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Comic des Jahres
Selbst die besten Comiczeichner und -autoren haben ihre Leichen im Keller, Jugendsünden, die besser im Verborgenen geblieben wären. Und dann kommen da zwei bislang völlig unbekannte Spanier und mischen sie internationale Szene auf. Allein der Überraschungseffekt hätte gereicht, um Canales' und Guarnidos Erstling zum COMIC DES JAHRES zu küren. Die offenbaren Qualitäten des auf deutsch im Carlsen Verlag erschienenen "Blacksad" deuten jedoch darauf hin, daß hinter diesem Debüt eine Menge Vorarbeit und Erfahrungen stecken.

Blacksad

COMIC DES JAHRES 2001
Juan Diaz Canales/Juanjo Guarnido:
BLACKSAD
Erschienen im Carlsen Verlag

Die Tote, die der Privatdetektiv John Blacksad identifizieren soll, ist Teil seiner schönsten Erinnerungen. Da nützt es wenig, wenn ihm Kommissar Smirnov den wohlgemeinten Rat gibt, sich aus der Sache rauszuhalten. Blacksad ermittelt auf eigene Faust. Ihm liegt alles daran, den Mörder der schönen Nathalie zu finden - ihn zu finden und ihn zu bestrafen.

Blacksad weiß, wo er ansetzen muß. Schon bald hat er eine Spur, aber seine Neugierde bleibt nicht unbemerkt. Sein Gegner ist nicht zimperlich, und er hat Einfluß. Kommissar Smirnov erhält allerhöchste Weisung, die Ermittlungen einzustellen. Blacksad ist jetzt der einzige, der den Mörder finden kann. Der ist ihm offenbar einen Schritt voraus, und wenn eine Katze nur ein Leben hätte, wäre dies für Blacksad der sichere Tod.

Eine Katze? Richtig, eine Katze, oder besser gesagt, ein Kater. Blacksad, wenn auch mit dem branchenüblichen Trenchcoat und mit Schlips und Kragen ausstaffiert, ist ein Kater, Smirnov ein Deutscher Schäferhund. Und auch alle anderen Personen dieses Dramas sind Tiere - Tiere, die nicht nur wie Menschen handeln; sie verkrpern auch einen gewissen Typus von Mensch. Die Putzfrau ist die schüchterne kleine Maus, der dicke Kneipenwirt ist ein Schwein, der Mietkiller ein züngelndes Reptil. Die Reduzierung des Menschen auf stereotype Pendants aus dem Tierreich ist immer wieder wirksam, aber sie wird die Autoren langfristig vor das Problem stellen, daß die griffigen Übereinstimmungen schnell verbraucht sind. Die große Anzahl der Mitspieler im ersten Album von "Blacksad" läSSt kaum Raum für weitere Überraschungen dieser Art.

Wodurch "Blacksad" sofort ins Auge springt, ist die grafische Gestaltung. Der 34jährige Juanjo Guarnido hat sein Metier beim Trickfilm gelernt. Der Einfluß von Disney ist unverkennbar, aber "Blacksad" ist nicht einfach eine gute Kopie. "Blacksad" ist ein ausgefeiltes, detailreiches, in Zeichenstil, Layout und Farbe perfektes Original. Welten trennen diesen Comic von dem ähnlich operierenden "Inspektor Canardo" von Benoît Sokal. Die Atmosphäre von "Blacksad" ist die Atmosphäre, mit der man Kinosäle füllt.

Auch der um fünf Jahre jüngere Szenarist Juan Diaz Canales kommt vom Trickfilm her. Seine Geschichte, temporeich und spannend von der ersten bis zur letzten Seite, wäre hoch zu loben. Sie hat nur einen Haken: Sie ist nicht originell. Canales selbst sagt, er habe sich bei "Blacksad" an den Filmen der Schwarzen Serie orientiert. Sam Spade und Philip Marlowe kommen einem in den Sinn, Hammet und Chandler. Canales bedient sich äußerst geschickt der Elemente, die Literatur und Film vorgegeben haben. Er arbeitet mit Klischees, was in seinem Fall aber eine Technik und nicht unbedingt ein Defizit ist.

Dem Leser wird etwas vorgeführt, was er schon kennt, was er in dieser Perfektion aber noch nicht gesehen hat. Das ist das Geheimnis dieses Comics, der Zauber, dem man sich auch dann nur schwerlich entziehen kann, wenn man das Spiel durchschaut hat. Wir müssen abwarten, ob das erste Album der Serie, "Irgendwo zwischen den Schatten", ein genialer Einzelfall bleibt oder ob es den Autoren gelingt, Stil und Qualität zu halten. "Blacksad" wurde international mit Lob und mit Auszeichnungen überschüttet. Daß die Jury von RRAAH! diesen Titel zum COMIC DES JAHRES 2001 gekürt hat, muß da nur konsequent erscheinen. Es sei dem Carlsen Verlag gedankt, daß er "Blacksad" in einer Aufmachung anbietet, die den Besonderheiten des Werks entspricht.

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