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RRAAH! online aus RRAAH! #53 (November 2000)


Themen: [Comics im Web] [Hör-3DComic] [Online-Ableger: Hit Comics, ZACK und Graphic Attack] [Speedlines beste Hundert] /  [zurück]

Comics im Web

Scott McCloud wirbt für seine Sicht auf die Entwicklungsmöglichkeiten des Comic nicht nur in seinem neuen Buch "Reinventing Comics" oder auf Veranstaltungen wie der San Diego Comic Convention 2000 sondern wie selbstverständlich und mit dem gleichen Engagement auch in dem Medium, dessen Eigenheit Anlass vieler seiner jüngeren Überlegungen war, dem World Wide Web. Auf seiner Website scottmccloud.com hat er eine Reihe seiner Anregungen in die Tat umgesetzt, die unter anderem auf die Nutzung der Möglichkeit abzielen, die eine (fast) unbegrenzt große Zeichenfläche bietet, wie sie das Browserfenster darstellt. Zu seinen Beispielen gehört eine gut 560 KByte große Webseite mit einer Webcomic-Adaption eines Gedichts aus dem Jahre 1837 von Robert Browning. McCloud geht davon aus, dass wir zukünftig so schnelle Internetverbindungen haben werden, dass diese Art digitaler Comicübertragung kein Problem mehr darstellt. Doch nicht alles, was über die Drähte oder per Funk als Comic bei uns eintrifft, sei auch einer, grenzt McCloud ab. So hält er Flash-animierte oder mit Tönen hinterlegte Arbeiten für keine Comics, weil sie die Rezeptionsgeschwindigkeit sich nicht frei einspielen lassen. Im Spiegel dieser Analyse haben die aktuell bei uns vorgestellten "Online-Comics" bei bloodycircus.de und ocx-award.de den Bereich des Comic überwiegend verlassen und befinden sich nahe der Ebene der Zeichentrickfilme. Wem es wichtig ist, die Geschwindigkeit der verstehenden Aufnahme einer Folge von Paneln (auf Mausklick) selbst zu bestimmen, wird bei Scott McCloud oder einigen Pionieren des Online-Comics wie Charley Parker ("Argon Zark"), Don Simpson ("Megaton Man") oder Mark Martin ("Crazy Boss") ausreichend Beispiele dafür finden.

http://www.scottmccloud.com
http://www.bloodycircus.de
http://www.ocx-award.de
http://www.zark.com
http://www.megatonman.com
http://www.markmartin.net

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Hör-3DComic

"Erlebe den Traum AGNOSIA, in einem Land, dessen Sprache Du nicht lesen, aber verstehen kannst", fordert Daniel Simon die Besucher seiner Site agnosia.de auf. Dahinter steckt ein comicartiges Heft, dessen Bilder von Simon mittels einer 3D-Software erzeugt wurden und dessen Sprechblasentexte teilweise aus unbekannten Zeichen bestehen. Diese unleserlichen Texte kann man sich aber eingebettet in eine Geräuschkulisse dank der dem Heft beiliegenden Audio-CD anhören. Die Ideen zur Story stammen teilweise aus "Der Prozess" von Kafka und aus "Gullivers Reisen" von Swift. Der Leipziger Daniel Simon schlägt mit "Agnosia" ein neues Kapitel in der Grauzone zwischen Comic und Hörspiel auf. Zwar kennt man die dreidimensionale Modellierung der Bildinhalte bei uns bereits von Michael Götze ("Das Robotimperium", 1988/92), doch zeitigt die Leistung heutiger Computer deutlich ansehnlichere Ergebnisse.

http://www.agnosia.de

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Online-Ableger: Hit Comics, ZACK und Graphic Attack

Gleich drei bisher nur in gedruckter Form bekannte Periodika haben einen Online-Ableger ins Web gehängt. Hit Comics macht sich durch Checklisten für den Titelausstoß verschiedener Verlage, durch News und einen Online-Priceguide sehr nützlich. Die Zeit wird zeigen, ob man immer selbige finden wird, dieses umfangreiche Informationsangebot auch aktuell und die Website damit am Leben zu halten. Das Magazin ZACK zeigt sich online fast im gleichen Gewand wie Hit Comics, konzentriert sich jedoch nicht auf den Heft- sondern auf den Albenmarkt. Der gedruckt seitenstarke Katalog Graphic Attack beschränkt sich bei seinem Web-Auftritt auf ein dünnes Angebot ohne Katalogseiten aber immerhin mit einer langen Comicladen-Liste.

http://www.hit-comics.de
http://www.zack-magazin.com
http://www.graphic-attack.de

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Speedlines beste Hundert

Die im letzten Heft 67 der Comic Speedline Anfang 1999 angekündigte, aber nie zum Abdruck gelangte Liste der Hundert Meisterwerke der Comic-Geschichte wird seit dem 18. September häppchenweise auf der Website von Speed vorgestellt. Begonnen hat man mit dem 100. Platz und will am 26. Dezember 2000 dann den nach Meinung der Redaktion besten Comic aller Zeiten präsentieren. Hervorzuheben sind die längeren und sprachlich großteils gewandten Kommentierungen jedes einzelnen "Meisterwerks", Formuliervermögen, eine der Stärken der Comic Speedline und hier nun auch online zu genießen. Mit "Astro Boy" auf Platz 100, "Vater und Sohn" auf Platz 95, "Das blaue Tagebuch" auf Platz 81 und "Sandman" auf Platz 50 setzt man sich einerseits zwar dem heiligen Zorn verschiedener Lesergruppen aus, die ihre jeweilige Lieblingslektüre viel weiter vorne platziert erwartet, macht aber andererseits auf den weihnachtlichen Spitzenreiter und auf die Speedcomic-Website sehr neugierig.

Mit Flash oder nicht Flash begrüßt einen diese neue Website des Verlags Thomas Tilsner, der sich anfangs auf neue technische Möglichkeiten der Webseitengestaltung einzulassen scheint. Das führt in der Flash-Variante der Webseite dann dazu, dass man sich aufgefordert fühlt, mit dem Geschick eines Kid Paddle den gewünschten Link zu erhaschen. Den Start der Website hat man mit einer Gewinnaktion verbunden. Als Abonnent eines eMail-Newsletters des Verlags kann man sich zwar schon eintragen, ausgesandt wurde seit August bis dato jedoch noch nichts.

http://www.speedcomics.de

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Stand: 12. November 2000

Copyright © 2001 Verlag Sackmann und Hörndl