Startseite

Rezensor

Druckfrisch

Comicfach

Rezensionen

Tops'n'Flops

RRAAH! online

Comic des Jahres
Nach den bisherigen Erfolgen des Buches im Ausland, vor allem aber aufgrund der großen literarischen Qualitäten dieses Werks konnte die Entscheidung der Jury von comic.de kaum überraschen. COMIC DES JAHRES 2004 ist "Persepolis" von Marjane Satrapi. Der Preis wird im Oktober auf der Frankfurter Buchmesse überreicht.

COMIC DES JAHRES 2004
Marjane Satrapi:
PERSEPOLIS
Edition Moderne

Marji, ein elfjähriges Mädchen im Iran, wird plötzlich mit einer Revolution gegen das Schahregime konfrontiert, die alle im Land zunächst als Befreiung empfinden. Es dauert nicht lange, und die Kehrseite der Medaille wird sichtbar. Sieger des Umsturzes sind die Mullahs, die Islamisten, Verlierer vor allem die Frauen, die aus dem öffentlichen Leben herausgerissen und zu Randfiguren der Gesellschaft degradiert werden.

Das Kind ist in einem bürgerlichen, linksliberalen Elternhaus aufgewachsen. Jetzt ist es zerrissen zwischen Kim Wilde und dem Kopftuch, zwischen den Freiheiten, die ihre Familie bisher genoß, und neuen gesellschaftlichen Zwängen, die gerade Jugendliche mit großer Härte treffen. Es folgt der Krieg zwischen Iran und Irak, Verwandte und Bekannte werden eingesperrt und sterben. Das Leben gestaltet sich immer schwieriger. Die Eltern beschließen, ihre Tochter aus dem Land herauszubringen, nach Österreich.

So endet der erste Band von "Persepolis", einem ab 2000 in Frankreich und später auch in anderen Ländern veröffentlichten Comic der besonderen Art. Der jetzt im Zuge der Frankfurter Buchmesse vergebene Preis zum COMIC DES JAHRES 2004 ist nur eine von vielen Auszeichnungen, die der Autorin und Zeichnerin Marjane Satrapi für dieses Werk bisher zugesprochen wurden.

Satrapi, die in "Persepolis" ihre eigene Kindheit und Jugend beschreibt, lebt seit 1994 in Frankreich. Eher durch Zufall kam sie dort zum Comiczeichnen, durch Zufall auch zum Verlag L'Association, der "Persepolis" inzwischen in sechsstelliger Auflagenhöhe verkauft.

Marjane Satrapi verbildlicht die Zeit zwischen 1980 und 1994 aus der Erinnerung, aber nicht aus der Sicht einer Dreißigjährigen, sondern bewußt aus dem Blickwinkel des jungen Mädchens, das sie damals war. Das wirft ein unbekanntes, anrührendes und gerade durch das Reale der Erfahrung politisches Licht auf Ereignisse, die bei uns zwar wahrgenommen, aber doch nie vordergründig geworden sind. Satrapi stellt die oft erschütternden, vom Kind aus einer ganz eigensinnigen Perspektive heraus empfundenen Umwälzungen in hartem, minimalistischem Schwarzweiß dar - ein Stil, zu dem sie vor allem ihre Freunde und Kollegen bei der Association gebracht haben. Schwarzweiß scheint im autobiografischen Comic ("Maus", "Blankets") die "Idealfarbe" zu sein.

Inhalt, Stil, Autorin und die Zeitumstände machten aus "Persepolis" einen ungewöhnlichen Comic, einen, der sich denn auch weniger in comictypischen Kanälen als vielmehr im regulären Buchhandel und an ganz allgemein kulturell Interessierte verkauft. In Frankreich in vier Bänden inzwischen abgeschlossen (mit den Ereignissen des Jahres 1994), folgt die deutschsprachige Ausgabe der Edition Moderne dem amerikanischen Vorbild und faßt "Persepolis" in zwei Büchern zusammen. Der noch für diesen Winter angekündigte zweite Band ("Jugendjahre") widmet sich der schwierigen Zeit, die die (damals 14jährige!) Autorin in Wien verbracht hat, ihrer Rückflucht in den Iran und dem erneuten und endgültigen Ausbruch, der Marjane Satrapi schließlich nach Frankreich führte.

Marjane Satrapi:
PERSEPOLIS
Band 1: "Eine Kindheit im Iran", 164 Seiten, HC, € 22,00
Band 2: "Jugendjahre", 192 Seiten, HC, € 26,00 (Dezember 2004)
Edition Moderne

Comic des Jahres - was ist das?

[Anfang]

Copyright © 2004 Verlag Sackmann und Hörndl

 


Marjane Satrapi

Maennchen
Die Trophäe