frauen sind durchweg perfekt, vollbusig und langbeinig - schön gezeichnet zwar, aber doch irgendwie austauschbar. Was die kleinen Episoden über die reine Anmache hinaus ganz amüsant erscheinen läßt, ist der der immer wieder in sie einfließende, schon aus dem Frühwerk des Argentiniers bekannte Humor. Altunas Frauen sind nicht nur Lustobjekte, sondern lustbetont agierende Figuren, seine Männer sind nicht nur geile Böcke, sondern oft Opfer ihrer eigenen Verklemmtheit, durch die sie sich den Verlockungen des Fleisches ausliefern. Der Zeichner hat zweifellos Talent für diese Art von Comic, und er wird ganz ordentlich damit verdient haben. Dennoch wünscht man sich, daß dieses Talent endlich Größeres zu Papier bringt. Die unterschwellig gesellschaftskritischen französischen Alben waren ein Schritt in die richtige Richtung.

Eckart Sackmann

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