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RRAAH! online aus RRAAH! #54 (Februar 2001)


Themen: [Webcomics] [Coconino World]  /  [zurück]

Comics online lesen

In Korea und Japan lesen im Schnitt bereits täglich 112.000 Comicleser ihren Lieblingscomic papierlos online, in Frankreich seien es erst um die 500, berichtete Didier Pasamonik, belgischer Comic-Journalist, Agent und Ex-Verleger, der sich die Situation in Asien vor Ort angesehen hat. Wird dieses Comiclese-Verhalten von Jugendlichen eines Tages Europa erreichen? Wird einem europäischen Comic-Verleger, der immer noch alles schwarzweiß oder gar bunt auf Papier drucken möchte, angesichts einer solchen möglichen Entwicklung nicht Angst und Bange? Wandert der Papiercomic bei uns mittelfristig in eine Nische für ältere Liebhaber ab? Liegt die Zukunft des populären Comic im Web?

Thomas Kobbes Linkverzeichnis ByteComics.de listet mittlerweile gut 100 Webadressen auf, unter denen Online-Comics in Deutsch zu finden sind. Das reicht von "Eis" des Österreichers Lorenz, einer kurzen, schwarzweißen Geschichte über ein AIDS-kranken Jugendlichen, über "A-Dora" von Stephan Lorenz, einer unterhaltsamen Science Fiction-Erzählung, die 2059 in Hamburg spielt, bis hin zu Levin Kurios Weissblech Comics für die breite Masse, worunter schon eine ganze Reihe kürzerer Online-Comics veröffentlicht wurden.

Aus der Papierszene bekannte Zeichner entdeckt man auch online. Astrid Vohwinkel ging mit einer vollständigen farbigen "Outer Limits"-Episode online, die nicht mehr in der Outer Limits-Reihe von 1997 bei Feest erschien. Auch das 30-seitige "Chrome-Magnon" bietet sie im Netz an. Mathias Neumann ("Moderne Zeiten"), Jürgen Seebeck ("Bloody Circus"), Thomas Siemensen ("Haiopeis") und (c) Tom ("Touché") sind weitere Zeichner, die diesen elektronischen Weg mehr oder weniger konsequent für sich versuchen.

Die softwaretechnischen Voraussetzungen zum Lesen dieser Comics variieren sehr, das erzählerische und zeichnerische Vermögen auch. Der hier wachsenden Online-Comic-Szene kann man jedenfalls schon jetzt einen beachtlichen Unterhaltungswert zumessen und zuweilen auch Perlen entdecken. Asiatische Zustände sind offensichtlich noch nicht angebrochen. Doch vielleicht fehlt dazu nur noch ein Zündfunke, wie ihn ein Medien-Unternehmen geben kann, das die Finanzierung einer regelmäßig erscheinenden Online-Comicserie mit kontinuierlich fortgesetzter Story in den Griff bekommt. Mit Kid Comics ist der Verlag Dupuis in Belgien auf dem Weg in diese Richtung. Kid Comics ist eine Comic-Website, die pro Tag etwa 4.500 Leser findet und in der auch Deutsch gesprochen wird. An eigens für das Web produzierte, sich fortsetzende Geschichten hat man sich dort jedoch (noch) nicht gesetzt.

http://home.subnet.at/lorenz/comics.html
http://lorenz.zapnet.de/adora/start.html
http://www.weissblech.com/comics/screen_onlinecomics.html
http://members.tripod.de/vohwinkel/
http://www.kidcomics.com

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Coconino World

Mit ungewöhnlichem Konzept und besonderem Design zeigt sich Coconino World, ein Ableger des französischen Comic-Zentrums CNBDI. Rätselratend wie in einem Adventure-Game steuert man anfangs durch ein Angebot von Comiczeichnungen, einem Archiv von kurzen Comicerzählungen (in Französisch) und Informationen, weil man sich mangels Erläuterung in den andersartig erdachten Aufbau der Site erst hineinfinden muss.

In einer Abteilung von Coconino widmet man sich älteren Comics, die man vorbildlich eingescannt und aufbereitet hat. Überschrieben mit "Le temple des anciens" bietet sich ein Einblick in das Werk von A. B. Frost, Heinrich Kley und Wilhelm Busch. Dieser Ansatz ist eine Möglichkeit, alte Comics in Erinnerung zu halten, um auf die Wurzeln des heutigen Comics zu verweisen. Eine gründliche Ausweitung dieses Bereiches wäre daher wünschenswert.

http://www.cnbdi.fr/coconinoworld/index.html

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Stand: 05. Februar 2001

Copyright © 2001 Verlag Sackmann und Hörndl