Das Fachmagazin Comixene ist zurück

Was 1974 als kopiertes Fanzine in 200er Auflage seinen Anfang nahm, sollte mit zunächst 42 Ausgaben den hiesigen Comicjournalismus nicht nur prägen, sondern ihm überhaupt erst mal eine Stimme verschaffen. Die Comixene war das erste deutschsprachige Magazin, das über den Comic mit journalistischem Ethos, feuilletonistischer Neugier und wissenschaftlicher Akribie berichtete. Viele der damaligen Artikel, etwa die legendäre Kauka-Ausgabe, sind nach wie vor aufgrund ihrer Sorgfalt wichtiges Quellenmaterial, und vom mitunter recht kämpferischen Tonfall – immerhin waren die 70er die Blütezeit der kritischen Sozialwissenschaften – könnte auch die heutige Comickritik noch einiges lernen. 1982 war erst einmal Schluss, die Redaktion wurde aufgelöst. Ein ambitionierter Reaktivierungsversuch im Jahre 1994 war leider bereits nach sieben Ausgaben beendet. Erst das Jahr 2003 sollte u.a. mit Martin Jurgeit als neuen Herausgeber die längste Erscheinungsphase der Comixene einläuten: Bis Ende 2012 erschienen insgesamt 57 Hefte, begleitet von einigen Layout- und Konzeptveränderungen.

Mit Ausgabe 116, also unter fortlaufender Nummerierung, meldet sich die Zeitschrift nach langer Pause nun zurück. Martin Jurgeit zeichnet weiterhin als Chefredakteur verantwortlich, als Herausgeber fungiert der Cartoonist, Comiczeichner und Gründer der Ur-Xene Rene Lehner. Zwar wurde auf ein Editorial, das die lange Geschichte des Heftes rekapituliert, verzichtet, aber auch so spürt man deutlich, dass mit neuem Elan in der Comicberichterstattung eigene Akzente gesetzt werden sollen. Abzüglich obligatorischer Standards wie einem (stattlich illustrierten) Rezensionsteil und einer schmalen News-Rubrik, Zeichner-Porträts (Nic Klein) und –Interviews (Lewis Trondheim) macht sich dies besonders im Fokus auf Cartoons bemerkbar, wie ihn schon der neue Untertitel „Fachmagazin Comic & Cartoon“ suggeriert. Die Mischung ist überaus gelungen: Ein mehrteiliger Artikel erinnert an die subversive Komik der Neuen Frankfurter Schule, ein weiterer verfolgt die Linie bis in die Gegenwart und fragt nach der Zukunft Charlie Hebdos (flankiert von Interviews mit Chefredakteur Gérard Biard und Asterix-Zeichner Albert Uderzo). Ein Erfahrungsbericht zum Zeichenprogramm „Manga Power“ bietet sogar der Praxis genügend Raum. Angesichts dieses klar konturierten Profils und der Bereitschaft, dem in die Unübersichtlichkeit driftenden Comicmarkt nicht mit populistischer Themenvielfalt, sondern vertiefender Analyse eines oft übergangenen Spektrums zu begegnen, mag man höchstens die dreimonatige Erscheinungsweise als Manko identifizieren. Aber hieraus spricht nur die Gier eines zufriedenen Lesers.

Die neue Comixene ist im Fach- und Bahnhofsbuchhandel erhältlich. Bestellmöglichkeiten sowie Leseproben gibt es außerdem auf der Website.